Mittwoch, 28. September 2011
Zurück in der Heimat
So Ihr Lieben,

das wird wohl vorerst unser letzter Eintrag in unseren Blog über unsere Weltreise sein, da wir am Samstag sicher in der Heimat gelandet sind.

Unsere letzte Woche unserer Reise verbrachten wir in keiner geringeren Stadt als New York. Mit Wuschel und Sveni sind wir aus Boston aufgebrochen und verlagerten nach einer 4-stündigen Fahrt in diese wahnsinnig Metropole. Im Voraus hatten wir Probleme ein günstiges Hotel in Manhattan zu finden. Wenn schon dann wollten wir in Downtown New York City unsere letzten Tage verleben. Allerdings kosteten die Zimmer ab 500 Dollar aufwärts. Die Modewoche besuchte gerade die Stadt und es war zwecklos, großartig zu suchen. Letztendlich fanden wir ein gutes Hotel in Queens, welches nur 30 Minuten mit der U-Bahn entfernt lag. Nach dem wir eingecheckt hatten, ließen wir nur wenige Minute verstreichen und nahmen die Linie 7 zum Time Square.

Als wir die Bahnhofstation am zentralen Busbahnhof in Manhattan verließen, begrüßte uns das verrückte New Yorker Chaos. Wir wussten sofort, dass es kaum eine Stadt in der westlichen Hemisphäre gibt, dass es mit dem Gewusel in Manhatten aufnehmen kann. Der Verkehr staute sich kilometerweit gelbe Taxi schlängelt sich hupend durch die Menschenmassen und die Leute liefen wild durch einander. Wir entdeckten, dass der Time Square abgesperrt war und sich eine Spezialpolizeieinheit geschäftig um ihre flackernden Einsatzfahrzeuge bewegte. Ein Umleitung war eingerichtet und wir konnten uns nur unter die fragenden Schaulustigen mischen. Als wir einen Polizisten erspähten, der einen grünen Kosmonautenanzug trug, konnten wir ahnen, dass es sich um eine Bombendrohung handeln musste. Ein Passant fragte mich, worum es sich handelte, erzählte ich ihm von meiner Vermutung mit der Bombe. Desinteressiert und etwas gelangweilt erwiderte er mir nur ein lapidares „Achso“ und schlenderte weiter. Es muss wohl an der Tagesordnung in New York sein, eine Bombendrohung mitzuerleben.

Unsere Vierergruppe lief weiter und stürzte sich in das Getümmel am Time Square Ecke Broadway. Das ist wahrscheinlich die bekannteste Kreuzung in New York und ein Mekka der Touristen. Wir gesellten uns zu unseren Gleichgesinnten und bestaunten die gigantischen, farbigen und blinkenden Leuchtreklamen und Riesenbildschirme, die ihre Botschaften auf die winzig wirkenden Betrachter instruierten. Um uns von dieser Reizüberflutung ein wenig zu erholen, schlenderten wir in den Central Park. Dieses riesige Areal ist die grüne Lunge der Stadt und wir erholten uns ein wenig und betrachteten die Wolkenkratzer, die durch die Bäume lugten. Unser nächsten Ziel war die 5th Avenue und wir liefen an den Läden der großen Modenamen vorbei.

Die Sonne senkte sich und unser nächste Plan war, den Untergang vom Empirestate Gebäude zu erleben. Was wir in dem Moment nicht bedacht hatten war, dass wir nicht die Einzigen waren, die diese Idee hatten. Uns blieb leider nichts anderes übrig, als uns an die endlos wirkende Schlange anzustellen. Nach ungefähr einer Stunde hatten wir es auf die Spitze dieses alten Gebäudes geschafft. Leider waren wir etwas zu spät gekommen, da die Sonne schon hinter dem Hoirzont verschwunden war. Trotzdem war es ein toller Ausblick von dort oben, da die Lichter von New York erwachten. Wir blieben eine ganze Weile auf dem Empire State Gebäude und staunten über diese riesige Metropole.

Zum Abschluss des Abends liefen wir noch einmal zum Time Square, um uns die Lichter und das Farbenspektakel noch einmal im Dunkeln anzuschauen. Nach den vielen Eindrücken waren wir etwas müde. New York hatte uns ganz schön ausgelaugt. Es ist schon eine wahnsinnige und aufregende Stadt. Allerdings ist sie überaus anstrengend und zum Wohnen wohl zu Energie raubend.

Wir waren froh, als wir unser Hotel in der Nacht erreichten und unsere Füße hochlegen konnten. Im Internet lasen wir, dass es sich am Time Square tatsächlich um eine Bombendrohung gehandelt hatte. Ein Passant hatte sich wohl einen neuen Koffer gekauft, umgepackt und seinen alten einfach so an einen Papierkorb gestellt. Daraufhin wurde Bombenalarm ausgelöst, da niemand wusste, was sich im dem Koffer, letztendlich nichts, befand und wem er gehörte. Überall waren in der Stadt Polizisten und deren Einsatzwagen zu sehen. Auch schwarze Jeeps, die zum FBI oder der CIA gehörte, sahen wir durch die Straßen mit Blaulicht sausen. Am Abend wurde uns dann klar, warum wir so viele Einsatzkräfte unterwegs waren. Die UNO hatte ihre erste Sitzung nach der Sommerpause und Politiker der ganzen Welt waren in der Stadt zu Gast. Auch Barack Obama befand sich irgendwo Downtown Manhattan. Das erklärte uns dann auch, warum die Hotelpreise in die Höhe geschossen waren.

Am Dienstag regnete es, so dass das Wetter nicht zu großen Erkundungen einlud. Daher fuhren Wuschel und Sveni allein in die Stadt, um etwas zu shoppen. Wir folgten ihnen ein paar Stunden später. Am verabredeten Treffpunkt baute sich gerade eine Einsatzgruppe von über 100 Polizisten auf. So viele hatten wir bisher nur bei Demonstrationen oder den Ausschreitungen zum 1. Mai in Berlin gesehen. Hier in New York standen sie in einfacher Uniform an der Kreuzung warteten auf ihre Instruktionen. Es konnte sich also nur um Verkehrspolizisten handeln, die die Strecke zur UNO frei räumen sollten.

Wieder zu viert nahmen wir uns die Südspitze von Manhattan vor. Unser erste Anlaufpunkt war die Wall Street und die New Yorker Börse. Dort angekommen konnten wir uns nur durch winzige Gassen schlängeln, da die komplette Wall Street mit Zäunen und sogar Panzersperren abgesichert waren. Für mich war es ein unglaubliches aber passendes Sinnbild der momentanen Finanzsituation der Welt. Der ehemals stärkste und größte Finanzplatz der Welt ist heute spröde und anfällig und muss vor Angriffen von Terroristen aber sinnbildlich auch Kleinanlegern mit riesigen Panzersperren und einem unglaublichen Polizeivorkommen geschützt werden. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie Bauer Maier, der durch die Pleite von Lehmann Brothers sein Geld verloren hat, auf einem Traktor sitzend um die Ecke tuckert und mit hochrotem Kopf wütend die Banker an der Wallstreet zu Rechenschaft ziehen will.Vielleicht sollte diese riesigen Schutzvorkehrungen vor den Chinesen sichern, die der größte Gläubiger der USA sind und welche sich vielleicht ihre Anteile persönlich in New York abholen möchten. Die Welt, so wie wir sie vor Jahren kannten, ist nicht mehr die gleiche. Das machte die abgesperrte Wall Street klar.

Wir liefen weiter, bis wir die Südspitze Manhattans erreichten. Die Freiheitsstatue wirkte in der Entfernung noch kleiner als sonst. Das könnte man mit dem Selbstvertrauen der USA in den Vergleich setzen. Bei vielen Gesprächen, die wir mit den Einwohnern dieser ehemals führenden Nation führten, konnten wir eine gewisse Angst spüren und Bedenken hören. Wir hielten einen Moment inne und schauten nachdenklich in die grauen Wolken, die sich über der Freiheitsstatue zusammen brauten.

Unsere weitere Stadterkundung führte zum wohl schiksalsträchtigsten Ort in New York. Es war der Ground Zero, an dem vor 11 Jahren fast auf den Tag genau die Türme des World Trade Centers standen und von den Angriffen mit Flugzeugen zerstört worden. Jeder von uns hat die Bilder vor Augen und weiß, was er an jenem 11. September 2001 gemacht hat. Wir unterhielten uns über unsere Gefühle und Gedanken, als wir von den Anschlägen gehört hatten. Natürlich tauschten wir uns auch aus, wo sich jeder von uns befand und wie er von den schrecklichen Nachrichten erfahren hatte. Wir umliefen die riesige Baustelle des neuen Wolrd Trade Centers. Ich war sehr überrascht, wie weit der neue Freedom Tower bereits gebaut war, der er thronte halbfertig über dem Real. Die Bauarbeiten schienen bereits im 40. Stock des neuen Wolkenkratzers zu sein, während die unteren Etagen schon verglast wurden. Leider konnten wir die Gedenkstätte nicht besuchen, da man sich nur über das Internet mit Passnummer und halben Lebenslauf registrieren kann. Von einem Wachmann erfuhren wir, dass die Termine für September und Oktober bereits ausgebucht sind und man eventuell im November eine Chance hätte. So lange konnten wir leider nicht warten.

Langsam meldeten sich unsere Mägen und verlangten nach Nahrung. Daher entschieden wir im nahegelegenen Little Italy einzukehren. Wir fanden eine kleine niedliche Pizzeria, in dem mehr Italienisch als Englisch gesprochen wurde. So hatten wir uns das vorgestellt. Die Pasta und Pizza waren dann auch sehr lecker. Unseren Nachtisch nahmen wir in der Marktmeile zu uns. Anja und ich kauften uns ein paar Cannoli, kleine mit creme-gefüllte Gebäcktaschen, und verschlangen diese an Ort und Stelle. Nach einem Abschiedsgetränke fuhren wir zurück in unser Hotel und verlebten dort unseren letzten gemeinsamen Abend. Wir tauschten Bilder aus und verabredeten uns so bald wir wieder in Deutschland waren.

Gemeinsam mit Wuschel und Sveni gingen wir noch einmal Frühstücken und besuchten einen Baumarkt. Danach brachten wir die Beiden zum Flughafen und verabschiedeten uns. Dankenswerter Weise nahmen sie unsere größte Tasche bereits mit zurück, in der wir unsere Camping- und Schnorchelsachen gepackt hatten. Es war ein bisschen komisch, dass wir uns dort trennten aber schon bald in der Heimat wieder sehen würden. Jedenfalls verlief die Reise nach Deutschland für die Beiden pünktlich und ohne große Hindernisse ab. Nur der Zoll in Leipzig stellte ein paar Fragen, welche sie aber bestens meisterten.

Anja und ich bezogen unser neues Hotel, in welchem wir unsere letzten zwei Nächte verbringen würden. Wir merkten, wie die Luft aus unserer Reise langsam entwich und hatten keine große Lust, noch einmal nach Manhattan zu fahren. Wir hatten im Verlauf des letzten Jahres so viele Eindrücke gesammelt, die kein Nachmittag in dieser verrückten Metropole hätte toppen können. Wir genossen es, entspannt unsere letzten Tage anzugehen. Am Abend schafften wir es gerade noch zu einem kleinen, niedlichen Italiener in die Nähe unseres Hotels und genossen die Speisen und unsere Zweisamkeit. Auf dem Rückweg nahmen wir noch eine Flasche Wein ins Hotel mit, um gebührend Abschied feiern zu können. Anja hatte die Idee, all unsere Bilder anzuschauen. Ich war darüber etwas überrascht, da wir unglaublich 25000 Stück davon haben. Nachdem ich allerdings das Anschauen unserer Indien- und Bangkokbilder abgebrochen hatte, schlief Anja letztendlich bei den Kambodschabildern neben mir ein. Weit hatten wir es mit diesem Vorhaben nicht geschafft.

Mit Donnerstag brach unser letzter voller Tag unserer Weltreise an. Mit gemischten Gefühlen starteten wir mit einem Kaffee bei Starbucks und hatten wenig Energie, um große Dinge anzugehen. Wir telefonierten mit unseren Familien und Freunden und kündigten uns schon mal für das kommende Wochenende an. Dabei freuten wir uns natürlich auf unsere Rückkehr, waren aber auch ein wenig traurig, dass unser Traum sich langsam dem Ende zuneigte.

An unserem letzten Abend hätte es keinen besseren Abschluss geben können, als diesen wichtigen Moment im Sinne unseres Mottos „Zu Gast bei Freunden in der Welt“ zu verleben. Wir besuchten meinen Studikollegen Flo und seine kleine Familie mit Ehefrau Masami und Sohn Kai. Die Schwester von Masami war gerade aus Japan zu Besuch, was dem Abend eine noch internationalere Ausprägung gab. Der kleine Kai war der Mittelpunkt des Abends und kam mit seinem entspannten Gemüt ganz nach Mama und Papa. Den Gastgebern entsprechend hatte Flo leckeres Sushi besorgt. Masami und ihre Schwester hatten eine tolle Erdbeertorte vorbereitet, die wir uns alle schmecken ließen. Wir genossen das Beisammensein und hatten uns gegenseitig viel zu erzählen. Nach diesem schönen Abend hatten wir dann auch mit unserer Reise abgeschlossen und dachten an unsere letzten Stunden und unsere Rückreise.

Der Morgen des allerletzten Tages begann mit einem starken Regen. Dies passte natürlich zur Gesamtsituation und unserem Gemüt. Allerdings machte es den Abschied von unserem einjährigen Reisen als Weltenbummler nicht ganz so schwer. Anja und ich gingen noch einmal einkaufen, um ein paar Geschenke zu organisieren und unsere letzten Dollar zu verbraten. Am frühen Nachmittag fuhren wir dann zum Flughafen und gaben unseren Mietwagen ab. Ein wichtiger Moment war noch einmal, als das Gewicht unseres Gepäcks gecheckt wurde. Mit jeweils 600 bzw. 800 Gramm Übergewicht wurden unsere Taschen ohne Kommentar akzeptiert und uns viel ein Stein vom Herzen. Als wir es durch die Sicherheitskontrolle geschafft hatten, tranken wir mit einem traurigen aber auch lachendem Auge ein Abschiedsgetränk. Schließlich haben wir das Glück gehabt, einmal so eine Reise zu machen, so viele Eindrücke zu sammeln, auf viele Freunde zu treffen und von unseren Liebsten erwartet zu werden.

Die Boing 747 von Virgin Atlantic brachte uns dann auch bestens nach London. Wir hatten uns sitze in der zweiten Etage des Bugs dieses großen Fliegers organisiert. Der Vorteil war, dass die 7 Sitzreihen in der Economy Klasse kaum besetzt waren und wir uns einen Platz aussuchen konnten. Des Weiteren waren die Flugassistentinnen äußerst entspannt, da sie sich nur um eine handvoll von reisenden kümmern brauchten. Zusätzlich war es extrem ruhig, da sie wie gesagt nur ein paar Leute auf der Etage befanden. Allerdings verbrachten wir den 6-stündigen Flug eher im Halbschlaf, da wir durch die Zeitumstellung nicht wirklich zur Ruhe fanden. Der Transit in London verlief dann auch ohne große Komplikationen und schnell waren wir auf dem Weg nach Berlin. Allerdings mussten wir noch einmal in München umsteigen, da wir kein direktes Ticket kaufen konnten bzw. bezahlen wollten. Der Rückflug von London war nicht Teil unseres Around-the-World Tickets.

In Berlin angekommen, begrüßten uns Anjas Papa, Anjas Bruder aber auch Steffi Tränkler war extra zum Flughafen gekommen. Danke Steffi! Schnell ging es über die Autobahn und wir flogen in Richtung Heimat. Die Wälder und Landschaften sahen sehr vertraut aus. Das Wetter war herrlich und die Sonne schien, so dass wir freudig gestimmt waren.

Als wir in die Straße zum Haus von Anjas Eltern in Meinsdorf einbogen, trauten wir unseren Augen kaum. Ein Empfangskomitee hatte sich aufgebaut und wir wurden mit Gesang und einem Glas Sekt begrüßt. Einen so großen Bahnhof hatten wir nicht erwarten und mussten für die gesamte Aufmerksamkeit eine kleine Träne verdrücken. Schließlich waren es nur wir, die es wieder nach Hause geschafft hatten. Wir merkten natürlich, wie sehr wir vermisst wurden. Ein großes Plakat türmte im Hintergrund, auf dem wir Herzlich Willkommen geheißen wurden.

