Mittwoch, 27. April 2011
Go West!
Hallo Ihr Lieben,

Hui, jetzt ist schon wieder so viel Zeit vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal gemeldet haben. Wir hoffen, ihr hattet ein paar angenehme Ostertage und konntet ein wenig entspannen. Wir sind mittlerweile an der Westküste Australiens angekommen und sitzen gerade in einem Café in Fremantle nahe Perth und frühstücken. Seit der Übernahme Markos vor fast 14 Tagen haben wir schon unglaubliche 5000 km hinter uns gebracht.

Beim letzten Bericht waren wir gerade auf dem Weg nach Kangaroo Island. Diese Insel ist für seine vielen Tiere und schönen Strände bekannt. Wir hatten uns ein Fährticket ergattert und setzten mit der Sealink auf die Insel über. Da es schon etwas spät war und wir noch etwas Strecke vor uns hatten, kürzten wir über eine holprige Piste ab, die unser Wagen super überstand. Im Dunkeln erreichten wir unseren Campingplatz und machten noch einen Spaziergang zum Strand, nachdem wir gegessen hatten. Plötzlich wurden unsere Nachbarn ganz aufgeragt, denn der Platzwärter hatte sich angemeldet. Ein Koalabär lief an uns vorbei und war auf dem Weg zu seinem Eukalyptusbaum, der zentral in der Mitte der Anlage stand. Er steuerte nur wenige Zentimeter an Anja vorbei und sie hätte ihn anfassen können. Diese Begegnung war schon ein toller Auftakt für unseren Aufenthalt auf der Insel.

Am nächsten Morgen ging unsere Erkundungsrunde los. Unser erster Halt war ein Koala-Walk, auf dem wir noch weitere Bären wie reife Früchte in den Bäumen hängen sahen. Dort frühstückte auch eine Familie der Insel Kängurus, die etwas kleiner als ihre Artverwandten auf dem Festland sind. Dieses mal ließ sich Anja die Gelegenheit nicht nehmen und streichelte das fluffig weiche Hoppsetier. Des Weiteren gab es dort einige Vögel zu beobachten, wie die rosafarbenen Galahs, die bunten Rainbow Lorkies und die roten Rosellas. Im Flinders National Park fuhren wir zur Arch, einer höhlenartigen Brücke, die vom Meer ausgewaschen wurde. Eine Menge Fellrobben und Seelöwen trockneten sich dort in der Sonne. Dabei kam es bei den Männchen zu zwischenzeitlichen Auseinandersetzungen, während sich einige Babys frische Nahrung bei ihren Müttern organisierten. Weiter ging es zu den Remarkable Rocks. Diese Granitsteine wurden durch vulkanische Bewegungen an die Oberfläche gedrückt und werden seitdem von den irdischen Kräften bearbeitet. Dabei entstanden die ulkigsten Formen, die sich in den letzten Jahren kaum verändert haben. Zum Abschluss machten wir noch einen Stopp in Pauls Tiersanatorium und wollten eigentlich ein paar Koalas in den Arm nehmen. Allerdings waren wir nicht die richtige Zielgruppe, da die Tour auf ein jüngeres Publikum abzielte. Daher liefen wir nicht lange mit den Knirpsen auf der Farm herum und mussten auch wieder zur Fähre. Am Abend erreichten wir wieder das Festland und grillten auf einem Campingplatz in der schönen Rapid Bay direkt am Strand.

Am Mittwoch hatten wir wieder mal einen Termin bei einem Automechaniker organisiert. Er schaute sich den Gasantrieb an und konnte ihn auch reparieren. Wir füllten unsere Vorräte auf und tankten den Wagen auch noch einmal voll. Jetzt konnten wir die lange Fahrt nach Perth antreten. Obwohl wir schon über 1000 km hinter uns gebracht hatten, fühlte es sich an, als ob unsere Fahrt jetzt erst starten würde. Endlich konnten wir auch den Gasantrieb nutzen und wir sind echt froh, dass wir ihn haben. Er lässt wirklich unsere Benzinrechnungen nicht durch die Decke schießen. Es lagen mehrere Tage reine Autofahrt vor uns, die wir auf drei bis vier Etappen aufteilten.

