Dienstag, 16. August 2011
Die Straßen von San Francisco
anjapat, 02:15h
Hallo Ihr Lieben,
zu aller erst möchten wir den Geburtstagskindern Biggi, Horsti und Isa ganz herzlich gratulieren. Wir wünschen Euch Alles Gute und ein hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.
Wir haben mal wieder einiges erlebt. Nach dem tollen Hochzeitswochenende stand für uns San Francisco auf dem Plan. Wir freuten uns schon, diese tolle Stadt endlich erkunden zu können. Das Wetter in Pleasant Hill, 20 km außerhalb von San Francisco und dort wo unser Hotel war, hätte nicht schöner sein können. Die Sonne schien, es herrschten herrliche 30 Grad und ein leichtes Lüftchen wischte kleine Wolken über die Landschaft. Als wir uns jedoch San Francisco näherten, staunten wir vor Entsetzen über die dunkel-graue Wand aus Nebelwolken, die sich langsam und träge über die Stadt wälzte. Die große graue Baybridge war verhangen, die Gefängnisinsel Alcatraz blinzelte aus der Bucht und die Golden Gate Brücke war in der Ferne nur zu erahnen. Als wir in Downtown ausstiegen, war die Temperatur auf unglaubliche 15 Grad gefallen. Wir hatten unsere Jacken vorsichtshalber mitgenommen, waren aber trotzdem über diesen Wetterwandel erstaunt.
Das lustige an dem Wetter in San Francisco war, dass es sich jeder Zeit ändern konnte, da die Sonne unterschiedliche Kraft im Laufe des Tages entwickelt. Als wir nämlich unsere Runde durch die Stadt begannen, klarte es plötzlich über uns auf und die Wolkenwand wurde zurück über die Berge gedrängt. Dadurch hatten wir einen schönen Blick über die Baybrücke. Obwohl ein paar kleine Wolkenfetzen zu sehen waren und ein frischer Wind blies, kündigte sich ein wunderbarer Tag an. Unsere Tour führte uns zuerst zum Fährenterminal, bevor wir in die Stadt eintauchten. Dort fuhren alte Straßenbahnen aus den unterschiedlichsten Städten der Welt, die als ein mobiles Museum durch die Straßen huschen. Die interessantes Bahnen sind natürlich die Cablecars, die Seilbahnen, die sich die Berge hinauf quälen, um dann auf der anderen Seite der Stadt in Straßenschluchten zu verschwinden. Es war schon sehr faszinierend, die schwindelerregenden Gefälle hinab zu schauen. Gut, dass wir nicht mit dem Auto unterwegs waren und daher nicht einparken brauchten. Weiter ging es durch Chinatown und zur Lombardstreet, die die kurvenreichste Straße der Welt ist. Zumindest hat sie auf etwa zweihundert Meter Länge über 10 Kurven, was auf dieser kurzen Strecke kaum eine andere Straße aufzuweisen hat.
Auf der anderen Seite San Franciscos angekommen, bot sich uns ein besserer Blick auf Alcatraz. Diese berühmte Gefängnisinsel lag inmitten der Bucht und wir konnten nur erahnen, welche schwierigen Bedingungen dort herrschen. Die Insel liegt ungeschützt direkt in der Schneise des Ozeanes. Daher weht ständig ein kalter Wind und Nebelwolken verhüllen oft die Gebäude. Da die Insel nicht weit vom Ufer ist, konnten die Insassen daher das Leben San Franciscos hören, während sie selber in den kalten Gebäuden einsaßen und durch den Nebel kaum aufs Festland schauen konnten. Eigentlich hatten wir vor, Alcatraz zu besichtigen und einen weiteren Gutschein unserer Freunde, den wir auf unserer Abschiedsparty geschenkt bekommen haben, einzulösen, aber die Fahrten waren auf 14 Tage im Voraus ausgebucht. So lange konnten wir leider nicht warten und mussten diese Fahrt auslassen. Allerdings zeigte sich die Golden Gate Brücke in ihrer Gesamtheit. Der Nebel hatte sich verzogen. Es kommt nicht so oft vor, dass die Brücke nicht im Nebel ist und daher machten wir uns zügig auf den Weg, um sie aus der Nähe zu betrachten. Zum Abschluss des Tages fuhren wir über die Brücke zurück in unser Hotel und hatten einen schönen Tag hinter uns.
