... newer stories
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Der Weg ist das Ziel
anjapat, 10:06h
An diesen Spruch mussten wir in den letzten Tagen des Öfteren denken, denn nicht das Ende sondern die Erlebnisse während einer Reise sind das Spannende. Auch wenn diese Erlebnisse nicht immer die Besten sind, gehören sie doch dazu. Ein anderer Spruch war: "It's all part of the adventure! (Es ist alles Teil des Abenteuers)", der uns aber ziemlich auf die Nerven ging.
Bevor wir aber zu den Details kommen, möchten wir noch bemerken, dass Anja und ich jetzt zwei Monate unterwegs sind. In dieser Zeit haben wir schon Vieles erlebt und freuen uns auf das Kommende. Besonders freuen wir uns aber, dass der Blog viel Interesse geweckt hat. Wir haben monatlich durchschnittlich 1000 Besucher, was für uns eine wahnsinnige Zahl ist. Neben dem Blog haben wir noch Tagebücher geführt, welche mehr Details beinhalteten. Allerdings war das sehr mühsam und wir nicht diszipliniert genug, so dass wir dies mittlerweile aufgegeben haben. Daher hat sich der Blog als die Hauptdokumentation unserer Reise heraus kristallisiert, da wir die Berichte auch separat auf unserem Rechner speichern. Ein bisschen müssen wir uns für die Qualität der Berichte entschuldigen, da sie manche Rechtschreib- und Grammatikfehlerchen aufweisen. Wir schreiben sie aber meistens recht schnell zusammen und lesen sie uns dann nur ein bis zweimal aus Zeitmangel durch. Auch haben wir Word noch nicht installiert, so dass wir keine automatische Korrektur enstellen können. Ansonsten haben wir festgestellt, dass die Zeit trotz des Jahres äusserst knapp ist. Das wussten wir vorher schon, doch besonders in den letzten Tage haben wir gemerkt, dass wir nicht richtig in die Kulturen eintauchen können und dem normalen Touristenstrom folgen. So bewegen wir uns aber an der Oberfläche der Nationen und bekommen einen Eindruck.
Jetzt aber zu den vergangenen Tagen. Ein bisschen traurig haben wir uns aus unserem Hotel und der kleinen Gasse in Saigon verabschiedet. Dieser Ort bot alles, was wir benötigten. Das Hotel war, wie bereits geschrieben, sehr komfortabel. In der Gasse war kaum Verkehr, so dass es äusserst ruhig war. Es gab ausreichend Restaurant und die nächste Bar gleich gegenüber unserem Hotel. Schräg gegenüber war eine Wäscherei, in der wir unsere Klamotten mal wieder richtig reinigen lassen konnten. Neben der Wäscherei war dann gleich ein kleines Reisebüro, in dem wir den Ausflug zu den Tunneln und unsere Bustour an der Küste buchen konnten.
Die Tour an der Küste bestand aus vier Etappen. Zwei längere Strecken von ungefähr 11h für 450 km absolvierten wir per Nachtbus, da wir uns auch so die Unterkunft sparen konnten. Für eine kürzere Etappe von 4,5h für 140km entschieden wir uns, am Tage zu fahren. Die letzte Etappe erledigen wir heute Nachmittag mit dem Flugzeug, da wir uns beim Buchen schon denken konnten, dass wir nach drei Busstrecken keine Lust mehr darauf haben werden und die letzte längere Etappe nach Hanoi komfortabler hinter uns bringen möchten. Es war schade, dass wir so viel Strecke in der Nacht zurückgelegt haben und dadurch kaum Landschaften sehen sowie Vietnams kleinere Orte erleben konnten. Ein bisschen sahen wir doch und lachten, als wir die alten W-50 LKW aus DDR-Zeiten hier im normalen Straßenbild entdeckten.
Die erste Etappe brachte uns nach Nah Trang. Wir dachten uns schon, dass die Bustour nicht sehr entspannt ablaufen würde und all unsere Erwartungen wurden erfüllt. Eingepfercht in Schlafbuchten konnten wir die Rückenschmerzen kaum erwarten. Die Füße eines Litauers trennten den Blick zu Anja. Die Jungs aus England oder Australien begossen die Fahrt mit ein paar Bierchen, so dass die Toilette schon unbenutzbar war, bevor wir Saigon überhaupt verlassen hatten. Eine amerikanische Plaudertasche quasselte sich wegen der ganzen Aufregung den Mund fusselig. Doch konnte es dann endlich losgehen, nachdem wir die letzten freien Plätze im Bus mit schwarzfahrenden Vietnamesen gefüllt hatten. Anja und ich lagen über der Hinterachse, die den Bus durch jedes Schlagloch hochschaukeln ließ. Das es davon viele gab, bekamen wir natürlich am Besten mit.
In Nah Trang kamen wir gegen 8 Uhr morgens an. Es regnete in Strömen. Wir fanden ein annehmbares Hotel in der Nähe des Meeres, doch konnten wir die Vorzüge dieses touristischen Strandortes durch den Regen nicht ausnutzen. Wir entschieden uns daher, den Schlaf im Hotel nachzuholen. Dies war aber nicht unsere Beste Idee, da wir uns nur im Halbschlaf hin und her wälzten. Wir wollten daher die Stadt erkunden und liefen wie Zombies durch die Strassen. Die Stadt ist voll auf Strand- und Tauchtouristen eingerichtet und so voller Restaurants, Bars und Souvenirläden. Plötzlich hatten Anja und ich eine fantastische Idee und ließen uns die Strapazen der letzten Nacht eine Stunde lang aus unseren Körpern massieren. Etwas lebendiger konnte es weiter gehen. Abends folgten wir den Spuren der Backpacker in die vollsten Bars. Als wir mitten auf dem Weg zu einer zweiten Kneipe waren, die nur 200m entfernt war, wurden wir von einem weiteren heftigen Regenschauer überrascht. Wir mussten uns sogar in einen Hauseingang retten, da die Gullis das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten und die Bürgersteige überschwemmt wurden. Letztendlich entschieden wir uns, unsere Schuhe auszuziehen, durch das knöcheltiefe Wasser zu waten, um halb durchnässt in der Bar anzukommen. Ins Hotel kamen wir an diesem Abend nur rennend und völlig durchnässt, da wir die Nacht nicht in der Kneipe verbringen wollten. Am nächsten Tag blieben wir im Bett und gingen nur zum Essen nach draußen, da am Abend die nächste Nachtbusfahrt bevorstand.
Die zweite Etappe nach Hoi An (noch nicht Hanoi) ist in unserem Reiseführer als "Höllenfahrt" beschrieben. Also waren unsere Erwartungen wieder begrenzt. Dieses Mal wurden uns vordere Plätze zugewiesen, so dass wir über der Vorderachse lagen und jedes Schlagloch durch lautes Knallen mitbekamen. Im Gegenteil zu den Hinterachsen müssen die Stoßdämpfer vorn also völlig runter gewesen sein. Das Problem war, dass man nicht zu sehr mit dem Gesicht am Fenster oder dem Gestänge liegen sollte, da man sich ansonsten beim nächsten Schlagloch eine blaue Nase oder Zahnschmerzen hätte zuziehen können. Anja und ich hatten unsere Problemchen, jedoch arrangierten wir uns mit der Situation. Ein bisschen erschrocken reagierte Anja, als sie in der Nacht einen der Busfahrer im Gang neben sich schlafend entdeckte und sie Tüten einer Frau ins Gesicht bekam, die über sie drüber steigen musste, da der Gang ja belegt war. Genervt stiegen wir wieder gegen 8 Uhr in Hoi An aus. Als wir unsere Taschen nahmen, erschraken wir beide plötzlich, da meine Tasche auf der Rückseite aufgerissen war. Total aufgebracht wollten wir unsere Frustration an den Busfahrern auslassen. Dies ist allerdings nicht möglich, da die Fahrer wie die meisten Vietnamesen kaum Englisch sprechen und jegliche Diskussionen zu nichts führen. Man steigert sich selber nur weiter und regt sich noch mehr auf, ohne ein adequates Ergebnis zu erreichen. Als tapfere Reisende mussten wir also diese Pille schlucken, auch wenn sie äusserst bitter war. Letztendlich ist der Schaden auch nur materiell und Anja konnte den Riss halbwegs wieder nähen. Es ist aber verdammt ärgerlich!! Die Hauptsache ist aber, dass keiner verletzt oder krank ist. Mit solchen Ereignissen mussten wir rechnen.
