Montag, 1. August 2011
Hau aus dem Yosemite Nationalpark
Hallo Ihr Lieben,

wir grüßen euch aus dem Yosemite Nationalpark in der Sierra Nevada Kaliforniens. Seit 4 Tagen sind wir hier und hatten wieder ein paar schöne Tage.

Bevor wir letzten Sonntag vom Grand Canyon weggefahren sind, haben uns noch ein paar Elche verabschiedet. Diese waren bis ins Dorf gekommen, um zu checken, was wir Menschen dort so aufgebaut haben. Da es doch recht frisch war, entschieden wir uns, am Abend noch ein schönes Lagerfeuer zu machen. Nachdem ich den Bericht von letzter Woche geschrieben hatte, konnten wir uns dann beide am Feuer wärmen.

Am Montag führte uns unsere Fahrt wieder zurück in die Wüste. Es war immer noch schrecklich heiß und das Thermometer hatte keine Schwierigkeiten, wieder über 40 Grad Celsius zu klettern. Da wir in den Staaten keine langen Strecken hinter uns bringen müssen, entschieden wir uns, am Mohave See eine Pause zu machen und dort zu übernachten. Wir waren froh, dass wir bei diesen Temperaturen ins kühle Nass springen konnten. Der Strand und die Bucht waren auch schöner als der Mead See, der in unmittelbarer Nachbarschaft lag und an dem wir eine Woche vorher waren. Allerdings mussten wir uns bei dieser Sonnenstrahlung ein schattiges Plätzchen suchen und fanden es hinter einer kleinen Birke. Das war unsere Rettung, denn in der Sonne hätten wir es nicht ausgehalten. Leider waren wir nicht so clever, uns bei dieser Wärmer ein gekühltes Hotelzimmer zu suchen und entschieden uns, wieder im Zelt zu schlafen. Von Schlaf konnte allerdings nicht die Rede sein. Wir schwammen in unserem eigenen Saft und bereuten unsere Entscheidung. Am nächsten Morgen fuhren wir als aller Erstes wieder zum See und mussten uns abkühlen. Um 6:30 Uhr waren wir aber nicht die Ersten.

Unsere Weiterfahrt ging wieder an Las Vegas vorbei, da wir in Richtung Nordwesten unterwegs waren. Wir schauten uns den Red Rock an, der wie der Uluru in Australien aus rotem Sandstein besteht. Allerdings war dieser hier nicht so heilig. An den umliegenden Felsen konnten wir herrlich die unterschiedlichen Gesteinsschichten erkennen. Der fehlende Schlaf holte uns an diesem Tag schnell ein und gegen Mittag entschieden wir, nicht großartig weiterfahren zu wollen. Wir genießen die Freiheit, spontan entscheiden zu können, wo wir übernachten wollen. An diesem Tag schafften wir es noch bis Beatty in Nevada, nahmen uns aber für diese Nacht ein Motel. Die heiße Nacht zuvor hatte zu sehr geschlaucht. Der kleine Ort hatte nicht viel zu bieten, war aber eine typische kleine amerikanische Stadt mit ein paar Motels, einem Pub, einem Lebensmittelladen, einer Werkstatt und einem Diner. Nach ein paar Würfen auf dem Basketballplatz, einem Sprung in den Motel-Pool und einer frischen Dusche legten wir uns entspannt ins Bett und genossen die anständige Matratze und die Kopfkissen. Das Beste war natürlich, dass der Raum von der Klimaanlage gekühlt war. Wir hatten unseren Körpern in den letzten Tagen einiges zugemutet. Der ständige Wechsel von heißen Außentemperaturen und den klima-gekühlten Hotelzimmern, Einkaufshäuser oder unserem Auto versprach eine ordentliche Erkältung. Wir hielten aber wacker durch.

Am Mittwoch frühstückten wir in Mel's Diner gegenüber von unserem Motel. Das kleine Restaurant wurde von zwei Damen geführt und war typisch amerikanisch. Bilder von Elvis, Marilyn Monroe und Humphry Boagart hingen an der Wand und erinnerten an vergangene Tage. Sie waren wohl die Jugendstars der Damen und für sie war die Zeit stehen geblieben. Das Frühstück war super und gestärkt konnten wir weiterfahren.

In der Nähe von Beatty lag der Ort Rhyolite, der 1906 aufblühte, da dort Gold gefunden wurde und einige Leute dem Traum nach Reichtum folgten. Allerdings war der Fund nicht sehr groß, so dass der Rausch nur für ein Jahr anhielt und der Ort danach wieder verlassen wurde. Die Gebäude wurden den Elementen überlassen und heute ist Rhyolite eine einzige Geisterstadt. Der Saloon ist noch am Besten erhalten, während von den Banken nur noch die Betongerippe übrig sind. Beim Wandern durch die Stadt mussten wir aber aufpassen, dass wir nicht auf Klapperschlangen trafen. Wir haben keine gesehen, hätten es aber wohl auch rasseln gehört, wenn eine in der Nähe gewesen wäre.

