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Montag, 14. März 2011
Die Leiden des Paul P.
anjapat, 06:24h
Heute ist der Geburtstag eines unserer Schutzengel. Omi Erika wäre heute 91 Jahre alt geworden, überwacht uns allerdings seit 19 Jahren aus einer höheren Sphäre. Alles Gute und vielen lieben Dank, dass du uns die ganzen Jahre beschützt hast!
Nachdem wir uns letztes Wochenende von unserer Wanderung erholt hatten, fuhren wir am Montag an die Mavora Lakes, die herrlich von Bergen umrahmt sind. Diese wunderebare Landschaft nutzte Peter Jackson wieder für den Herr der Ringe Film. Dort wurden zum Beispiel der Abschied Frodos und Sams von den Gefährten gedreht, aber auch das Massaker and den Orks und die Flucht von Merrie und Pippin sowie das Wiedersehen mit Gandalf in Fangorn. Es gab also einiges für uns zu entdecken. Wir entschieden uns für eine Jogging-Wanderung zu einer Hütte, die letztendlich doch 20 km lang war. Obwohl es nicht mehr regnete, mekelten wir ein bisschen über die kalten Temperaturen. Sie lagen bei fünf Grad in der Nacht, so dass wir uns wieder in unserem Bett vergruben.
Am nächsten Tag quälten wir uns den Feldweg zurück und fuhren zu einem weiteren See namens Monowai. Dort genossen wir die Ruhe und einen herrlichen Ausblick übers Wasser. Wir übernachteten auf dem kleinen Campingplatz im Wald und kamen abends mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Sie hießen Gabriel und Uwe und waren zwei junge Burschen aus Freiberg in Sachsen. Sie reisen ein Jahr lang durch Neuseeland und haben bereits 8 Monate hier verbracht. Als wir von unserer Reise erzählten, merkten wir, wie unterschiedlich wir doch unterwegs waren.
Mittwoch begaben wir uns auf den südlichen Landschaftshighway Richtung Invercargill, der südlichsten Stadt Neuseelands. Das Brummen, das Paul stöhnend seit ein paar Tagen von sich gab, verschlimmerte sich auf dieser Fahrt so sehr, dass wir es kaum noch aushalten konnten. Anja bekam Kopfschmerzen und ich merkte, wie sehr er sich ab 70 km/h aufschaukelte. Er gab bereits seit der Nordinsel ein Schleifgeräusch im Zweirad-Antriebsmodus von sich, welches wir eigentlich in Taupo repariert haben wollten, aber die Mechaniker nichts fanden. Jetzt brummte es im Vierradantrieb, so dass uns die Schädel platzten. In Invercargill waren wir froh, dass wir gemäßigt durch den Ort fahren konnten und verdrängten die Geräusche der Fahrt. Wir luden unsere Vorräte auf, tankten Paulo noch einmal voll und wollten nur noch schnell einen Kaffee trinken und ins Internet. Beim Parken sahen wir voller Entsetzen, dass Paulo Wasser verlor. Es tropfte nicht, nein es floss aus dem Motorraum. Das war das eindeutigste Zeichen, dass er mechanische Zuneigung brauchte.
Wir fuhren sofort zu einer Werkstatt an einer BP-Tankstelle, die aber leider ausgebucht war uns aber zu John McKenzie Automitve schickte. John schaute unter den Wagen, konnte das Leck aber nicht finden. Er vertröstete uns auf den nächsten Tag und wollte Paul dann etwas genauer untersuchen. Wir mussten umplanen, da wir eigentlich nicht in Invercargill bleiben sondern weiter fahren wollten. Wir schliefen auf einem Campingplatz in der Nähe der Werkstatt, so dass Paulo ohne Flüssigkeit und völlig dehydriert nicht überhitzen konnte.
Donnerstagmorgen sahen wir, dass dicke Tränen von Paul hingen. Er schämte sich und hatte wohl doch ein bisschen Schiss vor der Untersuchung. Allerdings könnten es auch Tropfen des nächtlichen Regens gewesen sein. Wir fuhren zurück zur Werkstatt und übergaben mit einem etwas mulmigen Gefühl unseren geliebten Wagen. Johns Jungs wollten Paulo durchchecken, das Leck suchen und uns dann eine Kostenschätzung für die Reparatur geben.
