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Samstag, 27. November 2010
Koh Rong - Du kleines Paradies
anjapat, 15:18h
Hallo,
Entschuldigt bitte, dass wir uns erst heute melden, aber in den letzten Tagen hatten wir kein Internet verfügbar. Vielleicht haben einige gehört, dass sich am letzten Tag auf dem Wasserfest eine Massenpanik in Phnom Penh ereignet hat. Das sind sehr traurige Nachrichten, da an die 350 Menschen ums Leben gekommen sind. Uns geht es gut, da wir wie angekündigt den Bus nach Sihanoukville am Montag genommen haben und somit nicht in der Nähe des Unglücks waren. Die 4-stündige Fahrt war nicht sehr anstrengend und wir genossen die schöne Landschaft mit palmenbewachten Reisfeldern vor grün-bewachsenen Hügeln. Von der Panik haben wir erst am Dienstagmorgen erfahren, als wir bereits auf dem Boot nach Koh Rong waren. Erst heute werden wir uns des Ausmaßes bewusst, da wir wieder ins Netz schauen können. Wir sind geschockt und trauern mit den Opfern.
Bevor wir jedoch über unsere Faulenztage auf der Insel vor der Küste Kambodschas berichten, möchten wir noch einmal auf Phnom Penh eingehen. Falls ihr geschockt von den Bildern der Genozide gewesen seid, war das ein bisschen unsere Absicht. Wir wollten euch an unseren Emotionen teilhaben lassen, so dass ihr in etwa nachempfinden könnt, was wir fühlten, als wir die eingeschlagenen Schädel gesehen haben. Das geht ja bekanntlich mit Bildern sehr gut.
Zwei andere Dinge haben uns in Phnom Penh noch Schmunzeln lassen, von denen wir euch auch berichten möchten. Zum einen sind gerade Hausanzüge, die wie Schlafpyjamas aussehen, bei den Kambodschanerinnen in Mode. Dadurch läuft jede vierte Frau im Schlafanzug durch die Stadt und geht zum Einkaufen, Abendessen und auch beim Wasserfest haben wir einige in ihren Anzügen gesehen. Es war absolut komisch für uns, dies zu beobachten, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Eine zweite Sache hat uns auch noch überrascht. Als wir zufällig durch die Kinderbuchabteilung einer Bücherhandlung gingen, staunten wir sehr, als wir Adolf Hitlers "Mein Kampf" im Regal entdeckten. Entweder sollte das Buch lächerlich gemacht werden, oder die Kambodschaner verstanden den Inhalt nicht so wirklich. Wir haben nicht weiter nachgefragt.
Am Montag sind wir, wie bereits erwähnt, nach Sihanoukville an die Küste Kambodschas gefahren. Eigentlich wollten wir gleich auf eine der Inseln übersetzen, jedoch fuhr an diesem Tag kein Schiff mehr und wir hätten eins privat chartern müssen. Also entschieden wir uns in einem Reisebüro, in dem die kambodschanische Besitzerin Deutsch sprach, dass wir am nächsten Tag für vier Nächte nach Koh Rong schippern würden. In dem Reisebüro sprachen wir noch kurz mit einem anderen deutschen Pärchen und freuten uns tierisch, dass wir die nächsten Tage am Meer verbringen würden. Michi, leider ist es nicht Lazy Beach geworden, da es nicht ganz in unser Budget gepasst hat und es günstigere Alternativen gab. So verbrachten wir den Tag in Sihanoukville und genossen unser Abendessen bei Kerzenschein an dessen überlaufenen Strand.
