Donnerstag, 9. Dezember 2010
Der Weg ist das Ziel
An diesen Spruch mussten wir in den letzten Tagen des Öfteren denken, denn nicht das Ende sondern die Erlebnisse während einer Reise sind das Spannende. Auch wenn diese Erlebnisse nicht immer die Besten sind, gehören sie doch dazu. Ein anderer Spruch war: "It's all part of the adventure! (Es ist alles Teil des Abenteuers)", der uns aber ziemlich auf die Nerven ging.

Bevor wir aber zu den Details kommen, möchten wir noch bemerken, dass Anja und ich jetzt zwei Monate unterwegs sind. In dieser Zeit haben wir schon Vieles erlebt und freuen uns auf das Kommende. Besonders freuen wir uns aber, dass der Blog viel Interesse geweckt hat. Wir haben monatlich durchschnittlich 1000 Besucher, was für uns eine wahnsinnige Zahl ist. Neben dem Blog haben wir noch Tagebücher geführt, welche mehr Details beinhalteten. Allerdings war das sehr mühsam und wir nicht diszipliniert genug, so dass wir dies mittlerweile aufgegeben haben. Daher hat sich der Blog als die Hauptdokumentation unserer Reise heraus kristallisiert, da wir die Berichte auch separat auf unserem Rechner speichern. Ein bisschen müssen wir uns für die Qualität der Berichte entschuldigen, da sie manche Rechtschreib- und Grammatikfehlerchen aufweisen. Wir schreiben sie aber meistens recht schnell zusammen und lesen sie uns dann nur ein bis zweimal aus Zeitmangel durch. Auch haben wir Word noch nicht installiert, so dass wir keine automatische Korrektur enstellen können. Ansonsten haben wir festgestellt, dass die Zeit trotz des Jahres äusserst knapp ist. Das wussten wir vorher schon, doch besonders in den letzten Tage haben wir gemerkt, dass wir nicht richtig in die Kulturen eintauchen können und dem normalen Touristenstrom folgen. So bewegen wir uns aber an der Oberfläche der Nationen und bekommen einen Eindruck.

Jetzt aber zu den vergangenen Tagen. Ein bisschen traurig haben wir uns aus unserem Hotel und der kleinen Gasse in Saigon verabschiedet. Dieser Ort bot alles, was wir benötigten. Das Hotel war, wie bereits geschrieben, sehr komfortabel. In der Gasse war kaum Verkehr, so dass es äusserst ruhig war. Es gab ausreichend Restaurant und die nächste Bar gleich gegenüber unserem Hotel. Schräg gegenüber war eine Wäscherei, in der wir unsere Klamotten mal wieder richtig reinigen lassen konnten. Neben der Wäscherei war dann gleich ein kleines Reisebüro, in dem wir den Ausflug zu den Tunneln und unsere Bustour an der Küste buchen konnten.

Die Tour an der Küste bestand aus vier Etappen. Zwei längere Strecken von ungefähr 11h für 450 km absolvierten wir per Nachtbus, da wir uns auch so die Unterkunft sparen konnten. Für eine kürzere Etappe von 4,5h für 140km entschieden wir uns, am Tage zu fahren. Die letzte Etappe erledigen wir heute Nachmittag mit dem Flugzeug, da wir uns beim Buchen schon denken konnten, dass wir nach drei Busstrecken keine Lust mehr darauf haben werden und die letzte längere Etappe nach Hanoi komfortabler hinter uns bringen möchten. Es war schade, dass wir so viel Strecke in der Nacht zurückgelegt haben und dadurch kaum Landschaften sehen sowie Vietnams kleinere Orte erleben konnten. Ein bisschen sahen wir doch und lachten, als wir die alten W-50 LKW aus DDR-Zeiten hier im normalen Straßenbild entdeckten.

