Mittwoch, 27. April 2011
Go West!
Hallo Ihr Lieben,

Hui, jetzt ist schon wieder so viel Zeit vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal gemeldet haben. Wir hoffen, ihr hattet ein paar angenehme Ostertage und konntet ein wenig entspannen. Wir sind mittlerweile an der Westküste Australiens angekommen und sitzen gerade in einem Café in Fremantle nahe Perth und frühstücken. Seit der Übernahme Markos vor fast 14 Tagen haben wir schon unglaubliche 5000 km hinter uns gebracht.

Beim letzten Bericht waren wir gerade auf dem Weg nach Kangaroo Island. Diese Insel ist für seine vielen Tiere und schönen Strände bekannt. Wir hatten uns ein Fährticket ergattert und setzten mit der Sealink auf die Insel über. Da es schon etwas spät war und wir noch etwas Strecke vor uns hatten, kürzten wir über eine holprige Piste ab, die unser Wagen super überstand. Im Dunkeln erreichten wir unseren Campingplatz und machten noch einen Spaziergang zum Strand, nachdem wir gegessen hatten. Plötzlich wurden unsere Nachbarn ganz aufgeragt, denn der Platzwärter hatte sich angemeldet. Ein Koalabär lief an uns vorbei und war auf dem Weg zu seinem Eukalyptusbaum, der zentral in der Mitte der Anlage stand. Er steuerte nur wenige Zentimeter an Anja vorbei und sie hätte ihn anfassen können. Diese Begegnung war schon ein toller Auftakt für unseren Aufenthalt auf der Insel.

Am nächsten Morgen ging unsere Erkundungsrunde los. Unser erster Halt war ein Koala-Walk, auf dem wir noch weitere Bären wie reife Früchte in den Bäumen hängen sahen. Dort frühstückte auch eine Familie der Insel Kängurus, die etwas kleiner als ihre Artverwandten auf dem Festland sind. Dieses mal ließ sich Anja die Gelegenheit nicht nehmen und streichelte das fluffig weiche Hoppsetier. Des Weiteren gab es dort einige Vögel zu beobachten, wie die rosafarbenen Galahs, die bunten Rainbow Lorkies und die roten Rosellas. Im Flinders National Park fuhren wir zur Arch, einer höhlenartigen Brücke, die vom Meer ausgewaschen wurde. Eine Menge Fellrobben und Seelöwen trockneten sich dort in der Sonne. Dabei kam es bei den Männchen zu zwischenzeitlichen Auseinandersetzungen, während sich einige Babys frische Nahrung bei ihren Müttern organisierten. Weiter ging es zu den Remarkable Rocks. Diese Granitsteine wurden durch vulkanische Bewegungen an die Oberfläche gedrückt und werden seitdem von den irdischen Kräften bearbeitet. Dabei entstanden die ulkigsten Formen, die sich in den letzten Jahren kaum verändert haben. Zum Abschluss machten wir noch einen Stopp in Pauls Tiersanatorium und wollten eigentlich ein paar Koalas in den Arm nehmen. Allerdings waren wir nicht die richtige Zielgruppe, da die Tour auf ein jüngeres Publikum abzielte. Daher liefen wir nicht lange mit den Knirpsen auf der Farm herum und mussten auch wieder zur Fähre. Am Abend erreichten wir wieder das Festland und grillten auf einem Campingplatz in der schönen Rapid Bay direkt am Strand.

Am Mittwoch hatten wir wieder mal einen Termin bei einem Automechaniker organisiert. Er schaute sich den Gasantrieb an und konnte ihn auch reparieren. Wir füllten unsere Vorräte auf und tankten den Wagen auch noch einmal voll. Jetzt konnten wir die lange Fahrt nach Perth antreten. Obwohl wir schon über 1000 km hinter uns gebracht hatten, fühlte es sich an, als ob unsere Fahrt jetzt erst starten würde. Endlich konnten wir auch den Gasantrieb nutzen und wir sind echt froh, dass wir ihn haben. Er lässt wirklich unsere Benzinrechnungen nicht durch die Decke schießen. Es lagen mehrere Tage reine Autofahrt vor uns, die wir auf drei bis vier Etappen aufteilten.