Am nächsten Morgen wurden wir abgeholt und freuten uns, dass wir im Tucktuck das Pärchen vom Vortag wiedertrafen. Ute und Achim aus NRW würden auch eine Nacht auf der Insel verbringen und wir kamen schnell ins Gespräch. Die Überfahrt dauerte 2,5 Stunden und schien endlos zu sein. Jedoch hatte sich die Fahrt gelohnt, als wir auf Koh Rong anlegten und den schneeweißen Strand und das türkise Wasser sahen. So hatten wir uns das vorgestellt. Die Holzhütten waren sehr einfach, standen aber nur 10m vom Wasser entfernt. Wir konnten es kaum erwarten, vom Boot zu kommen und ins Wasser zu springen, was wir auch bald taten. Anja und ich wussten, dass wir uns in den nächsten Tagen hier sehr erholen würden. Das Abendessen genossen wir mit Ute und Achim bei der untergehenden Sonne. Danach wurde uns ein kleines Feuer am Strand angezündet und wir unterhielten uns lange bei ein paar Bier und einer Flasche Wein.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von den beiden, da sie weiter nach Thailand reisten. Unsere Tage verbrachten wir danach sehr ähnlich. Wir schliefen lange, genossen am Morgen den Blick aus unserem Fenster, frühstückten auf unserer kleinen Terrasse, gingen häufig schwimmen, schnorchelten ein bisschen, lasen viel, hörten etwas Musik und faulenzten richtig schön in den Korksesseln. Einmal schauten wir uns das benachbarte Dörfchen hier an, grüßten die freundlichen Leute und sahen, wie einfach diese hier vom Fischfang und unserem Camp lebten. Das Camp bestand aus 13 Bungalows und einer kleinen Küche an einem 4km langen Strand. Mehr gab es hier nicht. Der Strom wurde nur zwischen 18 und 22 Uhr angestellt, der Handyempfang war miserabel und es gab weder Fernsehen noch Internet. Schön! Natürlich pisakten uns einige Insekten und wir hatten ulkige Mitbewohner. Duschen und die Toilette spülen erledigte man per Schöpfkelle und dem Wasser in einer Tonne, die gefüllt werden konnte. Doch das alles störte uns nur wenig. Abends gingen wir spazieren und beobachteten, wie die Sonne hinterm Horizont verschwand. Dabei wunderten wir uns, als der Strand lebendig wurde, da sich dutzende Sandkrabben auf Nahrungssuche begaben und sich wie kleine Wirbelwinde bewegten. Wir hatten eine unglaublich entspannte Zeit auf dieser paradiesischen Insel und freuten uns über unser Glück, dies erleben zu können. Das Zusammenspiel des hellen Sandes, des klaren Wassers, der grünen Hügel, der Wärme der Sonne und des milden Rauschens der Wellen ließ unsere Seelen baumeln. Wir vergaßen all unsere Vorhaben und das wir bald weiterreisen mussten.
Mittlerweile sind wird wieder an Land und werden uns morgen auf den Weg nach Vietnam begeben. Wir versuchen, über kleine Städte im Süden Kambodschas nach Vietnam einzureisen und dann gleich zum Mekong-Delta zu gelangen. Die einfachere Strecke wäre über Phnom Penh und Ho-Chi-Minh Stadt gewesen, aber wir wollten die großen Städte meiden und es abenteuerlicher erleben.
Bis bald aus dem Mekong-Delta oder vielleicht schon Ho-Chi-Minh, wo wir danach hinfahren werden.
Anja und Pat
PS: Übrigens Achim, hat es nach eurer Abfahrt nicht wieder geregnet. ;-)
Entschuldigt bitte, dass wir uns erst heute melden, aber in den letzten Tagen hatten wir kein Internet verfügbar. Vielleicht haben einige gehört, dass sich am letzten Tag auf dem Wasserfest eine Massenpanik in Phnom Penh ereignet hat. Das sind sehr traurige Nachrichten, da an die 350 Menschen ums Leben gekommen sind. Uns geht es gut, da wir wie angekündigt den Bus nach Sihanoukville am Montag genommen haben und somit nicht in der Nähe des Unglücks waren. Die 4-stündige Fahrt war nicht sehr anstrengend und wir genossen die schöne Landschaft mit palmenbewachten Reisfeldern vor grün-bewachsenen Hügeln. Von der Panik haben wir erst am Dienstagmorgen erfahren, als wir bereits auf dem Boot nach Koh Rong waren. Erst heute werden wir uns des Ausmaßes bewusst, da wir wieder ins Netz schauen können. Wir sind geschockt und trauern mit den Opfern.
Bevor wir jedoch über unsere Faulenztage auf der Insel vor der Küste Kambodschas berichten, möchten wir noch einmal auf Phnom Penh eingehen. Falls ihr geschockt von den Bildern der Genozide gewesen seid, war das ein bisschen unsere Absicht. Wir wollten euch an unseren Emotionen teilhaben lassen, so dass ihr in etwa nachempfinden könnt, was wir fühlten, als wir die eingeschlagenen Schädel gesehen haben. Das geht ja bekanntlich mit Bildern sehr gut.
Zwei andere Dinge haben uns in Phnom Penh noch Schmunzeln lassen, von denen wir euch auch berichten möchten. Zum einen sind gerade Hausanzüge, die wie Schlafpyjamas aussehen, bei den Kambodschanerinnen in Mode. Dadurch läuft jede vierte Frau im Schlafanzug durch die Stadt und geht zum Einkaufen, Abendessen und auch beim Wasserfest haben wir einige in ihren Anzügen gesehen. Es war absolut komisch für uns, dies zu beobachten, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Eine zweite Sache hat uns auch noch überrascht. Als wir zufällig durch die Kinderbuchabteilung einer Bücherhandlung gingen, staunten wir sehr, als wir Adolf Hitlers "Mein Kampf" im Regal entdeckten. Entweder sollte das Buch lächerlich gemacht werden, oder die Kambodschaner verstanden den Inhalt nicht so wirklich. Wir haben nicht weiter nachgefragt.