Im Laufe des Nachmittages füllte sich das Haus von Anjas Eltern und wir feierten unsere Rückkehr. Natürlich hatten wir viel zu erzählen und unsere Liebsten lauschten gespannt unseren Ausführungen. Viel brauchten wir allerdings nicht zu erzählen, da sie durch diesen Blog immer auf dem Laufenden gehalten wurden. Allerdings wollten sie doch noch einmal die eine oder andere Geschichte live berichtet bekommen. Als wir unser Zimmer betraten, wurden wir von tollen Dekorationen überrascht. Die Vorbereitungen waren alle sehr liebevoll gewesen. Alle hatten dafür gesorgt, dass wir uns sofort wohl fühlten. Während ich mich auf die Marzipankartoffeln stürzte, verschwand Anja in ihrem Kleiderschrank und ich konnte nur noch ihre Klamotten durch die Luft fliegen sehen. Freudig juchzte sie über Stücke, die sie neu entdeckte und wohl gar nicht mehr wusste, dass sie diese noch hatte. Sie hatte das Kofferleben wohl endgültig satt gehabt. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, mischten wir uns wieder unter unsere Gäste und verlebten ein ganz tolles Willkommen. Wir feierten bis in die Nacht und waren in unserer vertrauten Umgebung sehr glücklich.

Am Sonntag waren wir dann bei meinen Eltern in Steckby zu Gast und wurden von Familie und Nachbarn freudig begrüßt.

Mittlerweile hat uns aber schon unsere Zukunft eingeholt. Da wir keine großartige Zeit verstreichen lassen wollen, haben wir uns in den letzten Tage auf Wohnungs- und Jobsuche begeben. Wir waren bereits in Berlin und haben uns ein paar vielversprechende Wohnungen angeschaut. Heute arbeitet Anja an ihrem Lebenslauf und ihrer Bewerbung, so dass wir schnell für sie fündig werden. Für mich steht wohl ein baldiger Jobantritt bevor und ich werde schauen, auf welches Projekt es mich ab nächster Woche ziehen wird.

Unsere jetzigen Aufgaben werden sicherlich beeinträchtigen, dass wir uns in Ruhe mit unserer Reise beschäftigen können. Allerdings werden wir Momente unserer Weltreise noch einmal erleben, wenn wir unseren Freunden davon berichten oder die Bilder in den nächsten Wochen noch einmal sortieren werden. Auch an den Wochenende werden wir zumindest im Oktober sehr viel unterwegs sein. Bereits am Freitag fahren wir zu einer Hochzeit nach Köln, sind am Samstag aber wieder zurück, da Anjas Großeltern ihren 60. Hochzeitstag feiern werden. Das wird in den nächsten Wochen mit Geburtstagsfeiern weitergehen, so dass wir wieder bestens in Deutschland ankommen.

Anja und ich hatten ein tolles Jahr und uns selber einen Traum erfüllt. Wir haben tolle Ereignisse erlebt, die immer in unseren Erinnerungen bleiben. Höhepunkte dabei waren neben den Besuchen bei unseren Freunden, sicherlich Hampi in Indien, der Tauchschein in Thailand, die Tage im Mekongdelta, die Halongbucht, Laos, Neuseeland, das Walhaischwimmen in Australien, Rarotonga, der Grand Canyon, der Yosemite Nationalpark und unsere Tage in Chicago.

Wir bedanken uns für alle Nachrichten und Telefonate, die wir in der Zeit mit unseren Freunden und Familien in die Heimat geführt haben, für die Gastfreundschaft unserer Freunde in der Welt und für die Freundlichkeit der Bekanntschaften, die wir unterwegs geschlossen haben. Besonders bedanke ich mich bei unserer Leserschaft, die manchmal gehörige Ausdauer einbringen musste, um unsere Berichte zu verfolgen.

Dies wird der letzte Eintrag in unseren Blog und ihr werdet ihn hoffentlich genauso vermissen, wie wir.

Wir grüßen Euch ein letztes Mal und freuen uns darauf, dass wir uns bald irgendwie, irgendwo und irgendwann noch einmal auf dieser Welt treffen werden.

Beste Grüße und Alles Gute wünschen Euch

Anja und Patrice


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Montag, 19. September 2011
Eine Woche lang zu sechst
Hallo Ihr Lieben,

nachdem wir letzten Montag ein freudiges Wiedersehen mit Wuschel und Sveni und Domi und Adrian gefeiert haben, liegt eine Woche Sightseeing in Boston hinter uns.

Am Dienstag hatten wir schönes Wetter, welches sich in den nächsten Tagen ändern sollte. Daher nutzten wir die Gelegenheit und fuhren mit Wuschel und Sveni auf die Halbinsel namens Cap Cod. Domi und Adrian mussten leider arbeiten, so dass die beiden nicht an unseren Aktivitäten teilnehmen konnten. Zu viert genossen wir die Strände, den atlantischen Ozean und natürlich die Sonnenstrahlen. Anja und ich trainierten mit den beiden unsere Luftsprünge, welche sie bestens ausführten. Wir liefen durch den idyllischen Ort Provinztown, der viele kleine Lädchen hatte. Der Ort wird des Weiteren auch P-Town genannt und ist für seine Schwulen- und Lesbenszene bekannt. Nach einer Kaffeepause tranken wir ein paar schöne Bierchen in einer kleinen Hafenbar und genossen den Ausblick und das tolle Wetter. Auf dem Rückweg hielten wir noch in einem Fischrestaurant an und hatten jeder einen leckeren Meeresbewohner zum Abendessen. Domi und Adrian freuten sich über unsere Rückkehr und gingen mit uns noch einen Cocktail in der Nachbarschaft schlürfen.

Das Wetter war am Mittwoch wirklich nicht mehr so schön, wie am Tag zuvor. Für uns stand Boston auf dem Plan, welches wir bis dahin noch nicht entdeckt hatten. Wir entschieden uns, viel zu laufen und machten uns wieder zu Viert auf den Weg. Unsere Strecke führte über den Charles River in die Altstadt, von der wir durch die Parkanlagen der Stadt liefen bis wir in der Shoppingmeile Newbury Street landeten. Die Altstadt bestand aus historischen Backsteinbauten, die bis in die erste Besiedlung der Region zurück reichen. Das gesamte Viertel steht unter Denkmalschutz und ist daher noch gut erhalten. Interessant waren die Gaslampen, die seit über 100 Jahren auf die gleiche konventionelle Art befeuert werden. In den Parks ruhten wir uns aus und schauten zum Landesregierungsgebäude des Staates Massachusetts mit seiner golden Kuppel hinüber. Viele Eichhörnchen warteten auf Zuwendungen der Besucher und waren daher wenig scheu und äußerst neugierig. Nachdem wir uns vom Shoppen mit Eis und Milchshakes gestärkt hatten, liefen wir durch die Grünanlagen des Flusses zurück in Richtung Heimat. Dort angekommen, waren wir ganz schön kaputt, da wir einiges an Kilometern hinter uns gelassen hatten. Am Abend blieben wir im Wohnheim auf dem Campus und spielten ein wenig Tischtennis bzw. Billard. Es war toll, dass wir das Equipment der Harvard Uni nutzen konnten.

Am Donnerstag besuchten wir Domi und Adrian in ihrem Labor. Beide arbeiten ja in der Forschungsabteilung der Harvard Universität. Die beiden zeigten uns ihre Zellkulturen und wir sahen uns an, wie Fibroblasten unter dem Mikroskop aussehen. Nicht das wir davon eine geringste Ahnung hatten, aber es war trotzdem interessant, hinter die Kulissen dieser Einrichtung zu schauen. Am Abend besuchten wir eine Modenschau im sogenannten Liberty Hotel, dass einmal ein Gefängnis war. Dort präsentierten einige Kolleginnen von Domi Stücke eines jungen Designers aus Boston. Wir schauten dem Spektakel zu und waren kaum von der Tanzfläche zu bekommen. Es war spaßig, dass wir zusammen tanzen konnten, obwohl einige sehr wichtige und hübsche Menschen unterwegs waren. Aber so ist halt die Modeindustrie.

Domi hatte am Freitag einen Tag Urlaub eingereicht, da wir zusammen zum Wale schauen gefahren sind. Da die Sonne wieder schien, präparierten sich die Mädels mit Sonnencreme, um sich vor der Strahlung zu schützen. Das Wetter war herrlich und wir genossen die Bootsfahrt. Leider zeigte sich kein Wahl und wir kurvten über zwei Stunden vergebens auf der See herum. Plötzlich erspähten die Ranger doch eine Wasserfontäne und jagte dieser hinter her. Es war ein Finnwal, der wohl der zweitgrößte nach dem Blauwal der Welt ist. Leider benutzt diese Art der Wale im Gegensatz zum Buckelwal nicht die Schwanzflosse, um sich unter Wasser zu drücken. Daher sahen wir nur die Rückenflosse, als der Koloss bei unserer Anfahrt abtauchte. Er machte sich anscheinend aus unserer Anwesenheit einen Jux, den er tauchte nach ca. 10 Minuten etwa 500 m entfernt wieder auf. Die Motor starteten durch, doch tauchte der Wahl wieder, als wir angeprescht kamen. Wir sahen nur noch seinen riesigen Rücken und konnten uns nur schemenhaft vorstellt, mit was für einem Koloss wir es zu tun hatten. Dieses Spiel auf- und abtauchen wiederholte sich einige Male, bis er komplett aus unserem Sichtfeld entschwand. Unsere Crew versuchte noch einen anderen Wal zu finden, doch hatten wir leider kein Glück. Anja und ich bemerkten wieder Mal, dass wir nicht sehr erfolgreich mit solchen Tierexpeditionen waren, wenn wir an unsere Reise denken. Zurück an Land besuchten wir den Ort Rockport, der auch ein paar niedliche kleine Häuser und Geschäfte zu bieten hatte. Zurück in Boston ließen wir den Abend ruhig ausklingen.

Am Samstag trennten sich dann die Wege unserer Gruppe. Während die Mädels zur Anprobe für Domis nächste Modenschau und etwas Einkaufen gingen, fuhren wir Jungs zu einer Laserquestarena. Ähnlich wie beim Paintball, erhält man ein Laserwaffe und kämpft für zwanzig Minuten gegen eine Vielzahl von Gegnern in einem dunklen Labyrinth. Wir müssen zugeben, dass es äußerst peinlich war, als wir den Laden betraten, da wir bei Weitem die ältesten Spieler waren. Unsere Gegner waren mehrere Gruppen von Kindergeburtstagen. Wir waren froh, dass einige Väter auch mitspielten, so dass wir es nicht nur mit Knirpsen zu tun hatten. Allerdings waren diese natürlich skrupellos in der Arena und es machte viel Spaß, auch wenn es äußerst infantil war. Daher entschieden wir uns auch eine zweite Runde zu spielen. Danach gingen wir Jungs in eine Sportbar und tranken ein paar Bier, um uns wieder etwas männlicher zu fühlen. Wir holten unsere Mädels in der Stadt ab, die ganz schön kaputt von ihrer Shoppingtour waren. Es schien, dass wir Jungs auf alle Fälle mehr Spaß hatten.

Am Abend waren wir dann auf eine Geburtstagsparty eingeladen. Jonathan aus Domis Clique hatte Geburtstag und feierte in seinem Wohnkomplex in der Stadt. Das Gebäude hatte einen Partyraum, der für Veranstaltungen gebucht werden konnte. Wir lernten den Freundeskreis von Domi und Adrian kennen und hatten sehr viel Spaß. Nach der Party nahmen wir noch einen Absacker auf dem Nachhauseweg zu uns, bevor wir kaputt ins Bett fielen.

Dementsprechend verlief der Sonntag etwas ruhiger an, obwohl ich Anja und mich zu einer Runde Joggen überreden konnte. Erst am Nachmittag schafften wir es, in Richtung Innenstadt aufzubrechen, um in Chinatown Essen zu gehen. Der große Raum des Dim-Sim Restaurants erinnerte an einen Mitropaspeisesaal und hatte die Geräuschkulisse einer Schulaula. Kellnerinnen fuhren mit ihren Servierwagen an unserem Tisch vorbei und wir ließen uns die identifizierbaren Speisen auf kleinen Tellern servieren. Es war ein bisschen komisch, Babyoktopus, Schrimps, Muscheln, Fischknödel und gefüllte Semmelknödel als erste Mahlzeit des Tages zu uns zu nehmen, aber es war sehr lecker und mal was anderes. Anja ekelte sich vor dem Babyoktopus, schlug dann aber reichlich zu, nachdem ich sie vom leckeren Geschmack überzeugt hatte. Die Ärmste muss so viel ertragen, aber ich mute ihr ja nur zu, von dem ich weiß, dass sie es erstens meistern und zweitens hinterher mögen wird. Wir ließen allerdings Dinge wie Hühnerfüße, Mägen und andere Innereien aus, da wir dann doch nicht zu sehr experimentieren wollten.

Nach diesem Start in den Tag besuchten wir mit Wuschel und Sven den großen Friedhof von Cambridge und gingen wieder Spazieren. Das Wetter war herrlich und wir legten uns faul in die Sonne an einem kleinen Teich. Wir genossen die Stille und dösten ein wenig vor uns hin. Da dies ein echter herrlicher Moment war, holten wir uns einen Kaffee und setzten uns dann für den Rest des Nachmittages noch einmal auf dem Harvard Campus in die Sonne. Es war wunderbar! Entspannt gingen wir heute Abend noch einen Burger Essen und schauten uns zum Abschluss die Bilder der vergangenen Woche an.

Heute ist nämlich unser letzter Abend in Boston und es heißt Abschied von Domi und Adrian zu nehmen. Zusammen mit Wuschel und Sven fahren Anja und ich morgen nach New York. Wir werden dort zu vier zwei Nächte verbringen, da die anderen beiden am Mittwoch wieder zurück nach Deutschland fliegen. Gemeinsam werden wir die Stadt erkunden und durch die Straßen Manhattans laufen.

Dann beginnen für uns die letzten Tage unserer Weltreise. So richtig fassen können wir es noch nicht, dass wir am nächsten Wochenende keine Koffer mehr packen und uns um Schlafmöglichkeiten kümmern brauchen. Es ist ein komisches Gefühl und wir werden noch einmal unser Bilder anschauen. Da die Preise der Hotels astronomische Ausmaße für nächste Woche angenommen haben, da in Manhattan die Fashion Week läuft, schlafen wir außerhalb auf Long Island.

Wir werden wohl noch einmal aus New York berichten, bevor wir dann zurück nach Deutschland fliegen.

Seid gegrüßt und schon bald sehen wir uns wieder.

Beste Grüße

Anja und Patrice

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Dienstag, 13. September 2011
Hoher Besuch in Boston
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für die Glückwünsche und Nachrichten auf unserem Blog, per Email und per Facebook! Im August nächsten Jahres soll die große Feier stattfinden, aber damit werden wir uns erst beschäftigen, nachdem wir wieder zurück in Deutschland sind und ein eigenes Heim und einen Job für Anja gefunden haben.

Unsere letzten 14 Tage sind letzten Samstag angebrochen. Wir freuen uns auf die Rückkehr und erleben diese Tage mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite sind wir ein wenig traurig, dass unsere Reise um die Welt zu Ende geht, auf der anderen Seite freuen wir uns aber wieder unsere Familien und Freunde in der Heimat zu sehen. Besonders freuen wir uns aber auch auf unsere eigene Wohnung, mit eigener Küche, eigenem Bad und vor allem unser eigenem Bett. Es ist schon unglaublich, wie wir diese Dinge früher für selbstverständlich genommen und haben und wissen sie jetzt um so mehr zu schätzen.

Letzte Woche Montag haben wir Abschied von Chicago genommen und es war schon ein wenig komisch, diese wieder wunderschöne und für uns ab jetzt noch besondere Stadt zu verlassen. Wir haben ihr aber, wie immer, versprochen, dass wir uns ab und zu sehen lassen. Unser Reiseziel war Boston, welches wir aber erst am Freitag erreichen wollten. Wir hatten uns noch zwei Camping Stopps auf der Strecke herausgesucht.