Allerdings wurden wir entschädigt, als wir die Altstadt Hoi An's betraten. Sie ist eine Mischung aus chinesischer, japanischer und französischer Architektur mit kleinen Gassen, chinesichen Holzhäusern und Tempeln, japanischen Brücken und französischen Kolonialbauten. Beim letzten Mal hätte es heißen sollen, dass wir die Hotelsuche weiter optimieren, denn in Hoi An hatten wir kleinere Problemchen. Das erste Hotel wurde gerade umgebaut, während unsere zweite Wahl geschlossen war. Letztendlich wurden wir in der Altstadt fündig, ohne unser Budget zu überschreiten. Es gab nämlich auch richtig tolle Hotels mit europäischen Preisen, die wir jedoch nicht zahlen wollten. Unser Hotel war auch eines dieser Kolonialbauten, jedoch hatte es die Innenausstattung unseres Zimmers wenigstens bis in die siebziger Jahre geschafft. Es muchelte etwas, aber ansonsten war es annehmbar. Dieses Mal holten wir den Schlaf nicht nach, sondern stürzten uns gleich in die Gassen. Wir waren sofort von diesem kleinen, schönen und ruhigen Örtchen begeistert. Überall gab es kleine Handwerkerlädchen, unzählige Schneidereien, in denen man sich günstige Kleider und Anzüge machen lassen kann, Cafés und Kunstgallerien. Wir hatten gelesen und können nur bestätigen, dass Hoi An der schönste Ort Vietnams ist. Allerdings könnte er durch den französischen Kolonialstil auch irgendwo am Mittelmeer liegen. Abends wurden die Häuser und Brücken durch viele Lampions beleuchtet, die dort hergestellt werden, was dem Ort einen unglaublich romantischen Flair gab. Wir suchten uns ein kleines Restaurant und konnten es uns nicht nehmen lassen, den Abend mit ein paar Absackern in den niedlichen Bars ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen stand unsere letzte Busetappe nach Hue an. Wir entschieden uns für ein anderes Busunternehmen, jedoch war das Ergebnis ähnlich der anderen Firma. Dieses Mal lagen wir wieder hinten. Da der Bus von einer Nachttour kamen, gingen die verbliebenen Vietnamesen ihrem Morgengeschäft nach. Irgendwann musste ich mich dann umlegen, da ich genau vor der Toilette lag und die Düfte nicht mehr ertragen wollte. Zwei der Jungs zündeten sich dann auch noch Zigaretten an, was den Morgen perfekt machte. Allerdings konnten wir beobachten, was die Vietnames so in diesen Bussen transportieren. Ein bisschen überrascht war ich dann allerdings schon, als aus einem der Ladeöffnungen ungefähr 200 Kokosnüsse purzelten. Auf dem Weg nach Hue fuhren wir an Danang vorbei, was wohl bei der internationalen Hotelunternehmen als Zielort Nummer 1 in Vietnam auserkohren wurde. Jedenfalls entstehen momentan dort großflächige Resorts und Hotelanlagen der obersten Luxusklasse. Kommunistisch ist das sicher nicht.
Während das Wetter in Hoi An etwas besser war, war der Himmel über Hue verhangen und es regnete wieder. Hue ist die ehemalige Haupstadt Vietnams, da hier die letzte Kaiserdynastie der Nguyen lebte. Wir besuchten die ehemalige Kaiserstadt, die leider durch die Bombardements im Vietnamkrieg sehr stark zerstört ist. Ähnlich wie in der verbotenen Stadt in Peking, lebte hier der Kaiser bis ins Jahr 1945. Auf dem Gelände befinden sich u.a. zwei große Wasserbecken, in denen Coys gefüttert werden können. Als Anja die Fische fütterte, drehten diese teilweise durch und drängelten sich in einem unglaublichen Spektakel, um einen Bissen abzubekommen. Gestern organisierten wir uns dann eine individuelle Bootsfahrt zu den Gräbern der Kaiser, was ein weiteres Highlight hier in Hue ist. Das wir ein bisschen abgezockt wurden, ist ärgerlich aber so ist es manchmal hier. Das Boot fuhr nämlich nur bis zu einer gewissen Stelle, von der aus wir noch mal extra wartende Mopedfahrer bezahlen mussten, die uns dann zu den Gräbern brachten. Wir hätten wieder diskutieren können, aber wozu? Da es regnete, war der Ausflug nicht sehr entspannt und wir am Ende ganz schön nass. Allerdings passte diese gewisse mystische Stimmung zu den Gräbern. Diese Anlagen glichen dann auch Tempeln, die zu Lebzeiten der Kaiser gebaut und von ihnen genutzt wurden und nicht nur als Grabstätten dienen sollten. In einem befindet sich u.a. auch das älteste Theater Vietnams.
Da wir nach unserem Ausflug nichts Weiteres unternehmen wollten, entschieden wir uns, den Nachmittag im Hotel zu verbringen. Das war eine sehr gute Idee, denn Anja's Pfannkuchen vom Morgen war wohl mit altem Öl frittiert worden, so dass ihr Magen verrücktspielte. Gut, dass wir im Hotel waren, denn er suchte bald wieder die Freiheit. Zweimal! Heute geht es ihr aber schon wieder besser.
Momentan bereiten wir unsere Abreise nach Ha Noi vor. Wie geschrieben, werden wir fliegen, denn wir haben einige Erlebnisse in den Bussen gehabt. Wiesi ist bereits angekommen, so dass wir heute Abend ein gemütliches Wiedersehen begehen können.
Aus Hanoi berichten wir dann beim nächsten Mal.
Liebe Grüße
Anja und Pat
Bevor wir aber zu den Details kommen, möchten wir noch bemerken, dass Anja und ich jetzt zwei Monate unterwegs sind. In dieser Zeit haben wir schon Vieles erlebt und freuen uns auf das Kommende. Besonders freuen wir uns aber, dass der Blog viel Interesse geweckt hat. Wir haben monatlich durchschnittlich 1000 Besucher, was für uns eine wahnsinnige Zahl ist. Neben dem Blog haben wir noch Tagebücher geführt, welche mehr Details beinhalteten. Allerdings war das sehr mühsam und wir nicht diszipliniert genug, so dass wir dies mittlerweile aufgegeben haben. Daher hat sich der Blog als die Hauptdokumentation unserer Reise heraus kristallisiert, da wir die Berichte auch separat auf unserem Rechner speichern. Ein bisschen müssen wir uns für die Qualität der Berichte entschuldigen, da sie manche Rechtschreib- und Grammatikfehlerchen aufweisen. Wir schreiben sie aber meistens recht schnell zusammen und lesen sie uns dann nur ein bis zweimal aus Zeitmangel durch. Auch haben wir Word noch nicht installiert, so dass wir keine automatische Korrektur enstellen können. Ansonsten haben wir festgestellt, dass die Zeit trotz des Jahres äusserst knapp ist. Das wussten wir vorher schon, doch besonders in den letzten Tage haben wir gemerkt, dass wir nicht richtig in die Kulturen eintauchen können und dem normalen Touristenstrom folgen. So bewegen wir uns aber an der Oberfläche der Nationen und bekommen einen Eindruck.
Jetzt aber zu den vergangenen Tagen. Ein bisschen traurig haben wir uns aus unserem Hotel und der kleinen Gasse in Saigon verabschiedet. Dieser Ort bot alles, was wir benötigten. Das Hotel war, wie bereits geschrieben, sehr komfortabel. In der Gasse war kaum Verkehr, so dass es äusserst ruhig war. Es gab ausreichend Restaurant und die nächste Bar gleich gegenüber unserem Hotel. Schräg gegenüber war eine Wäscherei, in der wir unsere Klamotten mal wieder richtig reinigen lassen konnten. Neben der Wäscherei war dann gleich ein kleines Reisebüro, in dem wir den Ausflug zu den Tunneln und unsere Bustour an der Küste buchen konnten.
Die Tour an der Küste bestand aus vier Etappen. Zwei längere Strecken von ungefähr 11h für 450 km absolvierten wir per Nachtbus, da wir uns auch so die Unterkunft sparen konnten. Für eine kürzere Etappe von 4,5h für 140km entschieden wir uns, am Tage zu fahren. Die letzte Etappe erledigen wir heute Nachmittag mit dem Flugzeug, da wir uns beim Buchen schon denken konnten, dass wir nach drei Busstrecken keine Lust mehr darauf haben werden und die letzte längere Etappe nach Hanoi komfortabler hinter uns bringen möchten. Es war schade, dass wir so viel Strecke in der Nacht zurückgelegt haben und dadurch kaum Landschaften sehen sowie Vietnams kleinere Orte erleben konnten. Ein bisschen sahen wir doch und lachten, als wir die alten W-50 LKW aus DDR-Zeiten hier im normalen Straßenbild entdeckten.
Die erste Etappe brachte uns nach Nah Trang. Wir dachten uns schon, dass die Bustour nicht sehr entspannt ablaufen würde und all unsere Erwartungen wurden erfüllt. Eingepfercht in Schlafbuchten konnten wir die Rückenschmerzen kaum erwarten. Die Füße eines Litauers trennten den Blick zu Anja. Die Jungs aus England oder Australien begossen die Fahrt mit ein paar Bierchen, so dass die Toilette schon unbenutzbar war, bevor wir Saigon überhaupt verlassen hatten. Eine amerikanische Plaudertasche quasselte sich wegen der ganzen Aufregung den Mund fusselig. Doch konnte es dann endlich losgehen, nachdem wir die letzten freien Plätze im Bus mit schwarzfahrenden Vietnamesen gefüllt hatten. Anja und ich lagen über der Hinterachse, die den Bus durch jedes Schlagloch hochschaukeln ließ. Das es davon viele gab, bekamen wir natürlich am Besten mit.
