Sonntag, 22. Mai 2011
The Red Centre - Das rote Zentrum
Hallo Ihr Lieben,

Dieses Mal hatten wir kleinere Schwierigkeiten, einen Namen für den Blog zu finden, da wir verschiedene Ereignisse wie wunderschöne Sonnenuntergänge aber auch interessante Tiergeschichten erlebt haben. Letztendlich haben wir uns für die bildliche Beschreibung unseres Zieles entschieden, denn wir sind ins Outback, das rote Zentrum Australiens, aufgebrochen.

Bevor Anja und ich jedoch Darwin verließen, bekam Marko ein ordentliches Seifbad. Nach all den Kilometern hatte er eine Wäsche verdient, worüber er sich sehr freute. Danach füllten wir wie immer unsere Vorräte und kauften neue Bücher, da wir am Ende unserer momentan Lektüre waren.

Unser erstes Ziel war der Kakadu Nationalpark, der unter anderen Kulisse für den Film „Crocodile Dundee“ gewesen ist. Sein Gelände wird während der Regenzeit sehr stark geflutet. Da wir erst im Übergang zur Trockenzeit sind, waren noch viele Strecken und Wanderwege gesperrt. Ein Grund sind sicher die Flutungen ein anderer sind aber die gefährlichen Salzwasserkrokodile, die sich durch die Wassermassen im ganzen Park verteilten. An einer Wasserfläche sollten eigentlich eine Menge Wasservögel zu sehen sein, doch waren diese wohl noch unterwegs bzw. hatten sich an anderen Stellen niedergelassen. Eigentlich gehört der Park noch den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, die aber Besucher erlaubt haben. Daher können viele heilige Stätte besucht werden, an den bis zu 20.000 Jahre alte Wandmalereien zu finden sind. Am Abend erreichten wir den Berg Ubirr, der eine wichtige Bedeutung hat und zusätzlich einen wunderbaren Blick über den Park während des Sonnenunterganges bietet. Wir genossen die Aussicht und träumten uns in die Welt der Aborigines. Auf dem Campingplatz bereiteten wir unser Abendessen zu, wurden aber von tausenden Mücken attackiert. Es war kein Wunder, dass es so viele von diesen Beissern gab, da wir uns in einem riesigen, überschwemmten Gebiet befanden. Dutzende von ihnen müssen an unserer Fensterscheiben gewartet haben, als wir in der Nacht die Tür öffnen mussten, da es zu heiß war und wir nach frischer Luft schnappen mussten. Die Invasion der Blutsauger eröffnete eine Schlacht und wir versprühten erfolgreich die letzten Inhalte unserer Insektenschutzflasche. Gesundheitlich war es wohl wie einer chemischen Explosion beizuwohnen. Wir waren aber froh, dass wir nur Opfer und keine Überlebenden zu vermelden hatten.

Am Dienstag sind wir dann weiter durch den Park gezogen. Einige Strecken waren wie gesagt noch überschwemmt, so dass Marko ein paar weitere Spritzer Wasser abbekam. Auch stand an einer Stelle ein Wildpferd und schaute uns genauso überrascht wie wir es an. Wir schauten uns weitere sehr gut erhaltene Wandmalereien an. Sie erzählten vom Schaffer der Welt und seiner Frau, die für die Fruchtbarkeit auf der Erde sorgt. Zusätzlich sahen wir aber auch menschliche Malereien, wie eine Tanzgruppe oder Leute bei der Kängurujagd. Im Infocenter erhielten wir dann ausführliche Informationen über das Leben der Ureinwohner. Die meisten wohnen immer noch in ihrer ursprünglichen Lebensweise. Die zwanghafte Zivilisierung der letzten 150 Jahre ist bei manchen Stämmen noch nicht angekommen. Es ist eine schwierige Situation, da die Integration meistens auf fehlgeschlagen ist. In manchen Städten haben wir viele Aborigines betrunken auf der Straße erlebt, da sie sich dem Gift des weißen Mannes hingegeben haben. Am Abend fanden wir ein ruhiges Plätzchen und sammelten Holz für ein schönes Lagerfeuer. Das Leben und die Geschichten hatten uns wohl inspiriert. Allerdings gingen wir nicht auf die Jagd, sondern aßen den Fisch, den wir einen Tag vor gekauft hatten. Das spannende an dieser Woche war auch, dass wir nicht nur tolle Sonnenuntergänge sondern auch sehr schöne Mondaufgänge beobachten konnten. Da es Vollmond war, zeigte er sich in seiner vollsten Pracht.