Das Gute an dieser Situation war, dass wir uns ein wenig in Invercargill umschauten, was wir sonst nicht gemacht hätten. Nach einem kleinen Frühstück gingen wir in das örtliche Museum. Während die Gemäldegalerie etwas langweilig war, gab es doch ein paar Highlights zu entdecken. Zum Beispiel erfuhren wir die Geschichte von Burt Munro, der mit dem Motoradtyp "Flying Indian" Geschwindigkeitsrekorde seit den 1920ern bis in die 70er aufstellte und weltbrühmt wurde. Es wurde sogar ein Film über ihn gedreht und er durch Anthony Hopkins verkörpert. Des Weiteren wurde in dem Museum eine einzigartige Echsenart gezüchtet, die Tuataras, die es nur auf gewissen neuseeländischen Inseln gibt. Diese sind so alt wie Dinosaurier und haben seit dieser Zeit kaum eine genetische Veränderung erlebt, da sie abgeschottet leben. Das Alter des männlichen Exemplars wird auf über 110 Jahre geschätzt und wir schauten uns einen Bericht über seine Fortpflanzungs-schwierigkeiten an. Es war wahnsinnig spannend! Seitdem ein krebsartiger Tumor entfernt wurde, klappt es mit seiner Partnerin und beide konnten schon einigen Nachwuchs zeugen, welcher auch wieder ausgewildert wird. Es gab auch Informationen über die rauhen Verhätlnisse auf den diversen neuseeländischen Inseln, die in Richtung Antarktis liegen, und nicht besiedelt werden konnten.
Allerdings holte uns John aus diesen anderen Welten schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Er berichtete uns, dass die Wasserpumpe am Motor für das Leck verantwortlich war und ausgewechselt werden müsste. Zusätzlich gab er uns die Kostenschätzung und das der Eingriff wohl über 6 Stunden dauern würde. Anja und ich waren geschockt, hatten aber keine großen Alternativen, so dass wir der Reparatur zustimmten. Wir einigten uns darauf, dass wir Paul am Freitag in die Werkstatt bringen würden, so dass wir in der Nacht in ihm schlafen konnten. Als wir ihn abholten, waren wir alle ein bisschen betröppelt von der Situation. Das Verhältnis zwischen der Budgetverantwortlichen und dem Transportmittel war deutlich abgekühlt. Wir entschieden uns, an den Strand zu fahren und erstmal tief Luft zu holen. Nach einem Lauf und ein paar Luftsprüngen ging es uns wieder besser und unsere Laune hatte sich erholt. Wir mussten in den sauren Apfel beißen und die bitter Pille der Reparatur schlucken. Dies bedeutete aber, dass wir eine weitere Nacht auf dem Campingplatz in Invercargill, wo nicht viel los war, verbringen mussten. In der Stadt legten wir uns ein Kartenspiel zu, so dass wir abends jetzt des Öfteren Zocken konnten. Auch holten wir uns eine Kaffeemaschine, mit der wir richtigen Kaffee filtern und uns morgens verwöhnen können, und sagten endlich dem löslichen Pulver Adé.
Freitagmorgen waren wir alle gerüstet und brachten Paul zu seiner OP. Eigentlich hatten Anja und ich vor, einen Tagestrip zu machen, blieben aber letztendlich in der Stadt und der Nähe zum Auto. Wir vertrieben uns die Zeit mit Kaffeetrinken und Internetsurfen im südlichsten Starbucks und McDonalds der Welt. Es hatte auch was Positives, dass wir die Zeit hatten, denn ich konnte ein paar Hausaufgaben erledigen und den Newsletter über meine Jungs in Uganda schreiben. Anja entwickelte sich zu einem Bücherwurm und verschlang die Seiten ihres aktuellen Romanes. Nach über acht Stunden warten, rief John bei uns an und hatte gute Nachrichten. Der Eingriff war geglückt und die Wasserpumpe ausgewechselt. Des Weiteren hatten sich seine Mechaniker die Antriebe von Paul angeschaut, was ich ihm noch schnell gesagt hatte, und auch dort Reparaturen vorgenommen. Die beste Nachricht war jedoch, das dies weniger Kosten als veranschlagt verursacht hatte. Anja und ich waren darüber natürlich froh, obwohl wir das Geld für schönere Dinge hätten ausgeben können. Nichtdestotrotz stürmten wir zur Werkstatt und nahmen Paul wieder in unseren Besitz.
