Sonntag, 20. März 2011
Auf Wiedersehen Südinsel
Heute ist unser letzter Tag auf der Südinsel Neuseelands und wir verabschieden uns mit wunderschönen Erinnerungen. Dabei denken wir an die unterschiedlichsten Landschaften, interessanten Begegnungen und spannenden Wanderungen.

Im Mt. Cook Tal machten Anja und ich eine drei Stunden Wanderung zum Hooker Gletscher durch das nach ihm benannte Tal. Leider hatte sich das Wetter im Vergleich zum Vortag dahingegehend verschlechtert, dass ein steifer Wind blies, der die Berge mit Wolken verdeckte und die Temperaturen etwas sinken ließ. Daher hatten wir keinen Ausblick auf den Mt Cook, der normaler Weise das Tal dominiert. Als wir den Hooker See und Gletscher erreichten, pfiff uns der Wind dermaßen um die Ohren, dass ich Anja schon wegfliegen sah. Sie blieb aber standhaft. Nach dem Hooker Gletscher fuhren wir noch zum Tasman Geltscher, der der größte seiner Art in Neuseeland ist. Man kann Bootstouren zur Zunge machen und wir sahen, wie ein kleines dieser Boote sich wie eine Ameise einem Elefanten näherte. Die Größe und vor allem das ausgeschürfte Tal waren im Vergleich zu den Mitstreitern sehr imposant. An diesem Abend fuhren wir nicht weit und übernachteten am See Tekapo.

Nach einem guten Frühstück entschieden wir uns am Dienstag, so schnell wie möglich an die Nordküste der Insel zu kommen. Wir wollten noch ein paar entspannte Tage im Norden genießen und bis zu unserer Fährfahrt den Druck aus den letzten Tagen rausnehmen. So fuhren wir auch etwas zügiger durch die Region Christchurch, wo immer noch mit Nachbeben gerechnet wird. Durch unseren Kilometerrausch passierten wir andere Nationalparks, die wir bei etwas mehr Zeit wohl besucht hätten, waren aber nicht traurig, da wir die wichtigsten besucht hatten.

Am Mittwoch erreichten wir die Mauria Springs und sprangen in die von geo-thermalen Wasser gefüllten Felsenpools. Anja und ich genossen das heisse Bad zwischen den wolkenverhangenen Bergen, obwohl die blutrünstigen Sandfliegen uns zu stechen versuchten. Mit ihnen hatten wir bereits auf der ganzen Südinsel zu kämpfen und auch an den Pools wollten sie uns nicht in Ruhe lassen. So retteten wir uns in das japanische Badehaus, in dem man geschützt ins heiße Wasser steigen konnte. Allerdings waren die Becken nach japanischer Tradition zwischen Männlein und Weiblein getrennt, was uns nicht wirklich gefiel.

Weiter ging es in Richtung Norden und bald erreichten wir die Tasman Region. Dieses Gebiet ist für seine Plantagen bekannt und wir fuhren an Apfel-, Birnen-, Kiwi- und Weinfeldern vorbei. Jetzt wussten wir, wie Kiwipflanzen aussahen und wie diese ehemalige chinesische Stachelbeeren an Büschen ähnlich wie Weinstöcke wachsen. An der Küste angekommen, stellten wir sofort fest, dass wir uns weiter nördlich befanden. Wir hatten die Uhr der Jahreszeiten zurück gedreht, hatten den Herbstanfang hinter uns gelassen und befanden uns bei angenehmen warmen Temperaturen wieder in einem schönen, spätsommerlichen Wetter. Wir suchten einen schönen Campingplatz und genossen die Aussicht aufs Meer. Die letzten Tage hatten auch kulinarische Höhepunkte für, die nicht zu kurz kommen sollen. An diesem Abend kochten Anja und ich uns einen leckeren Kartoffelbrei, mit Buttererbsen und paniertem Rinderschnitzel.

Da wir den Druck und notwendige Kilometer zur Fähre von uns genommen hatten, die Paul übrigens in bester Manier gemeistert hatte, genossen wir es, einfach so in den Tag hinein zu leben. Nachdem wir ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt hatten, fuhren wir nach Motuika und buchten uns ein Wassertaxi. Wir hatten vor, einen Tag durch den Abel-Tasman-Nationalpark zu wandern und benötigten dafür eine Fahrt in eine der hunderten Buchten. Beim Buchen wurden wir darauf aufmerksam, dass es St. Patricks Day war, der Nationaltag der Iren. Nachdem wir unsere Vorräte aufgefüllt hatten, suchten und fanden wir dann auch gleich ein Irish Pub, um diesen Tag mit den Iren zu begehen. Dort war einiges los und die meisten Gäste im traditionellen Grün gekleidet. Obwohl es erst kurz nach 13 Uhr war, tranken wir ein Bier auf die Iren. Leider gab es noch kein grünes Bier, welches erst später ausgeschenkt wurde. Auch hatten wir bei einer Tombola noch kein Glück.