In Nah Trang kamen wir gegen 8 Uhr morgens an. Es regnete in Strömen. Wir fanden ein annehmbares Hotel in der Nähe des Meeres, doch konnten wir die Vorzüge dieses touristischen Strandortes durch den Regen nicht ausnutzen. Wir entschieden uns daher, den Schlaf im Hotel nachzuholen. Dies war aber nicht unsere Beste Idee, da wir uns nur im Halbschlaf hin und her wälzten. Wir wollten daher die Stadt erkunden und liefen wie Zombies durch die Strassen. Die Stadt ist voll auf Strand- und Tauchtouristen eingerichtet und so voller Restaurants, Bars und Souvenirläden. Plötzlich hatten Anja und ich eine fantastische Idee und ließen uns die Strapazen der letzten Nacht eine Stunde lang aus unseren Körpern massieren. Etwas lebendiger konnte es weiter gehen. Abends folgten wir den Spuren der Backpacker in die vollsten Bars. Als wir mitten auf dem Weg zu einer zweiten Kneipe waren, die nur 200m entfernt war, wurden wir von einem weiteren heftigen Regenschauer überrascht. Wir mussten uns sogar in einen Hauseingang retten, da die Gullis das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten und die Bürgersteige überschwemmt wurden. Letztendlich entschieden wir uns, unsere Schuhe auszuziehen, durch das knöcheltiefe Wasser zu waten, um halb durchnässt in der Bar anzukommen. Ins Hotel kamen wir an diesem Abend nur rennend und völlig durchnässt, da wir die Nacht nicht in der Kneipe verbringen wollten. Am nächsten Tag blieben wir im Bett und gingen nur zum Essen nach draußen, da am Abend die nächste Nachtbusfahrt bevorstand.
Die zweite Etappe nach Hoi An (noch nicht Hanoi) ist in unserem Reiseführer als "Höllenfahrt" beschrieben. Also waren unsere Erwartungen wieder begrenzt. Dieses Mal wurden uns vordere Plätze zugewiesen, so dass wir über der Vorderachse lagen und jedes Schlagloch durch lautes Knallen mitbekamen. Im Gegenteil zu den Hinterachsen müssen die Stoßdämpfer vorn also völlig runter gewesen sein. Das Problem war, dass man nicht zu sehr mit dem Gesicht am Fenster oder dem Gestänge liegen sollte, da man sich ansonsten beim nächsten Schlagloch eine blaue Nase oder Zahnschmerzen hätte zuziehen können. Anja und ich hatten unsere Problemchen, jedoch arrangierten wir uns mit der Situation. Ein bisschen erschrocken reagierte Anja, als sie in der Nacht einen der Busfahrer im Gang neben sich schlafend entdeckte und sie Tüten einer Frau ins Gesicht bekam, die über sie drüber steigen musste, da der Gang ja belegt war. Genervt stiegen wir wieder gegen 8 Uhr in Hoi An aus. Als wir unsere Taschen nahmen, erschraken wir beide plötzlich, da meine Tasche auf der Rückseite aufgerissen war. Total aufgebracht wollten wir unsere Frustration an den Busfahrern auslassen. Dies ist allerdings nicht möglich, da die Fahrer wie die meisten Vietnamesen kaum Englisch sprechen und jegliche Diskussionen zu nichts führen. Man steigert sich selber nur weiter und regt sich noch mehr auf, ohne ein adequates Ergebnis zu erreichen. Als tapfere Reisende mussten wir also diese Pille schlucken, auch wenn sie äusserst bitter war. Letztendlich ist der Schaden auch nur materiell und Anja konnte den Riss halbwegs wieder nähen. Es ist aber verdammt ärgerlich!! Die Hauptsache ist aber, dass keiner verletzt oder krank ist. Mit solchen Ereignissen mussten wir rechnen.
Allerdings wurden wir entschädigt, als wir die Altstadt Hoi An's betraten. Sie ist eine Mischung aus chinesischer, japanischer und französischer Architektur mit kleinen Gassen, chinesichen Holzhäusern und Tempeln, japanischen Brücken und französischen Kolonialbauten. Beim letzten Mal hätte es heißen sollen, dass wir die Hotelsuche weiter optimieren, denn in Hoi An hatten wir kleinere Problemchen. Das erste Hotel wurde gerade umgebaut, während unsere zweite Wahl geschlossen war. Letztendlich wurden wir in der Altstadt fündig, ohne unser Budget zu überschreiten. Es gab nämlich auch richtig tolle Hotels mit europäischen Preisen, die wir jedoch nicht zahlen wollten. Unser Hotel war auch eines dieser Kolonialbauten, jedoch hatte es die Innenausstattung unseres Zimmers wenigstens bis in die siebziger Jahre geschafft. Es muchelte etwas, aber ansonsten war es annehmbar. Dieses Mal holten wir den Schlaf nicht nach, sondern stürzten uns gleich in die Gassen. Wir waren sofort von diesem kleinen, schönen und ruhigen Örtchen begeistert. Überall gab es kleine Handwerkerlädchen, unzählige Schneidereien, in denen man sich günstige Kleider und Anzüge machen lassen kann, Cafés und Kunstgallerien. Wir hatten gelesen und können nur bestätigen, dass Hoi An der schönste Ort Vietnams ist. Allerdings könnte er durch den französischen Kolonialstil auch irgendwo am Mittelmeer liegen. Abends wurden die Häuser und Brücken durch viele Lampions beleuchtet, die dort hergestellt werden, was dem Ort einen unglaublich romantischen Flair gab. Wir suchten uns ein kleines Restaurant und konnten es uns nicht nehmen lassen, den Abend mit ein paar Absackern in den niedlichen Bars ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen stand unsere letzte Busetappe nach Hue an. Wir entschieden uns für ein anderes Busunternehmen, jedoch war das Ergebnis ähnlich der anderen Firma. Dieses Mal lagen wir wieder hinten. Da der Bus von einer Nachttour kamen, gingen die verbliebenen Vietnamesen ihrem Morgengeschäft nach. Irgendwann musste ich mich dann umlegen, da ich genau vor der Toilette lag und die Düfte nicht mehr ertragen wollte. Zwei der Jungs zündeten sich dann auch noch Zigaretten an, was den Morgen perfekt machte. Allerdings konnten wir beobachten, was die Vietnames so in diesen Bussen transportieren. Ein bisschen überrascht war ich dann allerdings schon, als aus einem der Ladeöffnungen ungefähr 200 Kokosnüsse purzelten. Auf dem Weg nach Hue fuhren wir an Danang vorbei, was wohl bei der internationalen Hotelunternehmen als Zielort Nummer 1 in Vietnam auserkohren wurde. Jedenfalls entstehen momentan dort großflächige Resorts und Hotelanlagen der obersten Luxusklasse. Kommunistisch ist das sicher nicht.
Während das Wetter in Hoi An etwas besser war, war der Himmel über Hue verhangen und es regnete wieder. Hue ist die ehemalige Haupstadt Vietnams, da hier die letzte Kaiserdynastie der Nguyen lebte. Wir besuchten die ehemalige Kaiserstadt, die leider durch die Bombardements im Vietnamkrieg sehr stark zerstört ist. Ähnlich wie in der verbotenen Stadt in Peking, lebte hier der Kaiser bis ins Jahr 1945. Auf dem Gelände befinden sich u.a. zwei große Wasserbecken, in denen Coys gefüttert werden können. Als Anja die Fische fütterte, drehten diese teilweise durch und drängelten sich in einem unglaublichen Spektakel, um einen Bissen abzubekommen. Gestern organisierten wir uns dann eine individuelle Bootsfahrt zu den Gräbern der Kaiser, was ein weiteres Highlight hier in Hue ist. Das wir ein bisschen abgezockt wurden, ist ärgerlich aber so ist es manchmal hier. Das Boot fuhr nämlich nur bis zu einer gewissen Stelle, von der aus wir noch mal extra wartende Mopedfahrer bezahlen mussten, die uns dann zu den Gräbern brachten. Wir hätten wieder diskutieren können, aber wozu? Da es regnete, war der Ausflug nicht sehr entspannt und wir am Ende ganz schön nass. Allerdings passte diese gewisse mystische Stimmung zu den Gräbern. Diese Anlagen glichen dann auch Tempeln, die zu Lebzeiten der Kaiser gebaut und von ihnen genutzt wurden und nicht nur als Grabstätten dienen sollten. In einem befindet sich u.a. auch das älteste Theater Vietnams.
Da wir nach unserem Ausflug nichts Weiteres unternehmen wollten, entschieden wir uns, den Nachmittag im Hotel zu verbringen. Das war eine sehr gute Idee, denn Anja's Pfannkuchen vom Morgen war wohl mit altem Öl frittiert worden, so dass ihr Magen verrücktspielte. Gut, dass wir im Hotel waren, denn er suchte bald wieder die Freiheit. Zweimal! Heute geht es ihr aber schon wieder besser.
