Montag, 18. April 2011
Mit Marko Polo endlich wieder auf der Straße
Schön, dass wir solche Freunde haben. Da Ryan bei General Motors arbeitet und Isa gerade nicht in Melbourne ist, konnten wir ihren nagelneuen Holden nutzen, um weiter nach einem geeigneten Auto für uns zu suchen. Ohne diese Möglichkeit wäre es noch viel schwerer geworden. Nachdem wir uns ein bisschen mit dem Markt auseinander gesetzt und mit Paulo gute Erfahrungen gemacht hatten, wollten wir uns eigentlich einen Reisebegleiter mit Allradantrieb organisieren. Wir schauten uns mehrere Jeeps an, doch keiner konnte uns überzeugen. Wir wurden unsicher, was die Kosten und mögliche Reparaturen anging, da dies mit Allradfahrzeugen erheblich teuer werden kann. Des Weiteren zweifelten wir, dass wir in diesem Wagen genug Platz haben würden. Daher schwenkten wir um und hielten auch nach Minibussen Ausschau. Davon gab es mehrere, allerdings hatten diese auch meistens viele Kilometer runter.

Am Dienstagabend hatten wir noch eine Verabredung mit Benoir aus Frankreich. Sein Mitsubishi L300 hatte angeblich nur 146.000 km auf der Uhr. Obwohl es regnete und wir nicht viel sahen, machte der Wagen den bisher besten Eindruck auf uns. Er hatte einen kleinen Küchenschrank im Heck und bot viel Platz unter dem Bett. Anja und ich waren müde vom Suchen und entschieden uns ohne Probefahrt, dass wir den Wagen übernehmen würden. Freudig fuhren wir nach Hause, da die Suche endlich ein Ende gefunden hatte.

Wir trafen uns mit Benoir am nächsten Mittag und übernahmen unser neues Mobil. Das Auto fuhr sowohl mit Benzin als auch mit Gas, was uns bei der weiteren Reise kostentechnisch sehr von Nutzen sein kann. Allerdings haben wir den Gasantrieb noch nicht zum Laufen gebracht.Kommt noch. Jedenfalls waren wir mit der Grundausstattung zufrieden, allerdings auch durch Paulo ein wenig verwöhnt. Daher fuhren wir sofort zu Ikea, das es neben Aldi und anderen europäischen Marken in Melbourne gibt, und kauften alle Utensilien, die wir noch vermissten. Vor allem fehlte uns eine anständige Matratze, da uns die vorhandene Schaumstoffmatte als viel zu dünn erschien. Stolz, richteten wir uns unser neues zu Hause ein und stellten uns vor, dass es eine richtige Wohnung sei.

Mittwochabend verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und gingen mit Katja, Sally und Ryan noch mal etwas trinken. Die Kneipen in Melbourne haben es uns echt angetan und es ist unglaublich, wie viele neue Ecken wir noch entdecken konnten. Zugleich begossen wir unser neues Auto, was wir nach dem reisenden Entdecker „Marko Polo“ genannt haben. Wir haben bewusst Marko mit k geschrieben, bevor sich kritische Stimmen regen.

Am Donnerstag konnte unser großes Australien Abenteuer dann endlich losgehen. Wir haben vor, in den nächsten Wochen einmal um dieses riesige Land zu fahren. Das bedeutet an die 15.000 Kilometer und wir sind uns noch nicht so sicher, wie wir das erledigen wollen. Jedenfalls waren wir aber überrascht, wie gut die Mechanismen beim Lebensmitteleinkauf funktionierten. Irgendwie waren wir wieder in unserer Routine und fühlten uns gut darüber. Es ist schon interessant, dass es auch beim Reisen eine gewisse Routine gibt.

Unser erstes Ziel war die Great Ocean Road, die sich an der Küste des Bundesstaates Victoria entlang schlängelt. Obwohl es schon Abend wurde, genossen wir die Aussichten entlang des Ozeans. Wir wollten in Apollo Bay übernachten, da es zu meinen Studententagen ein guter Schlafplatz gewesen ist. Allerdings ist dieses verschlafene Örtchen komplett kommerzialisiert worden. Wir konnten weder am Strand noch hinter den Dünen stehen, da uns überall Verbotsschilder davor warnten. Wiesi, die Düne, auf der wir damals übernachtet hatten, ist mit Holzpfählen komplett abgeriegelt. Wir fuhren daher ein wenig außerhalb des Ortes und fanden ein nettes Plätzchen mit Sicht über die Bucht.

Bevor wir Freitag weiterfuhren, organisierten wir erst einmal Marko so um, dass wir besser an unsere Sachen heran kamen. Paulo hatte uns mit seinem Platz verwöhnt und so ähnlich wollten wir uns jetzt auch einrichten. Wir fühlten uns wie beim Spiel Tetris, wo die Steine auf eine bestimmte Art und Weise gestapelt werden müssen. Es war das gleiche Spiel nur auf einem anderen Feld, das wir spielten, worüber wir sehr schmunzeln mussten.

Entlang der Great Ocean Road trafen wir bald auf die Höhepunkte der Strecke. Die Küste ist für seine Sandsteinfelsen berühmt, die vom Meer ausgewaschen wurden. Einige dieser Felsen ragen mittlerweile aus dem Ozean heraus und bieten träumerische Ausblicke. Wir kletterten die Gibson Steps hinunter, um uns zwei der Giganten von Nahen anzuschauen. Den nächsten Stop machten wir dann bei den wunderbaren 12 Apostel Felsen. Anja konnte nur stumm staunen und erinnerte mich an meinen ersten Besuch. Obwohl ich mittlerweile zum fünften Mal an dieser Stelle gewesen bin, war ich wieder überwältigt. Weiter ging es zur Arch und der sogenannten London Bridge, bevor wir uns an der Bucht der Märtyrer von der tollen Great Ocean Road verabschiedeten.