In Vietnam haben wir noch gesagt, der Weg ist das Ziel. Hier in Australien war das anderes. Hier war das Ziel wirklich das Ziel. Obwohl die Landschaften zwar immer spannend waren, war die Abwechslung doch eher gering. Die langen Strecken gaben uns aber die Zeit, uns ausführlich zu unterhalten aber auch mal mit unseren Gedanken allein zu sein und dahin zu träumen. Wir fühlten uns frei, als wir über den Highway flogen. Marko leistete fantastische Arbeit, obwohl er auch ein bisschen durstig nach Gas bzw. Benzin ist. Das ist aber kein Wunder, da er auch voll beladen ist und auch zwei Ersatzreifen und die vollen Wassertanks mit sich schleppen muss. Paulo war mit seinem Allradantrieb ideal für die Strände und Feldwege in Neuseeland. In Australien brauchen wir aber ein Auto, mit dem wir eine größere Strecke fahren können. Da wäre er nicht der Richtige und wir sind sehr froh, dass wir Marko haben. Wir hatten schon von Anfang an das Gefühl, dass er hart daran arbeitet, uns von sich zu überzeugen. Marko hat seine Probezeit bestens genutzt und mit dem Gasantrieb unsere Herzen für sich gewonnen. Er bietet auch andere Dinge, die wir zu schätzen wissen, wie z.B. überall funktionierende Innenlampen, einen Gaskocher mit zwei Flammen und eine Ablage, auf der wir Gemüse schnippeln und Abwaschen können.

Unterwegs fuhren wir durch mehrere kleinere Orte und jeder versuchte auf sich aufmerksam zu machen. Port Germain zum Beispiel hatte den längsten hölzernen Bootsteg Australiens, der über 1500 m lang war. Wir konnten gar nicht richtig erkennen, wo er endete und sahen ihn irgendwo im Meer verschwinden. Auch wollten wir nicht wirklich nachprüfen, ob er wirklich so lang war. Andere Orte hatten einen riesigen Karnarienvogel oder eine Granitstatue aufgebaut, die typisch für ihre Region waren. Dies interessierte uns aber nur bedingt, da wir Kilometer hinter uns bringen wollten. Wir beschäftigten uns vielmehr mit uns selbst und entdeckten im linken Rückspiegel tolle Fotomotive. Es kann sein, dass wir ein paar zu viele Fotos davon geschossen haben, aber es war eine lange Strecke. Um so spannender fanden wir, dass einige Leute die Strecke mit dem Fahrrad befuhren, und waren von ihren Energieleistungen beeindruckt. Am Tag schafften wir zwischen 700 und 800 Kilometer und beendeten unsere Fahrten kurz vor Sonnenuntergang.

Wir schliefen meistens auf Rastplätzen, die hervorragend für Reisende hergerichtet waren und nichts kosteten. Dort konnten wir grillen, kochen und jeden Abend einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Land bewundern. Oft konnten wir unseren Müll abladen, doch leider hatten sie keine Toiletten. Das machte uns aber nicht viel aus, da wir des Öfteren eh an Tankstellen anhielten. Diese waren teilweise mehrere Kilometer auseinander und wir mussten kalkulieren, wo wir am besten auftankten. Auch gingen die Benzinpreise in diesen entlegenen Gegenden in die Höhe und wir waren echt froh, das der Gaspreis weit unter den Benzinpreisen lag. Auch war die Versorgung mit Gas sehr gut, da wir am äußeren Ring Australiens unterwegs sind.

Kurz vor der Grenze zu Westaustralien erreichten wir den Nullabor Nationalpark. Dieser bietet karge Buschlandschaften aber auch atemberaubende Steilküsten. Wir bestaunten die Klippen und das türkis Meer, dass sich unaufhörlich gegen die Felswände schmiss. An der Grenze entdeckten wir einen Richtungsweiser und erschraken ein bisschen, dass Berlin 16000 km Luftlinie entfernt war. Das wird nämlich eine ähnliche Distanz sein, die wir jetzt in Australien zurücklegen werden. Beim Grenzübergang gibt es einen Quarantäne Checkpoint, da man keine Früchte oder Gemüse in den jeweils anderen Bundesstaat mitnehmen darf. Hauptsächlich soll dies vor Obstfliegen schützen, aber vielleicht auch ein bisschen die einheimische Landwirtschaft schützen. Wir mussten unsere Kartoffeln und Zwiebeln abgeben und durften auch unseren Honig nicht behalten.