Der erste Campingplatz namens East Harbor in Ohio lag am See Erie einem weiteren der großen Seen Nordamerikas. Nachdem es die Woche davor noch so warm in Chicago war, hatte das Wetter umgeschlagen. Ein frischer Wind weht und machte uns darauf aufmerksam, dass der Herbst vor der Tür steht. Dadurch war der Campingplatz auch wie leergefegt, als wir ihn am Abend erreichten und wir hatten freie Auswahl. Der Platz bestand aus 5 großen Schlaufen, die insgesamt an die 400 Einheiten hatten. Die Schlaufe A hatte 160 Plätze und war für Camper wie uns gedacht, die nur ein Zelt dabei hatten. Drei Plätze waren bereits belegt, so dass wir die Qual der Wahl hatten, uns für eine Stelle zu entscheiden. Stolz kehrten wir zum Campingplatzwart zurück und präsentierte unsere Wahlstelle Nummer 93. Natürlich war dies die einzige Stelle, die im System gesperrt war und wir mussten uns eine andere Stelle nehmen. Da aber keine Nachbarn in der Nähe waren, nahmen wir die 95, obwohl wir ein wenig enttäuscht waren, dass wir die 93 nicht bekommen hatten. Die Stelle war ein bisschen besser angelegt. Letztendlich war es auch egal und wir bezogen unser neues Heim. Wir hatten Glück, dass unser Zelt nicht weggefegt wurde, denn der Wind hatte ordentlich zugelegt. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, streckten wir unsere Glieder nach der Fahrt beim Basketball. Anja und ich führen eine richtige Trainingseinheit durch, so dass wir uns gut bewegen und Anja immer mehr Ballsicherheit bekommt und neue Spielzüge drauf hat.

Zum Abendessen machten wir uns wieder ein Feuer ein, dass uns ein bisschen wärmte. Gerade als wir uns ins Zelt zum Schlafen verabschieden wollte, besuchte uns ein Platzwart einer etwas anderen Art. Ein Stinktier begutachtete unser Zelt und ich hoffte, dass es nicht eine seiner gefährlichen Ladungen abschoss. Dies tat es nicht. Allerdings tat uns der arme Kerl leid, da er sich eine ulkige Halskrause einer Plasteflasche zugelegt hatte. Anja und ich schliefen friedlich ein und waren froh, dass er unser Zelt nicht beräucherte. Soviel Natur musste es dann doch nicht sein. Allerdings besuchte uns unser Freund mit der Halskrause in der Nacht doch noch einmal und entführte uns für einen Moment in die Mitte eine Zoogeheges. Es stank fürchterlich, allerdings konnten Anja und ich nicht anders und bekamen erst einmal einen Lachanfall.

Am Morgen wurden wir durch ein unruhiges Geschnatter geweckt und fanden bald heraus, wer die Ursache dafür war. Die Wiesen des Campingplatzes waren von Wildgänsen belagert, die sich für ihren Weiterflug in den Süden noch einmal stärkten. Wir frühstückten mit unseren neuen Nachbarn und genossen die Sonne, die ein paar Strahlen durch die dicke Wolkendecke geschickt hatte. Ein Schmetterling gesellte sich zu uns, dessen blauen Kleid aus dem Grün des Busches heraus schimmerte. Ein Eichhörnchen saß im Baum nebenan und knabberte an einer Nuss herum. Dieser Moment war sehr idyllisch. Allerdings zog es sich bald wieder zu und die Wolken trübten ein wenig die Stimmung.

Durch das Wetter ließen wir uns aber die Laune nicht verderben und machten einen Spaziergang zum See. Der Weg führte an Wasserflächen vorbei, welche sowohl für viele Vögel als auch Seerosen heimatliche Gefilde boten. Alte Eichen erinnerten sehr stark an Europa und es war wohl eine weitere Erinnerung daran, dass wir bald wieder in Deutschland sein werden. Wildgänse schnatterten fliegend über uns hinweg und trommelten ihre Mannschaften für den Weiterflug zusammen. Als wir den See und seinen Strand erreichten, blies ein starker Wind, der braune Wellen aufgewirbelt hatte. Gut, dass Anja zum Geburtstag ein Sweatshirt und eine Baseballkappe bekommen hat, dass sie ein bisschen vor den Böen schützte. Allerdings musste sie sich mit ihrem Schal vermummen, da es am Wasser doch ganz schön zog.

Die Gegend um East Harbor hatte schöne Dörfer zu bieten und wir besuchten einen nahegelegenen Wasserturm. Am Abend grillten wir auf unserem Platz und machten wieder ein Feuer. In der Hoffnung, dass wir die Nacht ohne Stinkbombenanschlag erleben würden, legten wir uns schlafen. Gegen 2 Uhr fing es aber an, äußerst stark zu regnen. Der Regen peitschte gegen unsere Zeltwand, welche aber dem Angriff stand hielt. Wir hofften, dass wir halbwegs trocken weiterschlafen und denn Morgen erreichen würden. Da die Wassermassen vom Himmel nicht aufhörten, fing es irgendwann an im Zelt zu tropfen. Wir ließen uns nicht abschrecken, verkrochen uns in unsere Schlafsäcke und hofften aufs Beste. Gegen 7 Uhr war es im Zelt und auf unserer Matratze so feucht, dass wir unser Zelt im Regen zusammen packten und den Campingplatz verließen. Wir wussten, dass es wahrscheinlich unser letzter Campingabend war und waren ein bisschen traurig, dass er so ins Wasser fiel. Allerdings konnten wir die Situation nicht ändern und fuhren weiter.

Unser Ziel für den Tag waren die Niagara Fälle oder besser gesagt, der Ort drumherum. Wir fanden ein günstiges Motel und brauchten die Nacht nicht im Regen zu verbringen. Obwohl es aufgehört hatte zu regnen, sah der Himmel und die Vorschau wieder Niederschlag vor. Am Abend füllte sich das Motel und neben uns, zog ein indischer Mann ein. Wir hörten ihn in der Nacht schnarchen, da sein Bett an der gleichen Wand wie unseres stand. Das störte uns aber nicht zu sehr. Nervig war am nächsten Morgen nur, dass er um 5:30 Uhr begann, für eine Weile seinen Rachen zu reinigen. Diese ekligen Geräusche versetzten uns an den Anfang unserer Reise. Wir wurden an die unschöne Nacht in Agra beim Taj Mahal erinnert, wo es mir nicht so gut ging, sich zwei indische Familien bis 1 Uhr nachts stritten, bis um drei laute Musik gespielt wurde, und der Vater einer Familie um 5 Uhr eben diese Geräusche im Zimmer neben an, von sich gab. Allerdings war dieser Moment ein guter Klimax unserer Reise, denn er führte uns für ein paar Minuten zurück nach Indien.

Der Tag war wieder grau und lud nicht gerade zum Sightseeing ein. Wir fuhren aber trotzdem zu den Niagara Fällen, die sich durch den Wasserfluß vom Erie- zum Ontariosee über eine Felskante werfen. Der sogenannte Fluß Niagara ist gleichzeitig die Grenze zu Kanada. Wir besuchten zuerst die amerikanische Seite. Die Umgebung des Parkes um die Fälle war sehr trostlos und wir merkten, dass die beste wirtschaftlich Zeit lange zurück liegen musste. Ein riesiges Einkaufszentrum war leergeräumt und billige Shops versuchten den Touristen billige T-Shirts und Souvenirs anzudrehen. Dafür konnten die Fälle aber wenig. Sie ergossen sich majestätisch und waren ein tolles brausendes Naturspektakel. Leider türmten auf beiden Seiten Hotels, Casinos und ein Vergnügungspark, so dass die Natur ein wenig in den Hintergrund rückte. Wir versuchten, die Gebäude aus den Fotos zu lassen, was allerdings etwas schwierig war. Auf der amerikanischen Seite konnte man per Fahrstuhl direkt an den Grund der Fälle laufen, was wir aber ausließen. Einige Wagemutige stellten sich aber mit einem Regenponcho angezogen, unter das brausende Wasser und posierten für Bilder.

Da die Fälle durch die sogenannte Goatinsel getrennt werden, besuchten wir sowohl die Hufeisenfälle als auch die amerikanischen Fälle. Danach gingen wir zurück zum Auto und fuhren auf die kanadische Seite. Die Grenzkontrolle war recht entspannt und schnell waren wir in einem weiteren neuen Land. Auf der kanadischen Seite hat man den besseren Blick auf die Fälle, da man frontal auf sie schauen kann. Wir machten die obligatorischen Fotos, bevor wir uns in einem Restaurant mit Ausblick Kaffee und Kuchen gönnten. Wir blieben allerdings nicht lange in Kanada, sondern fuhren zurück und verbrachten einen ruhigen Abend.

Am Freitag fuhren wir dann weiter nach Boston. Es war die letzte längste Strecke die vor uns lag. Wir fuhren über sieben Stunden durch Landschaften, die uns sehr stark an unsere heimatlichen Regionen erinnerten. Wir verstanden, dass wir weiter auf unsere Rückkehr vorbereitet wurden. Leider waren die Laub- und Mischwälder noch nicht herbstlich gefärbt. Die Regionen in New England sind ja bekanntlich für den Indian Summer berühmt, wenn sich im Oktober bzw. Herbst die Wälder in ein leuchten Rot, Gelb und Orange verfärben.

In Boston angekommen, zogen wir für die nächsten 10 Tage bei Domi und Adrian ein, die an der berühmten Harvard Universität arbeiten. Anja hatte ihre Freunde schon eine Weile nicht gesehen, und es war schön, jetzt bei ihnen zu sein. Die beiden haben eine schöne Bleibe in einem Wohnheim, in dessen Nachbarschaft schon Leute wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg, der Facebookgründer, gelebt haben. Wir wohnten also in einem illustren Kreis. Des Weiteren war es sehr spannend, über den Campus zu gehen und die vielen Studenten zu beobachten.

Der Samstag begann mit einer Einladung zum Brunch bzw. Mittagessen. Adrians Eltern sowie seine Schwester plus Freund waren gerade zu Besuch. Für Letztere war es der Abflugtag und die Familie wollte noch einmal etwas Zeit miteinander verbringen. Wir unterstützten die Verabredung zum Essen mit zwei Salaten. Das Buffet sah nicht nur lecker aus, sondern bot auch tolle Speise wie gebackenen Fisch oder geröstetes Hühnchen. Adrians Eltern besuchten allerdings nicht nur ihren Sohn und ihre Schwiegertochter sondern auch den Bruder der Mutter. Diese ist nämlich ein weltberühmter Anthropologe, der seit den 70er Jahren an der Harvard Uni arbeitet. In einem beiläufigen Gespräch stellte sich heraus, dass er unter anderem mit Diane Fossey die Erforschung der Berggorillas in Uganda, Ruanda und im Congo aufgebaut hat und jahrelang die Schimpansenforschung im Kibale Nationalpark in Uganda mitbegründet hat. Als wir das hörten, waren wir natürlich sprachlos, da wir über die Wichtigkeit der Forschung für die Menschheit und Uganda wissen. Aber es kam noch besser, denn seine Frau und die Mutter Adrians arbeiten ehrenamtlich für ein privates Hilfsprogramm, dass in Uganda Schulen gebaut hat und Stipendien an begabte Waisenkinder vergibt. Wir waren fasziniert und sprachen mit Leuten, die Uganda besser kannten als wir, da sie seit den 70er Jahren mehrfach im Jahr in mein Vaterland reisen.

Nach dem Essen gaben Anja und ich der Familie ihren privaten Freiraum. Wir schauten uns den berühmten Harvard Campus an und schlenderten durch den Stadtteil Cambridge. Die vielen roten Backsteingebäude begrüßten uns und erinnerten an die frühesten Kolonialzeiten in der neuen Welt. Viele Denkmäler wiesen auf historische Ereignisse der Unabhängigkeitstage hin und die Kirchen und ersten Friedhöfe der Stadt versetzten uns in eine andere Zeit. Die engen Straßen und kurvigen Gassen waren so ganz anders als das, was wir bisher in den US amerikanischen Städten erlebt hatten. Europa war uns sehr nah und wir tranken einen Kaffee in einem der vielen kleinen Cafés. Der Rückweg führte uns direkt über den Hauptcampus und wir sahen die Statue des sitzenden John Harvard. Die größten Gebäude gehörten in diesem Gebiet der juristischen Fakultät an und wir konnten nur ahnen, an welchem Machtzentrum wir einfach so vorbei liefen. Am Abend stürzten Anja und ich uns ins studentische Nachtleben und fanden auch bald ein gutes Irish Pub, in dem wir gut Spaß beim Tanzen hatten.

Wir starteten entspannt in den Sonntag. Da das Wetter sich gebessert hatte, gingen wir mit Domi spazieren. Sie zeigte uns den Friedhof von Cambridge, der ein riesiges Areal einnimmt und in der Mitte des 19 Jahrhunderts gegründet wurde. Dort befanden sich die Gräber der großen Bostoner Familien, die hauptsächlich aus England übergesiedelt kamen und den Handel mit dem Heimatland sowie die englischen Kolonien bestimmten. Es war sehr beeindruckend, die ganzen alten Grabsteine zu sehen.

Abends waren wir dann bei meiner Chefin Ute und ihrem Mann Patrick eingeladen. Das Wiedersehen war eine Große Freude, denn ich hatte die beiden seit 9 Jahren nicht mehr gesehen. Zu viert saßen wir auf der Dachterasse und Anja und ich berichteten über unsere Weltreise. Wir hatten viel zu quasseln und gingen danach schön Essen. Es war toll die beiden wieder zu sehen. Patrick ist CEO eines globalen Chemieunternehmens und es war besonders für mich spannend, über seine Erlebnisse, Erfahrungen und Bekanntschaften zu sprechen. Wir hatten einen schönen Abend und schlossen ihn bei Eiscreme für alle und einem einem Glas Single Malt für die Herren ab.

Heute bzw. gestern am Montag bereiteten wir uns dann auf die Ankunft von Wuschel und Sven, Freunden aus Leipzig, vor. Wir konnten die beiden dann auch freudig am Flughafen in Empfang nehmen und freuten uns sehr über ihre Ankunft. Zu sechst verbrachten wir unseren ersten Abend und hatten ein paar lustige Stunden. Gemeinsam werden wir die nächsten Tage in Boston und Umgebung verbringen und uns sicherlich viel austauschen.

Nächste Woche werden wir dann nach New York verlagern und wohl unseren letzten Blogeintrag von unserer Reise außerhalb Deutschlands schreiben. Unser Rückflug rückt immer näher, aber da wir mit unseren Freunden in den nächsten Tagen unterwegs sein werden, ist genügend Ablenkung gegeben, so dass wir nicht zu sehr über unsere Rückkehr grübeln werden.

Wir melden uns dann sicher aus New York wieder.

Beste Grüße senden Euch

Anja und Patrice



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Montag, 5. September 2011
Eine unvergessliche Geburtstagswoche
Anja und ich haben Neuigkeiten, die wir mit Euch teilen möchten. Wir haben uns verlobt. Anja hatte am Dienstag Geburtstag und wir waren abends Essen. Danach waren wir im 96. Stock des Hancock Tower was Trinken. Wir hatten einen tollen Blick über die Stadt und da habe ich sie gefragt, ob sie mich heiraten möchte. Ihr kamen die Tränen und ich habe ihre Antwort nicht richtig verstehen können. In ihrer Reaktion konnte ich aber genug lesen. Chicago bedeutet mir persönlich sehr viel, da sich mein Leben vor 11 Jahre hier in eine neue Richtung verändert hatte. Es gab daher keinen besseren Ort, als Anja hier zu fragen, da die Stadt für uns beide eine ganz besondere Bedeutung haben sollte. Des Weiteren war der Antrag noch einmal ein Höhepunkt zum Ende unserer Reise. Als frisch Verlobte gingen wir in der Nacht durch die Straßen Chicagos, die ihre eigenen Wirkungen auf uns hatten.