Am Mittwoch verabschiedeten wir uns vom Kakadunationalpark und fuhren in Richtung Süden. Es war ein Fahrtag für uns, so dass wir nicht viel erlebten. Am Nachmittag stoppten wir am kristallklaren Thermalpool der Mataranka Quelle und nahmen ein Bad im 34°C warmen Wasser. Es war ein bisschen komisch, bei den warmen Außentemperaturen in einem Thermalbad zu schwimmen, aber vor allem Anja genoss die Wärme sehr. Dort konnte man auch im naheliegenden Fluss ein Bad nehmen, allerdings hielten uns zwei Augen und ein gezackter Rücken davon ab. Wir wollten auch nicht herausfinden, ob der stille Beobachter ein Salz- oder Süßwasserkrokodil war, und gingen daher nicht in dem Fluss schwimmen. Auf der Fahrt zum Rastplatz bemerkte Anja im Augenwinkel, wie sich etwas in Kopfhöhe einen Weg nach vorn bahnte. Es entpuppte sich als eine riesige Spinne, deren Körper etwas größer als ein zwei Eurostück war und deren beharrten Füße sie handtellergroß machte. Durch den Schreck hüpfte Anja auf die Mittelkonsole und bat mich sehr deutlich, sofort anzuhalten. Da ich kein Fan von Spinnen bin, brauchte Anja mich nicht lange zu bitten. Glücklicher Weise entschied sich unsere Mitfahrerin sofort auszusteigen, als ich das Fenster runter kurbelte, während wir anhielten. Wir hatten sie wohl an der letzten Tankstelle aufgegabelt. Beweisfotos gibt es von ihr nicht, da wir in dem Moment andere Gedanken hatten.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter und erreichten am frühen Nachmittag die Devils Marbels. Übersetzt heißen sie die Murmeln des Teufels. Die Felsbrocken sehen nämlich aus wie riesige rund gelutschte Steine, die der Meister nach seinem letzten Spiel wohl vergessen hat. Es sind tatsächlich Granitfelsen, die über Jahrtausende von den Erdkräften bearbeitet wurden. Im Sonnenuntergang leuchten sie rot und verzaubern die komplette Umgebung. Uns boten sie eine tolle Kulisse für ein paar Luftsprünge und andere Blödeleien. Ihr seht, uns geht es richtig gut. Als wir Marko erreichten, krabbelte etwas an seiner Außenwand hoch. Wir waren erleichtert, dass es sich nur um einen Frosch und nicht wieder um eine langbeinige Spinne handelte. Allerdings sind auch manche Frösche eine Pest in Australien und wir machten dem Gesellen deutlich, dass er nicht mit uns weiterreisen dürfte.

Da die Devils Marbles auch am Morgen einen tolles Farbenspiel zum Sonnenaufgang bieten, entschieden wir uns, zeitig aufzustehen und das Spektakel anzuschauen. Anja und ich saßen kurz nach 6 Uhr auf einem Felsen, da sich der Horizont verfärbte. Allerdings wussten wir nicht, dass die Sonne erst nach 7 Uhr aufging, so dass wir etwas Zeit mitgebracht hatten. Es war aber trotzdem ein wunderbares Erlebnis. Auch wenn es nicht äußerst frisch war, genossen wir den Ausblick. So intensiv hatten wir bisher auch noch keinen Sonnenaufgang erlebt, was diesen Moment sehr besonders machte.

Gegen Mittag erreichten wir Alice Springs, welche die größte Stadt im Zentrum ist. Wir füllten uns Vorräte wieder auf und genossen eine kleine Kaffeepause an einem ausgetrockneten Flussbed. Da wir zeitig aufgebrochen waren, konnten wir den Nachmittag etwas entspannter angehen. Allerdings fuhren wir später weiter und erreichten bei einem schönen Sonnenuntergang unseren Rastplatz. Als wir unser Abendessen kochten, bemerkten wir, wie sich unzählige Mäuse neugierig näherten. Wir haben nichts gegen Mäuse, aber um die 20 waren dann doch etwas zu viele. Sie waren überall und schwirrten um uns herum. Während Anja mit dem Abwasch beschäftigt war, patrouillierte ich um sie herum, um sie zu beschützen. Obwohl wir die Türen von Marko geschlossen hatten, hatten wir sie für einen Moment wohl zu lange offen gehabt. Jedenfalls haben wir seit diesem Abend eine Untermieterin. Eine Maus hat es in unseren Wagen geschafft. Sie ist nicht sehr groß und wir hören sie nur manchmal, was die Sache halbwegs erträglich macht. Allerdings haben wir in der ersten Nacht doch etwas unruhig geschlafen.

Am nächsten Tag erfuhren wir an einer Tankstelle, dass momentan eine Mäuseplage herrscht und niemand Herr der Lage wird. Auch waren sämtliche Mausfallen ausverkauft. Da wir bisher noch nicht die Muße gefunden haben, unser komplettes Auto nach der Maus abzusuchen, keine Falle kaufen konnten und sie bisher noch keinen Schaden angerichtet hat, haben wir unseren blinden Passagier akzeptiert. Wir haben sie übrigens Michael mit dem Spitznamen „Mickey“ getauft.

Gestern sind wir dann am Kings Canyon angekommen. Diese Schlucht ist einer der Höhepunkte der Region. Als wir gerade auf den letzten Metern zum Parkplatz waren, schreckten wir eine Gruppe kleiner Vögel auf, die ungefähr so groß wie junge Spatzen waren. Wir hatten keine Chance abzubremsen oder auszuweichen und so knallten 5 oder 6 von ihnen gegen die Windschutzscheibe und kullerten auf die Straße. Einer von ihnen blieb sogar am Scheibenwischer hängen und baumelte, während wir stoppten. Ich konnte den leblosen Körper nur noch entfernen. Uns taten die kleinen Kerle unendlich leid und wir hatten langsam genug von unseren Tiererlebnissen.

Die 6 km Wanderung um den Canyon herum war ein grandioses Erlebnis. Der rote Felsen leuchtete und die Bruchstellen gaben bizarre Bilder wieder. Es war magischer Ort mit fantastischen Felsformen, bewaldeten Schluchten, die Wasserlöcher beherbergten um die Palmen wuchsen. Wir liefen am Grad des Canyons entlang und schauten direkt von der Felskante in den Abgrund. Unser Abendessen konnten wir dieses Mal direkt am Fuße der Felsen kochen, wo die Nationalparkverwaltung tolle Kochgelegenheiten zur Verfügung gestellt hatte. Diese wurden mit Gas betrieben und wir aßen unser Hünchen süß-sauer, während sich im Hintergrund wieder die Sonne senkte. Ein paar Wolken verzauberten den Untergang, während die Sonne die rot leuchtenden Felsen anstrahlte. Es war ein tolles Abendessen und wir sehr glücklich, wieder einen wunderbaren Tag und diesen schönen Ort erlebt zu haben.