Obwohl es sehr verlockend war, wollten wir den Rest des Nachmittages nicht im Pub verbringen und fuhren in das Dorf Marahau, in dem der Abel-Tasman-Track beginnt und das Wassertaxi startet. An der Goldsandy Bay beobachteten wir, wie mehrere Leute nach Muscheln suchen. Wir erinnerten uns an Olli und Chrissi und wie wir mit ihnen Muscheln auf der Nordinsel gegessen hatten. Bestückt mit einer Tüte zogen wir los, um unser Glück zu suchen. Dabei hätten wir gar kein Glück gebraucht, denn es gab Muscheln, soweit das Auge reichte. Entweder brauchten wir sie nur aufsammeln oder ein bisschen nach ihnen wenige Zentimeter zu graben. Am Auto zurückgekehrt, erhielten wir von freundlichen Kiwis, die gleichzeitig nach Muscheln gesucht hatten und diese sofort an der Bucht zubereiteten, ein paar Scharlotten, Knoblauch und Weißwein für die Zubereitung geschenkt. Allerdings verschoben wir das Kochen auf den Abend, da ich noch etwas an dem Regal in unserem Paul herumwerkelte, während Anja die Sonne bei einer schönen Tasse Tee genoss. Auf dem Campingplatz gab es dann den nächsten kulinarischen Genuss nach dem Tag zuvor. Als Vorspeise gab es Muscheln und Brot mit Avocado Cremé und als Hauptgericht dann ein schönes Lachsfilet in Knoblauch und Butter gebraten. Leider hatten wir uns im Supermarkt schon frische Muscheln gekauft, so dass wir unsere gefundenen nur teilweise dazumischten und den größeren Teil am nächsten Tag essen wollten. Nach ein paar Verkostungen fanden wir, dass unsere gefundenen besser als die gekauften Muscheln schmeckten. Dazu tranken wir eine schöne Flasche Weißwein und beendeten etwas untypisch denn nicht in der Kneipe und mit einem grünen Bier in der Hand diesen St. Patricks Day.

Am Freitag hieß es dann wieder zeitig aufstehen, denn unser Wassertaxi fuhr um 9 Uhr los. Etwas gehetzt, da es etwas knapp war, starteten wir unseren nächsten Wandertag. Unser Bootsman zeigte uns ein paar Sehenswürdigkeiten, wie den gespaltenen Stein, und erzählte die Geschichte der Region. Dies war sehr interessant aber viel spannender waren die vielen Buchten und goldenen Strände, die wir während der Fahrt entdeckten. Die Berge im Hintergrund waren wieder mit einem wilden Wald bewachsen, durch den unser Track führen würde. An der Bark Bucht wurden Anja und ich und weiter Wandergesellen abgesetzt und der Track konnte losgehen. Wir hatten bestes Wetter, denn es war herrlich warm und keine Wolke zeigte sich am Himmel. Das bedeutete, dass unsere letzte Wanderung auf der Südinsel noch einmal ein entspannter Höhepunkt werden konnte. Nach zwei Stunden erreichten wir ein große Bucht, in der wir uns ausruhten, unsere Müsliriegel und Äpfel aßen und ich in ins Wasser sprang. Dabei warteten wir auf die Ebbe, da wir so durch eine Bucht abkürzen konnten, die sonst bei Flut überspült ist. Nachdem sich das Wasser gehörig zurück gezogen hatte, ging es weiter. Dabei störten wir ein paar Austernfischer, die sich Dank der Ebbe an den freiliegenden Muscheln verköstigen konnten. Anja und ich meisterten den Marsch nach weiteren 4 Stunden an wunderschönen Stränden und Buchten vorbei und erreichten etwas fußlahm Paulo. An diesem Abend wollten wir den Rest unserer Muscheln essen, mussten allerdings durch einen ungenießbares Duft feststellen, dass der Sonnenschein des Tages die Muscheln in Paulos so aufgehitzt hatte, dass uns beim Geruch fast schlecht wurde. Auf dem Campingplatz konnten wir sie leider nur noch entsorgen.

Gestern (Samstag) sind wir dann entspannt Richtung Fährort Picton aufgebrochen. Wir stoppten im größten Ort hier oben namens Nelson und entdeckten zu unserer Freude einen deutschen Metzger in seinem "Wurstladen". Wir entschieden uns sofort, an unserem letzten Abend auf der Südinsel Bratwürst imt Nudelsalat zu essen. Da wir durch die Weinregion Malborough mussten, welche für erstklassige Weißweine bekannt ist, entschieden wir uns, zum Abschluss noch eine Verkostung mitzumachen. Man kann von Gut zu Gut tingeln und die besten Weine kosten. Wir hielten einfach bei Framington an und da uns der Pinot Gris sehr gut schmeckte und die Damen sowie die Verkostung sehr angenehm waren, nahmen wir gleich eine Flasche für den Abend mit. Etwas ungwöhnlich, gab es gestern Abend dann Thüringer Bratwürste mit Nudelsalat und einer selbst ausgesuchten und verkosteten Flasche 2008 Pinot Gris von Framingtons.

Heute hatten wir dann nur noch 18 km zu fahren und entspannen mittlerweile in Picton. Die Sonne scheint, der Wind bläst eine frische Brise und wir schwelgen in den Erinnergunen unserer wunderschönen Erlebnisse auf der Südinsel. Unsere Fähre geht um 23 Uhr und wir werden morgens um 2 Uhr Wellington erreichen, wo wir uns erstmal ausruhen werden. Nächste Woche fahren wir dann über Napier die Ostküste der Nordinsel entlang und freuen uns auf ein paar entspannte Tage in Dans Bungalow bevor es erstmal zurück nach Auckland geht.

Bis dahin senden wir euch die besten Grüße

Anja und Patrice

PS: Die Geschehnisse in der Welt bekommen wir natürlich auch mit und sind mit sorgenvollen Gedanken betroffen. Unsere Freunde in Japan sind bisher vom Erdbeben und seinen Folgen verschont geblieben und wohlauf. Was in Lybien passiert ist natürlich auch schrecklich und wir können nur hoffen, dass dort bald wieder ein friedliches Miteinander einzieht.


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