Wir ließen keine Zeit verstreichen und machten uns auf den Weg. Die Fahrt war ein Traum, denn Paulo surrte über den Highway. Er brummte nicht und es klapperte auch nicht mehr im Zweiradantrieb. Anja und ich waren super zufrieden. Johns Mechaniker hatten ganze Arbeit geleistet. Nach Invercargill wollten wir an die Südspitze der Südinsel, welche wir dann auch endlich am Abend erreichten. Bei einem herrlichen Sonnenuntergang, kochten wir unser Abendessen an den südlichsten Klippen mit Blick über den Ozean.
Am Samstag ging es dann weiter die Küste entlang und an bizarren Bäumen mit witzigen Sturmfrisuren vorbei. Wir fuhren durch den Catlins Nationalpark und machten an der Curio Bay halt. Diese ist bekannt für seine Gelb-Augen-Pinguine, die wir leider nicht sahen. Dafür erspähten wir die Rückenflossen einer Gruppe Hektordelfine, die wie kleine Zipfelmützen aus dem Meer schauten. Es schien, als ob sich die Delfine auch gerade ihre Morgenmahlzeit organisierten, denn sie kurvten vor der Küste hin und her. An dieser Stelle leben auch Seelöwen. Wir fanden ein Exemplar, dass sich in der Sonne ahlte und es sich gut gehen ließ. Viel berühmter ist die Bucht allerdings für seinen Fossilien-Wald. Ein 170 Mio. Jahre alter Wald wurde damals von einem Vulkanascheregen überschüttet und durch den starken Silikongehalt so konserviert, dass er später versteinerte. Wir konnten es nicht glauben, als wir über die alten Baumstämme und an Stümpfen vorbei gingen, die aussahen wie Holz, aber echtes Gestein waren. Es war unglaublich und einfach faszinierend. Des Weiteren besuchten wir auch noch ein paar Wasserfälle. Während die Niagara Fälle Neuseelands eine lustig-gemeinte Attraktion waren, boten die McLean Fälle einen weitaus schöneren und beieindruckenderen Anblick.
Da wir durch die Reparatur und den Aufenthalt in Invercargill zwei Tage verloren hatten, entschieden wir uns schweren Herzens, einen Bogen um Dunedin zu machen. Diese Stadt hat einen sehr starken schottischen Einschlag, das einzige Schloss Neuseelands, eine Albatrosskolonie und weitere Attraktionen zu bieten. Wir hätten sie wohl irgendwie in den Streckenplan quetschen können, aber wir bogen in die Region Otago ab. Central Otago ist berühmt für seine kargen und rauhen Landschaften, die wir auch bald erspähten. Die nackten bzw. mit Grasland bedeckten Berge boten uns den absoluten Kontrast zu den vom Regenwald bewachsenen Fjordland im Westen und den bewaldeten Hügeln der Südküste.
Es wird sich bizarr für euch in Deutschland/Europa anhören, aber wir merkten an der Färbung der Bäume, wie stark sich der Herbst hier anmeldet. Überall wird frisches Obst angeboten, da die Haupterntezeit eingesetzt hat. Für mich konnten wir Pfirsiche, Pflaumen und Birnen kaufen, während es Kirschen für die Kirsche gab. Wir übernachteten in St. Bathans, einem ehemaligen Goldgräberort und besuchten die ehemalige Mine, ohne dabei Glück zu haben. Das rauhe Klima der Gäste und des Barkeepers im Vulcan Hotel heute Kneipe und Hotel, welches 1863 eröffnet wurde, passten bestens zur Umgebung.
Die Landschaften Otagos wurden natürlich auch von Peter Jackson für die Herr der Ringe Trilogie genutzt. Vor allem die Szenen im Königreich Rohan wurden hier gedreht. Gestern am Sonntag fuhren wir durch das Ida Tal, welches der Hauptdrehort gewesen war.
Wir schlängelten uns weiter durch Otago und Waitaki durch herrliche Hügellandschaften und an Stauseen vorbei in Richtung Norden. Wir wollten zum Mt. Cook und schon bald erspähten wir diesen höchsten Berg Neuseelands. Mit 3754 m überragt und dominiert er das Panorama der südlichen Alpen. Auf dem Camping Platz angekommen, machten wir noch eine kurze Wanderung, um einen prächtigen Ausblick zu haben. Beim Sonnenuntergang, der den Berg in einem hellen Rot erleuchten ließ, genossen wir unser Abendessen und dachten noch einmal über die vergangene Woche nach.
Nächste Woche fahren wir weiter in Richtung Norden und werden noch den Abel-Tasman-Nationalpark besuchen, bevor wir Sonntagnacht wieder auf die Nordinsel übersetzen werden. Dann ist unsere Zeit auf der Südinsel leider schon vorbei. Vom Abel-Tasman und den nächsten Tagen berichten wir euch dann.