Heute morgen haben wir den Kings Canyon verlassen und einen für uns relativ entspannten Tag vor uns. Wir standen um 8:30 Uhr auf, fuhren „nur“ 300 km nach unserem Früchstück und erreichten gegen Mittag unser Ziel. Wir konnten am Nachmittag Wäsche waschen, tranken Kaffee mit Keksen und sind dann zum Sonnenuntergang aufgebrochen.

Dieses Mal hatten wir aber ein besonderes Ziel. Wir haben nämlich den sagenumwobenen Uluru hauptsächlich bekannt als Ayers Rock erreicht. Dies ist einer der wichtigsten Ort der Aborigines und wahrscheinlich eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens. Er strahlt eine mystische Macht aus und beeindruckt sehr, wie er da so allein mitten im Outback steht. Heute waren wir nur für den Sonnenuntergang gekommen. Dieser war, wie wohl jeden Tag, wunderschön. Der Felsen verfärbt sich erst orange und dann rot und lässt all seiner Betrachter verstummen.

Morgen werden wir den Uluru umrunden und dann auch die benachbarten Olga-Berge besuchen, die noch interessanter aus der Landschaft herausragen. Dann liegen wieder ein paar Fahrtage vor uns, da wir das Outback verlassen werden und am Wochenende die Ostküste erreichen wollen. In Cairnes wird dann auch unsere letzte Etappe zurück nach Melbourne starten. Mittlerweile haben wir fast 14.000 km erfahren und Marko rollt weiter wie eine Eins.

Von unseren morgigen Wanderungen, unserer Untermieterin Mickey und den ersten Eindrücken von der Ostküste berichten wir dann beim nächsten Mal.

Beste Grüße

Anja und Patrice

PS: Momentan jagen sich die Hasen hier auf dem Campingplatz. Gut das unseren Türen geschlossen sind.



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Sonntag, 15. Mai 2011
Good bye Western Australia, Hello Northern Territory
Hallo Ihr Lieben,

wieder liegt eine spannende Woche mit interessanten Erlebnissen aber auch viel Fahreinheiten hinter uns.

Nachdem wir Exmouth und das schöne Ningaloo-Riff verlassen hatten, machten wir einen Abstecher Richtung Landesinnere. Obwohl es nicht das Outback war, wurde die Erde roter. Uns umringten hügelige Berglandschaften, die von Bäumen und Büschen bewachsen waren. Unser Ziel war der Ort Tom Price, der nach einem Geologen benannt ist, welcher in der Gegend ausreichende Erzvorkommen vorhergesagt hatte. Da er Recht behalten sollte, gibt es jetzt ein Vielzahl von Abbaugebieten. Wir besuchten eine der größten Eisenerzminen der Firma Rio Tinto, welche eine der größten Bergbauunternehmen der Welt ist. Die eineinhalbstündige Rundfahrt zur Hauptmine und den Erzgewinnungsanlagen war sehr spannend und wir hätten nicht gedacht, dass wir auf unserer Reise solch eine Exkursion erleben werden. Die riesigen Trucks und Bagger waren gigantisch und erinnerten uns ein wenig an Ferropolis, wo die vielen Braunkohlebagger rumstehen. Es gab so viele Daten der Superlative und ich konnte mir nur merken, dass der Reifen eines Trucks 3,5 Tonnen wiegt und ein LKW 4,5 Million Dollar kostet. Ok, um ehrlich zu sein, haben wir die Tour nur gemacht, damit wir tolle Fotos mit den Schutzhelmen machen konnten.

Von Tom Price fuhren wir weiter in den nahegelegenen Karijini Nationalpark, von dem wir tolle Bilder seiner Täler und Schluchten (Gorges) gesehen hatten. Der Park ist altes Bergbaugebiet, welches von der Natur zurück erobert wurde. Anja und ich machten eine Wanderung durch die Dales Gorge und schauten uns den schönen Fortscue Wasserfall und den märchenhaften Fernpool an. Auf dem Weg durchs Tal starteten wir einen Wettstreit, wer schneller von uns beiden eine kleine Wand erklimmen würde. Wir sagen mal, es ging Unentschieden aus. Am anderen Ende der Schlucht wurde der Circular Pool von Bergwänden umringt, in dem ich nach unserem Klettern eine Abkühlung brauchte. Am Abend erreichten wir die Mirijuna Schlucht, über die wir einen herrlichen Ausblick hatten.

Dort frühstückten wir und genossen noch einmal die Aussicht. Durch das Tal quälten sich zu dieser Zeit bereits einige Road-Trains der Minen. Diese riesigen LKWs, die teilweise bis zu vier Anhänger haben, beeindrucken einfach durch ihre Größe. Besonders wenn sie uns entgegen kamen oder gar überholten. Die Augen meiner Reisepartnerin wurden immer größer, wenn sich einer dieser Kolosse nährte, da durch ihre berufliche Vergangenheit auch ein Truckerherz in ihr schlägt. Ein bisschen fühle ich mich ja bei diesen vielen Kilometern auch wie ein großer LKW-Fahrer, obwohl wir in unserem Marko wohl eher von den großen Jungs belächelt werden. Aber unser Gefühl zählt.

Wir machten aber auch andere Begegnungen auf der Strecke. Die Weidegebiete für Kühe, zum Beispiel, sind riesig in Australien. Manche besitzen über 1000e von Quadratkilometern. Da durch einigen die Highways verlaufen und die Felder nicht umzäunt sind, standen des Öfteren Kühe auf der Straße und blockierten unseren Weg. Ein weißer Stier war freudig erregt, als wir uns in unserem großen, brummenden, weißen Etwas näherten. Glücklicher Weise akzeptierte er uns nicht als eine verlockende Verehrerin, sondern ließ uns nach ein paar Überlegungen passieren. So unfallfrei verlief es mit den Libellen aber vor allem den Heuschrecken nicht. Letztere flogen in unzähligen Schwärmen wie Tiefflieger über dem Highway und knallten wie Kugeln aus einem Maschinengewehr gegen die Front unseres armen Markos. Gut das Kühe und Kängurus nicht fliegen können.