In Vietnam haben wir noch gesagt, der Weg ist das Ziel. Hier in Australien war das anderes. Hier war das Ziel wirklich das Ziel. Obwohl die Landschaften zwar immer spannend waren, war die Abwechslung doch eher gering. Die langen Strecken gaben uns aber die Zeit, uns ausführlich zu unterhalten aber auch mal mit unseren Gedanken allein zu sein und dahin zu träumen. Wir fühlten uns frei, als wir über den Highway flogen. Marko leistete fantastische Arbeit, obwohl er auch ein bisschen durstig nach Gas bzw. Benzin ist. Das ist aber kein Wunder, da er auch voll beladen ist und auch zwei Ersatzreifen und die vollen Wassertanks mit sich schleppen muss. Paulo war mit seinem Allradantrieb ideal für die Strände und Feldwege in Neuseeland. In Australien brauchen wir aber ein Auto, mit dem wir eine größere Strecke fahren können. Da wäre er nicht der Richtige und wir sind sehr froh, dass wir Marko haben. Wir hatten schon von Anfang an das Gefühl, dass er hart daran arbeitet, uns von sich zu überzeugen. Marko hat seine Probezeit bestens genutzt und mit dem Gasantrieb unsere Herzen für sich gewonnen. Er bietet auch andere Dinge, die wir zu schätzen wissen, wie z.B. überall funktionierende Innenlampen, einen Gaskocher mit zwei Flammen und eine Ablage, auf der wir Gemüse schnippeln und Abwaschen können.

Unterwegs fuhren wir durch mehrere kleinere Orte und jeder versuchte auf sich aufmerksam zu machen. Port Germain zum Beispiel hatte den längsten hölzernen Bootsteg Australiens, der über 1500 m lang war. Wir konnten gar nicht richtig erkennen, wo er endete und sahen ihn irgendwo im Meer verschwinden. Auch wollten wir nicht wirklich nachprüfen, ob er wirklich so lang war. Andere Orte hatten einen riesigen Karnarienvogel oder eine Granitstatue aufgebaut, die typisch für ihre Region waren. Dies interessierte uns aber nur bedingt, da wir Kilometer hinter uns bringen wollten. Wir beschäftigten uns vielmehr mit uns selbst und entdeckten im linken Rückspiegel tolle Fotomotive. Es kann sein, dass wir ein paar zu viele Fotos davon geschossen haben, aber es war eine lange Strecke. Um so spannender fanden wir, dass einige Leute die Strecke mit dem Fahrrad befuhren, und waren von ihren Energieleistungen beeindruckt. Am Tag schafften wir zwischen 700 und 800 Kilometer und beendeten unsere Fahrten kurz vor Sonnenuntergang.

Wir schliefen meistens auf Rastplätzen, die hervorragend für Reisende hergerichtet waren und nichts kosteten. Dort konnten wir grillen, kochen und jeden Abend einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Land bewundern. Oft konnten wir unseren Müll abladen, doch leider hatten sie keine Toiletten. Das machte uns aber nicht viel aus, da wir des Öfteren eh an Tankstellen anhielten. Diese waren teilweise mehrere Kilometer auseinander und wir mussten kalkulieren, wo wir am besten auftankten. Auch gingen die Benzinpreise in diesen entlegenen Gegenden in die Höhe und wir waren echt froh, das der Gaspreis weit unter den Benzinpreisen lag. Auch war die Versorgung mit Gas sehr gut, da wir am äußeren Ring Australiens unterwegs sind.

Kurz vor der Grenze zu Westaustralien erreichten wir den Nullabor Nationalpark. Dieser bietet karge Buschlandschaften aber auch atemberaubende Steilküsten. Wir bestaunten die Klippen und das türkis Meer, dass sich unaufhörlich gegen die Felswände schmiss. An der Grenze entdeckten wir einen Richtungsweiser und erschraken ein bisschen, dass Berlin 16000 km Luftlinie entfernt war. Das wird nämlich eine ähnliche Distanz sein, die wir jetzt in Australien zurücklegen werden. Beim Grenzübergang gibt es einen Quarantäne Checkpoint, da man keine Früchte oder Gemüse in den jeweils anderen Bundesstaat mitnehmen darf. Hauptsächlich soll dies vor Obstfliegen schützen, aber vielleicht auch ein bisschen die einheimische Landwirtschaft schützen. Wir mussten unsere Kartoffeln und Zwiebeln abgeben und durften auch unseren Honig nicht behalten.