San Francisco ist aber eine Stadt, die man wohl ein Leben lang erkunden kann. Wir hatten festgestellt, dass es so viele schöne kleine Stadtteile gibt, in denen kleine Ladenbesitzer die interessantesten Sachen verkaufen. Wir fuhren am Dienstag wieder in die Stadt, um uns den Golden Gate Park anzuschauen. In diesem Park befinden sich unter vielen anderen Dingen, der Japanische sowie der Botanische Garten. Beide waren sehr schön angelegt und wir genossen, diese grünen Oasen anzuschauen. Im Japanischen Garten dominierte das Teehaus und ein japanischer Gebetsturm, während die Anlage sicherlich nach den besten Ansichten des Feng Shui angelegt ist. Im Botanischen Garten schlenderten wir durch die unterschiedlichsten Minibiotope, die Pflanzen aus der ganzen Welt beherbergten. So machten wir einen kleinen Abstecher zurück nach Australien und Neuseeland und besuchten einen chilenischen und einen Rotholzwald. Viele interessante Pflanzen standen in voller Blüte, die wir noch nie gesehen hatten. Nicht das wir große Botaniker wären, aber es war schon schön anzusehen. Allerdings liefen wir auch nicht den ganzen Park ab, sondern schnupperten nur an einem kleinen Auszug. Der Golden Gate Park erstreckt sich über mehrere Kilometer von der Stadtmitte bis hin zum Ozean. Das Spannende an ihm war, dass wieder unterschiedliche Wetter herrschten. Während es auf der Ozeanseite bewölkt war, 15 Grad herrschten und ein frischer Wind blies, lockerte es auf der Stadtseite auf, die Sonne schien und es herrschten angenehme 23 Grad, oder so.
Am Abend hatten wir uns mit Shannon und Ness, dem Brautpaar, verabredet. Wir gingen zu einem Mexikaner, konnten die Hochzeit noch einmal auswerten und uns in Ruhe unterhalten. Während sich die beiden über unsere Anwesenheit gefreut hatten, dankten wir herzlich für die Einladung. Ein Freund der beiden hatte an dem Abend noch einen Auftritt in Oakland und so fuhren wir zu Viert zum Konzert. Es war eine Aufführung, die wir ohne Insider wohl nicht miterlebt hätten. Der Freund ist genialer Gitarrenspieler, der ein seltenes Musikstipendium in New York bekommen hat und seinen letzten Auftritt in der Region hatte. Ich weiß nicht, wie ich den Auftritt beschreiben soll, versuche es aber mal. Die Kombo bestand aus einem Schlagzeuger und dem Gitarristen, die beide extrem auf Heavy Metal aber von der richtig harten Art stehen. Sie sind große Musiker, die sich bei ihren Auftritten so richtig austoben können. Sie spielten in einem Klub in dem kaum Licht schien, während im Hintergrund der beiden satanische Bilder abliefen, die stark an Vulkanausbruch und fließende Lava erinnerten. Die beiden legten auch richtig los. Was der Gitarrenspieler mit seinen Fingern anstellte, hatten wir so noch nie erlebt. Jeder Nachahmer hätte wohl seinen rechten Zeigefinger an der linken Hand wiedergefunden und umgekehrt. Die Musik war Hardcore, hatte aber etwas. Die Jungs ließen es richtig rocken und waren am Ende auch ausgepowert. Wir waren beeindruckt und werden den Abend noch eine Weile in Erinnerung und in unseren Gehörgängen haben.
Am Mittwoch ließen wir es entspannt angehen und verbrachten mal wieder etwas Zeit in einem Waschsalon. Da es unser letzter Abend in San Francisco war, fuhren wir noch einmal in die Stadt und besuchten den Fisherman's Wharf. San Francisco ist von dieser Hafenanlage umgeben, in der früher Schiffe gebaut und gewartet und Ladung verstaut und verschifft wurden. Heute wurden viele Hallen zu Restaurants und Büros umgebaut und bilden einen Anziehungspunkt für die meisten Touristen. Diese strömten auch in einer Vielzahl durch die Gassen. Wir schlenderten zum bekanntesten Pier mit der Nummer 39. Er ist unter anderem durch seine Seelöwenkolonie bekannt. Diese aalen sich vor den Augen der Schaulustigen und kämpfen um jeden Zentimeter auf den Holzpodesten. Wir staunten über einen Laden mit tausenden von Kühlschrankmagneten. Wir haben auf unserer Reise angefangen, Magneten zu sammeln und so aus jedem Land ein Andenken zu haben. Daher waren wir von der Vielfalt begeistert, haben aber keinen gekauft, da wir schon einen aus San Francisco haben und es nicht übertreiben wollen. Wie groß soll den unser Kühlschrank werden? Zum Abschluß des Tages aßen wir jeder noch einen Crépe, worüber sich besonders Anja freute.