Beste Grüße
Anja und Patrice
Nachdem wir uns letztes Wochenende von unserer Wanderung erholt hatten, fuhren wir am Montag an die Mavora Lakes, die herrlich von Bergen umrahmt sind. Diese wunderebare Landschaft nutzte Peter Jackson wieder für den Herr der Ringe Film. Dort wurden zum Beispiel der Abschied Frodos und Sams von den Gefährten gedreht, aber auch das Massaker and den Orks und die Flucht von Merrie und Pippin sowie das Wiedersehen mit Gandalf in Fangorn. Es gab also einiges für uns zu entdecken. Wir entschieden uns für eine Jogging-Wanderung zu einer Hütte, die letztendlich doch 20 km lang war. Obwohl es nicht mehr regnete, mekelten wir ein bisschen über die kalten Temperaturen. Sie lagen bei fünf Grad in der Nacht, so dass wir uns wieder in unserem Bett vergruben.
Am nächsten Tag quälten wir uns den Feldweg zurück und fuhren zu einem weiteren See namens Monowai. Dort genossen wir die Ruhe und einen herrlichen Ausblick übers Wasser. Wir übernachteten auf dem kleinen Campingplatz im Wald und kamen abends mit unseren Nachbarn ins Gespräch. Sie hießen Gabriel und Uwe und waren zwei junge Burschen aus Freiberg in Sachsen. Sie reisen ein Jahr lang durch Neuseeland und haben bereits 8 Monate hier verbracht. Als wir von unserer Reise erzählten, merkten wir, wie unterschiedlich wir doch unterwegs waren.
Mittwoch begaben wir uns auf den südlichen Landschaftshighway Richtung Invercargill, der südlichsten Stadt Neuseelands. Das Brummen, das Paul stöhnend seit ein paar Tagen von sich gab, verschlimmerte sich auf dieser Fahrt so sehr, dass wir es kaum noch aushalten konnten. Anja bekam Kopfschmerzen und ich merkte, wie sehr er sich ab 70 km/h aufschaukelte. Er gab bereits seit der Nordinsel ein Schleifgeräusch im Zweirad-Antriebsmodus von sich, welches wir eigentlich in Taupo repariert haben wollten, aber die Mechaniker nichts fanden. Jetzt brummte es im Vierradantrieb, so dass uns die Schädel platzten. In Invercargill waren wir froh, dass wir gemäßigt durch den Ort fahren konnten und verdrängten die Geräusche der Fahrt. Wir luden unsere Vorräte auf, tankten Paulo noch einmal voll und wollten nur noch schnell einen Kaffee trinken und ins Internet. Beim Parken sahen wir voller Entsetzen, dass Paulo Wasser verlor. Es tropfte nicht, nein es floss aus dem Motorraum. Das war das eindeutigste Zeichen, dass er mechanische Zuneigung brauchte.
Wir fuhren sofort zu einer Werkstatt an einer BP-Tankstelle, die aber leider ausgebucht war uns aber zu John McKenzie Automitve schickte. John schaute unter den Wagen, konnte das Leck aber nicht finden. Er vertröstete uns auf den nächsten Tag und wollte Paul dann etwas genauer untersuchen. Wir mussten umplanen, da wir eigentlich nicht in Invercargill bleiben sondern weiter fahren wollten. Wir schliefen auf einem Campingplatz in der Nähe der Werkstatt, so dass Paulo ohne Flüssigkeit und völlig dehydriert nicht überhitzen konnte.
Donnerstagmorgen sahen wir, dass dicke Tränen von Paul hingen. Er schämte sich und hatte wohl doch ein bisschen Schiss vor der Untersuchung. Allerdings könnten es auch Tropfen des nächtlichen Regens gewesen sein. Wir fuhren zurück zur Werkstatt und übergaben mit einem etwas mulmigen Gefühl unseren geliebten Wagen. Johns Jungs wollten Paulo durchchecken, das Leck suchen und uns dann eine Kostenschätzung für die Reparatur geben.