Wir erreichten wieder die Westküste, von der wir uns verabschieden mussten, da wir in Richtung Osten unterwegs waren. Am 80 Mile Beach und in Broome konnten wir aber noch einmal traumhafte Sonnenuntergänge erleben. Wir hatten eine tolle Zeit an den Stränden und in den Nationalparks erlebt. Allerdings war die Zeit viel zu kurz und wir werden sicher zurückkehren.

Längere Strecken Fahrt standen vor uns. Leider mussten wir dabei die sagenhaften Kimberly und Purnululu Nationalparks auslassen, da diese nur für Allradfahrzeuge empfohlen sind. Zeitlich wäre es eh knapp für uns geworden. Obwohl wir über 1000 km (+12 Stunden Fahrt) an zwei Tagen absolvierten, ließen wir uns durch die Strecken nicht stressen. Es war wichtig für uns, dass wir in Ruhe ausschliefen und ein schönes Frühstück zu uns nahmen. Oft saßen wir an den Rastplätzen allein, während sich die meisten schon auf den Weg gemacht hatten. Manchmal scheint es ein täglicher Wettstreit zu sein. Wer fährt als erster los? Wie weit schaffen wir es heute? Anja und ich wollen uns daran nicht beteiligen, da wir viel zu viele Kilometer hinter aber auch noch vor uns haben. Wir genießen daher die Momente der Ruhe vor allem zu den Mahlzeiten. Allgemein übernachten wir auch nie ohne Nachbarn auf den freien Rastplätzen. Es sind wahnsinnig viele Leute unterwegs. Vor allem sind es junge Europäer, die genauso wie wir in ihren Klapperkisten durch Australien touren, aber auch viele australische Rentner und Ehepaare sind mit ihren Caravan Wagen auf der Straße.

Am Straßenrand beeindruckten Anja und mich vor allem die Boabbäume, die mit ihren dicken Bäuchen wir riesige Portweinflaschen aussehen. Endlich hatte mal jemand anderes als ich den dicksten Bauch. Des Weiteren fuhren wir in die Regionen der Termiten. Diese kleinen Ameisen ähnlichen Gesellen hatten ihre Schlösser wie Kleckerburgen auf den Wiesen verteilt. Es gab tausende dieser Schlösser, so dass es einem Märchenland glich. Auch sahen wir, wie viele Blumen und Bäume zu blühen begannen. Während im Süden der Herbst anfängt, scheint es im Norden Frühling zu werden. Hier beginnt jetzt die Trockenzeit und die Regenzeit hat viele Gebiete wie jedes Jahr überschwemmt, was wir an den Straßenschäden merken. Einige Bäche sind bereits ausgetrocknet, während manche Flüsse übervoll noch einige Ufer überspülen. Es ist auch wärmer als im Süden, was für uns sehr angenehm ist. Ich bin eine Strecke auch ohne T-Shirt gefahren, um die Pudelmütze in der Nacht im Süden vergessen zu machen. Ob es gewirkt hat, wird aber nicht verraten.

Am Ende des zweiten Fahrtages erreichten wir unser letztes Ziel in Western Australien. Es war der See Argyle, der durch einen Damm mit Wasserkraftwerk gestaut wird und 18-mal so viel Wasser wie die Bucht von Sydney fasst. Er ist riesig, hat unzählige Inseln und die umliegenden Berge leuchteten im Rot des Sonnenuntergangs. Am nächsten Morgen hatten wir uns eine Fahrpause verordnet und lümmelten uns in den Tag. Nach einem Lauf fuhren wir zu einem Picknickplatz und genossen unser ausgiebiges Frühstück. Wir stellten die Stühle in die Sonne und lasen unsere Bücher bei einer schönen Tasse Kaffee. Es war herrlich! Ich holte mir eine Matte raus und konnte auch ein bisschen dösen. Allerdings kribbelte es gegen Mittag und wir wollten doch noch ein paar Kilometer hinter uns bringen.

An der Landesgrenze verabschiedeten wir uns von Western Australien und begrüßten das Northern Territory mit ein paar Luftsprüngen. Wir hatten die Strecken jetzt so geplant, dass sie kürzer (nur 100 bis 300 km) als die vorhergehenden waren und freuten uns darüber. So erreichten wir nach kurzer Zeit einen Campingplatz zum Abend. Dort patrouillierten die Kakadus über den Neuankömmlingen und schnatterten kräftig in das Abendrot. In der Nähe des Campingplatzes errichtete im 19. Jahrhundert die erste Expedition in den Norden Australiens ihr Basislager. Der führende Forscher ließ das Datum der ersten Ankunft am 2. Juli 1855 in einen Boabbaum schnitzen, welches heute noch sichtbar ist. Das Lager aus Strohhütten hat es allerdings nicht überlebt. Es ist unglaublich, dass das noch gar nicht so lang her ist. Vor 200 Jahren war die Region sowie das gesamte Land noch nicht erforscht und total unberührt gewesen.