Momentan bereiten wir unsere Abreise nach Ha Noi vor. Wie geschrieben, werden wir fliegen, denn wir haben einige Erlebnisse in den Bussen gehabt. Wiesi ist bereits angekommen, so dass wir heute Abend ein gemütliches Wiedersehen begehen können.
Aus Hanoi berichten wir dann beim nächsten Mal.
Liebe Grüße
Anja und Pat
... link (3 Kommentare) ... comment
Samstag, 4. Dezember 2010
Saigon - modern, lebhaft, freundlich
anjapat, 14:45h
Hallo Ihr Lieben,
Wie bereits im letzten Bericht geschrieben, sind wir unfreiweilig etwas früher in Saigon, das eigentlich Ho-Chi-Minh-Stadt heisst, gelandet. Zum Einen ärgerte uns, dass wir nicht richtig vorbereitet waren, zum Anderen wollten wir noch nicht in die Großstadt. Nichtdestotrotz perfektionieren Anja und ich unsere Hotelsuche immer mehr und werden schneller fündig. Nach unserer Ankunft auf dem Busbahnhof haben wir uns von einem Taxi in der Mini-Hotel-Gasse absetzen lassen. Das ist eine kleine Strasse zwischen zwei Hauptachsen, in der es ungefähr 30 kleine Hotels gibt. Da das Angebot weit über der Nachfrage liegt, sind die Preise moderat und man kann sich seine Unterkunft in Ruhe aussuchen. Diese Chance ließen wir uns nicht nehmen und klapperten ein Hotel nach dem anderen ab. Die gefühlte Nummer 17 erhielt dann unseren Zuschlag und wir waren äusserst froh über unsere Entscheidung und freuten uns mittlerweile doch auf die nächsten Tage in dieser Metropole.
Saigon wird von unserem Reisführer wie folgt beschrieben: "Auch wenn zunächst das blanke Chaos herrscht, strahlt Saigon auf die Besucher doch eine magische Ruhe aus, die in starkem Gegensatz zum alltäglichen Tempo steht." Diese Aussage mussten wir uns ein paar Mal durchlesen, da wir damit nicht so richtig etwas anfangen konnten und auch die magische Ruhe gesucht haben. OK, Saigon war grüner und bepflanzter als andere Städte bisher und irgendwie lief alles einen gewohnten Gang ab. Jedoch war dieser extrem hoch und auf den Strassen war durch die vielen Mopeds der Wahnsinn los. Hier erlebten wir zum ersten Mal, dass ein Stau nur durch Mopeds verursacht wurde. Nichtdestotrotz gefiel uns Saigon, auf seine irgendwie eigene Art. Die Stadt ist sehr modern und die Menschen sind super freundlich, was gar nicht so typisch für eine Großstadt ist.
Beim Stadterkunden sind Anja und ich auf ein deutsches Restaurant gestoßen und konnten nicht vorbeigehen. Nach so vielen Tagen ohne deutsches Essen, wollten wir die Chance nicht auslassen. Wir bestellten uns des Metzger's Schlachteplatte für zwei und genossen unsere Rouladen, Bratwürste und Schnitzel mit Sauer- und Rotkraut und dazu gab es Knödel, Bratkartoffeln und Spätzle. Dick und rundgefuttert schlossen wir das Mahl standesgemäß mit einem Jägermeister ab. Auch beim Spaziergang durch einen Park entdeckten wir etwas Spannendes. Eine Gruppe Schüler war gerade dabei, ihre Leibesübungen nach bekanntem sozialistischen Muster durchzuführen, als wir den Aufdruck auf den T-Shirts entzifferten. Die Schule der Kinder muss wohl Ernst Thälmann gewidmet worden sein, da es groß auf dem Rücken zu lesen war. Wir mussten schmunzeln und dies natürlich festhalten.
Jedenfalls unternahmen wir noch, was wohl jeder Saigonbesucher hier in der Stadt macht. Am ersten Tag besuchten wir das Kriegsrestemuseum und betrachteten uns die schrecklichen Zeitzeugen der amerikanischen Grausamkeiten. Uns war klar, dass das Museum eine bestimmte Aussage verfolgen würde, doch brauchten die Bilder keine Erklärung. Der Krieg war, wie so viele sinnlose Auseinandersetzungen, ein Machtspiel von Systemen. Die Vietnamesen nutzten die Chance des zweiten Weltkrieges, um sich von seiner Kolonialmacht Frankreich zu befreien, das durch den Einmarsch der NS-Wehrmacht seine Interesse nicht verfolgen konnte. Nach dem Krieg wollte Frankreich seinen Anspruch wieder etablieren und wurde dabei von den Amerikanern unterstützt, die eine größere Präsenz im Pazifikraum und auch mehr Einfluss gegenüber den sozialistischen Ländern China und der Sowjetunion verfolgten. Das Ergebnis dieser ersten Kriege war die Aufteilung Vietnams in Nord und Süd, wobei der Norden an China ging und der Süden an die Briten. Ähnlich wie in Deutschland wurde eine künstliche Grenze gezogen. Im Norden entwickelte sich die kommunistische Befreiungsarmee Viet-Cong um Ho Chi Minh, der den Süden in einem Guerilla-Krieg von den westlichen Mächten befreien wollte. Der Viet-Cong wurde von den sozialistischen Mächten beliefert während die Armee des Süden ihre Waffen von den westlichen Mächten erhielt. Da der kommunistische Viet-Cong mit seiner Guerilla-Kriegsart immer erfolgreicher gegenüber den militärisch überlegenem Westens, entschied sich die USA mit einem Großaufgebot erst an finanziellen Mitteln dann an Soldaten einzugreifen. Das Ergebnis dieses kalten Krieges, der im Gegensatz zu Deutschland von den Großmächten militärisch ausgefochten wurde, war besonders unter der Zivilbevölkerung verherend. Da sich immer mehr Vietnamesen gegen den Westen und den Krieg auflehnten, gaben die USA letztendlich den unsinnigen Befehl, alle Verdächtigen umzubringen. Es wurden Napalm- und Phosphorbomben eingesetzt, die größte Verbrennungen verursachten, aber auch die fürchterlichsten Foltermethoden und chemischen Waffen angewendet. Allerdings setzte sich die vietnamesische Bevölkerung geschickt gegen die Großmacht ein und zwang die USA nach 15 Jahren Krieg und großem internationalen und nationalen Druck zum Rückzug. Saigon, sowie der gesamte Süden Veitnams, wurde von den Kommunisten übernommen und die Stadt nach Ho-Chi-Minh benannt, was aber von der Bevölkerung noch nicht akzeptiert ist. Nichtdestotrotz ist es bewundernswert, dass es keine Spannungen innerhalb der Bevölkerung gibt. Des Weiteren weht auch nur die kommunistische Flagge und die Politik verfolgt sozialistische Ansätze, während auf den Strassen und im Leben der Vietnamesen die pure Marktwirtschaft herrscht. Sicherlich gibt es noch weitere Details, die wir nicht bedacht haben, aber ich hoffe, dass wir die Geschichte halbwegs richtig dargestellt bzw. verstanden haben. Im Museum waren neben den vielen Fotos und Reportagen, die Resultate der chemischen Waffen an Babylaichen und die Protestaktionen der Welt ausgestellt. Dabei stießen wir auf mehrere Poster der DDR-Regierung, die natürlich die kommunistischen Einheiten unterstützten.
Am nächsten Tag schauten wir uns die Tunnelanlagen der Region Cu Chi an. Dort hatte die kommunistische Armee ein Tunnelnetz von über 200 km und drei Etagen tief angelegt, um sich so gegen die amerikanischen Einheiten erfolgreich durchzusetzen. Neben den Tunnelanlagen sahen wir die Menschenfallen, die eigentlich zum Jagen von Tieren genutzt wurden, Krater von B-52-Bomben und zerstörte Panzer der amerikanischen Armee. Die Tunnel waren echt beeindruckend und so eng und versteckt, dass die Amis nicht eindringen konnten. Während Anja nur gebückt durch die Gänge laufen konnte, watschelte ich im Entenschritt hinterher wobei ich den Tunnel komplett ausfüllte. Auf der Anlage kann man auch mit übrig geblieben Waffen Schießübungen machen, was auf Grund der Historie sehr merkwürdig ist. Es war schön zu sehen, dass niemand unserer Gruppe Lust auf das Rumballern hatte. Im Großen und Ganzen ist es schrecklich, diese Bilder des Krieges zu sehen und wir stellen uns immer wieder die Frage, warum der Mensch nicht fähig ist, friedlich miteinander zu leben.