In Westaustralien änderte sich die Landschaft dahingehend, dass sie wieder bewaldeter wurde. Anja und mich erinnerte die Gegend sehr stark an Afrika, da die Bäume sehr wie Zypressen aussahen und Erde rot schimmerte. Wir konnten erahnen, dass die Welt einmal aus einer Erdmasse bestand und irgendwann auseinander gebrochen war. Auf diesen Strecken entdeckten wir auch viele unterschiedliche Hinweisschilder. So wurden wir immer daran erinnert, dass wilde Tiere unseren Weg kreuzen könnten. Neben Kängurus, Emus und Wombats mussten wir schmunzeln, dass auch Kamele dazu gehörten. Diese wurden vor Jahren in Australien ausgewildert. Mittlerweile gibt es wohl über 200.000 wilder Tiere von ihnen. An einer anderen Raststätte wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass sich wegen des warmen Wetters eventuell Schlangen auf der Toilette befinden könnten. Beim nächsten Nachtlager waren wir daher ein bisschen aufmerksamer als sonst, bevor wir unseren Wagen verließen. Eine Strecke war dann auch die längste gerade Straße mit 146,6 km in Australien, die wir meistern mussten. Die anderen waren zwar auch oft gerade, aber vielleicht nur 100 km oder so. Für die Gerade hatte ich unseren Benzinverbrauch so ausgerechnet, dass es gerade so reichen müsste. Allerdings mussten wir etwas früher von Gas auf Benzinbetrieb umstellen, da ich ein wenig schneller gefahren war. Es wurde knapp und die Tanknadel bewegte sich unaufhaltsam in Richtung Leer. Auf den letzten 10 km freute ich mich über jedes Lebenszeichen der Nadel, dass noch etwas Sprit signalisierte. Als endlich die Tankstelle auftauchte, fuhren wir glücklich und erleichtert an die Zapfsäulen.

Da wir wussten, dass wir es bis Ostern nicht nach Perth schaffen würden, wurde Esperance unser Zielort für die Feiertage. Dieses kleine Städtchen liegt an der Südküste Westaustraliens und ist für seine weißen Strände berühmt. Angeblich hat es sogar den Vergleich mit den weißen Stränden in Queensland, einem anderen australischen Bundesstaat bestanden. Als wir in einen Nationalpark zu einem Campingplatz fahren wollten, wurden wir darauf hingewiesen, dass es keine freien Stellplätze mehr gab. Wir hatten vergessen, dass es Ostern war und vielleicht viele die Möglichkeit auf einen kurzen Urlaub nutzen wollten. Da sämtliche anderen Campingplätze auch voll waren, blieb uns nichts anderes übrig, als irgendwo wild zu übernachten. Das wird in Stadtnähe nicht gern gesehen, aber wir gingen trotzdem das Risiko ein. So übernachteten wir einmal an einem tollen Surfbeach und einmal im Hafen von Esperance, was im Nachhinein auch niemanden störte. Wir konnten in Ruhe schlafen und wurden auch nicht verscheucht.

Allerdings waren unsere inneren Uhren noch nicht auf die westaustralische Zeit umgestellt, die zwei Stunden hinter Melbourne und der Ostküste liegt. Dies resultierte darin, dass wir sehr zeitig wach waren und auch mal den Sonnenaufgang bewundern konnten. Der Hafen von Esperance wurde auch unsere kleine Heimat, da er erstaunlicher Weise einen eigenen Strand, klares Wasser und den Blick gen Osten und Morgensonne bot. Wir kamen mit einigen Einheimischen ins Gespräch, die sich wohl über die neuen Gäste wunderten. Das örtliche Tierarztpärchen brach zur Morgengymnastik auf, zwei ältere Damen drehten ihre Runden und mit einer älteren Frau redeten wir eine ganze Weile. Wir fühlten uns sehr Willkommen und herzlich aufgenommen. Einer Familie halfen wir auch ihren kleinen Hund zu finden, der ihnen kurzzeitig entlaufen war. Der Kleine hatte sich nur einer anderen Familien beim Morgenspaziergang angeschlossen und seine Herrchen wohl verwechselt.

Nachdem wir am Ostersonntag mal wieder unsere Wäsche gewaschen hatten, hielt uns nichts mehr zurück, endlich in den Nationalpark zumindest für einen Tag zu fahren und die weißen Strände in Augenschein zu nehmen. Wir staunten, als wir die Buchten entdeckten. Der Sand glänzte in einem puren Weiß und das türkisblaue Wasser schäumte in weißen Wellen an den Strand. Es war ein herrlicher Anblick. Um so entsetzter waren wir, dass man in der Lucky Bucht mit seinem Auto direkt an den Strand fahren durfte. Es war dort wunderschön, allerdings hätten wir unsere Handtücher zwischen den Allradfahrzeugen der anderen Besucher ausbreiten müssen. Nachdem ich kurz Schnorcheln gegangen war, machten wir uns von dort schnell aus dem Staub. An der Westseite der Bucht, die felsig war, sprang ich dann noch einmal ins Wasser. Dort konnte ich Tintenfische, Clownbarsche und andere Fische beobachten. Als Anja und ich dann zum Thistle Cove Strand fuhren, hatten wir unser Paradies für den Tag gefunden. Es waren kaum Leute vor Ort und wir konnten uns ungestört ausbreiten. Ich sprang sofort in die Fluten und wurde von einer Schule kleiner Fische auf meinem Schnorcheltripp begleitet. Ich nehme an, sie mochten meine blauen Flossen, denn sie wichen mir nicht von der Seite. Das Wasser war so klar, dass wir durch die Wellen hindurchschauen konnten. Ab und zu sahen wir eine Gruppe silberner Fische, die in den Welle surften und sich Richtung Strand spülen ließen. Wir entspannten uns und wussten, warum wir die Fahrt auf uns genommen hatten. Am Abend genossen wir ein schönes Rumpsteak an unserem Lieblingsplatz im Hafen und ließen diesen schönen Tag mit ein paar Telefonaten ausklingen.