Unsere Strecke führte an diesem Tag durch das berühmte „Tal des Todes“. Das spannende am Death Valley ist, dass der tiefste Punkte etwa 90 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Da wir ungefähr auf 2000 Höhenmetern unterwegs waren, dauerte die Abfahrt eine ganze Weile. Auf der Strecke kamen uns zwei abgeklebte Neuwagen von Mercedes entgegen, deren Hitzebeständigkeit dort getestet wurde. Das Death Valley ist nämlich der heißeste Ort Nordamerikas. Was die Autos angeht, vermuteten wir, dass es sich um Erlkönige des neuen SLK und der M-Klasse handelte.

Die Hitze hatte uns wohl auch ein bisschen zugesetzt, da wir die Buschlandschaft namens „Des Teufels Maisfeld“ zum Verstecken spielen nutzten. Bei den „Mesquite Sand Dünen“ trauten wir unseren Augen kaum, da dort doch tatsächlich ein paar Ägypter über die Sandberge liefen. Obwohl das Death Valley so spärlich bewachsen ist und eine extreme Umgebung darstellt, strahlte es doch eine gewisse Magie aus. Übernachten wollten wir auf dem kargen und schattenlosen Campingplatz aber doch nicht. Irgendwann hatten wir dann den Meeresspiegel erreicht und verließen das Tal über einen Gebirgspass. Wenn wir Geologen gewesen wären, hätten wir unsere wahre Freude an dem Tal gehabt. Selbst als Laien erkannten wir an den Farben die unterschiedlichen Gesteinsschichten aus vulkanischem Material, Granit und Sandsteinen. Die Berge ließen vermuten, dass es bei deren Entstehung ordentlich gekracht haben musste. Als wir eine Salzwüste erreicht hatten, waren wir froh, dass wir unsere GROßEN Wasserflaschen eingepackt hatten, da uns die Hitze immer noch zusetzte.

Unser Ziel für den Tag war die Ostseite der Sierra Nevada. Diese Gebirgskette trennt die Küste Kaliforniens von den Wüsten Nevadas. Zu unserer Überraschung entdeckten wir, dass die Bergkuppen teilweise noch von Schneefetzen überdeckt waren. Damit hatten wir Ende Juli dann doch nicht gerechnet. Da wir zum ersten Mal auf unserer Erkundungstour ohne Reiseführer unterwegs sind, steuerten wir auf kalifornischer Seite das nächstbeste Besucherinformationszentrum an. Das haben wir bisher immer gemacht, da wir dort die besten lokalen Auskünfte, Karten und Tipps bekommen haben. Wir fragten einen netten, jungen Ranger nach einem guten Campingplatz, woraufhin er uns seitenweise eine Liste der Plätze in der Nähe gab. Er empfahl uns aber den See June, da dieser in der Nähe vom unserem Hauptziel dem Yosemite Nationalpark lag.

Wir hatten Glück, denn auf dem Campingplatz in June war genau noch ein Platz übrig. Schnell hatten unser Zelt aufgebaut und erfreuten uns an den grünen Bergen. Nadelbäume bedeckten die Berge und wir genossen den Ausblick aus unserer kleinen Behausung. Allerdings waren wir auch in die Schwarzbärenregion eingedrungen und wurden mit mehreren Warnhinweisen darauf aufmerksam gemacht. Unser Essen sowie sämtliche Kosmetikartikel mussten in einem speziellen Bären-sicheren Metallschrank verschlossen werden, da die Tiere in Autos einbrechen oder neugierig in Zelte schauen. Obwohl wir unsere Lebensmittel verstaut hatten, waren wir nicht sicher, ob die Bären nicht eventuell doch mal in unser Zelt vorbeischauen würden. Wir können euch aber beruhigen, dass wir bisher bis auf ein paar niedliche Waschbären keine größeren Exemplare gesehen haben.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, machten wir einen Spaziergang, um endlich den See June begutachten zu können. Er lag wunderbar in der Mitte der Berge und einige Anglerboote waren auf ihm zu erkennen. Am Hauptbootsteg entdeckten wir Ruderboote und liehen uns voller Tatendrang eins aus. Wir schipperten ein wenig auf dem See herum und genossen die himmlische Ruhe, während die wärmende Sonne langsam unterging. In diesem Moment waren wir besonders glücklich und erfreuten uns an der Natur.