Unser Ziel für den Donnerstag war der Ort Monterey gewesen. Dieser liegt an einer Bucht ungefähr zwei Stunden südlich von San Francisco. Er ist berühmt für sein Aquarium und sollte eine schöne Altstadt haben. Zuerst hatten wir aber einen Zwischenstopp. Vielleicht erinnern sich einige, dass wir vier deutsche Frauen in Indien kennen gelernt hatten, die alle zwei Jahre ohne ihre Männer auf Reisen gehen. Eine davon hatte uns nach San Jose eingeladen, sobald wir die USA erreichen. Da San Jose auf dem Weg von San Francisco nach Monterey lag, hatten wir Andrea angerufen, worüber sie sich sehr gefreut hat. Es war ja zu Beginn unserer Reise, dass wir sie kennen gelernt hatten. Jedenfalls ist ihre Familie Mitglied im Monterey Aquarium und sie bot uns an, dass wir ihre Gästekarten nutzen könnten. Wir nahmen die Einladung dankend an und holten uns die Karten von ihren Kindern ab.
Eigentlich hatten wir vor, an der Küste zwischen Santa Cruz, einem weiteren schnuckeligen Örtchen, und Monterey zu zelten. Das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung, da sich der kalte Nebel, den wir aus San Francisco kannten, die ganze Küste entlang streckte. Vielleicht sind wir auch Schönwettercamper, jedenfalls hatten wir keine Lust, bei diesen Bedingungen im Zelt zu schlafen. Wir hätten ins Landesinnere fahren können, wo es weitaus schöner war, aber das war uns zu weit. Letztendlich wurden wir in einem Vorort von Monterey in einem Motel fündig, das halbwegs anständige Preise hatte. Die ändern sich je nach Nachfrage nämlich ständig und wir hatten Glück das wir am Donnerstag anreisten. Wir hatten eigentlich vor länger zu bleiben, entschieden uns aber nur für zwei Nächte, da Wetter, Preis und der Ort dann doch nicht unseren Vorstellungen entsprach. Wir entdeckten, dass Monterey eine nette Altstadt, eine spannende Wasserfront bot, die aus umgebauten Sardinenfabriken besteht, und eben das Aqaurium zu bieten hatte.
Wir besuchten das Aquarium dann am Freitag. Es ist sehr schön angelegt und befindet sich auch in einer alten Sardinenfabrik. Hauptaugenmerk ist auf die Wasserlandschaft Nordpazifik gelegt, die sich vor der Küste und außerhalb der Fenster des Aquariums befindet. Die Hauptzielgruppe sind Familien mit Kindern, denen die Unterwasserwelt informativ und spielend näher gebracht werden soll. Alles ist sehr unterhaltsam dargestellt, was recht kurzweilig war. Allerdings fanden Anja und ich die Fühlbecken nicht so toll, wo die Kinder sämtliche Wassertiere anfassen durfte. Uns taten die Tiere leid, die sich teilweise vor den wartenden Kindermassen retten wollten. So kam es uns jedenfalls vor. Nichtsdestotrotz legt das Aquarium sehr viel Wert auf Aufklärung und Bildung und spricht auch über die Nahrungskette Mensch und wie viel Schaden Überfischung anrichtet. Es war ein bisschen komisch, ein Seefoodrestaurant in einem Aquarium zu sehen, aber das gehörte aufklärungshalber dazu. Da die Amerikaner immer etwas Show und Entertainment auch in Museen brauchen, wurden Musical für die Kids aufgeführt, ein Albatrosweibchen präsentiert und Tauchen für Kinder angeboten. Wir hatten unseren Spass und verbrachten einige Zeit im Aquarium und schauten uns die tollen Quallen, das Haibecken mit einem ulkigen Sonnenfisch und die Oktopusse an.