Wir ließen einen wunderschönen Tag ausklingen, der mit einigen Geschenküberraschungen für Anja begonnen hatte. Ich hatte mich für zwei Stunden am Montag zum Geschenkeshoppen aufgemacht und hatte auch alles bekommen, was ich holen wollte. Die Überraschung war mir gelungen und wir konnten in den Tag starten. Nach einem schönen Frühstück, telefonierten wir mit Freunden und Familie, die alle Anja zum Geburtstag gratulierten. Danach sind wir aufgebrochen und waren gemeinsam einkaufen. Wir machten eine Pause in der Cheescake Factory und Anja freute sich über ihren Geburtstagskuchen. Am Abend sind wir dann schön Essen gegangen und was danach folgte, haben wir ja schon geschrieben.

Am Mittwoch fuhren wir durch die Stadt und ich zeigte Anja noch ein paar Lieblingsplätze von mir. Wir besuchten die Sportplätze, wo ich Fußball gespielt hatte, gaben der Statue von Michael Jordan die Ehre, die vor dem United Center steht und genossen die Skyline vom Planetarium aus, die jeden Betrachter verzaubert. Am Abend waren wir bei meinen Gasteltern von damals eingeladen, so dass wir bald in meine ehemalige Nachbarschaft aufbrachen. Ich zeigte Anja das Moraine Community College, auf das ich für ein Semester damals gegangen war. Es war spannend, die ganzen Veränderungen zu sehen und wieder dort gewesen zu sein.

Meine Gastfamilie, die Hannapels, warteten schon auf uns und es war toll, wieder bei ihnen zu sein. Die beiden ältesten Söhne Ryan und Dan waren zu Hause und begrüßten uns mit Natalie und Bob herzlich. Sie freuten sich über unsere Nachrichten. Wir aßen zusammen, wobei Anja und ich Bratkartoffeln und Blumenkohl und die Hannapels BBQ Hühnchen beisteuerten. Zur Zeit leben zwei Studenten bei ihnen, so dass wir zusammen mit Fatal und Mohamed speisten. Die Verlobte von Ryan Katie komplettierte unsere Gruppe. Am meisten freute ich mich aber, als QT der Hund um die Ecke kam und uns begrüßte. Ich traute meinen Augen nicht, da er mittlerweile über 14 Jahre alt ist und immer noch mit der Familie lebt. Er ist in die Jahre gekommen, doch erkannte er mich und freute sich darüber. Die Familie hatte einen Geburtstagskuchen für Anja vorbereitet und so bekam sie auch noch ein Ständchen gesungen. Nach dem Essen spielten wir zusammen Uno und hatten eine Menge Spaß zusammen.

Donnerstagabend hatten wir uns Tickets für das Saisonvorbereitungsspiel der Chicago Bears gegen die Cleveland Browns geholt. Wir wollten die Chance nutzen, uns American Football live im Stadion anzuschauen. Das Soldier Field wurde vor ein paar Jahren aufwendig restauriert. Ufo-ähnliche Tribünen wurden in den denkmalgeschützten Ring des Stadions gebaut. Es sieht super galaktisch aus und es war Klasse, das Stadion von Innen zu erleben. Wettertechnisch war es super heiß bei über 30 Grad und wir schwitzten ganz schön, da sich kaum ein Lüftchen regte. So war es schon die ganze Woche über gewesen. Wir saßen in den oberen Rängen und hatten einen guten Blick über das Spielfeld. Die Bears gewannen das Spiel 27:14 und waren dabei überzeugend. Allerdings ließen beide Mannschaften ihre jungen Spieler ran, da sie noch testeten. Nach dem Spiel liefen wir, wie so oft in dieser Woche, durch die Stadt ins Hotel und konnten ein paar tolle Momente einfangen.

Am Freitag besuchten wir meine Kollegen von der HDI-Gerling, bei denen ich 2000 ein Praktikum absolviert hatte. Die Firma ist gerade umgezogen und so konnten wir gleich die neuen Büros begutachten. Wir waren von der Aussicht begeistert, da die neuen Büros im 48. Stock eines Wolkenkratzers in Downtown liegen. Witziger Weise sind im gleichen Gebäude die Büros meines aktuellen Arbeitgebers, in denen ich auch schon gearbeitet hatte. Ich kannte das Gebäude also bereits. Lothar, der Chef, führte uns stolz herum und ich konnte mit anderen ehemaligen Kollegen sprechen. Es war schön, nach so vielen Jahren immer noch mit ihnen sprechen zu können.

Am Nachmittag zeigte ich Anja dann noch die Wohngegend im Norden Chicagos. Dort befindet sich das Baseballstadion Wrigley Field der Chicago Cubs. Diese hatten an diesem Tag ein Spiel, so dass die Kneipen voller Leute waren. Wir hatten einen tollen Tag und schwelgten in Erinnerungen alter Bekanntschaften.

Am Samstag regnete es fast den ganzen Tag und wir entspannten uns in unserem Hotelzimmer. Wir gingen erst am Abend vor die Tür und stürzten uns ins Nachtleben der Stadt. Wir feierten, tanzten und hatten Spaß bis in die Morgenstunden.

Heute ließen wir die Woche mit einem weiteren Höhepunkt unseres Aufenthaltes in Chicago ausklingen. Im Grant Park waren Bühnen aufgebaut, denn es fand das jährliche Jazz Festival statt. Wir ruhten uns auf einer Wiese aus und lauschten den Klängen der Musiker. Sehr gut gefielen uns die jungen Musiker, die uns zum Tanzen animierten.

Eine besondere Woche liegt hinter uns, an die wir uns nun lebenslang erinnern werden. Chicago ist eine tolle Stadt und wird für immer eine wichtige Bedeutung für uns haben. Morgen fahren wir weiter und werden ein paar Tage campen. Nächste Woche werden wir Boston erreichen und freuen uns Domi und Adrian zu besuchen. Wuschel und Sveni werden dann auch kommen und wir werden ein paar tolle Tage zusammen verbringen.

Seid lieb gegrüßt und bis bald

Anja und Patrice


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Montag, 29. August 2011
Zwei Evakuierungen und eine Menge Sand
Hallo Ihr Lieben,

wie einige sicher mitbekommen haben, gab es in der letzten Woche zwei Naturereignisse, die den Menschen an der US Ostküste ganz schöne Schrecken bereitet haben. Während sich die Menschen auf den Hurrikane Irene vorbereiten konnten, bebte die Erde am Dienstag dann doch überraschend. Anja und ich hatten uns für das Museum für die amerikanische Geschichte entschieden.

Wir waren vielleicht eine halbe Stunde im Gebäude und erreichten gerade den Abschnitt über den 2. Weltkrieg als die gesamte Ausstellung wackelte. Erst dachten wir, dass es Teil des Museums wäre und ein Bombeneinschlag simuliert würde. Aber da die Ausstellwände fast umfielen, was sie nicht taten, wussten wir, dass es etwas Ernsteres war. Wir hatten die schlimmsten Befürchtungen und dachten an einen U-Bahnunfall und sogar einen Anschlag. Mann weiß ja nie. Alle Besucher schauten sich fragend an, da niemand mit einem Erdbeben rechnen würde. Langsam bewegte sich der Tross Richtung Ausgang. Als die Sicherheitsbeamten des Museum auftauchten und alle Leute aus dem Gebäude haben wollte, machte sich eine kleine Panik breit. Der Großteil der Besucher blieb aber ruhig und bewegte sich langsam nach draußen. Dort versammelten sich die Menschenmengen vor dem Museum auf dem Grünstreifen der Washingtoner Mall.

Anja und ich blickten nach oben zum Gebäude und konnten weder einen Schaden noch irgendeinen Brand entdecken, was uns sehr beruhigte. Als wir sahen, dass die anderen Museen evakuiert wurden, wussten wir, dass die anderen es auch gefühlt hatten. Ein Polizeihubschrauber war im Anflug und kreiste um das Washington Monument. Die Behörden hatten wohl Angst, dass es Risse hatte oder im schlimmsten Fall umstürzen könnte. Mittlerweile hatte es sich bis zu uns herum gesprochen, dass es ein Erdbeben der Stärke 5.8 im Nachbarstaat Virginia gegeben hatte.

Eigentlich wollten wir unseren Museumstag fortsetzen, sahen aber keine Chance, da sämtliche Museen für den Tag geschlossen schienen. Das war etwas enttäuschend und wir mussten uns etwas Neues einfallen lassen. Wir entschieden uns, in Richtung Georgetown zu laufen, dem Stadtteil in dem sich auch die berühmte Georgetown Universität befindet. Auf den Strassen herrschte das volle Chaos. Überall checkten die Ingenieure nach Schäden in den jeweiligen Gebäuden. Auf dem Weißen Haus liefen die Angestellten auf dem Dach herum und checkten nach Löchern.

Im Laufe des Nachmittages entspannte sich die Lage und es wurde Entwarnung gegeben. Die Schäden an den Gebäuden waren minimal. Die Lauferei hatte uns ein wenig durstig gemacht und so gingen wir in ein Irish Pub und erfrischten uns erst einmal. Im Fernsehen lief die Berichterstattung und wir waren von Bildern überwältigt. Es war spannend, wie aus Mücken Elefanten gemacht wurden. Uns kamen die Bilder aus Christchurch und Japan in den Kopf und wir mussten an die ganzen Opfer und ihre Geschichten denken. Dagegen war das Erdbeben, dass wir erlebten zwar beunruhigend aber harmlos.

Am Abend erreichten wir Georgetown und schauten uns diesen schönen Stadtteil an. Wir stärkten uns mit ein paar Burgern, bevor wir weiter schauten. Während ich einen langweiligen Cheesburger bestellte, freute sich Anja über ihren German Burger mit Sauerkraut. Am Ende des Tages sahen wir die George Washington Kathedrale, von der eine Spitze abgebrochen und zu Boden gefallen war. In Christchurch war die ganze Kathedrale zusammen gebrochen und hatte 61 Menschen unter sich begraben. Es war ein Sinnbild zum Schluss des Tages, dass uns bestätigte, wie harmlos das Erdbeben in Washington doch war und wie viel Glück wir doch hatten.

Am Mittwoch verließen wir Washington und fuhren in Richtung mittlerer Westen. Wir wollten Chicago am Wochenende erreichen und hatten vier Tage Zeit für eine Strecke von ungefähr 15 Stunden. Wir teilten die Strecke in zwei Teile ein. Unser erster Stopp war der Dillon State Park in Ohio. Wir entschieden uns für diesen Campingplatz aus einfachen Gründen. Er lag an einem See, war ungefähr auf der Hälfte der Strecke und die Bilder im Internet sahen recht gut aus. Da wir mitten in der Woche ankamen, war auf dem Platz nichts los. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, entspannten wir unsere Glieder nach den 7 Stunden Fahrt mit Basketball spielen. Anja wird immer besser, so dass wir das Training ein wenig intensivieren konnten.

Wir genossen den Dillon State Park, da er absolut ruhig war. Am Abend begannen die Grillen einen Lärm zu verursachen, der an unsere Nacht in Downtown Manhatten erinnerte. So hörte sich pure Natur an. Gegen 2 Uhr wurde wir von Blitzen und einem aufziehenden Donnern geweckt. Wir verharrten eine Weile in unserem Zelt und lauschten dem Geschehen. Als das Zentrum des Gewitters uns gegen 2:30 Uhr erreichte, es fürchterlich regnete und die Einschläge der Blitze immer näher kamen, entschieden wir zum zweiten Mal in dieser Woche zu evakuieren. Wir retteten uns ins Auto und hofften, dass die Blitze nicht in der Nähe einschlagen würden. Das Schlimmste an diesem Gewitter war nicht der Donner oder die Blitze, sondern die Gedanke „Was passieren könnte?“. Gegen 3:30 hatte sich das Wetter ein wenig beruhigt und wir entschieden uns, zurück ins Zelt zu gehen. Allerdings drehte das Gewitter nur eine Runde und kehrte wieder zurück. Wir ließen uns davon aber nicht mehr stören und versuchten irgendwie zu schlafen. Die Gedanken, dass der Blitz irgendwo in der Nähe einschlagen würde, verdrängten wir einfach. Das war auch gut so, denn das Gewitter zog letztendlich erst am Morgen nach 8 Uhr weiter. Dann hörte auch der Regen auf und es entwickelte sich ein so schöner Tag, dessen Wetter so unschuldig war, als ob es nie gewittert hätte.

Wir verbrachten den Freitag damit, uns ein wenig den Park anzuschauen. Wir fuhren zum See, der in einer ruhigen Kulisse lag. Ein paar Rehe sprangen über die Felder und Fischreiher und andere Wasservögel versuchten sich silberne kleine Fische zu fangen. Wir spielten ein wenig Football und genossen die Sonne. Ich sprang in den See, um mich ein wenig abzukühlen. Am Abend grillten wir nach langer Zeit mal wieder Camping-style. Wir hatten uns einen kleinen Grill für 8 Dollar im Supermarkt gekauft, der schon mit der Kohle geliefert wurde. Besonders die Maiskolben schmeckten uns sehr.

Nachdem wir uns am Samstag von lustig aussehenden Raupen verabschiedeten, die wir beim Zeltabbau entdeckten, fuhren wir weiter. Wir erreichten am Abend den Lake Michigan. Ich hatte mich erinnert, dass ich während meiner Chicago Tage vor 12 Jahren schon einmal auf der Michigan Seite dieses riesigen Sees war und wir tolle Sanddünen besucht hatten. Im Internet fanden wir den Campingplatz in den Warren Dünen und buchten einen Platz vor. Wir hatten Glück, denn wir bekamen den letzten freien Platz. Nun ja, ob das wirklich Glück war, wussten wir nicht genau, denn das bedeutete, dass der Campingplatz voller Menschen war.

Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Der Campingplatz floss fast über vor Leuten, aber wir bekamen einen schönen Platz in einer ruhigen Ecke. Das schöne an dem Campingplatz war allerdings, dass die Sonne über dem See unterging. Diese Chance ließen wir uns natürlich nicht nehmen und schauten uns den Sonnenuntergang an, nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten. Ein bisschen hatte ich gehofft, schon ein paar Lichter von Chicago zu sehen, was auf der anderen Seite des Sees lag. Allein die schiere Größe des Gewässers und das diesige Wetter verhinderten meinen Wunsch. Dafür wurde die Sonnen in ein pur-pur rotes Licht verfärbt.

Am Samstag legten wir noch einmal einen entspannten Tag ein. Wir knallten uns an den Strand des Michigan Sees, der uns an die Ostsee erinnerte. Im Hintergrund türmten sich riesige Sanddünen auf. Allerdings erinnerte uns das Strandleben an die Freibäder zu DDR-Zeiten, da unglaublich viel russisch gesprochen wurde. Anja und ich machten am Abend einen Spaziergang durch den Wald und die Dünen um den Campingplatz. Der Naturpfad war wunderschön und ließ uns unsere Umwelt vergessen. Wir, besser gesagt ich musste ganz schön schwitzen, als wir die riesigen Dünenhügel erklommen. Uns ging es richtig gut. Wir waren rechtzeitig wieder am See, um den Sonnenuntergang zu schauen. Allerdings hatte ein frischer Wind ganz schön aufgedreht, der über den See zum Ufer blies. Zurück auf dem Campingplatz machten wir uns ein schönes Lagerfeuer, um uns wieder aufzuwärmen.

Heute, am Sonntag, war es dann endlich soweit. Wir erreichten meine alte Wahlheimat Chicago. Wir hatten Glück, denn wir bekamen ein halbwegs günstiges Hotel in der Innenstadt. Damit kann die Geburtstagswoche beginnen. Anja und ich sind gleich mal in die Stadt gegangen, um ein bisschen Chicagoer Luft zu schnuppern. Es war toll, wieder hier zu sein, obwohl ich zugeben muss, als Tourist durch die Straßen zu laufen ist schon ein bisschen komisch. Natürlich gehörte zur Ankunft auch ein Begrüßungsschluck im 96. Stock des Hancock Towers dazu.

Eine tolle Woche liegt vor uns. Wir werden einen Geburtstag feiern, meine Gasteltern und ehemalige Kollegen besuchen und zusammen Chicago noch ein bisschen mehr erkunden.