Da wir die Nacht unbeschwert und ohne Bärenattacke überstanden hatten, konnten wir unser Hauptziel für die nächsten Tage ansteuern. Es war der Yosemite Nationalpark, dessen Eingang nur eine halbe Stunde Fahrt entfernt vom Junesee lag. Wir wollten früh aufbrechen, da wir wussten, dass die Zeltplätze ziemlich ausgebucht waren. Die reservierbaren Plätze waren seit einem halben Jahr ausgebucht. Allerdings gab es noch Campingplätze, auf denen Plätze nicht reserviert werden können und es vielleicht noch freie gab. Wir fuhren über den Tioga Pass in den Nationalpark und staunten bei dieser Auffahrt schon über die tolle Landschaft. Teilweise waren die Berge noch mit Schnee bedeckt und Wasserfälle stürzten sich die Abhänge hinab. An einer Stelle konnten wir sogar noch eine kleine Schneeballschlacht machen. Es war unglaublich und undenkbar, dass wir zwei Tage zuvor noch in der heißen Wüste geschwitzt hatten. Die Temperaturen lagen bei angenehmen 27 Grad Celsius.

Der erste große Campingplatz mit über 300 Plätzen war bereits voll. Es war Vormittag und wir hofften, dass die Plätze in der Mitte des Nationalparks noch ein freies Fleckchen für uns boten. Nachdem wir 4 weitere Campingplätze angesteuert hatten und fast 100 km im Nationalpark verfahren hatten, gaben wir dort auf. Sie waren alle voll und nichts war mehr frei. Da es allerdings noch weitere Campingplätze außerhalb des Nationalparkes gab, versuchten wir es dort. Aber selbst die 4 Plätze unmittelbar vor den Toren des Parkes waren alle voll. Wir wussten, dass sich ein übervolles Ferienwochenende ankündigte, hätten aber nicht gedacht, dass wir donnerstags Vormittag schon Probleme bekommen würden. Uns blieb nichts anderes übrig, als ins Tal zurück zu fahren und die Plätze dort zu checken. Endlich wurden wir fündig und entdeckten einen wirklich schönen Fleck auf einem der Zeltplätze. Er lag in der hinteren Ecke und würde nur selten von vorbeifahrenden Autos gestört. Wir waren erleichtert und freuten uns über unseren Fund, nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten. Mittlerweile war es 14 Uhr gewesen.

Für den Rest des Tages hatten wir uns nichts vorgenommen, freuten uns über unsere Freizeit und ruhten uns von den Strapazen des Vormittages aus. Wir entschieden uns, vier Tage auf dem Campingplatz zu bleiben und konnten kaum fassen, dass wir keine großartigen Strecken hinter uns bringen mussten. Anja füllte unsere Reisedusche am nahegelegenen Bergbach, die wir von Flözi geschenkt bekommen hatten und die wir endlich voll nutzen konnten. Unsere Freidusche war super, allerdings war das Wasser sehr erfrischend. Der Vorteil des Campingplatzes war, dass er in der Nähe des Dorfes Lee Vining lag und wir nicht die teuren Lebensmittel im Park kaufen mussten. Da es sich am späten Nachmittag abgekühlt hatte, machten wir uns ein Feuer. Die Hitze der letzten Tage hatte wohl doch noch ihre Spuren hinterlassen, da wir die Indianern huldigten, indem wir um unser Feuer tanzten. Wir waren in den letzten Tagen über ihr Land gereist und hatten von unzähligen Stämmen gelesen. Über dem Feuer grillten wir uns dann ein paar Kartoffeln und Würstchen und genossen die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Am Freitagmorgen begrüßten uns unsere Nachbarn sehr freundlich aber auch neugierig. Es waren kleine Chickarees, die etwa Eichhörnchen-groß in Erdlöchern lebten. Wir sahen auch Streifenhörnchen und ein paar Waldvögel und freuten uns über die Gesellschaft. Der Yosemite Nationalpark hat viele Wanderstrecken zu bieten und wir entschieden uns, den Mono Pass Weg zu laufen. Dieser war leicht bis mittelschwer, etwa 14 km hin und zurück lang und dauerte ungefähr 4 Stunden. Der Wald roch wunderbar nach Nadelbäumen und erinnerte an die Fichtennadel-Badeessenz. Wir mussten einige Flüsschen barfuß durchqueren und liefen an alten Holzhütten der Goldgräber vorbei. Durch die Lichtungen konnten wir tolle Blicke auf die Berge erhaschen, bis wir die Seen und Wiesen auf den Plateaus in der Höhe erreichten. Die unterschiedlichsten Wildblumen blühten und schmückten die grünen Wiesen mit vielen kleinen Farbtupfern. Ein bisschen Schnee lag noch und das kristallklare Wasser der Seen deutete sehr niedrige Temperaturen an. Wir machten Rast mit Keksen und Obst und genossen den Ausblick in die Täler. Allerdings waren wir nicht zu sehr kaputt, so dass unsere Energie für ein paar Luftsprünge reichte.

