Montag, 13. Juni 2011
Der Supergau
Hallo Ihr Lieben,

wir wünschen Euch ein schönes Pfingstfest!

Es kam, wie es kommen musste. Markos Herz hat am Freitag aufgehört zu schlagen. Wir hatten einen langen Fahrtag fast beendet, da wir uns mit Freunden in Brisbane verabredet hatten. Marko war den ganzen Tag etwas sensibel gewesen. Der Gasantrieb wollte nicht funktionieren und die Sicherung des Zigarettenanzünders, mit dem wir Telefon und iPod laden wollten, brannte durch. Obwohl die Benzinpumpe repariert wurde, schluckte der Motor in den letzten Tagen unglaublich viel Öl.

Bei einem Tankstopp wechselten wir die Sicherung für den Zigarettenanzünder aus und dieser funktionierte wieder tadellos. Jedoch 20 km vor Gympie, unserem nächsten Stopp, gab Marko's Motor fürchterliche Klappergeräusche von sich. Wir wussten sofort, was das bedeutete. Wir versuchten noch einmal weiter zu fahren, da wir eine Tankstelle 300 m entfernt sahen. Doch bei dem Versuch hatte sich ein Kolben festgefressen und der Motor gab nichts mehr von sich. Gympie liegt 150 km nördlich von Brisbane und nach weiteren zwei Stunden hätten wir es bis dorthin geschafft.

Der Moment war sehr traurig. Wir waren insgesamt 18.800 km weit gekommen und enttäuscht, dass dies das Ende unserer Rundreise im Auto bedeutete. Ohne es auszusprechen, waren wir uns einig, dass wir kein weiteres Geld für Reparaturen ausgeben wollten. Eine Motorrekonstruktion hätte womöglich weitere tausend Dollar gekostet.

Zuerst organisierten wir uns einen Abschleppdienst, da wir genau am Straßenrand des Highways liegengeblieben waren. Dieser brachte uns die letzten 20 km zu einem Rastplatz bis an den Stadtrand. Das Wetter am Samstagmorgen passte zur gesamten Situation. Es war kalt, regnerisch und wirklich ungemütlich. Es hätte auch ein Tag Ende Oktober sein können. Marko ging es besch . . . , da wir genau unter einem Taubennest gestanden hatten und die ganze Familie ihre Haufen auf unsere neue Windschutzscheibe klatschen haben lassen. Wir liefen in die Stadt und riefen bei einem Ersatzteilhändler an. Dieser hatte Interesse an Marko und schickte gleich einen Wagen los. Wir hatten keine zehn Minuten um unsere Sachen zu packen. Alles ging ganz schnell. Marko wurde aufgeladen, der Fahrer gab uns einen Check und brachte uns zu McDonalds zurück in die Stadt. Ich hatte meinen ehemaligen Kollegen Joe angerufen, der sich auf den Weg machte, um uns abzuholen.

Die Woche hatte eigentlich äußerst gut begonnen. Wir hatten uns einen Segeltrip gebucht und freuten uns auf zwei Tage auf einem Boot. Auf dem Weg in den Hafen brach die Wolkendecke auf und ein blauer Himmel blinzelte durch das Grau der vergangenen Tage. Entspannt checkten wir ein und wurden von Chris und Natalie begrüßt, die unsere Crew waren. Unser Boot war ein Katamaran mit insgesamt 14 Leuten an Bord. Die anderen Passagiere kamen aus unterschiedlichen Ländern. Wir waren insgesamt 6 Leute aus Deutschland, 2 aus Holland, ein chinesisches Pärchen, eine Koreanerin, eine Kanadierin sowie unsere australische Crew. Während der Ausfahrt machten sich alle miteinander bekannt, um das Eis gleich am Anfang zu brechen. An Bord befand sich auch ein Whirlpool mit warmen Wasser, in den die Mädels bald ihre Füße steckten, um nicht zu frösteln. Durch den Wind war es doch recht frisch.

Der Segelausflug hielt alles, was er versprach und war einfach fantastisch. Das Wetter verbesserte sich, so dass wir tolle Tage hatten. Am ersten Abend verwöhnte uns die Sonne mit einem herrlichen Sonnenuntergang. Auch der darauffolgende Sonnenaufgang war atemberaubend. Wir entschieden uns für einen Tauchgang, damit wir unsere Fähigkeiten nicht verlernten. Allerdings war dieser nicht so prickelnd, da wir ein bisschen mit der Ausrüstung haderten, die Tauchgruppe auseinanderfiel und die Sichtweite an diesem Tag nicht die Beste war. Daher beließen wir es für den Rest des Trips beim Schnorcheln. Wir schwebten über tolle Korallenwälder und staunten über die unterschiedlichsten Formen. Die Anzahl der Fische war auch größer als sonst, jedoch hatten wir eine größere Artenvielfalt erwartet. Leider sahen wir keine Schildkröten, da heftige Zyklon-Stürme am Jahresanfang die ganze Tierwelt beeinflusst hatte.