In Westaustralien änderte sich die Landschaft dahingehend, dass sie wieder bewaldeter wurde. Anja und mich erinnerte die Gegend sehr stark an Afrika, da die Bäume sehr wie Zypressen aussahen und Erde rot schimmerte. Wir konnten erahnen, dass die Welt einmal aus einer Erdmasse bestand und irgendwann auseinander gebrochen war. Auf diesen Strecken entdeckten wir auch viele unterschiedliche Hinweisschilder. So wurden wir immer daran erinnert, dass wilde Tiere unseren Weg kreuzen könnten. Neben Kängurus, Emus und Wombats mussten wir schmunzeln, dass auch Kamele dazu gehörten. Diese wurden vor Jahren in Australien ausgewildert. Mittlerweile gibt es wohl über 200.000 wilder Tiere von ihnen. An einer anderen Raststätte wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass sich wegen des warmen Wetters eventuell Schlangen auf der Toilette befinden könnten. Beim nächsten Nachtlager waren wir daher ein bisschen aufmerksamer als sonst, bevor wir unseren Wagen verließen. Eine Strecke war dann auch die längste gerade Straße mit 146,6 km in Australien, die wir meistern mussten. Die anderen waren zwar auch oft gerade, aber vielleicht nur 100 km oder so. Für die Gerade hatte ich unseren Benzinverbrauch so ausgerechnet, dass es gerade so reichen müsste. Allerdings mussten wir etwas früher von Gas auf Benzinbetrieb umstellen, da ich ein wenig schneller gefahren war. Es wurde knapp und die Tanknadel bewegte sich unaufhaltsam in Richtung Leer. Auf den letzten 10 km freute ich mich über jedes Lebenszeichen der Nadel, dass noch etwas Sprit signalisierte. Als endlich die Tankstelle auftauchte, fuhren wir glücklich und erleichtert an die Zapfsäulen.

Da wir wussten, dass wir es bis Ostern nicht nach Perth schaffen würden, wurde Esperance unser Zielort für die Feiertage. Dieses kleine Städtchen liegt an der Südküste Westaustraliens und ist für seine weißen Strände berühmt. Angeblich hat es sogar den Vergleich mit den weißen Stränden in Queensland, einem anderen australischen Bundesstaat bestanden. Als wir in einen Nationalpark zu einem Campingplatz fahren wollten, wurden wir darauf hingewiesen, dass es keine freien Stellplätze mehr gab. Wir hatten vergessen, dass es Ostern war und vielleicht viele die Möglichkeit auf einen kurzen Urlaub nutzen wollten. Da sämtliche anderen Campingplätze auch voll waren, blieb uns nichts anderes übrig, als irgendwo wild zu übernachten. Das wird in Stadtnähe nicht gern gesehen, aber wir gingen trotzdem das Risiko ein. So übernachteten wir einmal an einem tollen Surfbeach und einmal im Hafen von Esperance, was im Nachhinein auch niemanden störte. Wir konnten in Ruhe schlafen und wurden auch nicht verscheucht.

Allerdings waren unsere inneren Uhren noch nicht auf die westaustralische Zeit umgestellt, die zwei Stunden hinter Melbourne und der Ostküste liegt. Dies resultierte darin, dass wir sehr zeitig wach waren und auch mal den Sonnenaufgang bewundern konnten. Der Hafen von Esperance wurde auch unsere kleine Heimat, da er erstaunlicher Weise einen eigenen Strand, klares Wasser und den Blick gen Osten und Morgensonne bot. Wir kamen mit einigen Einheimischen ins Gespräch, die sich wohl über die neuen Gäste wunderten. Das örtliche Tierarztpärchen brach zur Morgengymnastik auf, zwei ältere Damen drehten ihre Runden und mit einer älteren Frau redeten wir eine ganze Weile. Wir fühlten uns sehr Willkommen und herzlich aufgenommen. Einer Familie halfen wir auch ihren kleinen Hund zu finden, der ihnen kurzzeitig entlaufen war. Der Kleine hatte sich nur einer anderen Familien beim Morgenspaziergang angeschlossen und seine Herrchen wohl verwechselt.