Das Gute an dieser Situation war, dass wir uns ein wenig in Invercargill umschauten, was wir sonst nicht gemacht hätten. Nach einem kleinen Frühstück gingen wir in das örtliche Museum. Während die Gemäldegalerie etwas langweilig war, gab es doch ein paar Highlights zu entdecken. Zum Beispiel erfuhren wir die Geschichte von Burt Munro, der mit dem Motoradtyp "Flying Indian" Geschwindigkeitsrekorde seit den 1920ern bis in die 70er aufstellte und weltbrühmt wurde. Es wurde sogar ein Film über ihn gedreht und er durch Anthony Hopkins verkörpert. Des Weiteren wurde in dem Museum eine einzigartige Echsenart gezüchtet, die Tuataras, die es nur auf gewissen neuseeländischen Inseln gibt. Diese sind so alt wie Dinosaurier und haben seit dieser Zeit kaum eine genetische Veränderung erlebt, da sie abgeschottet leben. Das Alter des männlichen Exemplars wird auf über 110 Jahre geschätzt und wir schauten uns einen Bericht über seine Fortpflanzungs-schwierigkeiten an. Es war wahnsinnig spannend! Seitdem ein krebsartiger Tumor entfernt wurde, klappt es mit seiner Partnerin und beide konnten schon einigen Nachwuchs zeugen, welcher auch wieder ausgewildert wird. Es gab auch Informationen über die rauhen Verhätlnisse auf den diversen neuseeländischen Inseln, die in Richtung Antarktis liegen, und nicht besiedelt werden konnten.
Allerdings holte uns John aus diesen anderen Welten schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Er berichtete uns, dass die Wasserpumpe am Motor für das Leck verantwortlich war und ausgewechselt werden müsste. Zusätzlich gab er uns die Kostenschätzung und das der Eingriff wohl über 6 Stunden dauern würde. Anja und ich waren geschockt, hatten aber keine großen Alternativen, so dass wir der Reparatur zustimmten. Wir einigten uns darauf, dass wir Paul am Freitag in die Werkstatt bringen würden, so dass wir in der Nacht in ihm schlafen konnten. Als wir ihn abholten, waren wir alle ein bisschen betröppelt von der Situation. Das Verhältnis zwischen der Budgetverantwortlichen und dem Transportmittel war deutlich abgekühlt. Wir entschieden uns, an den Strand zu fahren und erstmal tief Luft zu holen. Nach einem Lauf und ein paar Luftsprüngen ging es uns wieder besser und unsere Laune hatte sich erholt. Wir mussten in den sauren Apfel beißen und die bitter Pille der Reparatur schlucken. Dies bedeutete aber, dass wir eine weitere Nacht auf dem Campingplatz in Invercargill, wo nicht viel los war, verbringen mussten. In der Stadt legten wir uns ein Kartenspiel zu, so dass wir abends jetzt des Öfteren Zocken konnten. Auch holten wir uns eine Kaffeemaschine, mit der wir richtigen Kaffee filtern und uns morgens verwöhnen können, und sagten endlich dem löslichen Pulver Adé.
Freitagmorgen waren wir alle gerüstet und brachten Paul zu seiner OP. Eigentlich hatten Anja und ich vor, einen Tagestrip zu machen, blieben aber letztendlich in der Stadt und der Nähe zum Auto. Wir vertrieben uns die Zeit mit Kaffeetrinken und Internetsurfen im südlichsten Starbucks und McDonalds der Welt. Es hatte auch was Positives, dass wir die Zeit hatten, denn ich konnte ein paar Hausaufgaben erledigen und den Newsletter über meine Jungs in Uganda schreiben. Anja entwickelte sich zu einem Bücherwurm und verschlang die Seiten ihres aktuellen Romanes. Nach über acht Stunden warten, rief John bei uns an und hatte gute Nachrichten. Der Eingriff war geglückt und die Wasserpumpe ausgewechselt. Des Weiteren hatten sich seine Mechaniker die Antriebe von Paul angeschaut, was ich ihm noch schnell gesagt hatte, und auch dort Reparaturen vorgenommen. Die beste Nachricht war jedoch, das dies weniger Kosten als veranschlagt verursacht hatte. Anja und ich waren darüber natürlich froh, obwohl wir das Geld für schönere Dinge hätten ausgeben können. Nichtdestotrotz stürmten wir zur Werkstatt und nahmen Paul wieder in unseren Besitz.
Wir ließen keine Zeit verstreichen und machten uns auf den Weg. Die Fahrt war ein Traum, denn Paulo surrte über den Highway. Er brummte nicht und es klapperte auch nicht mehr im Zweiradantrieb. Anja und ich waren super zufrieden. Johns Mechaniker hatten ganze Arbeit geleistet. Nach Invercargill wollten wir an die Südspitze der Südinsel, welche wir dann auch endlich am Abend erreichten. Bei einem herrlichen Sonnenuntergang, kochten wir unser Abendessen an den südlichsten Klippen mit Blick über den Ozean.