Da wir nach Saigon in Richtung Norden nach Hanoi wollen, haben wir uns entschieden die Strecke von über 1500 km an der Küste entlang innerhalb einer Woche teilweise mit dem Bus zu meistern. Mittlerweile sind wir auch schon in Nah Trang angekommen und berichten von unserer abenteuerlichen Fahrt mit dem Nachtbus aber beim nächsten Mal. In Hanoi werden wir Kumpel Wiesi treffen, worauf wir uns jetzt schon freuen. Das liegt aber nicht nur an DEN Packungen Toffifee für Anja. ;-)
Seid gegrüßt
Anja und Pat
Wie bereits im letzten Bericht geschrieben, sind wir unfreiweilig etwas früher in Saigon, das eigentlich Ho-Chi-Minh-Stadt heisst, gelandet. Zum Einen ärgerte uns, dass wir nicht richtig vorbereitet waren, zum Anderen wollten wir noch nicht in die Großstadt. Nichtdestotrotz perfektionieren Anja und ich unsere Hotelsuche immer mehr und werden schneller fündig. Nach unserer Ankunft auf dem Busbahnhof haben wir uns von einem Taxi in der Mini-Hotel-Gasse absetzen lassen. Das ist eine kleine Strasse zwischen zwei Hauptachsen, in der es ungefähr 30 kleine Hotels gibt. Da das Angebot weit über der Nachfrage liegt, sind die Preise moderat und man kann sich seine Unterkunft in Ruhe aussuchen. Diese Chance ließen wir uns nicht nehmen und klapperten ein Hotel nach dem anderen ab. Die gefühlte Nummer 17 erhielt dann unseren Zuschlag und wir waren äusserst froh über unsere Entscheidung und freuten uns mittlerweile doch auf die nächsten Tage in dieser Metropole.
Saigon wird von unserem Reisführer wie folgt beschrieben: "Auch wenn zunächst das blanke Chaos herrscht, strahlt Saigon auf die Besucher doch eine magische Ruhe aus, die in starkem Gegensatz zum alltäglichen Tempo steht." Diese Aussage mussten wir uns ein paar Mal durchlesen, da wir damit nicht so richtig etwas anfangen konnten und auch die magische Ruhe gesucht haben. OK, Saigon war grüner und bepflanzter als andere Städte bisher und irgendwie lief alles einen gewohnten Gang ab. Jedoch war dieser extrem hoch und auf den Strassen war durch die vielen Mopeds der Wahnsinn los. Hier erlebten wir zum ersten Mal, dass ein Stau nur durch Mopeds verursacht wurde. Nichtdestotrotz gefiel uns Saigon, auf seine irgendwie eigene Art. Die Stadt ist sehr modern und die Menschen sind super freundlich, was gar nicht so typisch für eine Großstadt ist.
Beim Stadterkunden sind Anja und ich auf ein deutsches Restaurant gestoßen und konnten nicht vorbeigehen. Nach so vielen Tagen ohne deutsches Essen, wollten wir die Chance nicht auslassen. Wir bestellten uns des Metzger's Schlachteplatte für zwei und genossen unsere Rouladen, Bratwürste und Schnitzel mit Sauer- und Rotkraut und dazu gab es Knödel, Bratkartoffeln und Spätzle. Dick und rundgefuttert schlossen wir das Mahl standesgemäß mit einem Jägermeister ab. Auch beim Spaziergang durch einen Park entdeckten wir etwas Spannendes. Eine Gruppe Schüler war gerade dabei, ihre Leibesübungen nach bekanntem sozialistischen Muster durchzuführen, als wir den Aufdruck auf den T-Shirts entzifferten. Die Schule der Kinder muss wohl Ernst Thälmann gewidmet worden sein, da es groß auf dem Rücken zu lesen war. Wir mussten schmunzeln und dies natürlich festhalten.
Jedenfalls unternahmen wir noch, was wohl jeder Saigonbesucher hier in der Stadt macht. Am ersten Tag besuchten wir das Kriegsrestemuseum und betrachteten uns die schrecklichen Zeitzeugen der amerikanischen Grausamkeiten. Uns war klar, dass das Museum eine bestimmte Aussage verfolgen würde, doch brauchten die Bilder keine Erklärung. Der Krieg war, wie so viele sinnlose Auseinandersetzungen, ein Machtspiel von Systemen. Die Vietnamesen nutzten die Chance des zweiten Weltkrieges, um sich von seiner Kolonialmacht Frankreich zu befreien, das durch den Einmarsch der NS-Wehrmacht seine Interesse nicht verfolgen konnte. Nach dem Krieg wollte Frankreich seinen Anspruch wieder etablieren und wurde dabei von den Amerikanern unterstützt, die eine größere Präsenz im Pazifikraum und auch mehr Einfluss gegenüber den sozialistischen Ländern China und der Sowjetunion verfolgten. Das Ergebnis dieser ersten Kriege war die Aufteilung Vietnams in Nord und Süd, wobei der Norden an China ging und der Süden an die Briten. Ähnlich wie in Deutschland wurde eine künstliche Grenze gezogen. Im Norden entwickelte sich die kommunistische Befreiungsarmee Viet-Cong um Ho Chi Minh, der den Süden in einem Guerilla-Krieg von den westlichen Mächten befreien wollte. Der Viet-Cong wurde von den sozialistischen Mächten beliefert während die Armee des Süden ihre Waffen von den westlichen Mächten erhielt. Da der kommunistische Viet-Cong mit seiner Guerilla-Kriegsart immer erfolgreicher gegenüber den militärisch überlegenem Westens, entschied sich die USA mit einem Großaufgebot erst an finanziellen Mitteln dann an Soldaten einzugreifen. Das Ergebnis dieses kalten Krieges, der im Gegensatz zu Deutschland von den Großmächten militärisch ausgefochten wurde, war besonders unter der Zivilbevölkerung verherend. Da sich immer mehr Vietnamesen gegen den Westen und den Krieg auflehnten, gaben die USA letztendlich den unsinnigen Befehl, alle Verdächtigen umzubringen. Es wurden Napalm- und Phosphorbomben eingesetzt, die größte Verbrennungen verursachten, aber auch die fürchterlichsten Foltermethoden und chemischen Waffen angewendet. Allerdings setzte sich die vietnamesische Bevölkerung geschickt gegen die Großmacht ein und zwang die USA nach 15 Jahren Krieg und großem internationalen und nationalen Druck zum Rückzug. Saigon, sowie der gesamte Süden Veitnams, wurde von den Kommunisten übernommen und die Stadt nach Ho-Chi-Minh benannt, was aber von der Bevölkerung noch nicht akzeptiert ist. Nichtdestotrotz ist es bewundernswert, dass es keine Spannungen innerhalb der Bevölkerung gibt. Des Weiteren weht auch nur die kommunistische Flagge und die Politik verfolgt sozialistische Ansätze, während auf den Strassen und im Leben der Vietnamesen die pure Marktwirtschaft herrscht. Sicherlich gibt es noch weitere Details, die wir nicht bedacht haben, aber ich hoffe, dass wir die Geschichte halbwegs richtig dargestellt bzw. verstanden haben. Im Museum waren neben den vielen Fotos und Reportagen, die Resultate der chemischen Waffen an Babylaichen und die Protestaktionen der Welt ausgestellt. Dabei stießen wir auf mehrere Poster der DDR-Regierung, die natürlich die kommunistischen Einheiten unterstützten.
Am nächsten Tag schauten wir uns die Tunnelanlagen der Region Cu Chi an. Dort hatte die kommunistische Armee ein Tunnelnetz von über 200 km und drei Etagen tief angelegt, um sich so gegen die amerikanischen Einheiten erfolgreich durchzusetzen. Neben den Tunnelanlagen sahen wir die Menschenfallen, die eigentlich zum Jagen von Tieren genutzt wurden, Krater von B-52-Bomben und zerstörte Panzer der amerikanischen Armee. Die Tunnel waren echt beeindruckend und so eng und versteckt, dass die Amis nicht eindringen konnten. Während Anja nur gebückt durch die Gänge laufen konnte, watschelte ich im Entenschritt hinterher wobei ich den Tunnel komplett ausfüllte. Auf der Anlage kann man auch mit übrig geblieben Waffen Schießübungen machen, was auf Grund der Historie sehr merkwürdig ist. Es war schön zu sehen, dass niemand unserer Gruppe Lust auf das Rumballern hatte. Im Großen und Ganzen ist es schrecklich, diese Bilder des Krieges zu sehen und wir stellen uns immer wieder die Frage, warum der Mensch nicht fähig ist, friedlich miteinander zu leben.
Da wir nach Saigon in Richtung Norden nach Hanoi wollen, haben wir uns entschieden die Strecke von über 1500 km an der Küste entlang innerhalb einer Woche teilweise mit dem Bus zu meistern. Mittlerweile sind wir auch schon in Nah Trang angekommen und berichten von unserer abenteuerlichen Fahrt mit dem Nachtbus aber beim nächsten Mal. In Hanoi werden wir Kumpel Wiesi treffen, worauf wir uns jetzt schon freuen. Das liegt aber nicht nur an DEN Packungen Toffifee für Anja. ;-)
Seid gegrüßt
Anja und Pat
... link (1 Kommentar) ... comment
Mittwoch, 1. Dezember 2010
Liebe Vietnamesen,
anjapat, 15:00h
vielen Dank für die erlebten Ereignisse und schönen Momente der letzten drei Tage. Wir sind sehr glücklich, dass wir ein bisschen Euer wahres Leben kennen gelernt haben und etwas hinter die Kulissen schauen durften. Besonders beeindruckt sind wir von Eurer Freundlichkeit, die uns überall entgegen strahlte und die Offenheit, überall willkommen zu sein. Wir haben uns überall sehr wohl und geborgen gefühlt und sind dafür sehr dankbar. Das nicht alles so laufen kann, wie wir uns das vorgestellt haben, ist ärgerlich, aber dazu später mehr.