Am Freitag erreichten wir im Laufe des Tages Katherine, welcher ein zentraler Ort im Northern Territory ist. Wir wollten eine Rundfahrt durch die Schluchten des Nitimiluk Nationalparks (Katherine Gorges) am Samstag machen. Als Nachtlager entschieden wir uns für einen Campingplatz beim ältesten Farmhaus Nordaustraliens. Dort gab es ein schattiges Billabong, so eine Art Dorfteich, an dem wir Marko abstellten. Die freundliche Platzwächterin informierte uns, dass es Fütterzeit für die Bewohner des Billabongs wäre. Als unsere Nachbarn kristallisierten sich mehrere Schildkröten, Barrakudafische aber auch ein Süßwasserkrokodil namens Elvis heraus. Die Platzwächterin brachte uns Toastbrot für die Kröten und Steak für Elvis. Während die Schildkröten und Fische bereits warteten, war der größte Bewohner noch nicht zu sehen. Anja ließ keine Minute verstreichen und verteilte das Brot an die Hunger leidenden Schildkröten. So stürzten sie sich jedenfalls ins Wasser, nachdem sie sich schüchtern einen Bissen geschnappt hatten. Ein bisschen war uns mulmig, so nah am Billabong zu stehen, aber da Elvis nicht sichtbar war, ging das schon in Ordnung. Nach einem Spaziergang zum alten Farmhaus, schauten wir noch einmal nach unseren schildigen Freunden, die genüsslich die Reste aufschnappten. Plötzlich stiegen Luftblasen am Uferrand auf. Zwei Augen schauten uns wartend an. Elvis hatte den Weg zurück gefunden und war jetzt neugierig, was die Schildkröten auf dem Speiseplan hatten. Dieses Mal durfte ich ran und holte mir schnell den Beutel mit dem Steak. Wir schmissen die Stücken ans Ufer und staunten nicht schlecht, als sich Elvis aus dem Wasser bewegte. Das Gute an Süßwasserkrokodilen ist, dass sie vor Menschen Angst und nur eine schmale Schnauze haben, in die kein Stück Mensch passt. Elvis war nämlich ein ganz schön großes Krokodil und maß mit Schwanz an die 1,70 m. Es war der Wahnsinn, dass wir in diesem einfachen Campingplatz solche Tiere füttern durften. Wir vertrauten darauf, dass Elvis uns in der Nacht in Ruhe lassen würde, da wir uns unserer Meinung nach angefreundet hatten. Am Morgen haben wir ihn dann auch nicht wieder gesehen.

Gestern sind wir dann nach einem entspannten Frühstück, immer noch sehr wichtig für uns, zu den Katherine Gorges gefahren und haben eine Bootsrundfahrt gemacht. Sie war herrlich ruhig und wir konnten die Schluchten und ihre Felsen begutachten. Wir genossen es, genüsslich in der Gegend herum zu schippern und diesen schönen Ort erleben zu können. Nach der Fahrt sind wir dann weiter in Richtung Norden aufgebrochen und am Abend im Litchfield Nationalpark angekommen. Dort besuchten wir magnetischen Termiten. Diese haben nämlich ihre Hügel oder besser gesagt Quader nach dem Magnetfeld der Erde in eine Ost-West-Richtung aufgebaut, so dass die Behausungen wie ein Feld ordentlich gepflanzter Grabsteine aussehen. Es war schon faszinierend, wie sich diese kleinen Tierchen orientieren können. Daneben haben andere Termiten ihre Schlösser hingesetzt, die wie Kathedralen in der Gegend herumstehen. Sie sind zwischen drei bis vier Meter hoch und Anja und ich sahen daneben wie kleine Zwerge aus.

Heute, am Sonntagmorgen, genossen wir die paradiesischen Felsenpools des Florence Creek im Litchfield Nationalpark. Das Wasser war herrlich und wir fühlten uns in den Strömen wie in einer anderen Welt. Danach fuhren wir zu den Florence Wasserfällen und sprangen auch dort in die Fluten.

Mittlerweile sind wir in Darwin angekommen,welche die größte Stadt im Norden ist. Gefühlt haben wir die Hälfte unseres Australientour rum. Wir haben fast 11000 km hinter uns und ungefähr das Gleiche noch mal vor uns. Morgen geht es dann in den Kakadu Nationalpark und wir werden uns auf die Spuren der australischen Ureinwohner, den Aborigines, und vieler Zugvögel begeben. Nächste Woche fahren wir dann zum Uluru (Ayers Rock) und melden uns dann aus Alice Springs.

Beste Grüße

Anja und Patrice


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Freitag, 6. Mai 2011
Der größte Fisch der Welt
Hallo Ihr Lieben,

Wir möchten ganz herzlich die kleine Maja Weigel in unserer Welt begrüßen. Wir freuen uns mit der Kleinen und ihren Eltern natürlich auch!

Eine verrückte Woche liegt hinter uns. Wir fuhren einer emotionalen Achterbahn. Nachdem wir am Mittwoch unsere Vorräte in Perth aufgefüllt hatten, setzten wir unsere Fahrt in Richtung Norden fort. Da wir erst spät losgekommen waren, erreichten wir unseren Rastplatz erst in der Dämmerung.

Am Donnerstag besuchten wir den Nambung Nationalpark und waren von der Pinnacle Wüste begeistert. Dort stehen tausende Steinmonolithen in einer gelben Sandwüste und keiner weiß genau, wie sie entstanden sind. Es gibt dafür zwei Theorien. Entweder sind es Kalkgebilde, die geformt worden, als Salzwasser des Ozeans mit kalkhaltigen Frischwasser der Flüsse zusammentraf, oder überspülte Regenwälder, die über die Jahrmillionen versteinert sind. Uns waren diese Fakten aber egal und wir nutzten diese unwirkliche Kulisse um einige Bilder zu schießen. Fragt uns bitte nicht, wonach wir Ausschau hielten. Wir fühlten uns aber in einem Meer aus Steinen und suchten wohl nach dem rettenden Ufer. Toll war an dieser Wüste auch, dass im Hintergrund Dünen aus purem weißen Sand und das Blau des Ozeans die Kulisse bildeten. Es war ein herrlicher Ort.