Die erste Etappe brachte uns nach Nah Trang. Wir dachten uns schon, dass die Bustour nicht sehr entspannt ablaufen würde und all unsere Erwartungen wurden erfüllt. Eingepfercht in Schlafbuchten konnten wir die Rückenschmerzen kaum erwarten. Die Füße eines Litauers trennten den Blick zu Anja. Die Jungs aus England oder Australien begossen die Fahrt mit ein paar Bierchen, so dass die Toilette schon unbenutzbar war, bevor wir Saigon überhaupt verlassen hatten. Eine amerikanische Plaudertasche quasselte sich wegen der ganzen Aufregung den Mund fusselig. Doch konnte es dann endlich losgehen, nachdem wir die letzten freien Plätze im Bus mit schwarzfahrenden Vietnamesen gefüllt hatten. Anja und ich lagen über der Hinterachse, die den Bus durch jedes Schlagloch hochschaukeln ließ. Das es davon viele gab, bekamen wir natürlich am Besten mit.

In Nah Trang kamen wir gegen 8 Uhr morgens an. Es regnete in Strömen. Wir fanden ein annehmbares Hotel in der Nähe des Meeres, doch konnten wir die Vorzüge dieses touristischen Strandortes durch den Regen nicht ausnutzen. Wir entschieden uns daher, den Schlaf im Hotel nachzuholen. Dies war aber nicht unsere Beste Idee, da wir uns nur im Halbschlaf hin und her wälzten. Wir wollten daher die Stadt erkunden und liefen wie Zombies durch die Strassen. Die Stadt ist voll auf Strand- und Tauchtouristen eingerichtet und so voller Restaurants, Bars und Souvenirläden. Plötzlich hatten Anja und ich eine fantastische Idee und ließen uns die Strapazen der letzten Nacht eine Stunde lang aus unseren Körpern massieren. Etwas lebendiger konnte es weiter gehen. Abends folgten wir den Spuren der Backpacker in die vollsten Bars. Als wir mitten auf dem Weg zu einer zweiten Kneipe waren, die nur 200m entfernt war, wurden wir von einem weiteren heftigen Regenschauer überrascht. Wir mussten uns sogar in einen Hauseingang retten, da die Gullis das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten und die Bürgersteige überschwemmt wurden. Letztendlich entschieden wir uns, unsere Schuhe auszuziehen, durch das knöcheltiefe Wasser zu waten, um halb durchnässt in der Bar anzukommen. Ins Hotel kamen wir an diesem Abend nur rennend und völlig durchnässt, da wir die Nacht nicht in der Kneipe verbringen wollten. Am nächsten Tag blieben wir im Bett und gingen nur zum Essen nach draußen, da am Abend die nächste Nachtbusfahrt bevorstand.

Die zweite Etappe nach Hoi An (noch nicht Hanoi) ist in unserem Reiseführer als "Höllenfahrt" beschrieben. Also waren unsere Erwartungen wieder begrenzt. Dieses Mal wurden uns vordere Plätze zugewiesen, so dass wir über der Vorderachse lagen und jedes Schlagloch durch lautes Knallen mitbekamen. Im Gegenteil zu den Hinterachsen müssen die Stoßdämpfer vorn also völlig runter gewesen sein. Das Problem war, dass man nicht zu sehr mit dem Gesicht am Fenster oder dem Gestänge liegen sollte, da man sich ansonsten beim nächsten Schlagloch eine blaue Nase oder Zahnschmerzen hätte zuziehen können. Anja und ich hatten unsere Problemchen, jedoch arrangierten wir uns mit der Situation. Ein bisschen erschrocken reagierte Anja, als sie in der Nacht einen der Busfahrer im Gang neben sich schlafend entdeckte und sie Tüten einer Frau ins Gesicht bekam, die über sie drüber steigen musste, da der Gang ja belegt war. Genervt stiegen wir wieder gegen 8 Uhr in Hoi An aus. Als wir unsere Taschen nahmen, erschraken wir beide plötzlich, da meine Tasche auf der Rückseite aufgerissen war. Total aufgebracht wollten wir unsere Frustration an den Busfahrern auslassen. Dies ist allerdings nicht möglich, da die Fahrer wie die meisten Vietnamesen kaum Englisch sprechen und jegliche Diskussionen zu nichts führen. Man steigert sich selber nur weiter und regt sich noch mehr auf, ohne ein adequates Ergebnis zu erreichen. Als tapfere Reisende mussten wir also diese Pille schlucken, auch wenn sie äusserst bitter war. Letztendlich ist der Schaden auch nur materiell und Anja konnte den Riss halbwegs wieder nähen. Es ist aber verdammt ärgerlich!! Die Hauptsache ist aber, dass keiner verletzt oder krank ist. Mit solchen Ereignissen mussten wir rechnen.