Alles begann an der Grenze zwischen Kambodscha und Eurem schönen Land. Wir hatten uns ein Ticket von Sihanoukville nach Chau Doc organisiert. Da der Grenzübergang bei Ha Tien erst vor 1 oder 2 Jahren geöffnet wurde, mussten wir schmunzeln, als wir auf kambodschanischer Seite auf einem Feldweg anreisten. Auch der Posten selbst war der einfachste, den wir bis dato gesehen hatten. Auf kambodschanischer Seite gab es nur ein paar Holzbaracken bei den Schlagbäumen, während es auf vietnamesischer Seite etwas formaler ablief. Es dauerte eine Weile, bis die Kontrolle des Visums durchgeführt wurde, doch waren wir bald im Büro unseres Busunternehmens auf vietnamesischer Seite angekommen. Da wir die einzigen waren, die weiter nach Chau Doc wollten, wurden wir zu einem lokalen Bus gebracht und tuckelten inmitten unterschiedlichster Mitfahrer die 120 km von Dorf zu Dorf. Das dauerte natürlich etwas länger, als wir gedacht hatten. Für uns war es aber trotzdem eine interessante Erfahrung, da wir nicht in einem Touribus durch Euer schönes Land rasten.
In Chau Doc wollten natürlich mehrere Mopedfahrer unser Gepäck transportieren, doch mussten wir uns erstmal orientieren. Dabei kristallisierte sich Vang aus der Gruppe heraus, da er uns auch gleich ein Hotel empfahl. Wir hatten mal wieder keines im Voraus gebucht, was wir seit Bangkok auch noch nicht bereut haben. Allerdings sind wir diesen Situationen immer etwas misstrauisch gegenüber, was wahrscheinlich ganz normal ist. Jedenfalls akzeptierten wir Vangs Hotelvorschlag, da es sehr sauber und gemütlich war und unseren preislichen Erwartungen entsprach. Vang lud uns ein, am nächsten Tag die Umgebung zu erkunden, so dass wir nicht die normalen Touristentouren machen würden. Zwar war das seine Masche und es war auch etwas teurer, doch wollten wir die vietnamesische Kultur individueller erleben. Am nächsten Morgen stand er dann auch schon mit einem Fahrer auf einem zweiten Moped bereit und nahm uns auf eine wunderbare Fahrt durch die Reisfelder mit. Wir gingen zu den Erntehelfern auf die Felder, sahen die Reismaschinen und natürlich, wie das wichtige Gut am Strassenrand getrocknet und verladen wurde. Vang erzählte uns, dass sich die nicht-staatlichen Bauern momentan eine goldene Nase verdienen, da die Lebensmittelpreise durch das Bevölkerungswachstum weltweit steigen und besonders Südafrika und Indonesien den vietnamesischen Reis nachfragen. Ein Exportschlager seien daher auch vietnamesische Landwirtschaftsexperten, die in den anderen Ländern den Reisanbau vermitteln sollen. An einer Stelle machten wir eine Pause, kletterten über eine kleine Brücke aus Baumstämmen, genannt Monkeybridge (Affenbrücke) und gesellten uns zu den Erntehelfen, die gerade ihr Mittagessen zu sich nahmen. Natürlich ist uns aufgefallen, wie stolz die Familie und besonderes die Kids am Imbiss waren. Während dieser Fahrt trafen wir mehrere Eurer vietnamesischen Landsleute, die freudestrahlend in unsere Kameras schauten. Zum Abschluss fuhren wir dann auf den Sam Mountain, der durch seine Tempel und heiligen Höhlen ein Ort für viele Pilger ist. Es war ein wunderbarer Ausflug mit unvergesslichen Eindrücken von den Reisfeldern. Nach dem wir uns auf dem lokalen Markt gestärkt hatten, brachte uns Vang und sein Kollege dankenswerter Weise noch zum Bus nach Can Tho, der auch nur von Euch Vietnamesen genutzt wurde, aber als Express direkt und damit schneller fuhr.
Der Bus war ein neues Modell von Mercedes und zischte über die Strassen. Er war sehr komfortabel und wir fanden noch Platz in der letzten Reihe, obwohl er eigentlich schon voll besetzt war. Wir wussten, dass die Route von der Grenzstadt Chau Doc nach Can Tho die Hauptschmuggelroute ins Mekong Delta war. Daher waren wir nicht sehr überrascht, als wir bei einem der Busleute eine doppelte Kleidung entdeckten unter der eine Weste und zweite Hose aus Zigarettenschachteln versteckt waren. Ein wenig verdutzt staunten wir dann allerdings, als die Mutter, mit deren kleiner Tochter Anja die ganze Zeit spielte, ihrerseits ihre Kleidung lüftete und versteckte Zigaretten zum Vorschein brachte. So ist dies halt, dachten wir uns, und bekamen die Bestätigung, dass Ihr Vietnamesen euch schon zu helfen wisst.
Generell sahen wir einige Dinge, die uns stark an unsere eigene Vergangenheit erinnerte. Da Vietnam eine sozialistische Republik ist, sind uns Hammer und Sichel, Pioniere und Propaganda-Poster im Straßenbild gut bekannt. Im Gegensatz zur DDR haben jedoch viele internationale Firmen und Marken Einzug gehalten, auch wenn viele billige Kopien sind, und es fehlt an nichts. Die Läden sind voll und auf den Märkten herrscht ein reges Treiben. Des Weiteren ist uns positiv aufgefallen, dass es eine Müllabfuhr gibt, die sich in Kambodscha noch in einem gefühlten Versuchsstatus befindet. Internet ist, wie bisher fast überall, frei zugänglich, so dass eine gewisse Informationsfreiheit besteht. Allerdings habt ihr die Seiten von Facebook gesperrt, so dass wir unsere Freunde auf diesem Wege in der nächsten Zeit nicht erreichen können.
Da es in unserem Hotel auch Internet gab, nutzten wir die Chance, mal wieder mit unseren Lieben in der Heimat zu telefonieren. Dank Skype konnten wir sogar eine Videokonferenz mit Anjas Eltern abhalten. Es ist schon unglaublich, wie einfach es heute ist, mit seinen Leuten in Kontakt zu bleiben. Gestern hatte nämlich auch mein kleiner Bruder Paul in Uganda Geburtstag und wir konnten ihm telefonisch gratulieren. Das Schuljahr ist für ihn genauso wie für seine Brüder beendet und sie sind mittlerweile alle zu Hause. Die Mutter Jane hat somit wieder das Haus voll und kann sich um die Burschen kümmern. Ihnen geht es gut, obwohl alle gesundheitlich ein bisschen angeschlagen waren. Bei dem straffen Schulprogramm zeigen die Körper irgendwann Ermüdungserscheinungen. Es war nach langer Zeit schön, alle ihre Stimmen zu hören. Gerade in der Ferienzeit vermisse ich die Jungs sehr, besonders da ich sie im letzten Jahr um diese Zeit für 4 Wochen besucht hatte.
Angekommen in Can Tho blieb der Ansturm der Mopedfahrer aus, so dass wir uns ein Taxi zu einem Hotel nahmen. Mr. Sang empfang uns freundlich und las in unseren Augen ab, dass wir Lust auf eine private Fahrt im erweiterten Mekong-Delta hatten. Am nächsten Morgen ging es dafür bereits um 5:30 Uhr los. In der Hotellobby wartete bereits Cong, der uns sogleich zu seinem Boot brachte, so dass Anja und ich noch vor Sonnenaufgang mit einem kleinen Holzboot im Mekong Delta herumshipperten. Wir waren nicht die einzigen Touristen, die sich für eine private Fahrt entschieden hatten, und grüßten uns gegenseitig. Die ersten Stationen waren die schwimmenden Märkte von Can Tho. Da wir keine große Vorstellung hatten, schauten wir den Verhandlungen der Kaufleute auf den unterschiedlichen Schiffen zu. Viele Gemüse, wie Zwiebeln, Salate, Kartoffeln und Obst wechselten die Besitzer. Zusätzlich gab es aber auch viele Dinge des täglichen Bedarfs, die von Board zu Board gereicht wurden. Plötzlich tauchte neben uns ein kleines Boot auf, auf dem ein kleiner Junge mit mehreren Bananen saß und uns seine Mutter frisch gekochten Kaffee und andere Getränke anbot. Wir waren also auf einmal Teil des Geschehens und des Markttreibens, denn die Frau hatte sich wie ein Imbißstand auf die Versorgung der Touristen spezialisiert. Anja und ich waren von der Idee begeistert, um diese Uhrzeit einen Kaffee zu trinken, und kauften gleich noch eine Getränk für Cong. Nach diesem ersten Markttreiben besuchten wir eine Fabrik, in der Glasnudeln hergestellt wurde. Wieder durften wir Zeugen sein, wie das Leben in Vietnam abläuft. Auf dem zweiten Markt ging es dann etwas ruhiger zu. Dort waren die Frauen damit beschäftigt, kleinere Mengen an Gemüse, Obst und Reis zu vertreiben, um die kleineren lokalen Märkte bzw. Gemüsestände zu versorgen. Immernoch begeistert vom Kaffeebötchen, fragten wir Cong, ob er uns von einer Marktfrau ein paar Baby-Ananas als Frühstück organisieren könnte. Freundlich willigte er ein und schnitt uns unsere beiden Früchte dann auch gleich zurecht.