Am Ostermontag sind wir dann in Richtung Perth aufgebrochen. Da wir jetzt in Westaustralien sind, werden die Strecken kürzer für uns. Wir fuhren bis 200 km vor die Stadt, um Rast zu machen. Auf dem Weg besuchten wir den Wave Rock, welcher ein Felsen ist, der wie eine riesige Welle aussieht. Es war sehr beeindruckend, diese riesige Locke zu sehen und wir konnten die Brandung hören.

Gestern sind wir dann in Perth angekommen und haben eine kurze Runde durch diese schöne Stadt gedreht. In Australien war gestern noch Feiertag, da der Veteranentag dieses Jahr genau auf Ostern gefallen ist und sie ihn verlegt haben. Nichtsdestotrotz waren die Geschäfte offen und allerlei Leute unterwegs. Bei unserer kurzen Stippvisite beeindrucke uns am meisten der London Court, welche eine kleine Einkaufstrasse mit alten Fachwerkbauten ist, die einer mittelalterlichen Stadt nachgebaut ist.

Als Übernachtungsort hatten wir uns für Freemantle entschieden, welches nur 20 min außerhalb der Stadt an der Küste ist. Dort war gestern der letzte Tag eines Kunstfestivals und wir konnten noch ein paar Straßenkünstler bei ihren Aufführungen zusehen. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung.

Jetzt freuen wir uns wahnsinnig auf die Westküste und sind gespannt, was auf uns wartet. Es soll tolle Strände und Nationalparks geben und wir werden relativ viel Zeit hier verbringen. Die Strecken werden nur noch 200 bis 400 km am Tag betragen, welche wir mittlerweile recht schnell hinter uns bringen. Marko geht es bestens und wir haben ihn auch gewaschen, bevor wir in die Stadt gefahren sind.

Wir werden jetzt unser Vorräte wieder auffüllen und noch einmal volltanken, bevor es losgeht.

Bis zum nächsten Mal verabschieden wir uns mit entspannten und vor-freudigen Grüßen.

Anja und Patrice


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Montag, 18. April 2011
Mit Marko Polo endlich wieder auf der Straße
Schön, dass wir solche Freunde haben. Da Ryan bei General Motors arbeitet und Isa gerade nicht in Melbourne ist, konnten wir ihren nagelneuen Holden nutzen, um weiter nach einem geeigneten Auto für uns zu suchen. Ohne diese Möglichkeit wäre es noch viel schwerer geworden. Nachdem wir uns ein bisschen mit dem Markt auseinander gesetzt und mit Paulo gute Erfahrungen gemacht hatten, wollten wir uns eigentlich einen Reisebegleiter mit Allradantrieb organisieren. Wir schauten uns mehrere Jeeps an, doch keiner konnte uns überzeugen. Wir wurden unsicher, was die Kosten und mögliche Reparaturen anging, da dies mit Allradfahrzeugen erheblich teuer werden kann. Des Weiteren zweifelten wir, dass wir in diesem Wagen genug Platz haben würden. Daher schwenkten wir um und hielten auch nach Minibussen Ausschau. Davon gab es mehrere, allerdings hatten diese auch meistens viele Kilometer runter.

Am Dienstagabend hatten wir noch eine Verabredung mit Benoir aus Frankreich. Sein Mitsubishi L300 hatte angeblich nur 146.000 km auf der Uhr. Obwohl es regnete und wir nicht viel sahen, machte der Wagen den bisher besten Eindruck auf uns. Er hatte einen kleinen Küchenschrank im Heck und bot viel Platz unter dem Bett. Anja und ich waren müde vom Suchen und entschieden uns ohne Probefahrt, dass wir den Wagen übernehmen würden. Freudig fuhren wir nach Hause, da die Suche endlich ein Ende gefunden hatte.