Allerdings wurden wir entschädigt, als wir die Altstadt Hoi An's betraten. Sie ist eine Mischung aus chinesischer, japanischer und französischer Architektur mit kleinen Gassen, chinesichen Holzhäusern und Tempeln, japanischen Brücken und französischen Kolonialbauten. Beim letzten Mal hätte es heißen sollen, dass wir die Hotelsuche weiter optimieren, denn in Hoi An hatten wir kleinere Problemchen. Das erste Hotel wurde gerade umgebaut, während unsere zweite Wahl geschlossen war. Letztendlich wurden wir in der Altstadt fündig, ohne unser Budget zu überschreiten. Es gab nämlich auch richtig tolle Hotels mit europäischen Preisen, die wir jedoch nicht zahlen wollten. Unser Hotel war auch eines dieser Kolonialbauten, jedoch hatte es die Innenausstattung unseres Zimmers wenigstens bis in die siebziger Jahre geschafft. Es muchelte etwas, aber ansonsten war es annehmbar. Dieses Mal holten wir den Schlaf nicht nach, sondern stürzten uns gleich in die Gassen. Wir waren sofort von diesem kleinen, schönen und ruhigen Örtchen begeistert. Überall gab es kleine Handwerkerlädchen, unzählige Schneidereien, in denen man sich günstige Kleider und Anzüge machen lassen kann, Cafés und Kunstgallerien. Wir hatten gelesen und können nur bestätigen, dass Hoi An der schönste Ort Vietnams ist. Allerdings könnte er durch den französischen Kolonialstil auch irgendwo am Mittelmeer liegen. Abends wurden die Häuser und Brücken durch viele Lampions beleuchtet, die dort hergestellt werden, was dem Ort einen unglaublich romantischen Flair gab. Wir suchten uns ein kleines Restaurant und konnten es uns nicht nehmen lassen, den Abend mit ein paar Absackern in den niedlichen Bars ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen stand unsere letzte Busetappe nach Hue an. Wir entschieden uns für ein anderes Busunternehmen, jedoch war das Ergebnis ähnlich der anderen Firma. Dieses Mal lagen wir wieder hinten. Da der Bus von einer Nachttour kamen, gingen die verbliebenen Vietnamesen ihrem Morgengeschäft nach. Irgendwann musste ich mich dann umlegen, da ich genau vor der Toilette lag und die Düfte nicht mehr ertragen wollte. Zwei der Jungs zündeten sich dann auch noch Zigaretten an, was den Morgen perfekt machte. Allerdings konnten wir beobachten, was die Vietnames so in diesen Bussen transportieren. Ein bisschen überrascht war ich dann allerdings schon, als aus einem der Ladeöffnungen ungefähr 200 Kokosnüsse purzelten. Auf dem Weg nach Hue fuhren wir an Danang vorbei, was wohl bei der internationalen Hotelunternehmen als Zielort Nummer 1 in Vietnam auserkohren wurde. Jedenfalls entstehen momentan dort großflächige Resorts und Hotelanlagen der obersten Luxusklasse. Kommunistisch ist das sicher nicht.