Weiter ging es Richtung Norden und wir machten unseren nächsten Stopp an eben genannten Wüsten. In Marokko hatten wir die goldenen Dünen der Sahara bestaunt und waren nun von diesen weißen Sandbergen fasziniert. Beim Meditieren kam uns zwar nicht die Erleuchtung, doch waren wir dank dieser Erlebnisse und fantastischen Landschaften gelassen und zufrieden.

Am Freitag wollten wir Denham und die Shark Bucht erreichen und hatten am Morgen fast die ganze Strecke absolviert. An der Overlander Raststation tankten wir noch einmal voll und bogen dann auf die letzte Etappe von 130 km für diesen Tag ab. Wir hatten uns schon ausgemalt, dass wir am frühen Nachmittag ins Meer springen wollten. Doch es kam alles anders. Beim Starten und Losfahren merkte ich, dass der Gasdruck vom Pedal nachließ und der Motor zu stottern anfing. Sofort schaltete ich auf Benzinantrieb um und der Wagen erholte sich. Allerdings hatten wir uns zu früh gefreut, denn nach 800m lief nichts mehr und wir mussten Marko am Straßenrand abstellen. Obwohl wir es noch ein paar mal versuchten, wollte er nicht mehr anspringen. Da hatten wir den Salat und wohl zu früh Lorbeeren für sein gutes Verhalten verteilt. Wir hatten keine andere Wahl, als zurück zur Raststation zu laufen und um Hilfe zu bitten. Leider hatte die Station keinen mechanischen Service, so dass sich von dort niemand um Marko hätte kümmern können. Wir mussten mit einem Abschleppdienst in Denham telefonieren. Glücklicher Weise war ein Abschleppwagen gerade auf dem Weg zurück und konnte uns nach 4 Stunden Warten aufladen. So standen wir die ganze Zeit in der brütenden Mittagssonne am Straßenrand, spielten ein wenig Karten, lasen etwas und freuten uns erlöst, als der Wagen uns endlich aufgabelte. Die letzten 130km nach Denham verbrachten wir im Fahrerhaus des Truckers und unterhielten uns mit Will. Er machte uns keine Hoffnung, dass wir in den nächsten Tagen weiterfahren könnten, da das Wochenende bevor stand und eventuelle Ersatzteile frühestens am Dienstag eintreffen würden. Er versprach uns aber, dass am Samstag wenigstens ein Mechaniker vorbeikommen würde, um sich Marko kurz anzuschauen. Wir waren für diesen Tag bedient, als Will uns auf einem sehr öden Campingplatz an einem Zaun ablud und wir unseren unfreiwilligen Rastplatz begutachteten.

Auf dem Campingplatz begrüßten uns vier junge Deutsche, deren ein ähnliches Schicksal widerfahren war. Sie waren auch mit ihrem Wagen liegen geblieben, hatten eine saftige Abschlepprechnung bekommen, kampierten in Zelten seit 4 Tagen auf dieser öden Stelle und warteten vergebens auf ihr Auto. Der Zaun war wohl das Mekka der Gestrandeten, da ein Stück weiter ein weiteres kaputtes Auto und ganz vorn ein englisches Pärchen zeltete, das bereits eine ganze Woche auf seinen Wagen wartete. Die Werkstatt war angeblich mit den Reparaturen über die Osterfeiertage so ausgebucht gewesen. Des Weiteren hatten sie wohl nur einen oder zwei Mechaniker, was den Verzug bei den Autos erklärte. Unsere Stimmung senkte sich immer weiter, jedoch wollten wir erst einmal den Samstag und eine erste Prognose abwarten, bevor wir uns unnötig verrückt machten.

Am Samstagmorgen gesellte sich zu unserem Frühstück eines der Mädels aus der deutschen Gruppe, da der Rest noch schlief. Sie hieß Laura und war uns irgendwie gleich sympathisch, da sie ihre Schnute an der richtigen Stelle hatte und wir uns alle von unseren Gedanken ablenken und etwas Hoffnung machen konnten. Der Vormittag verging so recht schnell und wir merkten gar nicht, dass sich die Sonne ungeschützt über uns aufgestellt hatte. Es war keine Wolke am Himmel und sie brannte auf uns hinab. Will hatte uns am Vortag erzählt, dass es bis zu 40 Grad in Denham werden, während das Thermometer an der Overlander Raststation schon mal auf 60 Grad klettern kann. Da waren wir beruhigt, dass wir zur jetzigen Zeit liegen geblieben waren und es nur um die 30 Grad waren. Allerdings warteten wir vergebens auf einen Mechaniker. Obwohl die deutschen Jungs es per Telefon versucht hatten, erreichten sie niemanden. In uns wurden die trüben Gedanken stärker. Wir wussten, dass die Benzinpumpe ein Ölleck hat und nahmen an, dass diese ausgewechselt werden müsste. Was wäre aber, wenn doch etwas mit dem Motor ist und wir eine größere Reparatur vor uns hätten? Würden die Ersatzteile am Dienstag geliefert werden? Wie lange würden wir dort festhängen? Was wird aus unserem Reiseplan? Sollen wir die Rundreise durch Australien abbrechen?

Damit uns die schlimmsten Befürchtungen nicht zermürbten, gingen Anja und ich am Nachmittag in den Ort, um uns ein wenig umzuschauen und abzulenken. Außer einer Tankstelle, zwei Supermärkten, einem Bäcker, einem Metzger, ein paar weiteren Shops und Hotels hatte Denham nicht viel zu bieten. Wir entschieden uns, eine Flasche Bacardi zu kaufen. Sie kostete 42 Dollar, was umgerechnet 35 Euro sind. An diesem Beispiel fiel uns wieder auf, wie kostspielig doch vieles in Australien ist. Uns war es egal. Wir versuchten noch einmal beim Abschleppservice anzurufen und erreichten auch Paul, mit dem ich am Vortag telefoniert hatte. Er entschuldigte sich, dass kein Mechaniker gekommen war, aber sie hatten den ganzen Tag zu tun. Er versprach uns aber, dass jemand am Montagmorgen vorbeischauen würde. Wir waren ein wenig erleichtert, dass wir Paul erreicht und wir endlich eine kleine Information erhalten hatten. Am Abend genossen wir unsere Mixgetränke, als wir uns vor unser kaputtes Auto setzten.