Am Montag sind wir, wie bereits erwähnt, nach Sihanoukville an die Küste Kambodschas gefahren. Eigentlich wollten wir gleich auf eine der Inseln übersetzen, jedoch fuhr an diesem Tag kein Schiff mehr und wir hätten eins privat chartern müssen. Also entschieden wir uns in einem Reisebüro, in dem die kambodschanische Besitzerin Deutsch sprach, dass wir am nächsten Tag für vier Nächte nach Koh Rong schippern würden. In dem Reisebüro sprachen wir noch kurz mit einem anderen deutschen Pärchen und freuten uns tierisch, dass wir die nächsten Tage am Meer verbringen würden. Michi, leider ist es nicht Lazy Beach geworden, da es nicht ganz in unser Budget gepasst hat und es günstigere Alternativen gab. So verbrachten wir den Tag in Sihanoukville und genossen unser Abendessen bei Kerzenschein an dessen überlaufenen Strand.
Am nächsten Morgen wurden wir abgeholt und freuten uns, dass wir im Tucktuck das Pärchen vom Vortag wiedertrafen. Ute und Achim aus NRW würden auch eine Nacht auf der Insel verbringen und wir kamen schnell ins Gespräch. Die Überfahrt dauerte 2,5 Stunden und schien endlos zu sein. Jedoch hatte sich die Fahrt gelohnt, als wir auf Koh Rong anlegten und den schneeweißen Strand und das türkise Wasser sahen. So hatten wir uns das vorgestellt. Die Holzhütten waren sehr einfach, standen aber nur 10m vom Wasser entfernt. Wir konnten es kaum erwarten, vom Boot zu kommen und ins Wasser zu springen, was wir auch bald taten. Anja und ich wussten, dass wir uns in den nächsten Tagen hier sehr erholen würden. Das Abendessen genossen wir mit Ute und Achim bei der untergehenden Sonne. Danach wurde uns ein kleines Feuer am Strand angezündet und wir unterhielten uns lange bei ein paar Bier und einer Flasche Wein.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von den beiden, da sie weiter nach Thailand reisten. Unsere Tage verbrachten wir danach sehr ähnlich. Wir schliefen lange, genossen am Morgen den Blick aus unserem Fenster, frühstückten auf unserer kleinen Terrasse, gingen häufig schwimmen, schnorchelten ein bisschen, lasen viel, hörten etwas Musik und faulenzten richtig schön in den Korksesseln. Einmal schauten wir uns das benachbarte Dörfchen hier an, grüßten die freundlichen Leute und sahen, wie einfach diese hier vom Fischfang und unserem Camp lebten. Das Camp bestand aus 13 Bungalows und einer kleinen Küche an einem 4km langen Strand. Mehr gab es hier nicht. Der Strom wurde nur zwischen 18 und 22 Uhr angestellt, der Handyempfang war miserabel und es gab weder Fernsehen noch Internet. Schön! Natürlich pisakten uns einige Insekten und wir hatten ulkige Mitbewohner. Duschen und die Toilette spülen erledigte man per Schöpfkelle und dem Wasser in einer Tonne, die gefüllt werden konnte. Doch das alles störte uns nur wenig. Abends gingen wir spazieren und beobachteten, wie die Sonne hinterm Horizont verschwand. Dabei wunderten wir uns, als der Strand lebendig wurde, da sich dutzende Sandkrabben auf Nahrungssuche begaben und sich wie kleine Wirbelwinde bewegten. Wir hatten eine unglaublich entspannte Zeit auf dieser paradiesischen Insel und freuten uns über unser Glück, dies erleben zu können. Das Zusammenspiel des hellen Sandes, des klaren Wassers, der grünen Hügel, der Wärme der Sonne und des milden Rauschens der Wellen ließ unsere Seelen baumeln. Wir vergaßen all unsere Vorhaben und das wir bald weiterreisen mussten.
Mittlerweile sind wird wieder an Land und werden uns morgen auf den Weg nach Vietnam begeben. Wir versuchen, über kleine Städte im Süden Kambodschas nach Vietnam einzureisen und dann gleich zum Mekong-Delta zu gelangen. Die einfachere Strecke wäre über Phnom Penh und Ho-Chi-Minh Stadt gewesen, aber wir wollten die großen Städte meiden und es abenteuerlicher erleben.
Bis bald aus dem Mekong-Delta oder vielleicht schon Ho-Chi-Minh, wo wir danach hinfahren werden.