Bis nächste Woche grüßen Euch

Anja und Patrice


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Dienstag, 23. August 2011
Auf den Spuren der Gründungsväter
Hallo Ihr Lieben,

Die letzte Woche war voller Ereignisse. Die größten davon passierten in Deutschland und wir haben sie verpasst. Wir gratulieren Diana und Mario von ganzen Herzen und wünschen Ihnen eine tolle Ehe. Des Weiteren hatten einige Freunde Geburtstag und wir wünschen Sabine, Horsti, Isa, Philipp, Stephi, Susan, Diana und André Alles Gute zum Geburtstag.

Letzten Montag verlebten wir einen wunderschönen Abend bei Andrea und ihrer Familie. Anja und ich hatten sie in Indien im Zug mit ihren drei Freundinnen kennen gelernt und sie hatte uns zu sich eingeladen. Diese hatten wir dankend angenommen. Wir erzählten von unserer Reise, was sie an ihre Abenteuer erinnerte. So erlebten wir unseren Trip noch einmal und lauschten den Geschichten der Lambertis. Ihre drei Töchter Natasha, Alexandra und Nicole waren liebenswerte Mädel. Andreas Ehemann Steve spielte mit dem 4-monatige alten Hund Kai, der riesigen Spass daran hatte. Wir genossen es sehr, von der Familie verköstigt und verwöhnt zu werden.

Am Dienstag verlagerten wir nach San Francisco, von wo wir am Mittwoch nach New York flogen. Dort kamen wir am Mittwochabend an. Es war heiß und recht schwül, was nach den kühleren Temperaturen in San Francisco äußerst angenehm und auffällig war. Wir hatten uns für eine Nacht bei meinem Studikollegen Alex angemeldet. Das letzte Mal sahen wir ihn zu seiner Hochzeit im August 2010, so dass wir uns viel zu erzählen hatten und ein wenig den ersten Hochzeitstag begossen. Das Apartment von Alex hat einen wunderbaren Ausblick über den Hudson River und wurde vom Licht der untergehenden Sonne verzaubert.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns nach dem Frühstück von Alex, da er geschäftlich auf Reisen ging und wir zur Küste New Jerseys aufbrachen. Eigentlich wollten wir campen, doch machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Da es sich so aufgeheizt hatte, kündigten sich Gewitter an und es dauerte nicht lange und der erste heftige Regenschauer setzte ein. Wir planten um und entschieden uns nach Philadelphia zu fahren, welches nur 2 Stunden entfernt war. Dort wollten wir sowieso anhalten und fuhren jetzt früher hin. Schön, dass wir so flexibel sind.

Anja und ich bezogen ein schönes Hotel unserer Lieblingskette in der Innenstadt, dass wir günstig über eine Internetplattform buchen konnten. Wir waren im Herzen der Stadt und freuten uns, diese historisch wichtige Stadt zu erkunden. Philadelphia war nach New York und vor Washington die zweite Hauptstadt der USA. Dort spielten sich die wichtigsten Szenen und Treffen ab, die zur Unabhängigkeit von Großbritanien führten.

Bevor wir aber die Stadt erkundeten, frühstückten wir im nahegelegenen Reading Terminal Market. Dies war ein Bauernmarkt am ehemaligen Hauptbahnhof, der sich jetzt zu einem Touristenmagnet entwickelt hat und in dem Leckereien aus allen Ländern angeboten werden. Dominierend sind dabei vor allem deutsche Bäckereien, die auf die ersten Siedler in der Region zurückzuführen sind. Wir waren ein wenig überrascht, Läden wie „Muellers Schokoladen“ oder „Beilers Bäckerei“ zu sehen. Wir genossen unseren Morgenkaffee und konnten auch Obst und Gemüse einkaufen. Anja hatte zwei Lieblingsläden. Bei dem Einen kaufte sie sich frischgebackene Schoko-Kekse, die noch warm waren, und beim Zweiten holte sie sich ein Mandelhörnchen. Meine Augen wurden nur bei einem Laden richtig groß, denn dieser Boot die unterschiedlichsten Puddingsorten an. Ich konnte mich kaum entscheiden und kann nur sagen, dass wir mehrfach dort zum Frühstücken waren. Es war nicht die gesündeste Ernährung, aber die Sachen waren zu lecker und verführerisch.

Gestärkt konnten wir nun die historischen Sehenswürdigkeiten ablaufen. Wir schauten uns das ehemalige Präsidentenhaus, in dem George Washington und sein Nachfolger John Adams lebten. Danach besichtigten wir die Freiheitsglocke, welche eine so wichtige Funktion ausübt und von vielen großen Persönlichkeiten besucht wurde. Wir standen vor der Independence Hall, in der die Unabhängigkeitserklärung vorgelesen wurde. In der Congress Hall nahmen wir Platz, wo das erste Parlament der USA tagte und die ersten Bürgerrechte auf dieser Welt verfassungsmäßig verankert wurden. Wir besuchten das Haus und Grab von Benjamin Franklin, einem der wichtigsten Gründungsväter, und die von ihm mitgegründete Philosophische Gesellschaft. Wir sahen das Haus der Schreinerzunft, dass für Versammlungen und Debatten genutzt wurde, bevor die USA gegründet und ein Parlament gebaut wurde. Es war ein toller Tag und wir erlebten einen spannenden Teil der amerikanischen Geschichte.

Am Samstag gingen wir ins Kunstmuseum, welches eines der größten Museen der USA ist. Besonders die Treppe vor diesem beeindruckenden Gebäude ist sehr berühmt. Einige erinnern sich vielleicht an den Film Rocky I und wie er genau diese Treppe hinauf rennt, seinen besten Fitnesspunkt erreicht und oben den Ausblick auf die Stadt genießt. Wir waren nicht verwundert, neben dieser Treppe eine Rockystatue und einige T-Shirtverkäufer vorzufinden. Nachdem wir die Treppe gemeistert hatten, posierte ein weiterer kleiner Rocky vor der Skyline, wie die Bilder zeigen.

Das Museum beherbergt die unterschiedlichsten Kunstgegenstände aus dem Mittelalter und der jüngeren Vergangenheit. Allerdings waren wir ein bisschen verwundert, teilweise ganze Gebäude aus verschiedenen Ländern und Epochen in den Räumen aufgebaut vorzufinden. Wir liefen nämlich an einem Springbrunnen aus einem römischen Kloster aus dem 15. Jahrhundert vorbei, durch einen indischen Tempel und standen vor einem japanischen Teehaus. Es waren originale Gebäude die gekauft und umgesiedelt wurden. Ein alter Bekannter grüßte uns und wir fühlten uns der Heimat sehr nah, als wir an einem Gemälde von Lucas Cranach vorbeiliefen. Wir freuten uns, ein Werk aus Sachsen-Anhalt im Museum zu finden, auch wenn er einen Brandenburger gemalt hatte. Kernstücke waren allerdings Gemälde der großen Maler. So sahen wir einige Monets, wie die „Brücke im japanischen Garten“ und „Die Sonnenblumen“ von van Gogh. Es war schon sehr beeindruckend, vor diesen großartigen Bildern zu stehen.

Nach diesen schönen und interessanten Tagen sind wir gestern nach Washington DC aufgebrochen. Wir machten einen Zwischenstopp bei einem meiner ehemaligen Professoren, der mit seiner Familie in der Nähe von Philadelphia lebt. Bob und Frau Tina begrüßten uns herzlich und wir hatten einiges zu schnattern. Am Abend erreichten wir dann die Hauptstadt der USA.

Heute, am Montag, ließen wir es entspannt angehen und haben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erlaufen. Startpunkt war, wie kaum verwunderlich, das Weiße Haus. Am Vietnam Memorial ging es vorbei zum Lincoln Monument. Es war erschreckend, die vielen Namen der gefallenen Soldaten auf den schwarzen Granitplatten zu lesen, die teilweise über unsere Köpfe ragten. In diesem Moment dachten wir aber auch an das Museum in Saigon und welches Leid die vietnamesische Bevölkerung erlebt hatte und wurden daran erinnert, wie sinnlos Kriege sind. Leider ist der Mensch nicht fähig, in Frieden miteinander zu leben, so dass wir uns an diesen Sachverhalt gewöhnen müssen, was die momentanen Auseinandersetzungen weltweit zeigen. Die riesige Figur des sitzenden Lincoln hat eine Ausstrahlung, die keiner Beschreibung bedarf. Er thront an der einen Seite der Washington Mall, dem Park zwischen Parlament und Monument, und schaut streng auf die Machenschaften der Politiker am anderen Ende. Leider steht der Obelisk des Washington Monuments im Sichtfeld, so dass sich die großen Meister dahinter verstecken können, wenn man an die zweifelhaften Entscheidungen denkt. Am Smithsonian Institut, dem weltweit größten Museums Komplex, mit seinem roten Backsteinschloss brauchten wir erst einmal eine Kaffeepause, die wir sichtlich genossen. Letzte Station war das amerikanische Parlament Capitol, dessen Gebäude und Anlage sehr schön angelegt ist. Vor unglaublichen elf Jahren stand ich am Ende meines Austauschprogrammes zum ersten Mal vor diesem Gebäude und es war schön, jetzt mit Anja wieder hier zu sein.

Da wir von Kultur immer noch nicht genug haben, werden wir morgen eines der tollen Museen besuchen. Welches es sein wird, das wissen wir noch nicht, aber wir werden darüber berichten.

Am Mittwoch werden wir weiter fahren. Ziel zum Wochenende wird dann meine alte amerikanische Heimat Chicago sein. Darauf freuen wir uns natürlich schon sehr, da auch ein weiterer wichtiger Geburtstag bevorsteht. Bis dahin werden wir zwischendurch aber noch ein paar Tage campen. Wir freuen uns schon auf die Natur und den Städten ein bisschen entfliehen zu können.

Bis dahin grüßen Euch

Anja und Patrice


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Dienstag, 16. August 2011
Die Straßen von San Francisco
Hallo Ihr Lieben,

zu aller erst möchten wir den Geburtstagskindern Biggi, Horsti und Isa ganz herzlich gratulieren. Wir wünschen Euch Alles Gute und ein hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

Wir haben mal wieder einiges erlebt. Nach dem tollen Hochzeitswochenende stand für uns San Francisco auf dem Plan. Wir freuten uns schon, diese tolle Stadt endlich erkunden zu können. Das Wetter in Pleasant Hill, 20 km außerhalb von San Francisco und dort wo unser Hotel war, hätte nicht schöner sein können. Die Sonne schien, es herrschten herrliche 30 Grad und ein leichtes Lüftchen wischte kleine Wolken über die Landschaft. Als wir uns jedoch San Francisco näherten, staunten wir vor Entsetzen über die dunkel-graue Wand aus Nebelwolken, die sich langsam und träge über die Stadt wälzte. Die große graue Baybridge war verhangen, die Gefängnisinsel Alcatraz blinzelte aus der Bucht und die Golden Gate Brücke war in der Ferne nur zu erahnen. Als wir in Downtown ausstiegen, war die Temperatur auf unglaubliche 15 Grad gefallen. Wir hatten unsere Jacken vorsichtshalber mitgenommen, waren aber trotzdem über diesen Wetterwandel erstaunt.

Das lustige an dem Wetter in San Francisco war, dass es sich jeder Zeit ändern konnte, da die Sonne unterschiedliche Kraft im Laufe des Tages entwickelt. Als wir nämlich unsere Runde durch die Stadt begannen, klarte es plötzlich über uns auf und die Wolkenwand wurde zurück über die Berge gedrängt. Dadurch hatten wir einen schönen Blick über die Baybrücke. Obwohl ein paar kleine Wolkenfetzen zu sehen waren und ein frischer Wind blies, kündigte sich ein wunderbarer Tag an. Unsere Tour führte uns zuerst zum Fährenterminal, bevor wir in die Stadt eintauchten. Dort fuhren alte Straßenbahnen aus den unterschiedlichsten Städten der Welt, die als ein mobiles Museum durch die Straßen huschen. Die interessantes Bahnen sind natürlich die Cablecars, die Seilbahnen, die sich die Berge hinauf quälen, um dann auf der anderen Seite der Stadt in Straßenschluchten zu verschwinden. Es war schon sehr faszinierend, die schwindelerregenden Gefälle hinab zu schauen. Gut, dass wir nicht mit dem Auto unterwegs waren und daher nicht einparken brauchten. Weiter ging es durch Chinatown und zur Lombardstreet, die die kurvenreichste Straße der Welt ist. Zumindest hat sie auf etwa zweihundert Meter Länge über 10 Kurven, was auf dieser kurzen Strecke kaum eine andere Straße aufzuweisen hat.

Auf der anderen Seite San Franciscos angekommen, bot sich uns ein besserer Blick auf Alcatraz. Diese berühmte Gefängnisinsel lag inmitten der Bucht und wir konnten nur erahnen, welche schwierigen Bedingungen dort herrschen. Die Insel liegt ungeschützt direkt in der Schneise des Ozeanes. Daher weht ständig ein kalter Wind und Nebelwolken verhüllen oft die Gebäude. Da die Insel nicht weit vom Ufer ist, konnten die Insassen daher das Leben San Franciscos hören, während sie selber in den kalten Gebäuden einsaßen und durch den Nebel kaum aufs Festland schauen konnten. Eigentlich hatten wir vor, Alcatraz zu besichtigen und einen weiteren Gutschein unserer Freunde, den wir auf unserer Abschiedsparty geschenkt bekommen haben, einzulösen, aber die Fahrten waren auf 14 Tage im Voraus ausgebucht. So lange konnten wir leider nicht warten und mussten diese Fahrt auslassen. Allerdings zeigte sich die Golden Gate Brücke in ihrer Gesamtheit. Der Nebel hatte sich verzogen. Es kommt nicht so oft vor, dass die Brücke nicht im Nebel ist und daher machten wir uns zügig auf den Weg, um sie aus der Nähe zu betrachten. Zum Abschluss des Tages fuhren wir über die Brücke zurück in unser Hotel und hatten einen schönen Tag hinter uns.

San Francisco ist aber eine Stadt, die man wohl ein Leben lang erkunden kann. Wir hatten festgestellt, dass es so viele schöne kleine Stadtteile gibt, in denen kleine Ladenbesitzer die interessantesten Sachen verkaufen. Wir fuhren am Dienstag wieder in die Stadt, um uns den Golden Gate Park anzuschauen. In diesem Park befinden sich unter vielen anderen Dingen, der Japanische sowie der Botanische Garten. Beide waren sehr schön angelegt und wir genossen, diese grünen Oasen anzuschauen. Im Japanischen Garten dominierte das Teehaus und ein japanischer Gebetsturm, während die Anlage sicherlich nach den besten Ansichten des Feng Shui angelegt ist. Im Botanischen Garten schlenderten wir durch die unterschiedlichsten Minibiotope, die Pflanzen aus der ganzen Welt beherbergten. So machten wir einen kleinen Abstecher zurück nach Australien und Neuseeland und besuchten einen chilenischen und einen Rotholzwald. Viele interessante Pflanzen standen in voller Blüte, die wir noch nie gesehen hatten. Nicht das wir große Botaniker wären, aber es war schon schön anzusehen. Allerdings liefen wir auch nicht den ganzen Park ab, sondern schnupperten nur an einem kleinen Auszug. Der Golden Gate Park erstreckt sich über mehrere Kilometer von der Stadtmitte bis hin zum Ozean. Das Spannende an ihm war, dass wieder unterschiedliche Wetter herrschten. Während es auf der Ozeanseite bewölkt war, 15 Grad herrschten und ein frischer Wind blies, lockerte es auf der Stadtseite auf, die Sonne schien und es herrschten angenehme 23 Grad, oder so.