Da uns am Sonntag niemand aufsuchen würde, hatten wir den ganzen Tag zur Verfügung. Es war schon ein wenig komisch, dass wir nichts geplant hatten uns aber auch leider keine großartigen Sehenswürdigkeiten anschauen konnten, da wir dorthin fahren müssten. Im Nachbarort werden nämlich jeden Tag mehrere wilde Delphine gefüttert, die dort den Strand besuchen. Das war ein Grund gewesen, warum wir in diese Region gekommen waren. Als wir aber von den Massen gehört hatten, die jeden Tag dorthin aufbrechen, war uns die Lust vergangen. Auch konnten wir ja nicht hinfahren, was diese Fütterung weiter so unattraktiv für uns gemacht hat. Ein bisschen glaubten wir daran, dass unsere Schutzengel uns ein paar Tage Ruhe ohne Fahren verordnen wollten und deshalb Marko haben aufgeben lassen. Naja, jedenfalls gingen wir an den Strand von Denham. Auf dem Weg dorthin, sahen wir die kleine Dorfkirche. Das Spannende an dieser Kirche ist ihre Bauweise. Die Mauersteine bestehen nämlich aus tausenden kleinen Muscheln, die durch eine Sandzementmischung zusammen gehalten werden. Das war die Bauweise der Region über viele Jahre. Es gibt sogar einen Strand, der mehre Kilometer lang, mehrere Meter breit und teilweise über 10 m tief ist, der nur aus diesen kleinen Muscheln besteht. Er heißt auch Muschelstrand und sieht von weitem wie ein normaler Sandstrand aus. Jedenfalls faulenzten wir ein bisschen am Wasser und ließen so den Tag verstreichen, was auch eine willkommene Abwechslung war. Lieber hätten wir natürlich ein funktionierendes Auto gehabt und wären unserer geplanten Reiseroute gefolgt.

Da am Montag der Mechaniker kommen wollte, bereiteten wir uns auf seinen Besuch und ein mögliches Abschleppen vor. Wir bauten das Zelt auf, dass wir mit Marko gekauft hatten und luden die wichtigsten Klamotten und Vorräte aus. Wir fühlten uns ein wenig wie Obdachlose, die mit ihrem Hab und Gut auf die Straße gesetzt werden und möchten nie in eine ähnliche Situation kommen. Auch fanden wir es schrecklich, dass viele Menschen so leben müssen und keine richtige Bleibe haben. Dieses Gefühl änderte sich auch nicht, als wir unsere Matratze ins Zelt packten, die Millimeter genau hinein passte. Zwar lagen wir leicht und waren wohl Edelcamper, jedoch war es für uns eine ungewohnte Situation und wir sehnten uns in unseren Wagen zurück. Jedes Geräusch hätte ein kleines Mäuschen oder eine Ratte sein können, dass sich über unsere Vorräte hermacht, die draußen vor dem Zelt lagen. Wir waren froh, als wir diese Nacht überstanden hatten.

Am Montagmorgen frühstückten wir wieder mit Laura, als plötzlich ein weißer Pickup-Truck auf dem Campingplatz fuhr. Es war der Mechaniker und wir freuten uns, dass sie ihr Wort gehalten hatten und wir endlich einen Schritt weiter kommen würden. Ich erklärte ihm die Situation und unsere Vermutung, dass wir eine defekte Benzinpumpe hätten. Als er versuchte den Motor zu starten, meinte er, dass er vielleicht keine Zündung erhalten würde. Er überprüfte die Zündkerzen, doch diese waren in Ordnung. Als er jedoch den Schalter von Benzin- auf Gasantrieb betätigte, hörte er kein erwartetes Klicken. Er vermutete, dass die Sicherung durchgebrannt sei und Marko deswegen nicht anspringen würde. Das wäre doch zu einfach, dachte ich mir. Der Mechaniker suchte nach der Sicherung und fand sie kurz darauf unter dem Lenkrad. Als er sie sich anschaute, sah ich auch sofort, dass nur ein Draht an ihr befestigt war. Er grinste mich und meinte, dass ich das zweite beim Gasgeben oder Kuppeln losgerissen haben muss. Er überbrückte die Sicherung und siehe da, Marko sprang beim ersten Versuch sofort an. Anja und ich hätten in die Luft springen können, als wir das gewohnte Brummen hörten. Allerdings hätten wir auch früher losfahren können, wenn sie diesen Fehler früher festgestellt hätten. Das war jedoch egal, da Marko endlich wieder lief. Wir hatten auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen unserem Wagen gegenüber, da wir schon das Schlimmste vermuteten und ein wenig sauer auf ihn waren. Jetzt lief er aber wieder und wir konnten unsere Reise fortsetzen.