Der Vorteil von den kleinen Booten und den privaten Touren ist, dass wir auch in die Kanäle und damit ins wahre Mekongdelta eindringen konnten. Dort erwartete uns eine ganz andere Welt, als das Treiben auf dem breiten Fluss. Nach den Marktbesuchen bog Cong mit unserem Kahn ab und zeigte uns das Leben dort. Wir besuchten kleine Reisfelder, bestaunten wie üppig Mutter Natur bewachsen war, gingen durch die Siedlungen auf den von Kanälen umgebenen Inseln und konnte in die Häuser der dort lebenden Menschen schauen. Überall wurden wir freudig begrüßt und die Kinder der Bewohner winkten uns zu und präsentierten uns stolz ihr "Hello!" Bei den kleineren war es manchmal etwas schwieriger und Mama und Papa bzw Opa mussten ein wenig nachhelfen. Wir fragten uns, ob daher die Freundlichkeit von Euch Vietnamesen kommt, da ihr schon im Babyalter uns Touristen freundlich grüßt und manchmal durch Eure Eltern auch müsst. Egal, wir freuten uns, genossen die Aufmerksamkeit und winkten immer fröhlich zurück. Nach all diesen Erlebnissen und Begegnungen fuhren wir nach einem kurzen Mittagssnack zurück ins Hotel und bereiteten uns auf unsere Abfahrt vor.
Anja und ich entschieden, noch ein bisschen Zeit im Mekong Delta zu verbringen und wollten dafür My Tho und Ben Tre ansteuern. Wir hatten uns dazu ein Busticket organisiert. Die Menschen in Can Tho waren ganz stolz, dass wir mit ihrem neuen Service, der direkt bis nach Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) verkehrt, fahren würden. Wir besprachen mit dem Busunternehmen, dass wir nur bis My Tho fahren würden, und buchten unser Ticket dementsprechend. Uns wurde versichert, dass dies kein Problem sei und der Busfahrer dies auch wüsste. Beim Beladen fragte ich explizit noch einmal nach, und unser Vorhaben wurde nochmals bestätigt. Nun könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen, dass Anja und ich extrem frustiert und aufgebracht waren, als wir den Bus nach dreieinhalb Stunden Fahrt und einer komischen Pause verlassen musste, um festzustellen, dass wir doch nach Saigon gebracht wurden. Sowohl der Busfahrer und sein Begleiter wollten nicht auf unsere Fragen antworten, in welcher Stadt wir uns befänden. Unsere Vorahnung wurde bestätigt und wir waren ausser uns, da wir noch nicht nach Saigon wollten und unvorbereitet waren. Eine Fahrt mit einem lokalen Bus zurück nach My Tho hätte zusätzlich Geld gekostet, nochmal zwei Stunden gedauert und wäre in die verkehrte Richtung gewesen. Darauf hatten wir keine Lust, da es mittlerweile auch abends 19 Uhr war. Nach der anfänglichen Aufregung konnten wir uns allerdings gegenseitig beruhigen und die Situation analyisieren. Da wir bereits tolle Erlebnisse im Mekong-Delta an diesem Tag erfahren hatten und wir sowieso nach Saigon gewollt hätten, war es vielleicht ein Wink des Schicksals.
Jetzt sind wir also zwei Tage früher als geplant hier und kämpfen uns durch die Großstadt, was wir eigentlich noch ein bisschen vermeiden wollten. Allerdings haben wir das beste aus der Situation gemacht, ein kleines sauberes, günstiges, ruhiges und gemütliches Hotel gefunden und unseren Reiseplan angepasst. Jedoch werden wir unseren Freund Wiesi trotzdem erst am 10. in Hanoi treffen. ;-) Heute waren wir bereits unterwegs, werden aber darüber und die kommenden Tage erst beim nächsten Mal berichten.
Liebe Vietnamesen, wir danken nochmals für die tollen Erlebnisse der letzten Tage und freuen uns jetzt auf Saigon und unsere Weiterreise an der Küste Vietnams in Richtung Norden und nach Hanoi.
Beste Grüße
Anja und Patrice
Alles begann an der Grenze zwischen Kambodscha und Eurem schönen Land. Wir hatten uns ein Ticket von Sihanoukville nach Chau Doc organisiert. Da der Grenzübergang bei Ha Tien erst vor 1 oder 2 Jahren geöffnet wurde, mussten wir schmunzeln, als wir auf kambodschanischer Seite auf einem Feldweg anreisten. Auch der Posten selbst war der einfachste, den wir bis dato gesehen hatten. Auf kambodschanischer Seite gab es nur ein paar Holzbaracken bei den Schlagbäumen, während es auf vietnamesischer Seite etwas formaler ablief. Es dauerte eine Weile, bis die Kontrolle des Visums durchgeführt wurde, doch waren wir bald im Büro unseres Busunternehmens auf vietnamesischer Seite angekommen. Da wir die einzigen waren, die weiter nach Chau Doc wollten, wurden wir zu einem lokalen Bus gebracht und tuckelten inmitten unterschiedlichster Mitfahrer die 120 km von Dorf zu Dorf. Das dauerte natürlich etwas länger, als wir gedacht hatten. Für uns war es aber trotzdem eine interessante Erfahrung, da wir nicht in einem Touribus durch Euer schönes Land rasten.
In Chau Doc wollten natürlich mehrere Mopedfahrer unser Gepäck transportieren, doch mussten wir uns erstmal orientieren. Dabei kristallisierte sich Vang aus der Gruppe heraus, da er uns auch gleich ein Hotel empfahl. Wir hatten mal wieder keines im Voraus gebucht, was wir seit Bangkok auch noch nicht bereut haben. Allerdings sind wir diesen Situationen immer etwas misstrauisch gegenüber, was wahrscheinlich ganz normal ist. Jedenfalls akzeptierten wir Vangs Hotelvorschlag, da es sehr sauber und gemütlich war und unseren preislichen Erwartungen entsprach. Vang lud uns ein, am nächsten Tag die Umgebung zu erkunden, so dass wir nicht die normalen Touristentouren machen würden. Zwar war das seine Masche und es war auch etwas teurer, doch wollten wir die vietnamesische Kultur individueller erleben. Am nächsten Morgen stand er dann auch schon mit einem Fahrer auf einem zweiten Moped bereit und nahm uns auf eine wunderbare Fahrt durch die Reisfelder mit. Wir gingen zu den Erntehelfern auf die Felder, sahen die Reismaschinen und natürlich, wie das wichtige Gut am Strassenrand getrocknet und verladen wurde. Vang erzählte uns, dass sich die nicht-staatlichen Bauern momentan eine goldene Nase verdienen, da die Lebensmittelpreise durch das Bevölkerungswachstum weltweit steigen und besonders Südafrika und Indonesien den vietnamesischen Reis nachfragen. Ein Exportschlager seien daher auch vietnamesische Landwirtschaftsexperten, die in den anderen Ländern den Reisanbau vermitteln sollen. An einer Stelle machten wir eine Pause, kletterten über eine kleine Brücke aus Baumstämmen, genannt Monkeybridge (Affenbrücke) und gesellten uns zu den Erntehelfen, die gerade ihr Mittagessen zu sich nahmen. Natürlich ist uns aufgefallen, wie stolz die Familie und besonderes die Kids am Imbiss waren. Während dieser Fahrt trafen wir mehrere Eurer vietnamesischen Landsleute, die freudestrahlend in unsere Kameras schauten. Zum Abschluss fuhren wir dann auf den Sam Mountain, der durch seine Tempel und heiligen Höhlen ein Ort für viele Pilger ist. Es war ein wunderbarer Ausflug mit unvergesslichen Eindrücken von den Reisfeldern. Nach dem wir uns auf dem lokalen Markt gestärkt hatten, brachte uns Vang und sein Kollege dankenswerter Weise noch zum Bus nach Can Tho, der auch nur von Euch Vietnamesen genutzt wurde, aber als Express direkt und damit schneller fuhr.