Am Abend hatten wir uns mit Shannon und Ness, dem Brautpaar, verabredet. Wir gingen zu einem Mexikaner, konnten die Hochzeit noch einmal auswerten und uns in Ruhe unterhalten. Während sich die beiden über unsere Anwesenheit gefreut hatten, dankten wir herzlich für die Einladung. Ein Freund der beiden hatte an dem Abend noch einen Auftritt in Oakland und so fuhren wir zu Viert zum Konzert. Es war eine Aufführung, die wir ohne Insider wohl nicht miterlebt hätten. Der Freund ist genialer Gitarrenspieler, der ein seltenes Musikstipendium in New York bekommen hat und seinen letzten Auftritt in der Region hatte. Ich weiß nicht, wie ich den Auftritt beschreiben soll, versuche es aber mal. Die Kombo bestand aus einem Schlagzeuger und dem Gitarristen, die beide extrem auf Heavy Metal aber von der richtig harten Art stehen. Sie sind große Musiker, die sich bei ihren Auftritten so richtig austoben können. Sie spielten in einem Klub in dem kaum Licht schien, während im Hintergrund der beiden satanische Bilder abliefen, die stark an Vulkanausbruch und fließende Lava erinnerten. Die beiden legten auch richtig los. Was der Gitarrenspieler mit seinen Fingern anstellte, hatten wir so noch nie erlebt. Jeder Nachahmer hätte wohl seinen rechten Zeigefinger an der linken Hand wiedergefunden und umgekehrt. Die Musik war Hardcore, hatte aber etwas. Die Jungs ließen es richtig rocken und waren am Ende auch ausgepowert. Wir waren beeindruckt und werden den Abend noch eine Weile in Erinnerung und in unseren Gehörgängen haben.

Am Mittwoch ließen wir es entspannt angehen und verbrachten mal wieder etwas Zeit in einem Waschsalon. Da es unser letzter Abend in San Francisco war, fuhren wir noch einmal in die Stadt und besuchten den Fisherman's Wharf. San Francisco ist von dieser Hafenanlage umgeben, in der früher Schiffe gebaut und gewartet und Ladung verstaut und verschifft wurden. Heute wurden viele Hallen zu Restaurants und Büros umgebaut und bilden einen Anziehungspunkt für die meisten Touristen. Diese strömten auch in einer Vielzahl durch die Gassen. Wir schlenderten zum bekanntesten Pier mit der Nummer 39. Er ist unter anderem durch seine Seelöwenkolonie bekannt. Diese aalen sich vor den Augen der Schaulustigen und kämpfen um jeden Zentimeter auf den Holzpodesten. Wir staunten über einen Laden mit tausenden von Kühlschrankmagneten. Wir haben auf unserer Reise angefangen, Magneten zu sammeln und so aus jedem Land ein Andenken zu haben. Daher waren wir von der Vielfalt begeistert, haben aber keinen gekauft, da wir schon einen aus San Francisco haben und es nicht übertreiben wollen. Wie groß soll den unser Kühlschrank werden? Zum Abschluß des Tages aßen wir jeder noch einen Crépe, worüber sich besonders Anja freute.

Unser Ziel für den Donnerstag war der Ort Monterey gewesen. Dieser liegt an einer Bucht ungefähr zwei Stunden südlich von San Francisco. Er ist berühmt für sein Aquarium und sollte eine schöne Altstadt haben. Zuerst hatten wir aber einen Zwischenstopp. Vielleicht erinnern sich einige, dass wir vier deutsche Frauen in Indien kennen gelernt hatten, die alle zwei Jahre ohne ihre Männer auf Reisen gehen. Eine davon hatte uns nach San Jose eingeladen, sobald wir die USA erreichen. Da San Jose auf dem Weg von San Francisco nach Monterey lag, hatten wir Andrea angerufen, worüber sie sich sehr gefreut hat. Es war ja zu Beginn unserer Reise, dass wir sie kennen gelernt hatten. Jedenfalls ist ihre Familie Mitglied im Monterey Aquarium und sie bot uns an, dass wir ihre Gästekarten nutzen könnten. Wir nahmen die Einladung dankend an und holten uns die Karten von ihren Kindern ab.

Eigentlich hatten wir vor, an der Küste zwischen Santa Cruz, einem weiteren schnuckeligen Örtchen, und Monterey zu zelten. Das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung, da sich der kalte Nebel, den wir aus San Francisco kannten, die ganze Küste entlang streckte. Vielleicht sind wir auch Schönwettercamper, jedenfalls hatten wir keine Lust, bei diesen Bedingungen im Zelt zu schlafen. Wir hätten ins Landesinnere fahren können, wo es weitaus schöner war, aber das war uns zu weit. Letztendlich wurden wir in einem Vorort von Monterey in einem Motel fündig, das halbwegs anständige Preise hatte. Die ändern sich je nach Nachfrage nämlich ständig und wir hatten Glück das wir am Donnerstag anreisten. Wir hatten eigentlich vor länger zu bleiben, entschieden uns aber nur für zwei Nächte, da Wetter, Preis und der Ort dann doch nicht unseren Vorstellungen entsprach. Wir entdeckten, dass Monterey eine nette Altstadt, eine spannende Wasserfront bot, die aus umgebauten Sardinenfabriken besteht, und eben das Aqaurium zu bieten hatte.

Wir besuchten das Aquarium dann am Freitag. Es ist sehr schön angelegt und befindet sich auch in einer alten Sardinenfabrik. Hauptaugenmerk ist auf die Wasserlandschaft Nordpazifik gelegt, die sich vor der Küste und außerhalb der Fenster des Aquariums befindet. Die Hauptzielgruppe sind Familien mit Kindern, denen die Unterwasserwelt informativ und spielend näher gebracht werden soll. Alles ist sehr unterhaltsam dargestellt, was recht kurzweilig war. Allerdings fanden Anja und ich die Fühlbecken nicht so toll, wo die Kinder sämtliche Wassertiere anfassen durfte. Uns taten die Tiere leid, die sich teilweise vor den wartenden Kindermassen retten wollten. So kam es uns jedenfalls vor. Nichtsdestotrotz legt das Aquarium sehr viel Wert auf Aufklärung und Bildung und spricht auch über die Nahrungskette Mensch und wie viel Schaden Überfischung anrichtet. Es war ein bisschen komisch, ein Seefoodrestaurant in einem Aquarium zu sehen, aber das gehörte aufklärungshalber dazu. Da die Amerikaner immer etwas Show und Entertainment auch in Museen brauchen, wurden Musical für die Kids aufgeführt, ein Albatrosweibchen präsentiert und Tauchen für Kinder angeboten. Wir hatten unseren Spass und verbrachten einige Zeit im Aquarium und schauten uns die tollen Quallen, das Haibecken mit einem ulkigen Sonnenfisch und die Oktopusse an.

Am Samstag fuhren wir dann aber zurück in nördliche Richtung nach Santa Cruz. Da wir ohne Reiseführer unterwegs sind, nahmen wir an, dass der Strand und das Stadtzentrum die Höhepunkte des Ortes sind. Ihr könnt euch sicher unser erstauntes Gesicht vorstellen, als wir den Strand erreichten und einen riesigen Vergnügungspark mit Achterbahnen, Kettenkarussell und Fressbuden entdeckten. Alle Zerbster werden verstehen, dass besonders mein Herz höher schlug, da ich dieses Jahr unser geliebtes Heimatfest, das gerade vorbei ist, verpasst habe. Zu aller erst besuchten Anja und ich die Arkaden mit den Spielcomputern und stellten fest, dass wir dort mehr Spaß als in Vegas hatten, wo es nur ums Geld ging. Während ich beim Tanzwettbewerb eher ulkig aussah, machte Anja auf dem Skisimulator eine bessere Figur, oder? Zu einem richtigen Rummelbesuch gehört aber die Fahrt mit der Geister- sowie der Achterbahn. Wir holten uns Tickets und stürzten uns ins Getümmel. Ich konnte Anja vor der Geisterbahnfahrt noch beruhigen, was ich dann allerdings in der Achterbahn nicht mehr schaffte. Gut das ich die Kamera dabei hatte. Sie muss aber auch einiges mit mir durchmachen. Nachdem sie die Fahrten überstanden hatte, kam die Sonne raus, so dass wir uns auf den unmittelbar daneben liegenden Strand rumlümmeln konnten. Das tolle Wetter und ein Schokoeis versöhnten Anja auch wieder und der Tag entwickelte sich noch zu einem schönen Strandtag.

Obwohl sich das Wetter gebessert hatte und wir vielleicht hätten Zelten können, fuhren wir in den Ort Sunnyvale, da wir schon ein günstiges Hotel gebucht hatten. Wir konnten ja nicht ahnen, dass es wieder schön wird. Dieser Ort liegt im Silicon Valley, dem Hauptzentrum der Computerindustrie. Hier haben Mr. Hewlett und Mr. Packard in den dreißiger Jahren in einer Garage an einem Computer rumgebastelt. Die Uni Stanford ist in der Nähe und die bekanntesten Computerfirmen haben hier ihren Sitz. Da wir aber keine Streber sind und nicht so großes Interesse aufweisen, haben wir die Gebäude von Apple, Google, Intel, SAP und Co nicht abgeklappert. Allerdings war die neugierige Frage der Hotelrezeptionistin, was uns denn nach Sunnyvale bringe, verständlich. Als wir mit „Urlaub“ antworteten, könnt ihr euch sicher ihr verdutztes Gesicht vorstellen. Ein etwas langweiliger Abend kündigte sich an, bis die Rezeptionistin uns darauf aufmerksam machte, dass an dem Abend eine Jazzband in der gesperrten Einkaufsstraße auftreten würde. Diese befand sich einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Wir aßen in einem guten Thairestaurant zu Abend und ließen uns von der Jazzmusik unterhalten.

Gestern am Sonntag haben wir mit unserem Wagen einen weiteren Ausflug gemacht. Wir sind an die Küste nach Halfmoon Bay gefahren. Von dort schlängelt sich der Highway Nummer 1 in Richtung Süden und verbindet San Francisco mit Los Angeles. Wir folgten ihm in Richtung Süden und machten ab und zu mal halt, um die schöne Aussicht zu genießen. Er erinnerte uns an die Great Ocean Road in Australien, die wir an der Südküste Victorias gefahren waren. Wir fuhren wieder bis nach Santa Cruz, wo wir uns aber dieses Mal die Innenstadt anschauten. Wir verlebten einen schönen Sonntagnachmittag, die Flohmarktstände hatten noch geöffnet aber wir verwöhnten uns mit einer schönen Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen für Anja und einer Suppe für mich.

Heute Abend, am Montag, sind wir zum Abendessen eingeladen. Andrea und Familie heißen uns Willkommen und wir werden erzählen, was wir seit Indien erlebt haben. Wir freuen uns auf den Abend und die Familie etwas näher kennen zu lernen.

Am Mittwoch fliegen wir nach New York und werden den Pazifik verlassen, der seit Neuseeland unser ständiger Nachbar war. Mit einem Mitwagen werden wir uns auf die letzte Etappe unserer Reise machen, die uns über Philadelphia, Washington nach Chicago und dann nach Boston bringt. Wir haben jetzt noch fünf Wochen und werden diese Zeit noch einmal genießen. Die Zeitverschiebung nach Deutschland wird dann nur noch 6 bzw. 7 Stunden betragen und wir werden uns ganz nah fühlen.

Aus New York oder der Ostküste melden wir uns dann beim nächsten Mal.

Beste Grüße

Anja und Patrice



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Montag, 8. August 2011
Man soll die Feste feiern
wie sie fallen. Es ist Sonntagabend und wir sitzen in einem Hotel in der Bay Area in der Nähe San Franciscos.

Wie im letzten Bericht angekündigt, hatten wir unseren letzten Abend an der Westseite des Yosemite Nationalparkes, bevor wir am Montag auf die andere Seite gefahren sind. Dort befindet sich das Yosemite Valley, welches der Namensgeber für den Park ist. Das Tal wurde durch riesige Gletscher geformt, die sich tief in den grauen Granit gefressen haben. Dadurch sind steile Klippen entstanden, von denen sich die höchsten Wasserfälle der USA stürzen, die zu den 10 höchsten der Welt gehören. Diese drei Fälle sind der Yosemite, Bridalvail und der Sentinel Wasserfall. Um es kurz zu machen, die Landschaft war traumhaft schön. Wir sind mit unserem Auto durchs Tal gefahren und konnten nur staunen. Es erinnerte an eine Märchenlandschaft, als wir von einem Rastplatz ins Tal schauten. Die Wasserfälle waren noch beeindruckender, als wir mehr oder weniger vor ihnen standen. Die Landschaft war wunderschön, allerdings war sie auch von Menschen vollgestopft. Anja und ich konnten diesen Auflauf nicht lange ertragen und nahmen nach 20 Minuten am Yosemite Wasserfall reiß aus. Obwohl es dort toll war, brauchten wir etwas ruhiges.

Wir entschieden uns, den Nationalpark zu verlassen und uns ein ruhiges Plätzchen auf dem Weg nach San Francisco zu finden. Die Stadt war zwar nur 4 Stunden entfernt, aber wir hatten drei Tage Zeit, bis wir dort ankommen wollten. In der kleinen, niedlichen Stadt Mariposa machten wir eine Kaffeepause und gingen ins Touristenbüro. Hinter den Damen hing eine Karte und wir zeigten auf ein Zeltzeichen an einem See. Dort wollten wir übernachten und erhielten die Infos zu dem Campingplatz. Diese Freiheit hatten wir gesucht, einfach dort zu übernachten, wo unsere Nase uns hinführte.

Eine halbe Stunde später erreichten wir unseren Lagerplatz für die nächsten drei Nächte. Der Campingplatz lag am See McSwain und war kaum bevölkert. Es war herrlich ruhig und wir freuten uns auf die nächsten drei Tage. Dort waren die Temperaturen den ganzen Tag über sehr heiß gewesen, so dass wir uns aufs Schwimmen freuten. Allerdings wurde der Stausee direkt vom Fluss Merced gespeichert, der seinen Ursprung im Yosemitetal hatte und eiskaltes Bergwasser führte. Daher kühlte es zwar sehr gut ab, lange konnte ich aber nicht drin bleiben. Die umliegenden Felder wurden als Weideland genutzt und mit ein paar Bäumen bepflanzt, welche stark an die afrikanische Savanne erinnerte. Wir fühlten uns irgendwie heimisch.

Am Abend kühlten sich die Temperaturen auf angenehme 27 Grad ab, so dass wir lange draußen sitzen konnten. Bevor wir in unser Zelt verschwanden, war es sogar noch kühler, so dass wir uns auf drei angenehme Nächte freuten. Es war nicht heiß, wie in der Wüste, noch äußerst frisch, wie im Yosemite. Ich nehme voraus, dass es drei etwas unentspanntere Nächte wurden. In der ersten Nacht verlor unser Bett Luft, so dass wir irgendwann auf dem Fußboden lagen. Gut das der nächste Walmart in der Nähe war und wir sie am nächsten Tag austauschen konnten. In der zweiten Nacht entschied sich ein Käfer, direkt am Kopfende unter unserem Zelt auf Entdeckungsreise zu gehen. Da wir nicht wussten, ob es sich um eine Maus oder ein anderes kriechendes Tier handelte, und obwohl wir mehrmals checkten aber nichts sahen, war unser Schlaf nicht der tiefste. Am Mittwoch, unserem letzten Abend, hatten mehrere Großfamilien ihre Zelte aufgeschlagen, die ungefähr 30 Kinder im Schlepptau hatten. Wie erwartet, waren die letzten gegen 3 Uhr im Bett und die ersten beim Sonnenaufgang wieder auf den Füßen. Aber wir hatten es geschafft und freuten uns jetzt auf unser Hotel.

Ansonsten haben wir an den Tagen nicht viel gemacht. Wir entspannten und lasen viel. Entweder hingen wir faul auf unseren Stühlen oder wir lagen im Zelt und waren in unsere Bücher vertieft. Es war herrlich, nichts auf dem Plan zu haben. Am zweiten Abend grillten wir zur Abwechslung mal wieder und konnten unser Bier dankenswerter Weise im See kühlen. Wir machten Abendspaziergänge oder gingen laufen wenn es nicht zu heiß war, und schauten uns den Sonnenuntergang über dem Stausee an.