Da Laura eigentlich nicht zur deutschen Gruppe gehörte und sie auch weiter wollte, da sie in ein paar Tagen einen neuen Job antreten würde, fragte sie uns, ob sie mit uns mitfahren könnte. Wir hatten nichts dagegen, nur musste sie sich hinten aufs Bett legen. Das war kein Problem für sie und so fuhren wir zu dritt weiter. Wir hatten einen Reisegast, was auch mal eine andere Situation war. Unser aller Ziel war Exmouth, dass wir am Dienstagabend erreichten, wo wir uns von Laura verabschiedeten. Dort befindet sich das Ningaloo-Riff, dass sich 260 km vor der Küste entlang streckt. Obwohl es nicht so groß wie das Great Barrier Reef ist, ist es doch für seine Korallen und viele Fischarten bekannt. Die Highlights sind jedoch, die Schildkröten, die Manta-Rochen sowie der Besuch von Buckelwalen. Der absolute Höhepunkt jedoch, sind das Schwimmen mit Walhaien. Diese sind die größten Fische der Welt, die bis zu 18 m lang werden können. Exmouth ist einer der wenigen Orte, wo man zu ihnen ins Wasser steigen kann. Wir wollten uns diese Chance nicht nehmen lassen und buchten eine Tour für den Donnerst. Dabei möchten wir uns bei allen Osterhasen herzlichst bedanken, denn wir haben deren Überraschungen für diesen Trip genutzt.

Am Mittwoch ließen wir es sehr entspannt angehen und erholten uns im Cape Range Nationalpark. Dort befindet sich das Ningaloo-Riff und man kann in dessen Korallenlagunen hervorragend Schnorcheln. Wir packten unsere Schnorchelsachen in unsere IKEA-Tüte und ließen keine Minute verstreichen. Ich sprang als erster ins Wasser und war von der Unterwasserwelt begeistert. Es erinnerte mich sofort an unsere Zeit in Thailand und unseren Tauchkurs auf Ko Tao. Da das Wasser echt warm war und so viele Fische zu sehen waren, brauchte ich Anja nicht lange zu überzeugen, auch ins Wasser zu kommen. Es war herrlich und wir freuten uns, als wir mit einer Schildkröte schwimmen konnten. Das war der Höhepunkt des Tages für uns. Am Abend saßen wir dann auf einer großen Sanddüne bei unserem Campingplatz und genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Dieser Tag war so verlaufen, wie wir sie uns in Westaustralien vorgestellt hatten.

In der Nacht zum Donnerstag schliefen wir etwas unruhig, da das Schwimmen mit den Walhaien bevorstand. Wir waren total aufgeregt. Von der Crew hatten wir erfahren, dass am Vortag niemand rausgefahren war, da die See zu unruhig und es zu windig gewesen war. Obwohl ein ordentlicher Wellengang herrschte, fuhren wir raus. Nach einem kurzen Schnorcheltest, indem die Firma unsere Schwimmfähigkeiten testete, warteten wir auf das Signal, des über uns kreisenden Flugzeuges. Was ich Anja nicht verraten hatte war, dass wir hinaus auf den Ozean fahren würden und in 200 m tiefes Wasser schwimmen würden. Der Moment war gekommen, ihr die Wahrheit zu sagen und sie war etwas sauer auf mich. Das sich Walhaie das Wasser mit anderen Haien, wie dem Weißen oder den aggressiven Tigerhaien teilen, trug nicht unbedingt zu einer Verbesserung ihrer Stimmung bei. Allerdings konnten wir die Situation nicht mehr ändern und sie akzeptierte ihre Lage. Wir konnten nur der Firma vertrauen, die einen 100 % unfallfreien Rekord hatte. Leider kam kein Zeichen vom Piloten des Suchflugzeuges. Ein Walhai war wieder abgetaucht, so dass wir lange auf dem Wasser kreisten.

Plötzlich hieß es jedoch, dass wir uns fertig machen sollten. Ein befreundetes Tourunternehmen wollte uns ihren Walhai abgeben. Und plötzlich sahen wir den riesigen Rücken des Tieres hinter unserem Boot. Er war gigantisch! Als das Kommando ertönte, sprangen wir ins Wasser, das überraschend sehr warm war, und suchten das Blau unter uns nach dem Riesen ab. Aus dem Dunkel näherte sich eine gemächlich daher schwimmende Gestalt. Wir konnten nicht einschätzen, wie groß er war, doch er war das größte, mit dem wir bisher schwimmen gewesen waren. Langsam zog er an uns vorbei und wir konnten einen herrlichen Blick genießen. Da er kein Eile hatte, schwammen wir langsam hinterher. Als er abtauchte, hatten wir die Befürchtung, dass wir ihn verloren hätten, doch kam er noch einmal an die Oberfläche zurück. Es waren unglaubliche Momente, bis unser Guide den Schnorchelgang abbrach, um die nächste Gruppe dran zu lassen. Wir hatten mehrere Minuten mit dem Walhai schwimmen können. Wieder an Bord hofften wir vergebens, noch einmal ins Wasser springen zu können. Doch leider zeigte sich an diesem Tag kein weiteres Exemplar und wir mussten Mutter Natur ihren Willen lassen. Wir waren ein bisschen enttäuscht, dass wir keine weitere Chance erhielten und versuchten jeden Moment des Schwimmens in unser Gedächtnis einzubrennen. Die Guides schätzten die Länge des Tieres auf 7 m. Anja hatte sich bestens im Wasser gemeistert und alle ihre Bedenken waren unbegründet. Wieder einmal war ich sehr stolz auf sie, dass sie dieses Mal in 200 m tiefer Wasser gesprungen war, ohne zu wissen, was sich unter ihr befindet.

Mittlerweile haben wir Exmouth schon wieder verlassen und sind ein wenig ins Landesinnere gefahren. Morgen wollen wir uns den Karijini Nationalpark anschauen und vielleicht eine Eisenerzmine besuchen. Auch befinden wir uns geographisch wieder auf der Rückreise, da es ab jetzt nur noch in Richtung Osten gehen wird. Unser Tachostand zeigt 7500 km, was ungefähr die Hälfte der Kilometer in Australien sein wird.

Bis zum nächsten Mal

Anja und Patrice


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