Der Bus war ein neues Modell von Mercedes und zischte über die Strassen. Er war sehr komfortabel und wir fanden noch Platz in der letzten Reihe, obwohl er eigentlich schon voll besetzt war. Wir wussten, dass die Route von der Grenzstadt Chau Doc nach Can Tho die Hauptschmuggelroute ins Mekong Delta war. Daher waren wir nicht sehr überrascht, als wir bei einem der Busleute eine doppelte Kleidung entdeckten unter der eine Weste und zweite Hose aus Zigarettenschachteln versteckt waren. Ein wenig verdutzt staunten wir dann allerdings, als die Mutter, mit deren kleiner Tochter Anja die ganze Zeit spielte, ihrerseits ihre Kleidung lüftete und versteckte Zigaretten zum Vorschein brachte. So ist dies halt, dachten wir uns, und bekamen die Bestätigung, dass Ihr Vietnamesen euch schon zu helfen wisst.
Generell sahen wir einige Dinge, die uns stark an unsere eigene Vergangenheit erinnerte. Da Vietnam eine sozialistische Republik ist, sind uns Hammer und Sichel, Pioniere und Propaganda-Poster im Straßenbild gut bekannt. Im Gegensatz zur DDR haben jedoch viele internationale Firmen und Marken Einzug gehalten, auch wenn viele billige Kopien sind, und es fehlt an nichts. Die Läden sind voll und auf den Märkten herrscht ein reges Treiben. Des Weiteren ist uns positiv aufgefallen, dass es eine Müllabfuhr gibt, die sich in Kambodscha noch in einem gefühlten Versuchsstatus befindet. Internet ist, wie bisher fast überall, frei zugänglich, so dass eine gewisse Informationsfreiheit besteht. Allerdings habt ihr die Seiten von Facebook gesperrt, so dass wir unsere Freunde auf diesem Wege in der nächsten Zeit nicht erreichen können.
Da es in unserem Hotel auch Internet gab, nutzten wir die Chance, mal wieder mit unseren Lieben in der Heimat zu telefonieren. Dank Skype konnten wir sogar eine Videokonferenz mit Anjas Eltern abhalten. Es ist schon unglaublich, wie einfach es heute ist, mit seinen Leuten in Kontakt zu bleiben. Gestern hatte nämlich auch mein kleiner Bruder Paul in Uganda Geburtstag und wir konnten ihm telefonisch gratulieren. Das Schuljahr ist für ihn genauso wie für seine Brüder beendet und sie sind mittlerweile alle zu Hause. Die Mutter Jane hat somit wieder das Haus voll und kann sich um die Burschen kümmern. Ihnen geht es gut, obwohl alle gesundheitlich ein bisschen angeschlagen waren. Bei dem straffen Schulprogramm zeigen die Körper irgendwann Ermüdungserscheinungen. Es war nach langer Zeit schön, alle ihre Stimmen zu hören. Gerade in der Ferienzeit vermisse ich die Jungs sehr, besonders da ich sie im letzten Jahr um diese Zeit für 4 Wochen besucht hatte.
Angekommen in Can Tho blieb der Ansturm der Mopedfahrer aus, so dass wir uns ein Taxi zu einem Hotel nahmen. Mr. Sang empfang uns freundlich und las in unseren Augen ab, dass wir Lust auf eine private Fahrt im erweiterten Mekong-Delta hatten. Am nächsten Morgen ging es dafür bereits um 5:30 Uhr los. In der Hotellobby wartete bereits Cong, der uns sogleich zu seinem Boot brachte, so dass Anja und ich noch vor Sonnenaufgang mit einem kleinen Holzboot im Mekong Delta herumshipperten. Wir waren nicht die einzigen Touristen, die sich für eine private Fahrt entschieden hatten, und grüßten uns gegenseitig. Die ersten Stationen waren die schwimmenden Märkte von Can Tho. Da wir keine große Vorstellung hatten, schauten wir den Verhandlungen der Kaufleute auf den unterschiedlichen Schiffen zu. Viele Gemüse, wie Zwiebeln, Salate, Kartoffeln und Obst wechselten die Besitzer. Zusätzlich gab es aber auch viele Dinge des täglichen Bedarfs, die von Board zu Board gereicht wurden. Plötzlich tauchte neben uns ein kleines Boot auf, auf dem ein kleiner Junge mit mehreren Bananen saß und uns seine Mutter frisch gekochten Kaffee und andere Getränke anbot. Wir waren also auf einmal Teil des Geschehens und des Markttreibens, denn die Frau hatte sich wie ein Imbißstand auf die Versorgung der Touristen spezialisiert. Anja und ich waren von der Idee begeistert, um diese Uhrzeit einen Kaffee zu trinken, und kauften gleich noch eine Getränk für Cong. Nach diesem ersten Markttreiben besuchten wir eine Fabrik, in der Glasnudeln hergestellt wurde. Wieder durften wir Zeugen sein, wie das Leben in Vietnam abläuft. Auf dem zweiten Markt ging es dann etwas ruhiger zu. Dort waren die Frauen damit beschäftigt, kleinere Mengen an Gemüse, Obst und Reis zu vertreiben, um die kleineren lokalen Märkte bzw. Gemüsestände zu versorgen. Immernoch begeistert vom Kaffeebötchen, fragten wir Cong, ob er uns von einer Marktfrau ein paar Baby-Ananas als Frühstück organisieren könnte. Freundlich willigte er ein und schnitt uns unsere beiden Früchte dann auch gleich zurecht.
Der Vorteil von den kleinen Booten und den privaten Touren ist, dass wir auch in die Kanäle und damit ins wahre Mekongdelta eindringen konnten. Dort erwartete uns eine ganz andere Welt, als das Treiben auf dem breiten Fluss. Nach den Marktbesuchen bog Cong mit unserem Kahn ab und zeigte uns das Leben dort. Wir besuchten kleine Reisfelder, bestaunten wie üppig Mutter Natur bewachsen war, gingen durch die Siedlungen auf den von Kanälen umgebenen Inseln und konnte in die Häuser der dort lebenden Menschen schauen. Überall wurden wir freudig begrüßt und die Kinder der Bewohner winkten uns zu und präsentierten uns stolz ihr "Hello!" Bei den kleineren war es manchmal etwas schwieriger und Mama und Papa bzw Opa mussten ein wenig nachhelfen. Wir fragten uns, ob daher die Freundlichkeit von Euch Vietnamesen kommt, da ihr schon im Babyalter uns Touristen freundlich grüßt und manchmal durch Eure Eltern auch müsst. Egal, wir freuten uns, genossen die Aufmerksamkeit und winkten immer fröhlich zurück. Nach all diesen Erlebnissen und Begegnungen fuhren wir nach einem kurzen Mittagssnack zurück ins Hotel und bereiteten uns auf unsere Abfahrt vor.
Anja und ich entschieden, noch ein bisschen Zeit im Mekong Delta zu verbringen und wollten dafür My Tho und Ben Tre ansteuern. Wir hatten uns dazu ein Busticket organisiert. Die Menschen in Can Tho waren ganz stolz, dass wir mit ihrem neuen Service, der direkt bis nach Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) verkehrt, fahren würden. Wir besprachen mit dem Busunternehmen, dass wir nur bis My Tho fahren würden, und buchten unser Ticket dementsprechend. Uns wurde versichert, dass dies kein Problem sei und der Busfahrer dies auch wüsste. Beim Beladen fragte ich explizit noch einmal nach, und unser Vorhaben wurde nochmals bestätigt. Nun könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen, dass Anja und ich extrem frustiert und aufgebracht waren, als wir den Bus nach dreieinhalb Stunden Fahrt und einer komischen Pause verlassen musste, um festzustellen, dass wir doch nach Saigon gebracht wurden. Sowohl der Busfahrer und sein Begleiter wollten nicht auf unsere Fragen antworten, in welcher Stadt wir uns befänden. Unsere Vorahnung wurde bestätigt und wir waren ausser uns, da wir noch nicht nach Saigon wollten und unvorbereitet waren. Eine Fahrt mit einem lokalen Bus zurück nach My Tho hätte zusätzlich Geld gekostet, nochmal zwei Stunden gedauert und wäre in die verkehrte Richtung gewesen. Darauf hatten wir keine Lust, da es mittlerweile auch abends 19 Uhr war. Nach der anfänglichen Aufregung konnten wir uns allerdings gegenseitig beruhigen und die Situation analyisieren. Da wir bereits tolle Erlebnisse im Mekong-Delta an diesem Tag erfahren hatten und wir sowieso nach Saigon gewollt hätten, war es vielleicht ein Wink des Schicksals.
Jetzt sind wir also zwei Tage früher als geplant hier und kämpfen uns durch die Großstadt, was wir eigentlich noch ein bisschen vermeiden wollten. Allerdings haben wir das beste aus der Situation gemacht, ein kleines sauberes, günstiges, ruhiges und gemütliches Hotel gefunden und unseren Reiseplan angepasst. Jedoch werden wir unseren Freund Wiesi trotzdem erst am 10. in Hanoi treffen. ;-) Heute waren wir bereits unterwegs, werden aber darüber und die kommenden Tage erst beim nächsten Mal berichten.
Liebe Vietnamesen, wir danken nochmals für die tollen Erlebnisse der letzten Tage und freuen uns jetzt auf Saigon und unsere Weiterreise an der Küste Vietnams in Richtung Norden und nach Hanoi.
Beste Grüße
Anja und Patrice
... link (3 Kommentare) ... comment
... older stories