Am Freitag stand dann der Höhepunkt der Woche an. Mein ehemaliger Studikollege Atanas aus Bulgarien hatte uns zu seiner Hochzeit eingeladen. Wir freuten uns, dass wir diesen besonderen Tag miterleben konnten. Das hätten wir auf unserer Reise nicht gedacht, dass wir einer Hochzeit eines Freundes beiwohnen. Endlich konnten wir uns mal wieder aufbrezeln. Anja und ich hatten eine Menge Spass, mal etwas anderes als Flip Flops und Trekkinghosen anzuziehen. Das Wetter war herrlich und die Zeremonie im Hof eines Hotels sehr schön. Der Pfarrer hatte die richtigen Worte gefunden, denn das Brautpaar sagte „Ja“ zueinander und küsste sich. Auf der Feier trafen wir Florian und Frau Masami sowie Stella und Ehemann Michael weitere meiner ehemaligen Unimitstreiter. Es war toll, Flo uns Stella nach langer Zeit wieder zu sehen. Flo hatte ich vor vier Jahren und Stella vor unglaublichen 7 Jahren das letzte Mal getroffen. Anja und ich hatten einen Riesenspaß und waren auch schnell auf der Tanzfläche unterwegs. Wir genossen die Musik und die Party. Da die Hochzeit um 23 Uhr endete, verlagerten wir die Tanzeinlagen in einen benachbarten Stadtteil mit Bars und Clubs. Man munkelt, dass es dort weiter feucht-fröhlich zuging.

Heute, am Sonntag, waren wir kurz in San Francisco unterwegs und haben uns einen Überblick verschafft. In den nächsten Tagen werden wir ein bisschen mehr in die Stadt eintauchen und davon beim nächsten Mal berichten.

Lasst es euch gut gehen und bis bald

Anja und Patrice


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Montag, 1. August 2011
Hau aus dem Yosemite Nationalpark
Hallo Ihr Lieben,

wir grüßen euch aus dem Yosemite Nationalpark in der Sierra Nevada Kaliforniens. Seit 4 Tagen sind wir hier und hatten wieder ein paar schöne Tage.

Bevor wir letzten Sonntag vom Grand Canyon weggefahren sind, haben uns noch ein paar Elche verabschiedet. Diese waren bis ins Dorf gekommen, um zu checken, was wir Menschen dort so aufgebaut haben. Da es doch recht frisch war, entschieden wir uns, am Abend noch ein schönes Lagerfeuer zu machen. Nachdem ich den Bericht von letzter Woche geschrieben hatte, konnten wir uns dann beide am Feuer wärmen.

Am Montag führte uns unsere Fahrt wieder zurück in die Wüste. Es war immer noch schrecklich heiß und das Thermometer hatte keine Schwierigkeiten, wieder über 40 Grad Celsius zu klettern. Da wir in den Staaten keine langen Strecken hinter uns bringen müssen, entschieden wir uns, am Mohave See eine Pause zu machen und dort zu übernachten. Wir waren froh, dass wir bei diesen Temperaturen ins kühle Nass springen konnten. Der Strand und die Bucht waren auch schöner als der Mead See, der in unmittelbarer Nachbarschaft lag und an dem wir eine Woche vorher waren. Allerdings mussten wir uns bei dieser Sonnenstrahlung ein schattiges Plätzchen suchen und fanden es hinter einer kleinen Birke. Das war unsere Rettung, denn in der Sonne hätten wir es nicht ausgehalten. Leider waren wir nicht so clever, uns bei dieser Wärmer ein gekühltes Hotelzimmer zu suchen und entschieden uns, wieder im Zelt zu schlafen. Von Schlaf konnte allerdings nicht die Rede sein. Wir schwammen in unserem eigenen Saft und bereuten unsere Entscheidung. Am nächsten Morgen fuhren wir als aller Erstes wieder zum See und mussten uns abkühlen. Um 6:30 Uhr waren wir aber nicht die Ersten.

Unsere Weiterfahrt ging wieder an Las Vegas vorbei, da wir in Richtung Nordwesten unterwegs waren. Wir schauten uns den Red Rock an, der wie der Uluru in Australien aus rotem Sandstein besteht. Allerdings war dieser hier nicht so heilig. An den umliegenden Felsen konnten wir herrlich die unterschiedlichen Gesteinsschichten erkennen. Der fehlende Schlaf holte uns an diesem Tag schnell ein und gegen Mittag entschieden wir, nicht großartig weiterfahren zu wollen. Wir genießen die Freiheit, spontan entscheiden zu können, wo wir übernachten wollen. An diesem Tag schafften wir es noch bis Beatty in Nevada, nahmen uns aber für diese Nacht ein Motel. Die heiße Nacht zuvor hatte zu sehr geschlaucht. Der kleine Ort hatte nicht viel zu bieten, war aber eine typische kleine amerikanische Stadt mit ein paar Motels, einem Pub, einem Lebensmittelladen, einer Werkstatt und einem Diner. Nach ein paar Würfen auf dem Basketballplatz, einem Sprung in den Motel-Pool und einer frischen Dusche legten wir uns entspannt ins Bett und genossen die anständige Matratze und die Kopfkissen. Das Beste war natürlich, dass der Raum von der Klimaanlage gekühlt war. Wir hatten unseren Körpern in den letzten Tagen einiges zugemutet. Der ständige Wechsel von heißen Außentemperaturen und den klima-gekühlten Hotelzimmern, Einkaufshäuser oder unserem Auto versprach eine ordentliche Erkältung. Wir hielten aber wacker durch.

Am Mittwoch frühstückten wir in Mel's Diner gegenüber von unserem Motel. Das kleine Restaurant wurde von zwei Damen geführt und war typisch amerikanisch. Bilder von Elvis, Marilyn Monroe und Humphry Boagart hingen an der Wand und erinnerten an vergangene Tage. Sie waren wohl die Jugendstars der Damen und für sie war die Zeit stehen geblieben. Das Frühstück war super und gestärkt konnten wir weiterfahren.

In der Nähe von Beatty lag der Ort Rhyolite, der 1906 aufblühte, da dort Gold gefunden wurde und einige Leute dem Traum nach Reichtum folgten. Allerdings war der Fund nicht sehr groß, so dass der Rausch nur für ein Jahr anhielt und der Ort danach wieder verlassen wurde. Die Gebäude wurden den Elementen überlassen und heute ist Rhyolite eine einzige Geisterstadt. Der Saloon ist noch am Besten erhalten, während von den Banken nur noch die Betongerippe übrig sind. Beim Wandern durch die Stadt mussten wir aber aufpassen, dass wir nicht auf Klapperschlangen trafen. Wir haben keine gesehen, hätten es aber wohl auch rasseln gehört, wenn eine in der Nähe gewesen wäre.

Unsere Strecke führte an diesem Tag durch das berühmte „Tal des Todes“. Das spannende am Death Valley ist, dass der tiefste Punkte etwa 90 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Da wir ungefähr auf 2000 Höhenmetern unterwegs waren, dauerte die Abfahrt eine ganze Weile. Auf der Strecke kamen uns zwei abgeklebte Neuwagen von Mercedes entgegen, deren Hitzebeständigkeit dort getestet wurde. Das Death Valley ist nämlich der heißeste Ort Nordamerikas. Was die Autos angeht, vermuteten wir, dass es sich um Erlkönige des neuen SLK und der M-Klasse handelte.

Die Hitze hatte uns wohl auch ein bisschen zugesetzt, da wir die Buschlandschaft namens „Des Teufels Maisfeld“ zum Verstecken spielen nutzten. Bei den „Mesquite Sand Dünen“ trauten wir unseren Augen kaum, da dort doch tatsächlich ein paar Ägypter über die Sandberge liefen. Obwohl das Death Valley so spärlich bewachsen ist und eine extreme Umgebung darstellt, strahlte es doch eine gewisse Magie aus. Übernachten wollten wir auf dem kargen und schattenlosen Campingplatz aber doch nicht. Irgendwann hatten wir dann den Meeresspiegel erreicht und verließen das Tal über einen Gebirgspass. Wenn wir Geologen gewesen wären, hätten wir unsere wahre Freude an dem Tal gehabt. Selbst als Laien erkannten wir an den Farben die unterschiedlichen Gesteinsschichten aus vulkanischem Material, Granit und Sandsteinen. Die Berge ließen vermuten, dass es bei deren Entstehung ordentlich gekracht haben musste. Als wir eine Salzwüste erreicht hatten, waren wir froh, dass wir unsere GROßEN Wasserflaschen eingepackt hatten, da uns die Hitze immer noch zusetzte.

Unser Ziel für den Tag war die Ostseite der Sierra Nevada. Diese Gebirgskette trennt die Küste Kaliforniens von den Wüsten Nevadas. Zu unserer Überraschung entdeckten wir, dass die Bergkuppen teilweise noch von Schneefetzen überdeckt waren. Damit hatten wir Ende Juli dann doch nicht gerechnet. Da wir zum ersten Mal auf unserer Erkundungstour ohne Reiseführer unterwegs sind, steuerten wir auf kalifornischer Seite das nächstbeste Besucherinformationszentrum an. Das haben wir bisher immer gemacht, da wir dort die besten lokalen Auskünfte, Karten und Tipps bekommen haben. Wir fragten einen netten, jungen Ranger nach einem guten Campingplatz, woraufhin er uns seitenweise eine Liste der Plätze in der Nähe gab. Er empfahl uns aber den See June, da dieser in der Nähe vom unserem Hauptziel dem Yosemite Nationalpark lag.

Wir hatten Glück, denn auf dem Campingplatz in June war genau noch ein Platz übrig. Schnell hatten unser Zelt aufgebaut und erfreuten uns an den grünen Bergen. Nadelbäume bedeckten die Berge und wir genossen den Ausblick aus unserer kleinen Behausung. Allerdings waren wir auch in die Schwarzbärenregion eingedrungen und wurden mit mehreren Warnhinweisen darauf aufmerksam gemacht. Unser Essen sowie sämtliche Kosmetikartikel mussten in einem speziellen Bären-sicheren Metallschrank verschlossen werden, da die Tiere in Autos einbrechen oder neugierig in Zelte schauen. Obwohl wir unsere Lebensmittel verstaut hatten, waren wir nicht sicher, ob die Bären nicht eventuell doch mal in unser Zelt vorbeischauen würden. Wir können euch aber beruhigen, dass wir bisher bis auf ein paar niedliche Waschbären keine größeren Exemplare gesehen haben.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, machten wir einen Spaziergang, um endlich den See June begutachten zu können. Er lag wunderbar in der Mitte der Berge und einige Anglerboote waren auf ihm zu erkennen. Am Hauptbootsteg entdeckten wir Ruderboote und liehen uns voller Tatendrang eins aus. Wir schipperten ein wenig auf dem See herum und genossen die himmlische Ruhe, während die wärmende Sonne langsam unterging. In diesem Moment waren wir besonders glücklich und erfreuten uns an der Natur.

Da wir die Nacht unbeschwert und ohne Bärenattacke überstanden hatten, konnten wir unser Hauptziel für die nächsten Tage ansteuern. Es war der Yosemite Nationalpark, dessen Eingang nur eine halbe Stunde Fahrt entfernt vom Junesee lag. Wir wollten früh aufbrechen, da wir wussten, dass die Zeltplätze ziemlich ausgebucht waren. Die reservierbaren Plätze waren seit einem halben Jahr ausgebucht. Allerdings gab es noch Campingplätze, auf denen Plätze nicht reserviert werden können und es vielleicht noch freie gab. Wir fuhren über den Tioga Pass in den Nationalpark und staunten bei dieser Auffahrt schon über die tolle Landschaft. Teilweise waren die Berge noch mit Schnee bedeckt und Wasserfälle stürzten sich die Abhänge hinab. An einer Stelle konnten wir sogar noch eine kleine Schneeballschlacht machen. Es war unglaublich und undenkbar, dass wir zwei Tage zuvor noch in der heißen Wüste geschwitzt hatten. Die Temperaturen lagen bei angenehmen 27 Grad Celsius.

Der erste große Campingplatz mit über 300 Plätzen war bereits voll. Es war Vormittag und wir hofften, dass die Plätze in der Mitte des Nationalparks noch ein freies Fleckchen für uns boten. Nachdem wir 4 weitere Campingplätze angesteuert hatten und fast 100 km im Nationalpark verfahren hatten, gaben wir dort auf. Sie waren alle voll und nichts war mehr frei. Da es allerdings noch weitere Campingplätze außerhalb des Nationalparkes gab, versuchten wir es dort. Aber selbst die 4 Plätze unmittelbar vor den Toren des Parkes waren alle voll. Wir wussten, dass sich ein übervolles Ferienwochenende ankündigte, hätten aber nicht gedacht, dass wir donnerstags Vormittag schon Probleme bekommen würden. Uns blieb nichts anderes übrig, als ins Tal zurück zu fahren und die Plätze dort zu checken. Endlich wurden wir fündig und entdeckten einen wirklich schönen Fleck auf einem der Zeltplätze. Er lag in der hinteren Ecke und würde nur selten von vorbeifahrenden Autos gestört. Wir waren erleichtert und freuten uns über unseren Fund, nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten. Mittlerweile war es 14 Uhr gewesen.

Für den Rest des Tages hatten wir uns nichts vorgenommen, freuten uns über unsere Freizeit und ruhten uns von den Strapazen des Vormittages aus. Wir entschieden uns, vier Tage auf dem Campingplatz zu bleiben und konnten kaum fassen, dass wir keine großartigen Strecken hinter uns bringen mussten. Anja füllte unsere Reisedusche am nahegelegenen Bergbach, die wir von Flözi geschenkt bekommen hatten und die wir endlich voll nutzen konnten. Unsere Freidusche war super, allerdings war das Wasser sehr erfrischend. Der Vorteil des Campingplatzes war, dass er in der Nähe des Dorfes Lee Vining lag und wir nicht die teuren Lebensmittel im Park kaufen mussten. Da es sich am späten Nachmittag abgekühlt hatte, machten wir uns ein Feuer. Die Hitze der letzten Tage hatte wohl doch noch ihre Spuren hinterlassen, da wir die Indianern huldigten, indem wir um unser Feuer tanzten. Wir waren in den letzten Tagen über ihr Land gereist und hatten von unzähligen Stämmen gelesen. Über dem Feuer grillten wir uns dann ein paar Kartoffeln und Würstchen und genossen die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Am Freitagmorgen begrüßten uns unsere Nachbarn sehr freundlich aber auch neugierig. Es waren kleine Chickarees, die etwa Eichhörnchen-groß in Erdlöchern lebten. Wir sahen auch Streifenhörnchen und ein paar Waldvögel und freuten uns über die Gesellschaft. Der Yosemite Nationalpark hat viele Wanderstrecken zu bieten und wir entschieden uns, den Mono Pass Weg zu laufen. Dieser war leicht bis mittelschwer, etwa 14 km hin und zurück lang und dauerte ungefähr 4 Stunden. Der Wald roch wunderbar nach Nadelbäumen und erinnerte an die Fichtennadel-Badeessenz. Wir mussten einige Flüsschen barfuß durchqueren und liefen an alten Holzhütten der Goldgräber vorbei. Durch die Lichtungen konnten wir tolle Blicke auf die Berge erhaschen, bis wir die Seen und Wiesen auf den Plateaus in der Höhe erreichten. Die unterschiedlichsten Wildblumen blühten und schmückten die grünen Wiesen mit vielen kleinen Farbtupfern. Ein bisschen Schnee lag noch und das kristallklare Wasser der Seen deutete sehr niedrige Temperaturen an. Wir machten Rast mit Keksen und Obst und genossen den Ausblick in die Täler. Allerdings waren wir nicht zu sehr kaputt, so dass unsere Energie für ein paar Luftsprünge reichte.

Auf dem Rückweg hatten sich aber ein paar dunkle Wolken versammelt und es fing bald an zu regnen. Die warme Luft hatte sich aufgestaut, so dass sich ein paar Gewitter formten. Als wir unser Auto erreicht hatten, verstärkte sich der Regen immer mehr und wir waren froh, halbwegs trocken angekommen zu sein. Wir fuhren zu unserem Zelt und mussten es erst einmal inspizieren. Es war halbwegs trocken, so dass wir entschieden, weiter in ihm zu übernachten. Zum Abendessen fuhren wir allerdings ins Dorf, da wir nicht in der Nässe sitzen wollten. Gegen Abend klarte der Himmel aber wieder auf und die letzten Sonnenstrahlen des Tages konnten unser Zelt noch trocknen. Wir zündeten uns auch wieder ein Feuer an, verzichteten aber dieses Mal darauf, als Indianer drumherum zu tanzen.