Am Samstag fuhren wir dann aber zurück in nördliche Richtung nach Santa Cruz. Da wir ohne Reiseführer unterwegs sind, nahmen wir an, dass der Strand und das Stadtzentrum die Höhepunkte des Ortes sind. Ihr könnt euch sicher unser erstauntes Gesicht vorstellen, als wir den Strand erreichten und einen riesigen Vergnügungspark mit Achterbahnen, Kettenkarussell und Fressbuden entdeckten. Alle Zerbster werden verstehen, dass besonders mein Herz höher schlug, da ich dieses Jahr unser geliebtes Heimatfest, das gerade vorbei ist, verpasst habe. Zu aller erst besuchten Anja und ich die Arkaden mit den Spielcomputern und stellten fest, dass wir dort mehr Spaß als in Vegas hatten, wo es nur ums Geld ging. Während ich beim Tanzwettbewerb eher ulkig aussah, machte Anja auf dem Skisimulator eine bessere Figur, oder? Zu einem richtigen Rummelbesuch gehört aber die Fahrt mit der Geister- sowie der Achterbahn. Wir holten uns Tickets und stürzten uns ins Getümmel. Ich konnte Anja vor der Geisterbahnfahrt noch beruhigen, was ich dann allerdings in der Achterbahn nicht mehr schaffte. Gut das ich die Kamera dabei hatte. Sie muss aber auch einiges mit mir durchmachen. Nachdem sie die Fahrten überstanden hatte, kam die Sonne raus, so dass wir uns auf den unmittelbar daneben liegenden Strand rumlümmeln konnten. Das tolle Wetter und ein Schokoeis versöhnten Anja auch wieder und der Tag entwickelte sich noch zu einem schönen Strandtag.
Obwohl sich das Wetter gebessert hatte und wir vielleicht hätten Zelten können, fuhren wir in den Ort Sunnyvale, da wir schon ein günstiges Hotel gebucht hatten. Wir konnten ja nicht ahnen, dass es wieder schön wird. Dieser Ort liegt im Silicon Valley, dem Hauptzentrum der Computerindustrie. Hier haben Mr. Hewlett und Mr. Packard in den dreißiger Jahren in einer Garage an einem Computer rumgebastelt. Die Uni Stanford ist in der Nähe und die bekanntesten Computerfirmen haben hier ihren Sitz. Da wir aber keine Streber sind und nicht so großes Interesse aufweisen, haben wir die Gebäude von Apple, Google, Intel, SAP und Co nicht abgeklappert. Allerdings war die neugierige Frage der Hotelrezeptionistin, was uns denn nach Sunnyvale bringe, verständlich. Als wir mit „Urlaub“ antworteten, könnt ihr euch sicher ihr verdutztes Gesicht vorstellen. Ein etwas langweiliger Abend kündigte sich an, bis die Rezeptionistin uns darauf aufmerksam machte, dass an dem Abend eine Jazzband in der gesperrten Einkaufsstraße auftreten würde. Diese befand sich einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Wir aßen in einem guten Thairestaurant zu Abend und ließen uns von der Jazzmusik unterhalten.
Gestern am Sonntag haben wir mit unserem Wagen einen weiteren Ausflug gemacht. Wir sind an die Küste nach Halfmoon Bay gefahren. Von dort schlängelt sich der Highway Nummer 1 in Richtung Süden und verbindet San Francisco mit Los Angeles. Wir folgten ihm in Richtung Süden und machten ab und zu mal halt, um die schöne Aussicht zu genießen. Er erinnerte uns an die Great Ocean Road in Australien, die wir an der Südküste Victorias gefahren waren. Wir fuhren wieder bis nach Santa Cruz, wo wir uns aber dieses Mal die Innenstadt anschauten. Wir verlebten einen schönen Sonntagnachmittag, die Flohmarktstände hatten noch geöffnet aber wir verwöhnten uns mit einer schönen Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen für Anja und einer Suppe für mich.
Heute Abend, am Montag, sind wir zum Abendessen eingeladen. Andrea und Familie heißen uns Willkommen und wir werden erzählen, was wir seit Indien erlebt haben. Wir freuen uns auf den Abend und die Familie etwas näher kennen zu lernen.
Am Mittwoch fliegen wir nach New York und werden den Pazifik verlassen, der seit Neuseeland unser ständiger Nachbar war. Mit einem Mitwagen werden wir uns auf die letzte Etappe unserer Reise machen, die uns über Philadelphia, Washington nach Chicago und dann nach Boston bringt. Wir haben jetzt noch fünf Wochen und werden diese Zeit noch einmal genießen. Die Zeitverschiebung nach Deutschland wird dann nur noch 6 bzw. 7 Stunden betragen und wir werden uns ganz nah fühlen.
Aus New York oder der Ostküste melden wir uns dann beim nächsten Mal.