Auf dem Rückweg hatten sich aber ein paar dunkle Wolken versammelt und es fing bald an zu regnen. Die warme Luft hatte sich aufgestaut, so dass sich ein paar Gewitter formten. Als wir unser Auto erreicht hatten, verstärkte sich der Regen immer mehr und wir waren froh, halbwegs trocken angekommen zu sein. Wir fuhren zu unserem Zelt und mussten es erst einmal inspizieren. Es war halbwegs trocken, so dass wir entschieden, weiter in ihm zu übernachten. Zum Abendessen fuhren wir allerdings ins Dorf, da wir nicht in der Nässe sitzen wollten. Gegen Abend klarte der Himmel aber wieder auf und die letzten Sonnenstrahlen des Tages konnten unser Zelt noch trocknen. Wir zündeten uns auch wieder ein Feuer an, verzichteten aber dieses Mal darauf, als Indianer drumherum zu tanzen.

Als wir am Samstag aufwachten, merkten wir, dass wir keine Pläne für den Tag hatten. Das war seit langer Zeit mal wieder der Fall. Obwohl wir eine Wanderung hätten machen können, hatten wir einfach keine Lust darauf. Wir lebten in den Tag hinein, entschieden uns aber dann, das schöne Wetter zu nutzen. Nicht weit entfernt befand sich der Monosee, den wir besuchen wollten. Dieser See hat fast die Hälfte seines Wasservolumens verloren, da es für die Stadt Los Angeles genutzt wurde. Durch die Hitze und die geologischen Bedingungen ist der Salzgehalt aber dermaßen angestiegen, dass die ursprünglichen Lebensverhältnisse zerstört worden. Salzberge haben sich unter Wasser gebildet, die durch den fallenden Wasserspiegel sichtbar wurden. Dadurch hat sich eine bizarre Landschaft im und am Salzsee gebildet.

Gegen Mittag entschieden wir uns, doch noch einmal den Bergpass hinauf und in den Yosemite Nationalpark zu fahren.Wir schossen ein paar schöne Fotos von den Bergbächen und machten ein Picknick, da wir Zeit zur Verfügung hatten. Auf den Touloume Wiesen spielten wir Karten und genossen unbeschwert die Umgebung. Leider zogen wieder dunkle Wolken auf und es dauerte nicht lange, bis der erste Donner grollte. Wir hatten vor, wieder zurück zu unserem Zelt zu fahren und mussten über den Bergpass. Im Wald davor machten wir noch eine Toilettenpause, als plötzlich ein Blitz vielleicht 200 m entfernt von uns in den Bäumen einschlug. Das war für uns ein Zeichen genug, dass wir nicht über den Pass fahren sollten. Daher warteten wir im Nationalpark bis sich das Wetter beruhigte. Nachdem es etwas aufgeklart hatte und wir ins Tal fuhren, wurden wir gewarnt, dass sich eine Schlammlawine gelöst hatte. Die Stelle wurde geräumt und es schien, als ob niemand verletzt wurde. Gut, dass wir nicht früher über den Pass gefahren waren.

Heute, Sonntag, ist es regnerisch und das Wetter lädt nicht zu großartigen Aktivitäten ein. Die meisten unserer Campingplatznachbarn sind aufgebrochen, so dass wir vielleicht die einzigen wenigen sein werden, die noch bleiben. Momentan sitzen wir im Wäschesalon und lassen unsere Klamotten reinigen. Wir werden wohl gleich noch einen Kaffee trinken und Kuchen essen gehen, wie es sich für einen Sonntagnachmittag gehört.

Morgen werden wir weiter fahren und noch einmal an der Westseite des Yosemite Nationalparks halt machen. Dort befindet sich das eigentliche Haupttal, welches das Mekka der Tourismusindustrie ist. Wir werden einen der größten Wasserfälle der Welt besuchen und vielleicht noch ein oder zwei Nächte bleiben.

Unser nächster Fixpunkt ist der Donnerstag, an dem wir in der Nähe San Franciscos sein wollen. Am Freitag haben wir ja eine Einladung zu einer Hochzeit bekommen, auf die wir uns sehr freuen. Dann werden wir uns auch wieder in das urbane Leben stürzen, in ein Hotel ziehen und nicht mehr in unserem nassen Zelt übernachten.

Wir melden uns dann aus San Francisco wieder. Es grüßen Euch Eure Indianer

Flinke Chicaree und Brauner Bär


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Hört sich alles richtig spannend an!

Wünsch euch noch viel Spaß!

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