Anja und Pat
PS: Übrigens Achim, hat es nach eurer Abfahrt nicht wieder geregnet. ;-)
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Sonntag, 21. November 2010
Geburtstag und Phnom Penh
anjapat, 09:36h
Hallo Ihr Lieben,
ersteinmal bedanke ich mich für die vielen lieben Nachrichten, die auf diesem Blog, GMX und auf Facebook eingegangen sind. Es ist immer schön, viele Glückwünsche zu bekommen und zu wissen, dass so viele Leute an einen denken. Besonders gefreut habe ich mich über die Mail von Anja's Großeltern, die sich mit 84 einen Internetanschluß zugelegt haben, um unserem Blog besser folgen zu können. Auf diesem Weg möchte ich Omi und Opi Simon ganz herzlich hier begrüßen und schreiben, wie toll Anja und ich das finden. Prima!! Als Geschenke fuhren wir per Boot nach Phnom Penh und haben uns gestern ein Weitwinkelobjektiv für unsere Kamera gekauft, um die kommenden Landschaften noch besser einfangen zu können. Darüber hab ich wie ein kleiner Junge gestrahlt.
Der Geburtstag begann mit 5:30 Uhr recht früh, da wir das Boot nach Phnom Penh erreichen wollten. Wir wurden ein bisschen an unsere deutsche Mentalität erinnert, als die Abholung sich verspätete und wir befürchteten, die Abfahrt zu verpassen. Mit etwas Puls erreichten wir das Express-Boot noch rechtzeitig, da es auf uns wartete und wir wieder erfuhren, dass es nicht immer so pünktlich abläuft, wie wir es manchmal erwarten. Als wir vom Steg ablegten, knallte auch schon der Korken unserer Sektflasche, die wir mit an Board gebracht hatten. Anja und ich stossen an und genossen, meinen Tag so zu beginnen. Wir waren sehr seelig und erfreuten uns an den Landschaften und schwimmenden Dörfern, an denen wir vorbeifuhren.
In Phnom Phen angekommen, organisierten wir uns eine ruhige Unterkunft und fuhren gleich zur vietnamesichen Botschaft, um uns ein Visum zu besorgen. Wir freuten uns sehr, dass keine Schlange in der Botschaft war und wir das Visum bereits am nächsten Tag abholen konnten. Da wir unsere administrativen Aufgaben für den Tag so schnell erledigt hatten, ließen wir uns zum Flußufer und in die Restaurant- bzw. Kneipenmeile von Phnom Penh bringen. Auf der Fahrt zur Unterkunft hatte ich ein Irish Pub mit dem Namen "Paddy Rice" entdeckt. Um 15 Uhr saßen wir dort und fingen an, den Tag mit einem frisch gezapften Angkor Draught zu begießen. Wir entschieden uns, eine Kneipentour zu machen und so ein bisschen die Stadt zu erkunden. Das nächste Lokal hatte einen tollen Balkon in der zweiten Etage und wir beobachteten das Geschehen auf der Strasse von dort oben. Allerdings fiel uns auf, dass wir die einzigen Gäste waren, was so früh nicht verwunderlich war, aber dass ausser uns viele einzelne kambodschanische Frauen die Tische besetzten. Als wir das Lokal verließen, schauten wir noch einmal auf die Leuchtreklame und erkannten, dass wir in einem Meeting Place, einer Kneipe um lokale Kambodschanerinnen kennen zu lernen, getrunken hatten. Wir mussten darüber sehr schmunzeln, obwohl es für die Frauen sicherlich nicht zum Schmunzeln war, da ich u.a. mit Anja da war. Da wir so zeitig angefangen hatten, ging es abends nicht zu lang, aber wir beendeten meinen Geburtstag mit einer obligatorischen Runde Jägermeister.
Am nächsten Tag hatten wir uns ein Kontrastprogramm organisiert, da wir die Killingfields (Massengräber) des kommunistischen Rote-Khmer-Regimes besuchten. Die damalige Regierung um Pol Pot versuchte ihre Ansätze ohne Kompromisse umzusetzen und brachte Intelektuelle, Regimegegner und auch eigene Leute auf brutalste Weise per Hand mit Macheten, Messern und Äxten um. Auch Kinder und Babies waren unter den Opfern, da die Regierung Racheakte befürchtete und daher die Nachkömmlinge der Opfer gleich miterledigte. Die Babies wurden z.B. an den Füßen gefasst und die Schädel an einem Baum zerschlagen. Als die Regierung 1979 entmachtet wurde, fand man die 129 Massengräber und die Überreste der Menschen vor den Toren Phnom Penh's. Die Überreste sind in einer Stupa, dem Gedenkturm, aufgebahrt, um den Opfern dieser Greueltaten zu gedenken. Während in den Killingfields an die 20.000 Menschen umgebracht wurden, fielen über 3 Millionen im ganzen Land der Regierung zum Opfer.