Zum Sonnenuntergang erreichten wir die Grampians. Dieses Mittelgebirge ist eine wunderbare Region zum Wandern, in der viele Tiere heimisch sind. Dorthin hatte ich mich aus Melbourne nach meinem ersten Semester in Australien zurückgezogen, da ich mich inmitten der Natur erst einmal vom Trubel der Großstadt erholen wollte. Uns verzauberte bei unserer Ankunft die Sonne, die sich langsam hinter den Bergen senkte.

Anja und ich wollten auch eine Wanderung machen. Leider mussten wir feststellen, dass die meisten durch Erdrutsche bis aufs Weitere unzugänglich waren. Dies traf auch für die meisten Sehenswürdigkeiten zu. Das bedeutet für alle Grampianskenner, dass wir folgende Highlights nicht erreichen konnten: Pinnacles, Borouka Lookout, Balconies, McKenzie Falls, Silverband Falls, Mt Wellington. Wir entschieden uns, die Wanderung auf den Boronia Gipfel zu machen und konnten wenigstens so, in die Natur eintauchen. Auf dem Weg dorthin trafen wir die ersten Emus und Kängurus, die eifrig Grashalme auf den Rasen zupften. Es war schon komisch, diese Tiere hier frei herumlaufen zu sehen. Auf dem Gipfel hatten wir nichtsdestotrotz eine tolle Aussicht über die Grampians und konnten auch weit ins Flachland schauen. Die Sonnenstrahlen wärmten uns und wir genossen den Frieden in der luftigen Höh.

Wieder am Boden besuchten wir die Kängurufamilien. Die meisten Tiere begutachteten uns etwas argwöhnisch, doch ließen sie sich nicht beim Fressen stören. Teilweise rekelten sie sich in der Sonne und streckten ihre Sprungfedern von sich. Über uns kreischten die Kakadus, Magpies und Kokobarrus, die ihre abendlichen Runden drehten. Wir kochten uns unser Abendessen auf dem Campingplatz und verzogen uns bald in unseren Wagen, da es erheblich kalt wurde. Es kühlte sich in Marko soweit runter, dass ich mit Pudelmütze ins Bett ging, worüber sich Anja köstlich amüsierte. Vielleicht war der Anblick nicht sehr erotisch, aber da ich keine Haare auf dem Kopf habe, zog es mir an den Ohren.

Das Ergebnis der Nacht waren zwei verstopfte Nasen und etwas raue Hälse. Dicke Nebelwolken verdeckten heute Morgen die Sicht auf die Berge. Rau glitzerte auf dem Rasen. Erst als die Sonne über die Berge schaute, verzogen sich die Wolken und gaben die Gipfel wieder Preis. Beim Frühstück gesellte sich ein Kakadu zu uns, der wohl nach dem Rechten geschaut hat. Ich gab ihm seinen Anteil, worauf er friedlich wieder abzog. Vor uns lag unsere erste etwas längere Strecke von 500 km nach Adelaide.

Eines der australischen Tiere, dass wir noch nicht gesehen hatten, ragte über 12m groß am Highway. Der riesige Koala war Attraktion für den Raststopp aber auch den angegliederten Minizoo. Wir dachten uns, wo es große gibt, sind sicherlich die kleinen auch nicht weit. In einem Gehege schaute uns dann auch einer dieser knuddeligen Bärchen etwas müde an. Der Koala muss wohl Fotomodel gewesen sein, denn er schaute brav in unsere Kamera. Etwas hässlicher sahen dagegen die Truthähne aus. Während Anja sich hauptsächlich mit dem Koala beschäftigte, schenkte ich den Hähnen wenigstens mit ein paar Fotos etwas Aufmerksamkeit.

Das Ende der gestrigen Fahrt war das letzte deutsche Dörfchen in Australien namens Hahndorf in den Bergen vor Adelaide, dass 1839 gegründet wurde. Dort liefen wir durch die Hauptstraße und schauten uns die niedlichen kleinen Fachwerkhäuser an. Da es Sonntagspätnachmittag war, wimmelte es noch gut von Touristen, die hauptsächlich aus Asien stammten. Bei einem deutschen Metzger holten wir uns dann unser Abendessen für den nächsten Tag, bestehend aus Knödeln, Bockwürsten und Sauerkraut. Die grobe Leberwurst gab es bereits schon und die Marzipankartoffeln haben natürlich auch nicht lange überlebt.

In den nächsten Tagen wollen wir auf die Känguru Insel bevor die große Etappe nach Perth ansteht, wo wir zu Ostern ankommen wollen.

Bis dahin senden Euch die besten Grüße

Anja und Patrice


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Frechheit
... die können doch nicht einfach die schönsten Spots sperren an den Stränden und in den Grampians. Sieht man noch viele Spuren der Waldbrände in den letzten Jahren?
Gute Fahrt nach Perth und Frohe Ostern!
Ich werde Raui in Perth nochmal anschreiben. Vielleicht meldet er sich kurzfristig.
Waren gerade 2 Tage im Elbsandsteingebirge. Fast wie die Grampians. :-)
LG,
Wiesi

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