Beste Grüße
Anja und Patrice
zu aller erst möchten wir den Geburtstagskindern Biggi, Horsti und Isa ganz herzlich gratulieren. Wir wünschen Euch Alles Gute und ein hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.
Wir haben mal wieder einiges erlebt. Nach dem tollen Hochzeitswochenende stand für uns San Francisco auf dem Plan. Wir freuten uns schon, diese tolle Stadt endlich erkunden zu können. Das Wetter in Pleasant Hill, 20 km außerhalb von San Francisco und dort wo unser Hotel war, hätte nicht schöner sein können. Die Sonne schien, es herrschten herrliche 30 Grad und ein leichtes Lüftchen wischte kleine Wolken über die Landschaft. Als wir uns jedoch San Francisco näherten, staunten wir vor Entsetzen über die dunkel-graue Wand aus Nebelwolken, die sich langsam und träge über die Stadt wälzte. Die große graue Baybridge war verhangen, die Gefängnisinsel Alcatraz blinzelte aus der Bucht und die Golden Gate Brücke war in der Ferne nur zu erahnen. Als wir in Downtown ausstiegen, war die Temperatur auf unglaubliche 15 Grad gefallen. Wir hatten unsere Jacken vorsichtshalber mitgenommen, waren aber trotzdem über diesen Wetterwandel erstaunt.
Das lustige an dem Wetter in San Francisco war, dass es sich jeder Zeit ändern konnte, da die Sonne unterschiedliche Kraft im Laufe des Tages entwickelt. Als wir nämlich unsere Runde durch die Stadt begannen, klarte es plötzlich über uns auf und die Wolkenwand wurde zurück über die Berge gedrängt. Dadurch hatten wir einen schönen Blick über die Baybrücke. Obwohl ein paar kleine Wolkenfetzen zu sehen waren und ein frischer Wind blies, kündigte sich ein wunderbarer Tag an. Unsere Tour führte uns zuerst zum Fährenterminal, bevor wir in die Stadt eintauchten. Dort fuhren alte Straßenbahnen aus den unterschiedlichsten Städten der Welt, die als ein mobiles Museum durch die Straßen huschen. Die interessantes Bahnen sind natürlich die Cablecars, die Seilbahnen, die sich die Berge hinauf quälen, um dann auf der anderen Seite der Stadt in Straßenschluchten zu verschwinden. Es war schon sehr faszinierend, die schwindelerregenden Gefälle hinab zu schauen. Gut, dass wir nicht mit dem Auto unterwegs waren und daher nicht einparken brauchten. Weiter ging es durch Chinatown und zur Lombardstreet, die die kurvenreichste Straße der Welt ist. Zumindest hat sie auf etwa zweihundert Meter Länge über 10 Kurven, was auf dieser kurzen Strecke kaum eine andere Straße aufzuweisen hat.
Auf der anderen Seite San Franciscos angekommen, bot sich uns ein besserer Blick auf Alcatraz. Diese berühmte Gefängnisinsel lag inmitten der Bucht und wir konnten nur erahnen, welche schwierigen Bedingungen dort herrschen. Die Insel liegt ungeschützt direkt in der Schneise des Ozeanes. Daher weht ständig ein kalter Wind und Nebelwolken verhüllen oft die Gebäude. Da die Insel nicht weit vom Ufer ist, konnten die Insassen daher das Leben San Franciscos hören, während sie selber in den kalten Gebäuden einsaßen und durch den Nebel kaum aufs Festland schauen konnten. Eigentlich hatten wir vor, Alcatraz zu besichtigen und einen weiteren Gutschein unserer Freunde, den wir auf unserer Abschiedsparty geschenkt bekommen haben, einzulösen, aber die Fahrten waren auf 14 Tage im Voraus ausgebucht. So lange konnten wir leider nicht warten und mussten diese Fahrt auslassen. Allerdings zeigte sich die Golden Gate Brücke in ihrer Gesamtheit. Der Nebel hatte sich verzogen. Es kommt nicht so oft vor, dass die Brücke nicht im Nebel ist und daher machten wir uns zügig auf den Weg, um sie aus der Nähe zu betrachten. Zum Abschluss des Tages fuhren wir über die Brücke zurück in unser Hotel und hatten einen schönen Tag hinter uns.