Nach den Killingfields besuchten wir das Tuol-Sleng Museum in der Stadt. Diese ehemalige Schule wurde bei der Machtübernahme der Roten Khmer zum zentralen Gefängnis umfunktioniert. Die damalige Regierung versuchte das Land in einen Bauernstaat mit einfacher Bevölkerung umzuwandeln, zerstörte Schulen und Universitäten und zwang seine Einwohner zur Arbeit in der Landwirtschaft aus den Städten in die Dörfer. Des Weiteren sollte die Khmer Kultur komplett zerstört werden. Daher wurden Tempel verwüstet und auch die meisten Buddha-Statuen in den Angkor Tempeln enthauptet. Das Tuol-Sleng, auch S-21 genannt, dokumentiert, wie die Häftlinge untergebracht, gefoltert und getötet wurden. In den Räumen sind zahlreiche Tafeln mit den Bildern der inhaftierten Kambodschaner aufgestellt. Es war sehr ergreifend dort durchzulaufen und in den Augen und Gesichtern der Menschen die Angst, Wut, Enttäuschung, Zorn und Unschuld zu sehen. Wie so oft, kann man nur hoffen, dass solche schrecklichen Dinge nicht noch einmal auf dieser Welt geschehen.
Der gestrige Tag hatte erfreulichere Erlebnisse für uns zu bieten. Zufälligerweise ist an diesem Wochenende das Wasser und Mondfest in Kambodscha. Es werden die frühen Bootskämpfe mit den Nachbarländern durch Wettfahrten mit Ruderbooten, auf denen über 50 Leute sind, nachgestellt. Anja und ich putzten uns ein wenig heraus und wollten natürlich auch Teil dieses großen Spektakels sein. Das Fest ist eines der größten Volksfeierlichkeiten in Kambodscha und es fühlte sich an, als ob die ganze Stadt am Flußufer war, um den Wettkämpfen beizuwohnen. Das kambodschanische Tourismusministerium hatte für die internationalen Gäste eine eigene Bühne mit gold-überzogenen Stühlen gleich neben dem König organisiert, welche ohne Eintritt zu verlangen zum Sitzen einluden. Wir fanden das als große und sympathische Geste dieses Landes, nahmen diese Einladung auch dankend an, fühlten uns aber gegenüber der kambodschanichen Bevölkerung doch sehr privilegiert. Allerdings sahen wir nur den Sonnenschirm des Königs und konnten keinen direkten Blick auf ihn werfen. Das Volksfest wurde mit einem tollen Feuerwerk und dem Ablegen von Booten abgeschlossen, auf denen Heiligtümer des Landes aus beleuchteten Glühbirnen aufgestellt waren. Wir waren sehr beeindruckt von diesem Erlebnis, beendeten den Tag in einem Club und konnten zur Feier des Tages auch mal wieder das Tanzbein schwingen.
Heute ist Ruhetag angesagt, an dem wir die vergangenen Tage reflektieren können. Morgen fahren wir weiter an die Küste Kambodscha's und hoffen, dass dort gutes Wetter ist. In den letzten Tagen regierte eine Regenfront vor Vietnam das Wetter an den Küsten, doch ist diese hoffentlich weitergezogen.
Liebe Grüße von uns und bis bald
Anja und Pat
ersteinmal bedanke ich mich für die vielen lieben Nachrichten, die auf diesem Blog, GMX und auf Facebook eingegangen sind. Es ist immer schön, viele Glückwünsche zu bekommen und zu wissen, dass so viele Leute an einen denken. Besonders gefreut habe ich mich über die Mail von Anja's Großeltern, die sich mit 84 einen Internetanschluß zugelegt haben, um unserem Blog besser folgen zu können. Auf diesem Weg möchte ich Omi und Opi Simon ganz herzlich hier begrüßen und schreiben, wie toll Anja und ich das finden. Prima!! Als Geschenke fuhren wir per Boot nach Phnom Penh und haben uns gestern ein Weitwinkelobjektiv für unsere Kamera gekauft, um die kommenden Landschaften noch besser einfangen zu können. Darüber hab ich wie ein kleiner Junge gestrahlt.