Wir trafen uns mit Benoir am nächsten Mittag und übernahmen unser neues Mobil. Das Auto fuhr sowohl mit Benzin als auch mit Gas, was uns bei der weiteren Reise kostentechnisch sehr von Nutzen sein kann. Allerdings haben wir den Gasantrieb noch nicht zum Laufen gebracht.Kommt noch. Jedenfalls waren wir mit der Grundausstattung zufrieden, allerdings auch durch Paulo ein wenig verwöhnt. Daher fuhren wir sofort zu Ikea, das es neben Aldi und anderen europäischen Marken in Melbourne gibt, und kauften alle Utensilien, die wir noch vermissten. Vor allem fehlte uns eine anständige Matratze, da uns die vorhandene Schaumstoffmatte als viel zu dünn erschien. Stolz, richteten wir uns unser neues zu Hause ein und stellten uns vor, dass es eine richtige Wohnung sei.

Mittwochabend verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und gingen mit Katja, Sally und Ryan noch mal etwas trinken. Die Kneipen in Melbourne haben es uns echt angetan und es ist unglaublich, wie viele neue Ecken wir noch entdecken konnten. Zugleich begossen wir unser neues Auto, was wir nach dem reisenden Entdecker „Marko Polo“ genannt haben. Wir haben bewusst Marko mit k geschrieben, bevor sich kritische Stimmen regen.

Am Donnerstag konnte unser großes Australien Abenteuer dann endlich losgehen. Wir haben vor, in den nächsten Wochen einmal um dieses riesige Land zu fahren. Das bedeutet an die 15.000 Kilometer und wir sind uns noch nicht so sicher, wie wir das erledigen wollen. Jedenfalls waren wir aber überrascht, wie gut die Mechanismen beim Lebensmitteleinkauf funktionierten. Irgendwie waren wir wieder in unserer Routine und fühlten uns gut darüber. Es ist schon interessant, dass es auch beim Reisen eine gewisse Routine gibt.

Unser erstes Ziel war die Great Ocean Road, die sich an der Küste des Bundesstaates Victoria entlang schlängelt. Obwohl es schon Abend wurde, genossen wir die Aussichten entlang des Ozeans. Wir wollten in Apollo Bay übernachten, da es zu meinen Studententagen ein guter Schlafplatz gewesen ist. Allerdings ist dieses verschlafene Örtchen komplett kommerzialisiert worden. Wir konnten weder am Strand noch hinter den Dünen stehen, da uns überall Verbotsschilder davor warnten. Wiesi, die Düne, auf der wir damals übernachtet hatten, ist mit Holzpfählen komplett abgeriegelt. Wir fuhren daher ein wenig außerhalb des Ortes und fanden ein nettes Plätzchen mit Sicht über die Bucht.

Bevor wir Freitag weiterfuhren, organisierten wir erst einmal Marko so um, dass wir besser an unsere Sachen heran kamen. Paulo hatte uns mit seinem Platz verwöhnt und so ähnlich wollten wir uns jetzt auch einrichten. Wir fühlten uns wie beim Spiel Tetris, wo die Steine auf eine bestimmte Art und Weise gestapelt werden müssen. Es war das gleiche Spiel nur auf einem anderen Feld, das wir spielten, worüber wir sehr schmunzeln mussten.

Entlang der Great Ocean Road trafen wir bald auf die Höhepunkte der Strecke. Die Küste ist für seine Sandsteinfelsen berühmt, die vom Meer ausgewaschen wurden. Einige dieser Felsen ragen mittlerweile aus dem Ozean heraus und bieten träumerische Ausblicke. Wir kletterten die Gibson Steps hinunter, um uns zwei der Giganten von Nahen anzuschauen. Den nächsten Stop machten wir dann bei den wunderbaren 12 Apostel Felsen. Anja konnte nur stumm staunen und erinnerte mich an meinen ersten Besuch. Obwohl ich mittlerweile zum fünften Mal an dieser Stelle gewesen bin, war ich wieder überwältigt. Weiter ging es zur Arch und der sogenannten London Bridge, bevor wir uns an der Bucht der Märtyrer von der tollen Great Ocean Road verabschiedeten.

Zum Sonnenuntergang erreichten wir die Grampians. Dieses Mittelgebirge ist eine wunderbare Region zum Wandern, in der viele Tiere heimisch sind. Dorthin hatte ich mich aus Melbourne nach meinem ersten Semester in Australien zurückgezogen, da ich mich inmitten der Natur erst einmal vom Trubel der Großstadt erholen wollte. Uns verzauberte bei unserer Ankunft die Sonne, die sich langsam hinter den Bergen senkte.