San Francisco ist aber eine Stadt, die man wohl ein Leben lang erkunden kann. Wir hatten festgestellt, dass es so viele schöne kleine Stadtteile gibt, in denen kleine Ladenbesitzer die interessantesten Sachen verkaufen. Wir fuhren am Dienstag wieder in die Stadt, um uns den Golden Gate Park anzuschauen. In diesem Park befinden sich unter vielen anderen Dingen, der Japanische sowie der Botanische Garten. Beide waren sehr schön angelegt und wir genossen, diese grünen Oasen anzuschauen. Im Japanischen Garten dominierte das Teehaus und ein japanischer Gebetsturm, während die Anlage sicherlich nach den besten Ansichten des Feng Shui angelegt ist. Im Botanischen Garten schlenderten wir durch die unterschiedlichsten Minibiotope, die Pflanzen aus der ganzen Welt beherbergten. So machten wir einen kleinen Abstecher zurück nach Australien und Neuseeland und besuchten einen chilenischen und einen Rotholzwald. Viele interessante Pflanzen standen in voller Blüte, die wir noch nie gesehen hatten. Nicht das wir große Botaniker wären, aber es war schon schön anzusehen. Allerdings liefen wir auch nicht den ganzen Park ab, sondern schnupperten nur an einem kleinen Auszug. Der Golden Gate Park erstreckt sich über mehrere Kilometer von der Stadtmitte bis hin zum Ozean. Das Spannende an ihm war, dass wieder unterschiedliche Wetter herrschten. Während es auf der Ozeanseite bewölkt war, 15 Grad herrschten und ein frischer Wind blies, lockerte es auf der Stadtseite auf, die Sonne schien und es herrschten angenehme 23 Grad, oder so.
Am Abend hatten wir uns mit Shannon und Ness, dem Brautpaar, verabredet. Wir gingen zu einem Mexikaner, konnten die Hochzeit noch einmal auswerten und uns in Ruhe unterhalten. Während sich die beiden über unsere Anwesenheit gefreut hatten, dankten wir herzlich für die Einladung. Ein Freund der beiden hatte an dem Abend noch einen Auftritt in Oakland und so fuhren wir zu Viert zum Konzert. Es war eine Aufführung, die wir ohne Insider wohl nicht miterlebt hätten. Der Freund ist genialer Gitarrenspieler, der ein seltenes Musikstipendium in New York bekommen hat und seinen letzten Auftritt in der Region hatte. Ich weiß nicht, wie ich den Auftritt beschreiben soll, versuche es aber mal. Die Kombo bestand aus einem Schlagzeuger und dem Gitarristen, die beide extrem auf Heavy Metal aber von der richtig harten Art stehen. Sie sind große Musiker, die sich bei ihren Auftritten so richtig austoben können. Sie spielten in einem Klub in dem kaum Licht schien, während im Hintergrund der beiden satanische Bilder abliefen, die stark an Vulkanausbruch und fließende Lava erinnerten. Die beiden legten auch richtig los. Was der Gitarrenspieler mit seinen Fingern anstellte, hatten wir so noch nie erlebt. Jeder Nachahmer hätte wohl seinen rechten Zeigefinger an der linken Hand wiedergefunden und umgekehrt. Die Musik war Hardcore, hatte aber etwas. Die Jungs ließen es richtig rocken und waren am Ende auch ausgepowert. Wir waren beeindruckt und werden den Abend noch eine Weile in Erinnerung und in unseren Gehörgängen haben.
Am Mittwoch ließen wir es entspannt angehen und verbrachten mal wieder etwas Zeit in einem Waschsalon. Da es unser letzter Abend in San Francisco war, fuhren wir noch einmal in die Stadt und besuchten den Fisherman's Wharf. San Francisco ist von dieser Hafenanlage umgeben, in der früher Schiffe gebaut und gewartet und Ladung verstaut und verschifft wurden. Heute wurden viele Hallen zu Restaurants und Büros umgebaut und bilden einen Anziehungspunkt für die meisten Touristen. Diese strömten auch in einer Vielzahl durch die Gassen. Wir schlenderten zum bekanntesten Pier mit der Nummer 39. Er ist unter anderem durch seine Seelöwenkolonie bekannt. Diese aalen sich vor den Augen der Schaulustigen und kämpfen um jeden Zentimeter auf den Holzpodesten. Wir staunten über einen Laden mit tausenden von Kühlschrankmagneten. Wir haben auf unserer Reise angefangen, Magneten zu sammeln und so aus jedem Land ein Andenken zu haben. Daher waren wir von der Vielfalt begeistert, haben aber keinen gekauft, da wir schon einen aus San Francisco haben und es nicht übertreiben wollen. Wie groß soll den unser Kühlschrank werden? Zum Abschluß des Tages aßen wir jeder noch einen Crépe, worüber sich besonders Anja freute.