Der Geburtstag begann mit 5:30 Uhr recht früh, da wir das Boot nach Phnom Penh erreichen wollten. Wir wurden ein bisschen an unsere deutsche Mentalität erinnert, als die Abholung sich verspätete und wir befürchteten, die Abfahrt zu verpassen. Mit etwas Puls erreichten wir das Express-Boot noch rechtzeitig, da es auf uns wartete und wir wieder erfuhren, dass es nicht immer so pünktlich abläuft, wie wir es manchmal erwarten. Als wir vom Steg ablegten, knallte auch schon der Korken unserer Sektflasche, die wir mit an Board gebracht hatten. Anja und ich stossen an und genossen, meinen Tag so zu beginnen. Wir waren sehr seelig und erfreuten uns an den Landschaften und schwimmenden Dörfern, an denen wir vorbeifuhren.
In Phnom Phen angekommen, organisierten wir uns eine ruhige Unterkunft und fuhren gleich zur vietnamesichen Botschaft, um uns ein Visum zu besorgen. Wir freuten uns sehr, dass keine Schlange in der Botschaft war und wir das Visum bereits am nächsten Tag abholen konnten. Da wir unsere administrativen Aufgaben für den Tag so schnell erledigt hatten, ließen wir uns zum Flußufer und in die Restaurant- bzw. Kneipenmeile von Phnom Penh bringen. Auf der Fahrt zur Unterkunft hatte ich ein Irish Pub mit dem Namen "Paddy Rice" entdeckt. Um 15 Uhr saßen wir dort und fingen an, den Tag mit einem frisch gezapften Angkor Draught zu begießen. Wir entschieden uns, eine Kneipentour zu machen und so ein bisschen die Stadt zu erkunden. Das nächste Lokal hatte einen tollen Balkon in der zweiten Etage und wir beobachteten das Geschehen auf der Strasse von dort oben. Allerdings fiel uns auf, dass wir die einzigen Gäste waren, was so früh nicht verwunderlich war, aber dass ausser uns viele einzelne kambodschanische Frauen die Tische besetzten. Als wir das Lokal verließen, schauten wir noch einmal auf die Leuchtreklame und erkannten, dass wir in einem Meeting Place, einer Kneipe um lokale Kambodschanerinnen kennen zu lernen, getrunken hatten. Wir mussten darüber sehr schmunzeln, obwohl es für die Frauen sicherlich nicht zum Schmunzeln war, da ich u.a. mit Anja da war. Da wir so zeitig angefangen hatten, ging es abends nicht zu lang, aber wir beendeten meinen Geburtstag mit einer obligatorischen Runde Jägermeister.
Am nächsten Tag hatten wir uns ein Kontrastprogramm organisiert, da wir die Killingfields (Massengräber) des kommunistischen Rote-Khmer-Regimes besuchten. Die damalige Regierung um Pol Pot versuchte ihre Ansätze ohne Kompromisse umzusetzen und brachte Intelektuelle, Regimegegner und auch eigene Leute auf brutalste Weise per Hand mit Macheten, Messern und Äxten um. Auch Kinder und Babies waren unter den Opfern, da die Regierung Racheakte befürchtete und daher die Nachkömmlinge der Opfer gleich miterledigte. Die Babies wurden z.B. an den Füßen gefasst und die Schädel an einem Baum zerschlagen. Als die Regierung 1979 entmachtet wurde, fand man die 129 Massengräber und die Überreste der Menschen vor den Toren Phnom Penh's. Die Überreste sind in einer Stupa, dem Gedenkturm, aufgebahrt, um den Opfern dieser Greueltaten zu gedenken. Während in den Killingfields an die 20.000 Menschen umgebracht wurden, fielen über 3 Millionen im ganzen Land der Regierung zum Opfer.
Nach den Killingfields besuchten wir das Tuol-Sleng Museum in der Stadt. Diese ehemalige Schule wurde bei der Machtübernahme der Roten Khmer zum zentralen Gefängnis umfunktioniert. Die damalige Regierung versuchte das Land in einen Bauernstaat mit einfacher Bevölkerung umzuwandeln, zerstörte Schulen und Universitäten und zwang seine Einwohner zur Arbeit in der Landwirtschaft aus den Städten in die Dörfer. Des Weiteren sollte die Khmer Kultur komplett zerstört werden. Daher wurden Tempel verwüstet und auch die meisten Buddha-Statuen in den Angkor Tempeln enthauptet. Das Tuol-Sleng, auch S-21 genannt, dokumentiert, wie die Häftlinge untergebracht, gefoltert und getötet wurden. In den Räumen sind zahlreiche Tafeln mit den Bildern der inhaftierten Kambodschaner aufgestellt. Es war sehr ergreifend dort durchzulaufen und in den Augen und Gesichtern der Menschen die Angst, Wut, Enttäuschung, Zorn und Unschuld zu sehen. Wie so oft, kann man nur hoffen, dass solche schrecklichen Dinge nicht noch einmal auf dieser Welt geschehen.