Anja und ich wollten auch eine Wanderung machen. Leider mussten wir feststellen, dass die meisten durch Erdrutsche bis aufs Weitere unzugänglich waren. Dies traf auch für die meisten Sehenswürdigkeiten zu. Das bedeutet für alle Grampianskenner, dass wir folgende Highlights nicht erreichen konnten: Pinnacles, Borouka Lookout, Balconies, McKenzie Falls, Silverband Falls, Mt Wellington. Wir entschieden uns, die Wanderung auf den Boronia Gipfel zu machen und konnten wenigstens so, in die Natur eintauchen. Auf dem Weg dorthin trafen wir die ersten Emus und Kängurus, die eifrig Grashalme auf den Rasen zupften. Es war schon komisch, diese Tiere hier frei herumlaufen zu sehen. Auf dem Gipfel hatten wir nichtsdestotrotz eine tolle Aussicht über die Grampians und konnten auch weit ins Flachland schauen. Die Sonnenstrahlen wärmten uns und wir genossen den Frieden in der luftigen Höh.

Wieder am Boden besuchten wir die Kängurufamilien. Die meisten Tiere begutachteten uns etwas argwöhnisch, doch ließen sie sich nicht beim Fressen stören. Teilweise rekelten sie sich in der Sonne und streckten ihre Sprungfedern von sich. Über uns kreischten die Kakadus, Magpies und Kokobarrus, die ihre abendlichen Runden drehten. Wir kochten uns unser Abendessen auf dem Campingplatz und verzogen uns bald in unseren Wagen, da es erheblich kalt wurde. Es kühlte sich in Marko soweit runter, dass ich mit Pudelmütze ins Bett ging, worüber sich Anja köstlich amüsierte. Vielleicht war der Anblick nicht sehr erotisch, aber da ich keine Haare auf dem Kopf habe, zog es mir an den Ohren.

Das Ergebnis der Nacht waren zwei verstopfte Nasen und etwas raue Hälse. Dicke Nebelwolken verdeckten heute Morgen die Sicht auf die Berge. Rau glitzerte auf dem Rasen. Erst als die Sonne über die Berge schaute, verzogen sich die Wolken und gaben die Gipfel wieder Preis. Beim Frühstück gesellte sich ein Kakadu zu uns, der wohl nach dem Rechten geschaut hat. Ich gab ihm seinen Anteil, worauf er friedlich wieder abzog. Vor uns lag unsere erste etwas längere Strecke von 500 km nach Adelaide.

Eines der australischen Tiere, dass wir noch nicht gesehen hatten, ragte über 12m groß am Highway. Der riesige Koala war Attraktion für den Raststopp aber auch den angegliederten Minizoo. Wir dachten uns, wo es große gibt, sind sicherlich die kleinen auch nicht weit. In einem Gehege schaute uns dann auch einer dieser knuddeligen Bärchen etwas müde an. Der Koala muss wohl Fotomodel gewesen sein, denn er schaute brav in unsere Kamera. Etwas hässlicher sahen dagegen die Truthähne aus. Während Anja sich hauptsächlich mit dem Koala beschäftigte, schenkte ich den Hähnen wenigstens mit ein paar Fotos etwas Aufmerksamkeit.

Das Ende der gestrigen Fahrt war das letzte deutsche Dörfchen in Australien namens Hahndorf in den Bergen vor Adelaide, dass 1839 gegründet wurde. Dort liefen wir durch die Hauptstraße und schauten uns die niedlichen kleinen Fachwerkhäuser an. Da es Sonntagspätnachmittag war, wimmelte es noch gut von Touristen, die hauptsächlich aus Asien stammten. Bei einem deutschen Metzger holten wir uns dann unser Abendessen für den nächsten Tag, bestehend aus Knödeln, Bockwürsten und Sauerkraut. Die grobe Leberwurst gab es bereits schon und die Marzipankartoffeln haben natürlich auch nicht lange überlebt.

In den nächsten Tagen wollen wir auf die Känguru Insel bevor die große Etappe nach Perth ansteht, wo wir zu Ostern ankommen wollen.

Bis dahin senden Euch die besten Grüße

Anja und Patrice


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Dienstag, 12. April 2011
Melbourne
Jetzt sind wir schon wieder eine Woche in Melbourne und ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir schon wieder einiges erlebt haben. Auf dem Flughafen angekommen, stand Sally wie verabredet in der Ankunftshalle und bildete das Empfangskomitee für uns. Flink, wie sie ist, fuhren wir in die Stadt. Wir konnten bei Isa, einer Studikollegin von mir, und ihrem Mann Ryan übernachten. Witziger Weise tauschten wir mit Susi, auch einer Studikollegin, und ihrem Freund Heni die Hausschlüssel. Sie waren gerade im Aufbruch und hatten ihre Sachen gepackt, so dass wir das Zimmer übernehmen konnten. Susi befindet sich ebenfalls auf Weltreise und war in Richtung Südamerika unterwegs. Zusammen mit Heni hatte sie die Ostküste Australiens bereist. Isa, Susi und ich haben sowohl in Deutschland als auch in Melbourne studiert. Leider war Isa auf Geschäftsreise, so dass wir nur eine kleine Wiedersehensfeier machen konnten. Cormac, ein weiterer Freund, und Katja, die momentan auch bei Isa und Ryan übernachtet, komplettierten die Gruppe an unserem ersten Abend. Zusammen gingen wir etwas Essen und tauchten schon mal in das Nachtleben der Stadt ein. Es war schön, so zusammen zu sein und vor allem Cormac und Sally wieder zu sehen. Nun ja, im vergangen September hatten Anja und ich sie zu der Hochzeit von Isa und Ryan in Deutschland getroffen, so dass die Zeit des letzten Wiedersehens nicht zu weit zurück liegt.