Höhepunkt dieses Ausfluges war der Besuch des Whitehaven Beaches. Dort wir Silizium-Sand aus den Tiefen einer Erdspalte an die Strände gespült, der diese in pulver-weiße Oasen verwandelt. Die Kombination mit dem türkisen Wasser macht daraus einen magischen Ort. Es war ein herrlicher Ausflug, da uns die Sonne anstrahlte. Zurück an Bord genossen wir den Nachmittag mit ein paar Bier und Bacardi-Ginger-Ale, während die Sonne hinter den Inseln verschwand. Anja und ich konnten den Segeltrip richtig genießen. Wir hatten eine private Kabine gebucht, die sogar mehr Platz als unser Marko bot.

Auf dem Rückweg zum Hafen machten wir noch einmal bei einem Ressort halt und besuchten das künstliche Riff der Anlage. Obwohl es künstlich angelegt war, wurde jedoch die tatsächliche Umgebung der Whitsundayinseln kopiert. Sie hatten Riffhaie, mehrere Rochenarten und sogar ein paar Anemonenfische ala Nemo. Im Hafen verabschiedeten wir uns herzlich von Natalie und Chris, die uns auch kulinarisch verwöhnt hatten. Marko wartete bereits auf uns und nachdem wir geduscht hatten, verließen wir diesen wunderschönen Ort. Allerdings schafften wir es, wie geschrieben, nicht bis nach Brisbane.

Joe holte uns, wie verabredet, in Gympie ab und gemeinsam fuhren wir die zwei Stunden nach Brisbane. Hier haben wir jetzt die letzten Tage seit Samstag mit seiner Frau Holly und Tochter Jaz verbracht. Auf der einen Seite sind wir natürlich über den Verlust von Marko auch finanziell traurig, jedoch sind wir auch ein wenig erleichtert, da wir jetzt nicht mehr Fahren brauchen. Es war wohl doch ein bisschen viel.

Samstag haben wir gegrillt. Gestern sind wir zum Kaffee unterwegs gewesen und hatten ein tolles Fisch-Abendessen. Heute ist in Australien wegen dem Geburtstag der englischen Königin ein Feiertag. Das Wetter hat sich gebessert und die Sonne hat alle Wolken vertrieben. Heute morgen konnten wir das amerikanische Basketballfinale anschauen und mit Dirk Nowitzki mitfiebern. Es ist grandios, dass seine Mannschaft, die Dallas Mavericks, gewonnen haben und Dirk zum besten Spieler der Finalserie gewählt wurde. Eine unglaubliche Leistung und tolles Ergebnis seiner jahrelangen harten Arbeit.

Ohne Marko mussten wir natürlich unsere nächsten Reiseziele etwas anpassen. In Australien wollten wir uns nur noch auf Brisbane und Sydney konzentrieren, da das Herbstwetter keine tollen Strandausflüge erlaubt. Jetzt werden wir fliegen, anstatt lange Zeit auf der Straße zu verbringen. Am Mittwoch landen wir in Sydney und bleiben bis zum Samstag. Dann geht es nach Melbourne, wo wir die letzten Tage in Australien verbringen werden.

Da wir ein wenig müde vom Fahren sind, werden wir auch unseren Aufenthalt in Nordamerika anpassen. Wir hatten seit längerem mit dem Gedanken gespielt, Kanada auszulassen. Sofern uns der Flugverkehr in Richtung Osten, durch einen Vulkanausbruch in Chile, keinen Strich durch die Rechnung macht, werden wir jetzt erst einmal nach Rarotonga und dann nach Kalifornien fliegen. Dort werden wir einen Monat verbringen und mal schauen, wo es uns im August verschlägt. Wir haben Lust, Zeit an einem Ort zu verbringen, ohne großartig herumreisen zu müssen. Wir schauen gerade nach Optionen in Mittelamerika. Olé!

Wir senden euch die besten Grüße und melden uns dann nächste Woche aus Melbourne.

Anja und Pat


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RIP Marko. Gut das er so lange durchgehalten hat. Springbreak mit Underworld war der Knaller. Kann heute wieder richtig hören. 2. Reihe musste sein....
LG 3P

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