Der gestrige Tag hatte erfreulichere Erlebnisse für uns zu bieten. Zufälligerweise ist an diesem Wochenende das Wasser und Mondfest in Kambodscha. Es werden die frühen Bootskämpfe mit den Nachbarländern durch Wettfahrten mit Ruderbooten, auf denen über 50 Leute sind, nachgestellt. Anja und ich putzten uns ein wenig heraus und wollten natürlich auch Teil dieses großen Spektakels sein. Das Fest ist eines der größten Volksfeierlichkeiten in Kambodscha und es fühlte sich an, als ob die ganze Stadt am Flußufer war, um den Wettkämpfen beizuwohnen. Das kambodschanische Tourismusministerium hatte für die internationalen Gäste eine eigene Bühne mit gold-überzogenen Stühlen gleich neben dem König organisiert, welche ohne Eintritt zu verlangen zum Sitzen einluden. Wir fanden das als große und sympathische Geste dieses Landes, nahmen diese Einladung auch dankend an, fühlten uns aber gegenüber der kambodschanichen Bevölkerung doch sehr privilegiert. Allerdings sahen wir nur den Sonnenschirm des Königs und konnten keinen direkten Blick auf ihn werfen. Das Volksfest wurde mit einem tollen Feuerwerk und dem Ablegen von Booten abgeschlossen, auf denen Heiligtümer des Landes aus beleuchteten Glühbirnen aufgestellt waren. Wir waren sehr beeindruckt von diesem Erlebnis, beendeten den Tag in einem Club und konnten zur Feier des Tages auch mal wieder das Tanzbein schwingen.
Heute ist Ruhetag angesagt, an dem wir die vergangenen Tage reflektieren können. Morgen fahren wir weiter an die Küste Kambodscha's und hoffen, dass dort gutes Wetter ist. In den letzten Tagen regierte eine Regenfront vor Vietnam das Wetter an den Küsten, doch ist diese hoffentlich weitergezogen.
Liebe Grüße von uns und bis bald
Anja und Pat
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Mittwoch, 17. November 2010
Die verwunschenen Tempel von Angkor
anjapat, 10:57h
Der Club nebenan in Bangkok schloss am Sonntagmorgen um 5 Uhr, so dass wir noch eine Stunde Schlaf hatten, bevor unser Wecker klingelte. Prima, dachte ich, wir sind auf Erkundungsreise und stehen sonntags um 6 Uhr auf. Jedoch wollten wir einen frühen Bus zur Grenze zwischen Thailand und Kambodscha nehmen, damit wir zeitiger in Siem Reap und somit in der Nähe der Tempel von Angkor ankommen würden. Unser Vorhaben hat auch super geklappt, da wir direkt in einen Bus einsteigen konnten, als wir auf dem zentralen Busbahnhof von Bangkok ankamen. Vier Stunden danach organisierten wir uns an der Grenze ein Visum und bereits eine Stunde später, saßen wir auf kambodschanischer Seite in einem Taxi. Wiesi, der Highway Number 6 ist mittlerweile eine frisch asphaltierte Strasse, so dass wir nur 2 Stunden von der Grenze bis nach Siem Reap brauchten. Wir suchten uns eine günstige Unterkunft und fanden auch etwas halbwegs ruhiges.
Wir hatten im Hotel einen Fahrer organisiert, der uns mit seinem Moped und Anhänger für zwei auf eine wunderbare Tour mitnahm. Wie einige uns schon vorhergesagt haben, waren die Tempel atemberaubend und haben uns richtig gut gefallen. Diese verwunschenen Anlagen, die von der Khmer Dynastie im 12. Jahrhundert erbaut worden und mittlerweile vom Dschungel zurückerobert waren, sind unglaubliche Beispiele, wozu Menschen fähig sind. Die Khmer sagen, dass die Tempel von den Göttern erbaut wurden, und oft möchte man ihnen glauben. Wir konnten vom ersten Tag nicht genug bekommen und sind deshalb gestern mit dem Fahrrad noch einmal dorthin gefahren. Obwohl wir diese Idee fantastisch fanden, waren unsere Hinterteile von den klapprigen Rädern am Abend dann nicht so begeistert.
Nach all den Informationen, die wir über Kambodscha erhalten haben, sind wir positiv überrascht, wie gut die Infrastruktur ist und wie freundlich die Menschen sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir den Vergleich mit Indien und Uganda haben, wo auch viel Armut herrscht. Wir sehen hier viele Landminenopfer und die Kinder an den Tempeln, die kleine Dinge verkaufen, tun uns auch oft Leid. Ein paar Ansichtskarten und Magneten haben wir daher von ihnen auch schon erworben. Wenn man das historische Leid der Kambodschaner betrachtet, ist es doch erstaunlich, wie viel sich in diesem Land entwickelt hat. Zwar sind wir bisher nur im touristischen Zentrum unterwegs, doch sehen auch die Seitenstrassen und Hinterhöfe annehmbarer aus, als das was wir in anderen Ländern gesehen haben.