Am Mittwoch konnte ich es kaum erwarten, Anja die Stadt zu zeigen. Melbourne ist für seine fantastische Kaffeekultur bekannt, was nicht zuletzt an den vielen italienischen Einwanderern liegt. Nach einer Stärkung konnte unsere Runde losgehen. Wir drehten mit einer der alten Straßenbahnen eine Runde um die Innenstadt, so dass wir einen guten Überblick bekamen. Danach tauchten wir in die City Mall und die vielen kleinen Gassen ein. Die Passagen erinnerten uns sehr an Leipzig, während wir an Berlin dachten, als wir die vielen unterschiedlichen Geschäfte sahen. Auf dem Eureka Turm, einem neuen Hochhaus mit Aussichtsplattform, hatten wir einen fantastischen Blick über die Stadt. Wir schauten zum Albert Park rüber, in dem die Formel 1 stattfindet, sahen aber auch das Gelände der Australian Open sowie natürlich die Innenstadt. Am Yarra Fluss schlenderten wir dann zur Rod Laver Arena und den Tennisanlagen der Australian Open. Weiter ging es durch den Botanischen Garten und am Gebäude des englischen Gouvaneurs vorbei zum Anzac Denkmal für die australischen Kriegsopfer. Wir liefen viel. Anja war von der Stadt begeistert, während es für mich einfach toll war, nach so langer Zeit wieder durch die Straßen zu laufen. Ich war überrascht, was ich noch alles erkannte.

Nach einer kurzen Pause gingen wir dann in Richtung St. Kilda, meinem geliebten Stadtviertel, in dem ich damals gewohnt hatte. Dieser Teil Melbournes ist für seinen Strand, viele Cafés und Bars bekannt. Zuerst erreichten wir den Albert Park, in dem gerade die letzten Zeugen des Formel 1 Rennens abgebaut wurden. Schade, dass wir dieses Ereignis verpasst hatten. Der See in der Mitte war unsere Laufstrecke und die Palmen sieht man immer im Fernsehen. Wir liefen die Fitzroy Street entlang und erreichten bald den Strand. Von hier aus kann man jeden Abend einen schönen Sonnenuntergang bewundern, so lange es natürlich nicht bewölkt ist. Am Lunapark, einem Vergnügungspark, bogen wir in die Ackland Street mit ihren vielen Cafés und Geschäften ab. Zuerst begrüßte und das Vineyard, auch ein Lieblingslokal von mir. Wir bestaunten die Schaufenstern der Kuchenläden und eines Fischgeschäftes, welche für ihre wundervollen Aufmachungen bekannt sind. Natürlich zeigte ich Anja, wo ich damals gewohnt hatte, was nur ein paar Meter vom Geschehen gewesen ist. Es war ein komisches Gefühl, vor meinem ehemaligen Haus zu stehen und viele Erinnerungen flogen mir im Kopf herum. So langsam senkte sich die Sonne, was bedeutete, schnell ins Espy zu gehen. Eine riesige Orange verzauberte die Palmen und den Strand. Das Espy war und ist meine Lieblingskneipe gewesen. Von dort hatten wir einen herrlichen Blick auf den Sonnenuntergang. Jeden Abend kann man Live-Musik erleben. Es dauerte nicht lange und die erste Band baute auf und begann zu spielen. Die Musik war herrlich. Zwei Akustikgitarristen wurden von einem Schlagzeuger begleitet. Wir genossen die Klänge und ließen diesen ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren.

Am Donnerstag ließen wir es etwas entspannter angehen, da wir doch einige Kilometer am Vortag hinter uns gebracht hatten. Wir fuhren am Nachmittag zu meiner ehemaligen Uni. Im Gebäude hatte sich wenig verändert und an den Briefkästen der Professoren, konnte ich allerdings nur noch wenige Namen erkennen. Nichtsdestotrotz war es ein wunderschönes Gefühl, durch die Gänge zu laufen und in die Räume zu schauen. Da Anja so begeistert von St. Kilda war, fuhren wir zum Abend noch einmal dorthin. Wir fanden eine Bank, neben der ein Gitarrist spielte, und badeten noch einmal im Licht der untergehenden Sonne. Wir trafen uns mit Katja, Sally und Ryan im Vineyard zum Abendessen und nahmen noch einen Absacker im Veludo, einer weiteren guten Kneipe mit Livemusik. Melbourne hat so viel zu bieten, was wir in den ersten beiden Tagen sofort bemerkten.