Am Samstag ging es dann weiter die Küste entlang und an bizarren Bäumen mit witzigen Sturmfrisuren vorbei. Wir fuhren durch den Catlins Nationalpark und machten an der Curio Bay halt. Diese ist bekannt für seine Gelb-Augen-Pinguine, die wir leider nicht sahen. Dafür erspähten wir die Rückenflossen einer Gruppe Hektordelfine, die wie kleine Zipfelmützen aus dem Meer schauten. Es schien, als ob sich die Delfine auch gerade ihre Morgenmahlzeit organisierten, denn sie kurvten vor der Küste hin und her. An dieser Stelle leben auch Seelöwen. Wir fanden ein Exemplar, dass sich in der Sonne ahlte und es sich gut gehen ließ. Viel berühmter ist die Bucht allerdings für seinen Fossilien-Wald. Ein 170 Mio. Jahre alter Wald wurde damals von einem Vulkanascheregen überschüttet und durch den starken Silikongehalt so konserviert, dass er später versteinerte. Wir konnten es nicht glauben, als wir über die alten Baumstämme und an Stümpfen vorbei gingen, die aussahen wie Holz, aber echtes Gestein waren. Es war unglaublich und einfach faszinierend. Des Weiteren besuchten wir auch noch ein paar Wasserfälle. Während die Niagara Fälle Neuseelands eine lustig-gemeinte Attraktion waren, boten die McLean Fälle einen weitaus schöneren und beieindruckenderen Anblick.
Da wir durch die Reparatur und den Aufenthalt in Invercargill zwei Tage verloren hatten, entschieden wir uns schweren Herzens, einen Bogen um Dunedin zu machen. Diese Stadt hat einen sehr starken schottischen Einschlag, das einzige Schloss Neuseelands, eine Albatrosskolonie und weitere Attraktionen zu bieten. Wir hätten sie wohl irgendwie in den Streckenplan quetschen können, aber wir bogen in die Region Otago ab. Central Otago ist berühmt für seine kargen und rauhen Landschaften, die wir auch bald erspähten. Die nackten bzw. mit Grasland bedeckten Berge boten uns den absoluten Kontrast zu den vom Regenwald bewachsenen Fjordland im Westen und den bewaldeten Hügeln der Südküste.
Es wird sich bizarr für euch in Deutschland/Europa anhören, aber wir merkten an der Färbung der Bäume, wie stark sich der Herbst hier anmeldet. Überall wird frisches Obst angeboten, da die Haupterntezeit eingesetzt hat. Für mich konnten wir Pfirsiche, Pflaumen und Birnen kaufen, während es Kirschen für die Kirsche gab. Wir übernachteten in St. Bathans, einem ehemaligen Goldgräberort und besuchten die ehemalige Mine, ohne dabei Glück zu haben. Das rauhe Klima der Gäste und des Barkeepers im Vulcan Hotel heute Kneipe und Hotel, welches 1863 eröffnet wurde, passten bestens zur Umgebung.
Die Landschaften Otagos wurden natürlich auch von Peter Jackson für die Herr der Ringe Trilogie genutzt. Vor allem die Szenen im Königreich Rohan wurden hier gedreht. Gestern am Sonntag fuhren wir durch das Ida Tal, welches der Hauptdrehort gewesen war.
Wir schlängelten uns weiter durch Otago und Waitaki durch herrliche Hügellandschaften und an Stauseen vorbei in Richtung Norden. Wir wollten zum Mt. Cook und schon bald erspähten wir diesen höchsten Berg Neuseelands. Mit 3754 m überragt und dominiert er das Panorama der südlichen Alpen. Auf dem Camping Platz angekommen, machten wir noch eine kurze Wanderung, um einen prächtigen Ausblick zu haben. Beim Sonnenuntergang, der den Berg in einem hellen Rot erleuchten ließ, genossen wir unser Abendessen und dachten noch einmal über die vergangene Woche nach.
Nächste Woche fahren wir weiter in Richtung Norden und werden noch den Abel-Tasman-Nationalpark besuchen, bevor wir Sonntagnacht wieder auf die Nordinsel übersetzen werden. Dann ist unsere Zeit auf der Südinsel leider schon vorbei. Vom Abel-Tasman und den nächsten Tagen berichten wir euch dann.
Beste Grüße
Anja und Patrice
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