Am Sonntagabend haben wir witzigerweise noch Christian, mit dem ich letztes Jahr bei der SAP zusammengearbeitet habe, und seine Freundin Nina zufällig getroffen. Darüber haben wir uns alle köstlich amüsiert und waren am Montag was Essen, um unsere Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Es war ein schöner Abend und wir hatten festgestellt, wie klein doch diese Welt ist.
Heute ruhen wir uns aus, bevor wir morgen weiter fahren. Als Burtseltagsgeschenk habe ich mir eine Bootsfahrt nach Phnom Penh gewünscht, so dass wir die Strecke in die Hauptstadt auf dem Wasser zurücklegen werden. Wir freuen uns schon, obwohl die Tour sehr touristisch sein und es nicht viel zu sehen geben soll. Wir werden trotzdem viel Freude haben und das ein oder andere Mal anstossen.
Anbei haben wir wieder ein paar Bilder für euch. Bei der Angkortour habe ich auch eine kleine Macke entwickelt und verschiedenste Säulen der Tempel fotografiert. Wer Lust darauf hat, kann sich die Aufnahmen gern unter folgendem Link anschauen. Aber es sind wirklich nur Säulen. Anja denkt schon, dass ich durchdrehe.
Angkor's Säulen 17.11.2010
Liebe Grüße und wir melden uns dann wieder aus Phnom Penh
Anja und Pat
Wir hatten im Hotel einen Fahrer organisiert, der uns mit seinem Moped und Anhänger für zwei auf eine wunderbare Tour mitnahm. Wie einige uns schon vorhergesagt haben, waren die Tempel atemberaubend und haben uns richtig gut gefallen. Diese verwunschenen Anlagen, die von der Khmer Dynastie im 12. Jahrhundert erbaut worden und mittlerweile vom Dschungel zurückerobert waren, sind unglaubliche Beispiele, wozu Menschen fähig sind. Die Khmer sagen, dass die Tempel von den Göttern erbaut wurden, und oft möchte man ihnen glauben. Wir konnten vom ersten Tag nicht genug bekommen und sind deshalb gestern mit dem Fahrrad noch einmal dorthin gefahren. Obwohl wir diese Idee fantastisch fanden, waren unsere Hinterteile von den klapprigen Rädern am Abend dann nicht so begeistert.
Nach all den Informationen, die wir über Kambodscha erhalten haben, sind wir positiv überrascht, wie gut die Infrastruktur ist und wie freundlich die Menschen sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir den Vergleich mit Indien und Uganda haben, wo auch viel Armut herrscht. Wir sehen hier viele Landminenopfer und die Kinder an den Tempeln, die kleine Dinge verkaufen, tun uns auch oft Leid. Ein paar Ansichtskarten und Magneten haben wir daher von ihnen auch schon erworben. Wenn man das historische Leid der Kambodschaner betrachtet, ist es doch erstaunlich, wie viel sich in diesem Land entwickelt hat. Zwar sind wir bisher nur im touristischen Zentrum unterwegs, doch sehen auch die Seitenstrassen und Hinterhöfe annehmbarer aus, als das was wir in anderen Ländern gesehen haben.
Am Sonntagabend haben wir witzigerweise noch Christian, mit dem ich letztes Jahr bei der SAP zusammengearbeitet habe, und seine Freundin Nina zufällig getroffen. Darüber haben wir uns alle köstlich amüsiert und waren am Montag was Essen, um unsere Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Es war ein schöner Abend und wir hatten festgestellt, wie klein doch diese Welt ist.
Heute ruhen wir uns aus, bevor wir morgen weiter fahren. Als Burtseltagsgeschenk habe ich mir eine Bootsfahrt nach Phnom Penh gewünscht, so dass wir die Strecke in die Hauptstadt auf dem Wasser zurücklegen werden. Wir freuen uns schon, obwohl die Tour sehr touristisch sein und es nicht viel zu sehen geben soll. Wir werden trotzdem viel Freude haben und das ein oder andere Mal anstossen.
Anbei haben wir wieder ein paar Bilder für euch. Bei der Angkortour habe ich auch eine kleine Macke entwickelt und verschiedenste Säulen der Tempel fotografiert. Wer Lust darauf hat, kann sich die Aufnahmen gern unter folgendem Link anschauen. Aber es sind wirklich nur Säulen. Anja denkt schon, dass ich durchdrehe.
Angkor's Säulen 17.11.2010
Liebe Grüße und wir melden uns dann wieder aus Phnom Penh
Anja und Pat
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