Cormac hatte uns in sein Haus, das er sich mit anderen teilt, an die Küste nach Torquay eingeladen. Dort entspannen sich unsere Freunde nach einer harten Woche. Des Weiteren ist dort der Bells Beach, welcher einer der weltbesten Surfplätze ist. An Ostern findet ein Weltcup statt und es wird einiges los sein. Sally holte uns ab und wir flogen über die Autobahn in Richtung Küste. Auf den Feldern in Torquay sahen wir dann unsere ersten Kängurus. Allerdings waren sie sehr weit entfernt, so dass wir sie nicht richtig ausmachen konnten. Es war trotzdem witzig, diese besondere Tierart herum hüpfen zu sehen. Falls wir irgendwann etwas näher an die Tiere herankommen sollten, muss ich wohl etwas auf Anja aufpassen, so dass sie die Tiere nicht zu sehr knuddelt. Nachdem wir Cormac aus seinem Büro abgeholt hatten, schmissen wir den Grill an seinem Haus an. Er ist Photojournalist und berichtet gerade über einen Bekannten, der mit seinem Surfbrett durch Australien läuft. Dieser Dan kam auch zum Grillen und es war spannend, seine Geschichten zu hören. Abends gingen wir dann in die lokale Kneipe, wo Ryan und Katja zu uns stießen. Die Truppe hatte sich also wieder versammelt.

Leider zogen am Samstag Wolken auf, so dass wir nicht an den Strand konnten. Auch gab es kaum Wellen, so dass unsere Surferfreunde nicht aufs Wasser hinaus wollten. Sally, Anja und ich klapperten ein paar der Surferoutlets in Torquay ab und gingen ein wenig shoppen, bevor wir zurück nach Melbourne fuhren. Anja und ich gingen einen Kaffee trinken, kochten zum Abendessen und verbrachten mit Katja und Ryan einen entspannten Abend auf der Couch vorm Fernseher.

Für uns wurde es dann langsam Zeit, dass wir uns um ein Auto kümmerten, da wir in den nächsten Tagen auf unsere Rundreise durch Australien starten wollten. Leider mussten wir feststellen, dass es weder einen Sonntagsmarkt sowie einen Backpackermarkt für gebrauchte Autos gibt. Das bedeutet für uns, dass wir erst einmal die Hostel abklappern und an den schwarzen Bretter nach möglichen Autos suchen mussten. Glücklicher Weise konnten wir Isas Auto nutzen. Es gab wenige Kandidaten, die wir anriefen. Um es vorweg zu nehmen, haben wir noch kein adäquates Mobil gefunden. Zwei junge deutsche Mädels hatten ein Wagen, den sie verzweifelt los werden wollten, den wir allerdings selbst wieder schwer hätten verkaufen können.

Gestern schauten wir uns drei weitere Fahrzeuge an, die uns allerdings auch nicht überzeugten. Im Vergleich zu Neuseeland waren wir überrascht, wie schlecht die Qualität der Autos war und um wie viel sie hier teurer sind. Die günstigsten haben selten TÜV, Zulassung und über 300.000 km runter, während die teureren das dreifache des neuseeländischen Preises kosten. Das überrascht uns schon, da wir auch annahmen, dass hier die Saison schon Richtung Ende geht. Natürlich denken wir in diesen Tagen an unseren Paulo und wie er uns beim ersten Anblick schon überzeugt hatte und wir ihn liebend gern jetzt bei uns hätten. Wir werden unsere Suche jetzt intensivieren und hoffentlich bald Erfolg vermelden können.

Sonntagabend waren wir im Stadion, um Australian Football zu schauen. Dies ist eine eigene Sportart und eine Mischung aus Fussball, Handball und Rugby. Es wird in einem ovalen Stadion gespielt. Meine Mannschaft sind die St. Kilda Saints, die allerdings gegen Essendon keine Chance hatten. Es war sehr traurig, sie verlieren zu sehen. Der Glanz der Tage als ich hier wohnte scheint vorbei. Nachdem Spiel sind wir mit unseren Freunden daher noch mal ins Black und ins Night Cat, um bei der Musik einer Salsaband auf andere Gedanken zu kommen. Es war schon unglaublich, dass die Kneipen an einem Sonntagabend voll waren. Aber so ist Melbourne.

Bis dahin senden wir die besten Grüße

Anja und Patrice


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