Nachdem wir am Ostersonntag mal wieder unsere Wäsche gewaschen hatten, hielt uns nichts mehr zurück, endlich in den Nationalpark zumindest für einen Tag zu fahren und die weißen Strände in Augenschein zu nehmen. Wir staunten, als wir die Buchten entdeckten. Der Sand glänzte in einem puren Weiß und das türkisblaue Wasser schäumte in weißen Wellen an den Strand. Es war ein herrlicher Anblick. Um so entsetzter waren wir, dass man in der Lucky Bucht mit seinem Auto direkt an den Strand fahren durfte. Es war dort wunderschön, allerdings hätten wir unsere Handtücher zwischen den Allradfahrzeugen der anderen Besucher ausbreiten müssen. Nachdem ich kurz Schnorcheln gegangen war, machten wir uns von dort schnell aus dem Staub. An der Westseite der Bucht, die felsig war, sprang ich dann noch einmal ins Wasser. Dort konnte ich Tintenfische, Clownbarsche und andere Fische beobachten. Als Anja und ich dann zum Thistle Cove Strand fuhren, hatten wir unser Paradies für den Tag gefunden. Es waren kaum Leute vor Ort und wir konnten uns ungestört ausbreiten. Ich sprang sofort in die Fluten und wurde von einer Schule kleiner Fische auf meinem Schnorcheltripp begleitet. Ich nehme an, sie mochten meine blauen Flossen, denn sie wichen mir nicht von der Seite. Das Wasser war so klar, dass wir durch die Wellen hindurchschauen konnten. Ab und zu sahen wir eine Gruppe silberner Fische, die in den Welle surften und sich Richtung Strand spülen ließen. Wir entspannten uns und wussten, warum wir die Fahrt auf uns genommen hatten. Am Abend genossen wir ein schönes Rumpsteak an unserem Lieblingsplatz im Hafen und ließen diesen schönen Tag mit ein paar Telefonaten ausklingen.

Am Ostermontag sind wir dann in Richtung Perth aufgebrochen. Da wir jetzt in Westaustralien sind, werden die Strecken kürzer für uns. Wir fuhren bis 200 km vor die Stadt, um Rast zu machen. Auf dem Weg besuchten wir den Wave Rock, welcher ein Felsen ist, der wie eine riesige Welle aussieht. Es war sehr beeindruckend, diese riesige Locke zu sehen und wir konnten die Brandung hören.

Gestern sind wir dann in Perth angekommen und haben eine kurze Runde durch diese schöne Stadt gedreht. In Australien war gestern noch Feiertag, da der Veteranentag dieses Jahr genau auf Ostern gefallen ist und sie ihn verlegt haben. Nichtsdestotrotz waren die Geschäfte offen und allerlei Leute unterwegs. Bei unserer kurzen Stippvisite beeindrucke uns am meisten der London Court, welche eine kleine Einkaufstrasse mit alten Fachwerkbauten ist, die einer mittelalterlichen Stadt nachgebaut ist.

Als Übernachtungsort hatten wir uns für Freemantle entschieden, welches nur 20 min außerhalb der Stadt an der Küste ist. Dort war gestern der letzte Tag eines Kunstfestivals und wir konnten noch ein paar Straßenkünstler bei ihren Aufführungen zusehen. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung.

Jetzt freuen wir uns wahnsinnig auf die Westküste und sind gespannt, was auf uns wartet. Es soll tolle Strände und Nationalparks geben und wir werden relativ viel Zeit hier verbringen. Die Strecken werden nur noch 200 bis 400 km am Tag betragen, welche wir mittlerweile recht schnell hinter uns bringen. Marko geht es bestens und wir haben ihn auch gewaschen, bevor wir in die Stadt gefahren sind.

Wir werden jetzt unser Vorräte wieder auffüllen und noch einmal volltanken, bevor es losgeht.

Bis zum nächsten Mal verabschieden wir uns mit entspannten und vor-freudigen Grüßen.

Anja und Patrice


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PS:
Manche Meinungsverschiedenheiten müssen wir ab und zu auch schon mal mit einem ordentlichen Ringkampf klären, wie die Bilder zeigen. Meistens gewinnt immer der Stärkere von uns beiden. ;-)

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ha ha...
...also alles wie immer beim Sumo. :-)

Super, dass Marko topfit ist.

Erst Säulen, jetzt Spiegel... bin gespannt, was als nächstes kommt. Du könntest ja mal Deine Barthaare einzeln fotografieren, alter Rauschebart? Lach mal. ;-)

Danke für Eure Karte. Raui in Perth hat sich auf meine Mails leider nicht gemeldet. :-(

Viel Spaß an der West Coast! Bei uns alles bestens. Samstag kommen J.B. und Annick für eine Woche nach Tölz. Great honour for us!
LG,
Reschi und Wiesi

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Rauschebart
Hi Wiesi,

der Rauschebart wird beim nächsten Mal fotografiert. :-)

Raui haben wir leider verpasst. Hätten wohl auch keine Zeit gehabt, da wir eh nur eine Nacht dort waren.

Wie war der Grand Besuch? Sicher schön. Bestell bitte schöne Grüße nachträglich.

Haben heute einen weiteren Happy Place entdeckt. Na gut, ich kannte die Rockpools im Litchfield schon.

LG und bis bald

Pat

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