Als wir am Samstag aufwachten, merkten wir, dass wir keine Pläne für den Tag hatten. Das war seit langer Zeit mal wieder der Fall. Obwohl wir eine Wanderung hätten machen können, hatten wir einfach keine Lust darauf. Wir lebten in den Tag hinein, entschieden uns aber dann, das schöne Wetter zu nutzen. Nicht weit entfernt befand sich der Monosee, den wir besuchen wollten. Dieser See hat fast die Hälfte seines Wasservolumens verloren, da es für die Stadt Los Angeles genutzt wurde. Durch die Hitze und die geologischen Bedingungen ist der Salzgehalt aber dermaßen angestiegen, dass die ursprünglichen Lebensverhältnisse zerstört worden. Salzberge haben sich unter Wasser gebildet, die durch den fallenden Wasserspiegel sichtbar wurden. Dadurch hat sich eine bizarre Landschaft im und am Salzsee gebildet.

Gegen Mittag entschieden wir uns, doch noch einmal den Bergpass hinauf und in den Yosemite Nationalpark zu fahren.Wir schossen ein paar schöne Fotos von den Bergbächen und machten ein Picknick, da wir Zeit zur Verfügung hatten. Auf den Touloume Wiesen spielten wir Karten und genossen unbeschwert die Umgebung. Leider zogen wieder dunkle Wolken auf und es dauerte nicht lange, bis der erste Donner grollte. Wir hatten vor, wieder zurück zu unserem Zelt zu fahren und mussten über den Bergpass. Im Wald davor machten wir noch eine Toilettenpause, als plötzlich ein Blitz vielleicht 200 m entfernt von uns in den Bäumen einschlug. Das war für uns ein Zeichen genug, dass wir nicht über den Pass fahren sollten. Daher warteten wir im Nationalpark bis sich das Wetter beruhigte. Nachdem es etwas aufgeklart hatte und wir ins Tal fuhren, wurden wir gewarnt, dass sich eine Schlammlawine gelöst hatte. Die Stelle wurde geräumt und es schien, als ob niemand verletzt wurde. Gut, dass wir nicht früher über den Pass gefahren waren.

Heute, Sonntag, ist es regnerisch und das Wetter lädt nicht zu großartigen Aktivitäten ein. Die meisten unserer Campingplatznachbarn sind aufgebrochen, so dass wir vielleicht die einzigen wenigen sein werden, die noch bleiben. Momentan sitzen wir im Wäschesalon und lassen unsere Klamotten reinigen. Wir werden wohl gleich noch einen Kaffee trinken und Kuchen essen gehen, wie es sich für einen Sonntagnachmittag gehört.

Morgen werden wir weiter fahren und noch einmal an der Westseite des Yosemite Nationalparks halt machen. Dort befindet sich das eigentliche Haupttal, welches das Mekka der Tourismusindustrie ist. Wir werden einen der größten Wasserfälle der Welt besuchen und vielleicht noch ein oder zwei Nächte bleiben.

Unser nächster Fixpunkt ist der Donnerstag, an dem wir in der Nähe San Franciscos sein wollen. Am Freitag haben wir ja eine Einladung zu einer Hochzeit bekommen, auf die wir uns sehr freuen. Dann werden wir uns auch wieder in das urbane Leben stürzen, in ein Hotel ziehen und nicht mehr in unserem nassen Zelt übernachten.

Wir melden uns dann aus San Francisco wieder. Es grüßen Euch Eure Indianer

Flinke Chicaree und Brauner Bär


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Montag, 25. Juli 2011
Viva Las Vegas!
Hallo Ihr Lieben,

eine Woche der Superlative liegt hinter uns. Sie war unglaublich! Las Vegas und der Grand Canyon standen auf dem Plan. Erst einmal wollen wir aber noch Ryuzo danken, der uns vorher für 10 Tage aufgenommen hatte. Wir haben viel unternommen, gut Sport getrieben und es genossen, nicht großartig unterwegs sein zu müssen. Es war eine sehr schöne Woche mit schönen Erinnerungen an San Diego.

Bevor wir nach Las Vegas aufgebrochen sind, haben wir noch eine Nacht in Los Angeles, besser gesagt in Pasadena, geschlafen. Dort haben wir meinen mexikanischen Studi-Kollegen Fernando und seine Frau Robin besucht. Es war toll, die beiden zu treffen, da wir letztes Jahr an ihrer Hochzeit leider nicht teilnehmen konnten. Wir hatten einen schönen Abend und haben bei einem Argentinier leckere Steaks gegessen.

Am Dienstagmorgen ging es dann aber ab in die Wüste. Die Vegetation wurde karger und außer Kakteen und Joshua-Bäumen war nicht viel zu sehen. Die Straßenbenenner hatten wohl auch nicht viel Interesse, großartig kreativ zu werden, da eine Ausfahrt zur „Zzyzx Road“ führte. Als wir in Las Vegas angekommen waren, zeigte das Thermometer auf über unglaubliche 40 °C an. Ein heißer Wüstenwind blies uns ins Gesicht und wir beeilten uns, dass wir in unser Hotel kamen. So eine Hitze hatten wir noch nicht erlebt. Wir hatten uns für das „Excalibur“ entschieden. Es war günstig und lag auf dem berühmten „Las Vegas Strip“. Besonders ich mochte den absoluten Kitsch, da es wie ein mittelalterliches Schloss aussehen sollte. Es war herrlich und so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Türmchen des Hautpeinganges hatten etwas von einer übergroßen Ritterburg von Lego. Im Erdgeschoss klingelten und leuchteten die Automaten des Casinos. Obwohl es erst Mittag war, waren einige Leute unterwegs und saßen wie benommen vor den leuchtenden Apparaten.

Anja und ich warteten auf den Abend, um uns in das Nachtleben von Las Vegas zu werfen. Überall leuchteten die riesengroßen Anzeigetafeln der Hotels, Restaurants, Bars und Einkaufsläden. In dieser Stadt waren die Schaffer weitaus kreativer und wir konnten unseren Augen kaum glauben, was es alles für Gebäude gab. Besonders die Hotels versuchten sich in ihrer Superlative zu übertrumpfen. Die Bettentürme waren gigantisch, während die Hotelfronten versuchten, jeden Betrachter in den Bann und somit ins Casino zu ziehen. Es war unglaublich!

Gegenüber von unserem Schloss „Excalibur“ lag das Hotel „New York“, welches die Skyline einiger markanter Wolkenkratzer, wie das Empire State oder Chrysler Geböude, sowie die Brooklynbridge nachgebaut hatte. Davor stand selbstverständlich die Freiheitsstatue, allerdings nicht in Originalgröße. Gegenüber lag das „MGM“ mit seinem goldenen Löwen, welches das Unterhaltungsmekka schlecht hin ist. Dort finden die meisten Boxkämpfe statt und David Copperfield verzaubert seine Besucher. So ging es immer weiter, während wir vor Staunen kaum zusammen reißen konnten. Wir gingen am „Monte Carlo“, „Aria“, „Paris“, „Flamingo“ und „Venezia“ vorbei, bis wir vor dem berühmten Bellagio anhielten. Dort sprudelten die Springbrunnen zur Musik von Celin Dion und umhüllten ihre Gäste in einer traumhaften Fantasie.

Wir waren überwältigt und konnten dieses Überangebot an Unterhaltung, Musik und blinkenden Lichter nicht mehr aufnehmen und brauchten eine Pause. Es war einfach zu viel auf einmal und an die Ökobilanz mit Strom- und Wasserverbrauch in der Wüste, wollte wir auch nicht denken. Wir fanden eine Bar und setzten uns mit kühlen Bieren in die Mitte dieses atemberaubenden Spektakels.

Weiter ging es am weniger unberühmten „Caesar's Palace“ vorbei, in dem sich momentan Rod Stewart, Elton John und eben Celin Dion die Klinke auf der Bühne in die Hand geben. Der Hausherr stand als Statue vor seinem eigenen kleinen Kolosseum und einem Nachbau des Trevi Brunnens. Witziger Weise hatten die Macher des Hotels das Forum Romanum wieder aufgebaut. Allerdings befand sich darin eine Einkaufsmeile. Was hätte es in dieser Stadt auch sonst sein sollen? Vor dem Hotel „Mirage“ brach wie zu jeder vollen Stunde ein Vulkan aus und auch wir konnten nicht vorbei gehen. Vor dem „Treasure Island“ hatte sich auch eine Menschenmenge versammelt und wir warteten gespannt, was dort passieren würde. Plötzlich bewegte sich neben uns ein riesengroßes Segelboot und das Spektakel um Seeräuber und der Kampf mit verlockenden Sirenen konnte beginnen. Natürlich feuerten die Piraten ihre Kanonen ab und versetzten das Schiff ihrer Gegnerinnen in den Brand. Die Sirenen wiederum versenkten mit ihrem Gesang das Schiff der Seeräuber. Wir trauten unseren Augen nicht. Wir hatten genug von dieser kleinen Weltreise und mussten unsere gesammelten Eindrücke erst einmal verarbeiten. Las Vegas heißt nicht umsonst „Die Stadt der Sünde“, denn wir hätten in den Nachtclubs und Bars die Nacht zum Tage machen können. Auch wechselt in dieser Stadt das Geld sehr schnell seine Besitzer und wir mussten aufpassen, dass wir uns nicht verleiten ließen, was nur schwer möglich war.

Wir verbrachten drei Tage in Las Vegas, die ähnlich wie der erste abliefen. Mittlerweile hatten wir uns an dieses unfassbare Spektakel gewöhnt. In unserem Excalibur versuchten wir unser Glück an den Spielautomaten. Manchmal war uns nicht klar, warum wir gewannen. Eins wurde uns aber schnell klar, dass die Automaten wahnsinnig viel Spaß hatten, mit Geldscheinen gefüttert zu werden. Eine Weile machten wir mit, doch stellten Anja und ich schnell fest, dass wir nicht so die Zocker sind. Daher machten wir auch große Bogen um die Roulette, Black Jack, Poker oder Würfeltische. Wir schauten ein wenig den anderen Spielern zu, hielten uns aber zurück. Daher konnten wir auch den BMW an den Spielautomaten nicht gewinnen.

Am Donnerstag haben wir Las Vegas verlassen. Unser Ziel war der See Mead, der vom riesigen Hoover Damm zurück gestaut wird. Die Fahrt dorthin dauerte nur eine halbe Stunde und wir hatten lächerliche 40 km hinter uns gebracht. In Australien wäre das eine Fahrt zum Supermarkt gewesen. Am See angekommen, mussten wir ins Wasser springen, denn das Thermometer zeigte unfassbare 113 Fahrenheit an. Umgerechnet sind das 45 Grad Celsius!! So eine Hitze hatten Anja und ich noch nicht erlebt. Die Temperatur war unerträglich und lange konnten wir nicht in der Sonne bleiben. Zum ersten Mal während unserer Reise in den USA bauten wir unser Zelt auf dem nahe gelegenen Campingplatz auf. Ja, wir sind jetzt unter die Zelter gegangen. Obwohl sich die Temperatur auf 35 Grad Celsius zum Abend hin „abkühlte“, war es kaum auszuhalten. Ich musste noch einmal in den See springen, bevor wir uns Schlafen legten. Am Zelt hatten wir alle Fenster geöffnet und versuchten jedes klitzekleine Windchen zu erhaschen. Eine Pudelmütze brauchte ich hier nicht. Wir durften uns kaum bewegen, so dass wir nicht schwitzten. Vor allem Anja hatte zu kämpfen. Am nächsten Morgen blieben wir nicht lange liegen, besonders nachdem sich die Sonne hinter den Bergen zeigte. Anja sprang sofort auf und fuhr zum See, um sich dort zu kühlen.

Weiter ging unsere Fahrt in Richtung Grand Canyon. Unser erste Stopp war jedoch der mächtige Hoover Damm. Dieses Baustück aus dem Jahr 1936 trumpft auch mit Superlativen auf. Wir haben nachgelesen wie viele Tonnen Beton verarbeitet wurden, wissen es aber nicht genau. Auf alle Fälle könnte wohl eine 5-Meter breite Straße von New York nach San Francisco gebaut werden. Der Damm war gigantisch. Nebenan wurde gerade im letzten Jahr eine überdimensionale Brücke fertiggestellt, die den Autoverkehr umleitet, so dass nicht mehr über den Damm gefahren werden muss. Auch diese Brücke war ein unglaubliches Beispiel moderner statischer Fähigkeiten.

Am frühen Nachmittag kamen wir auf unserem gewünschten Campingplatz an. Anja und ich genossen, dass wir nur 300 km fahren brauchten und noch so viel Zeit vom Tag übrig hatten. Wir erinnerten uns daran, dass 300 km eine kurze Strecke in Australien war und stellten fest, wie viel wir uns und Marko dort zugemutet hatten. Ein bisschen waren wir froh, dass diese Zeit vorbei ist und wir auch keine längeren Strecken in den USA vor uns haben. Es werden sicherlich noch längere folgen, doch werden sie in den nächsten Wochen relativ kurz sein.
Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten und Anja die heißgelaufene Luftmatratzenpumpe ausblies, machten wir uns auf den Weg zum weltberühmten Nachbarn unseres Campingplatzes. Es war der mächtige Grand Canyon. Anja und ich haben auf unserer Reise schon viele tolle Orte gesehen. Der Grand Canyon reiht sich in die Riege der beeindruckendsten Naturschauspiele nahtlos ein. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir sahen, was der von der Ferne klein aussehnde Colorado River mit der Landschaft angestellt hat. Dieser Fluss hat sein Bett in die sich hebende Ebene geschnitten, während die natürlichen Elemente den Canyon über Millionen von Jahren bearbeitet haben. Das Plateau liegt auf über 2000 m, während sich das Flussbett auf 700 Höhenmeter befindet. Die unterschiedlichsten Gesteinsschichten sind durch die verschiedenen Farben sichtbar, welche ein unglaubliches Bild abgeben. Es war wie eine optische Täuschung und wir dachten manchmal, dass wir auf ein riesiges Gemälde schauten. So schön konnte nur Mutter Natur malen und wir staunten schweigsam bei diesem herrlichen Ausblick.

Die Temperatur am Grand Canyon lag bei angenehmen 30 Grad und wir waren äußerst froh, der Hitze der Wüste entkommen zu sein. Zurück auf dem Campingplatz bereiteten wir unser Abendessen zu. Wir waren wieder in unserem Element und erinnerten uns an die tollen Abende in Neuseeland und in Australien, wo wir nach anstrengenden Fahrten unser Abendessen kochten. Anja und ich genossen, so viel Zeit zur Verfügung zu haben und konnten am Abend auch noch etwas mit unserem amerikanischen Beachfootball vom Strand in San Diego werfen. In der Nacht kühlte es sich dann aber auf 11 Grad ab und wir waren von dieser Frische etwas überrascht. Allerdings waren wir froh, dass wir unsere Schlafsäcke vom Milford Treck in Neuseeland noch bei uns hatten. Es hatte sich also doch gelohnt, sie die ganze Zeit weiterhin mitzuschleppen.

Am Sonntag waren wir dann noch einmal am Grand Canyon. Der Ausblick war immer noch überwältigend. Wir entschieden uns an einer Stelle etwas in den Canyon hinab zu klettern. Allerdings beließen wir es bei 300 Höhenmetern, da wir uns bei der Wärme nicht überanstrengend wollten. Es wäre sicher spannend, bis zum Fluss hinab zu klettern und dort eine Nacht zu bleiben. Wir fuhren aber am Canyonrand entlang, um noch weitere Ausblicke zu erhaschen. Vor allem am Ostende bot sich uns dann ein hervorragender Blick über den Canyon und den Fluss Colorado.

In den nächsten Tagen werden wir entspannt weiter fahren. Wir haben viel Zeit, da wir erst am 5. August in San Francisco sein wollen. Anja und ich sind nämlich zu einer Hochzeit eines weiteren Studi-Kollegen von mir eingeladen worden. Was wir aber auch nicht alles auf unserer Reise erleben? Daher werden wir an kleineren Nationalparks anhalten und dort ein paar Nächte verbringen können. Ein größeres Ziel bis San Francisco ist der Yosimitee-Nationalpark, wo wir ein paar Tage wandern wollen.

Bis dahin grüßen Euch

Anja und Patrice


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