Unser Ziel für den Donnerstag war der Ort Monterey gewesen. Dieser liegt an einer Bucht ungefähr zwei Stunden südlich von San Francisco. Er ist berühmt für sein Aquarium und sollte eine schöne Altstadt haben. Zuerst hatten wir aber einen Zwischenstopp. Vielleicht erinnern sich einige, dass wir vier deutsche Frauen in Indien kennen gelernt hatten, die alle zwei Jahre ohne ihre Männer auf Reisen gehen. Eine davon hatte uns nach San Jose eingeladen, sobald wir die USA erreichen. Da San Jose auf dem Weg von San Francisco nach Monterey lag, hatten wir Andrea angerufen, worüber sie sich sehr gefreut hat. Es war ja zu Beginn unserer Reise, dass wir sie kennen gelernt hatten. Jedenfalls ist ihre Familie Mitglied im Monterey Aquarium und sie bot uns an, dass wir ihre Gästekarten nutzen könnten. Wir nahmen die Einladung dankend an und holten uns die Karten von ihren Kindern ab.
Eigentlich hatten wir vor, an der Küste zwischen Santa Cruz, einem weiteren schnuckeligen Örtchen, und Monterey zu zelten. Das Wetter machte uns aber einen Strich durch die Rechnung, da sich der kalte Nebel, den wir aus San Francisco kannten, die ganze Küste entlang streckte. Vielleicht sind wir auch Schönwettercamper, jedenfalls hatten wir keine Lust, bei diesen Bedingungen im Zelt zu schlafen. Wir hätten ins Landesinnere fahren können, wo es weitaus schöner war, aber das war uns zu weit. Letztendlich wurden wir in einem Vorort von Monterey in einem Motel fündig, das halbwegs anständige Preise hatte. Die ändern sich je nach Nachfrage nämlich ständig und wir hatten Glück das wir am Donnerstag anreisten. Wir hatten eigentlich vor länger zu bleiben, entschieden uns aber nur für zwei Nächte, da Wetter, Preis und der Ort dann doch nicht unseren Vorstellungen entsprach. Wir entdeckten, dass Monterey eine nette Altstadt, eine spannende Wasserfront bot, die aus umgebauten Sardinenfabriken besteht, und eben das Aqaurium zu bieten hatte.
Wir besuchten das Aquarium dann am Freitag. Es ist sehr schön angelegt und befindet sich auch in einer alten Sardinenfabrik. Hauptaugenmerk ist auf die Wasserlandschaft Nordpazifik gelegt, die sich vor der Küste und außerhalb der Fenster des Aquariums befindet. Die Hauptzielgruppe sind Familien mit Kindern, denen die Unterwasserwelt informativ und spielend näher gebracht werden soll. Alles ist sehr unterhaltsam dargestellt, was recht kurzweilig war. Allerdings fanden Anja und ich die Fühlbecken nicht so toll, wo die Kinder sämtliche Wassertiere anfassen durfte. Uns taten die Tiere leid, die sich teilweise vor den wartenden Kindermassen retten wollten. So kam es uns jedenfalls vor. Nichtsdestotrotz legt das Aquarium sehr viel Wert auf Aufklärung und Bildung und spricht auch über die Nahrungskette Mensch und wie viel Schaden Überfischung anrichtet. Es war ein bisschen komisch, ein Seefoodrestaurant in einem Aquarium zu sehen, aber das gehörte aufklärungshalber dazu. Da die Amerikaner immer etwas Show und Entertainment auch in Museen brauchen, wurden Musical für die Kids aufgeführt, ein Albatrosweibchen präsentiert und Tauchen für Kinder angeboten. Wir hatten unseren Spass und verbrachten einige Zeit im Aquarium und schauten uns die tollen Quallen, das Haibecken mit einem ulkigen Sonnenfisch und die Oktopusse an.