Während das Wetter in Hoi An etwas besser war, war der Himmel über Hue verhangen und es regnete wieder. Hue ist die ehemalige Haupstadt Vietnams, da hier die letzte Kaiserdynastie der Nguyen lebte. Wir besuchten die ehemalige Kaiserstadt, die leider durch die Bombardements im Vietnamkrieg sehr stark zerstört ist. Ähnlich wie in der verbotenen Stadt in Peking, lebte hier der Kaiser bis ins Jahr 1945. Auf dem Gelände befinden sich u.a. zwei große Wasserbecken, in denen Coys gefüttert werden können. Als Anja die Fische fütterte, drehten diese teilweise durch und drängelten sich in einem unglaublichen Spektakel, um einen Bissen abzubekommen. Gestern organisierten wir uns dann eine individuelle Bootsfahrt zu den Gräbern der Kaiser, was ein weiteres Highlight hier in Hue ist. Das wir ein bisschen abgezockt wurden, ist ärgerlich aber so ist es manchmal hier. Das Boot fuhr nämlich nur bis zu einer gewissen Stelle, von der aus wir noch mal extra wartende Mopedfahrer bezahlen mussten, die uns dann zu den Gräbern brachten. Wir hätten wieder diskutieren können, aber wozu? Da es regnete, war der Ausflug nicht sehr entspannt und wir am Ende ganz schön nass. Allerdings passte diese gewisse mystische Stimmung zu den Gräbern. Diese Anlagen glichen dann auch Tempeln, die zu Lebzeiten der Kaiser gebaut und von ihnen genutzt wurden und nicht nur als Grabstätten dienen sollten. In einem befindet sich u.a. auch das älteste Theater Vietnams.

Da wir nach unserem Ausflug nichts Weiteres unternehmen wollten, entschieden wir uns, den Nachmittag im Hotel zu verbringen. Das war eine sehr gute Idee, denn Anja's Pfannkuchen vom Morgen war wohl mit altem Öl frittiert worden, so dass ihr Magen verrücktspielte. Gut, dass wir im Hotel waren, denn er suchte bald wieder die Freiheit. Zweimal! Heute geht es ihr aber schon wieder besser.

Momentan bereiten wir unsere Abreise nach Ha Noi vor. Wie geschrieben, werden wir fliegen, denn wir haben einige Erlebnisse in den Bussen gehabt. Wiesi ist bereits angekommen, so dass wir heute Abend ein gemütliches Wiedersehen begehen können.
Aus Hanoi berichten wir dann beim nächsten Mal.

Liebe Grüße

Anja und Pat


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Habt Ihr es Gut...
Wir können hier langsam keinen Schnee mehr sehen.Sieht wirklich wieder schön aus auf Euren Bildern.Liebe Grüße auch an Wiesi und viel Spass weiterhin.LG Kerstin u. Yves

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liebe grüße aus dem schnee
der heute nacht zu wasser wurde..danke patti für deine mail, wenn meine stimme wieder fit ist ruf ich bei deiner tante an. hab mir ne schöne kehlkopfentzündung geholt diese woche, ist auch kein wunder, irgendwie ist die halbe bevölkerung gerade krank..ich bin so ausgebucht gewesen diee woche , das ich heute erst wieder zum lesen auf eurer seite gekommen bin. ihr könntet wirklich romanschreiber werden-...wahnsinn!aber es ist immer wieder erstaunlich wie nah man sich euch durch eure berichte fühlt. wir wünschen euch ein feuchtfröhliches wiedersehen mit wiesi und grüßt auch ihn ganz lieb von uns, bis bald sagen die gestressten krebse

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Gruesse
Hallo liebe Blogger,

ich begleite die beiden nun seit einigen Tagen und kann Euch berichten, den beiden geht es fantastisch und sie harmonieren reisetechnisch ( und sonst sowieso) perfekt. Also Alles Schoko!

Wir erleben und geniessen hier tolle Tage und ich bin gluecklich, dass ich die Zeit bis zu Reginas Ankunft an Weihnachten mit den beiden verbringen kann und wir die Erlebnisse dieser kurzen Etappe teilen koennen. Wir sind gerade auf Cat Ba Island- aus meiner Sicht eine der schoensten Inseln, die ich bisher gesehen hab. Die vielen Kalkfelsen erinnern mich an die flying mountains aus dem Film Avatar, nur dass sie eben nicht fliegen... Einfach mal Cat Ba oder Halong Bucht googeln.

Aber ich greife den Reiseberichten der beiden vor...

Frohe Weihnachten!

LG,
Wiesi

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