Am Samstag fuhren wir dann aber zurück in nördliche Richtung nach Santa Cruz. Da wir ohne Reiseführer unterwegs sind, nahmen wir an, dass der Strand und das Stadtzentrum die Höhepunkte des Ortes sind. Ihr könnt euch sicher unser erstauntes Gesicht vorstellen, als wir den Strand erreichten und einen riesigen Vergnügungspark mit Achterbahnen, Kettenkarussell und Fressbuden entdeckten. Alle Zerbster werden verstehen, dass besonders mein Herz höher schlug, da ich dieses Jahr unser geliebtes Heimatfest, das gerade vorbei ist, verpasst habe. Zu aller erst besuchten Anja und ich die Arkaden mit den Spielcomputern und stellten fest, dass wir dort mehr Spaß als in Vegas hatten, wo es nur ums Geld ging. Während ich beim Tanzwettbewerb eher ulkig aussah, machte Anja auf dem Skisimulator eine bessere Figur, oder? Zu einem richtigen Rummelbesuch gehört aber die Fahrt mit der Geister- sowie der Achterbahn. Wir holten uns Tickets und stürzten uns ins Getümmel. Ich konnte Anja vor der Geisterbahnfahrt noch beruhigen, was ich dann allerdings in der Achterbahn nicht mehr schaffte. Gut das ich die Kamera dabei hatte. Sie muss aber auch einiges mit mir durchmachen. Nachdem sie die Fahrten überstanden hatte, kam die Sonne raus, so dass wir uns auf den unmittelbar daneben liegenden Strand rumlümmeln konnten. Das tolle Wetter und ein Schokoeis versöhnten Anja auch wieder und der Tag entwickelte sich noch zu einem schönen Strandtag.
Obwohl sich das Wetter gebessert hatte und wir vielleicht hätten Zelten können, fuhren wir in den Ort Sunnyvale, da wir schon ein günstiges Hotel gebucht hatten. Wir konnten ja nicht ahnen, dass es wieder schön wird. Dieser Ort liegt im Silicon Valley, dem Hauptzentrum der Computerindustrie. Hier haben Mr. Hewlett und Mr. Packard in den dreißiger Jahren in einer Garage an einem Computer rumgebastelt. Die Uni Stanford ist in der Nähe und die bekanntesten Computerfirmen haben hier ihren Sitz. Da wir aber keine Streber sind und nicht so großes Interesse aufweisen, haben wir die Gebäude von Apple, Google, Intel, SAP und Co nicht abgeklappert. Allerdings war die neugierige Frage der Hotelrezeptionistin, was uns denn nach Sunnyvale bringe, verständlich. Als wir mit „Urlaub“ antworteten, könnt ihr euch sicher ihr verdutztes Gesicht vorstellen. Ein etwas langweiliger Abend kündigte sich an, bis die Rezeptionistin uns darauf aufmerksam machte, dass an dem Abend eine Jazzband in der gesperrten Einkaufsstraße auftreten würde. Diese befand sich einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Wir aßen in einem guten Thairestaurant zu Abend und ließen uns von der Jazzmusik unterhalten.
Gestern am Sonntag haben wir mit unserem Wagen einen weiteren Ausflug gemacht. Wir sind an die Küste nach Halfmoon Bay gefahren. Von dort schlängelt sich der Highway Nummer 1 in Richtung Süden und verbindet San Francisco mit Los Angeles. Wir folgten ihm in Richtung Süden und machten ab und zu mal halt, um die schöne Aussicht zu genießen. Er erinnerte uns an die Great Ocean Road in Australien, die wir an der Südküste Victorias gefahren waren. Wir fuhren wieder bis nach Santa Cruz, wo wir uns aber dieses Mal die Innenstadt anschauten. Wir verlebten einen schönen Sonntagnachmittag, die Flohmarktstände hatten noch geöffnet aber wir verwöhnten uns mit einer schönen Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen für Anja und einer Suppe für mich.
Heute Abend, am Montag, sind wir zum Abendessen eingeladen. Andrea und Familie heißen uns Willkommen und wir werden erzählen, was wir seit Indien erlebt haben. Wir freuen uns auf den Abend und die Familie etwas näher kennen zu lernen.
Am Mittwoch fliegen wir nach New York und werden den Pazifik verlassen, der seit Neuseeland unser ständiger Nachbar war. Mit einem Mitwagen werden wir uns auf die letzte Etappe unserer Reise machen, die uns über Philadelphia, Washington nach Chicago und dann nach Boston bringt. Wir haben jetzt noch fünf Wochen und werden diese Zeit noch einmal genießen. Die Zeitverschiebung nach Deutschland wird dann nur noch 6 bzw. 7 Stunden betragen und wir werden uns ganz nah fühlen.
Aus New York oder der Ostküste melden wir uns dann beim nächsten Mal.
Beste Grüße
Anja und Patrice
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