Samstag, 4. Dezember 2010
Saigon - modern, lebhaft, freundlich
Hallo Ihr Lieben,

Wie bereits im letzten Bericht geschrieben, sind wir unfreiweilig etwas früher in Saigon, das eigentlich Ho-Chi-Minh-Stadt heisst, gelandet. Zum Einen ärgerte uns, dass wir nicht richtig vorbereitet waren, zum Anderen wollten wir noch nicht in die Großstadt. Nichtdestotrotz perfektionieren Anja und ich unsere Hotelsuche immer mehr und werden schneller fündig. Nach unserer Ankunft auf dem Busbahnhof haben wir uns von einem Taxi in der Mini-Hotel-Gasse absetzen lassen. Das ist eine kleine Strasse zwischen zwei Hauptachsen, in der es ungefähr 30 kleine Hotels gibt. Da das Angebot weit über der Nachfrage liegt, sind die Preise moderat und man kann sich seine Unterkunft in Ruhe aussuchen. Diese Chance ließen wir uns nicht nehmen und klapperten ein Hotel nach dem anderen ab. Die gefühlte Nummer 17 erhielt dann unseren Zuschlag und wir waren äusserst froh über unsere Entscheidung und freuten uns mittlerweile doch auf die nächsten Tage in dieser Metropole.

Saigon wird von unserem Reisführer wie folgt beschrieben: "Auch wenn zunächst das blanke Chaos herrscht, strahlt Saigon auf die Besucher doch eine magische Ruhe aus, die in starkem Gegensatz zum alltäglichen Tempo steht." Diese Aussage mussten wir uns ein paar Mal durchlesen, da wir damit nicht so richtig etwas anfangen konnten und auch die magische Ruhe gesucht haben. OK, Saigon war grüner und bepflanzter als andere Städte bisher und irgendwie lief alles einen gewohnten Gang ab. Jedoch war dieser extrem hoch und auf den Strassen war durch die vielen Mopeds der Wahnsinn los. Hier erlebten wir zum ersten Mal, dass ein Stau nur durch Mopeds verursacht wurde. Nichtdestotrotz gefiel uns Saigon, auf seine irgendwie eigene Art. Die Stadt ist sehr modern und die Menschen sind super freundlich, was gar nicht so typisch für eine Großstadt ist.

Beim Stadterkunden sind Anja und ich auf ein deutsches Restaurant gestoßen und konnten nicht vorbeigehen. Nach so vielen Tagen ohne deutsches Essen, wollten wir die Chance nicht auslassen. Wir bestellten uns des Metzger's Schlachteplatte für zwei und genossen unsere Rouladen, Bratwürste und Schnitzel mit Sauer- und Rotkraut und dazu gab es Knödel, Bratkartoffeln und Spätzle. Dick und rundgefuttert schlossen wir das Mahl standesgemäß mit einem Jägermeister ab. Auch beim Spaziergang durch einen Park entdeckten wir etwas Spannendes. Eine Gruppe Schüler war gerade dabei, ihre Leibesübungen nach bekanntem sozialistischen Muster durchzuführen, als wir den Aufdruck auf den T-Shirts entzifferten. Die Schule der Kinder muss wohl Ernst Thälmann gewidmet worden sein, da es groß auf dem Rücken zu lesen war. Wir mussten schmunzeln und dies natürlich festhalten.

Jedenfalls unternahmen wir noch, was wohl jeder Saigonbesucher hier in der Stadt macht. Am ersten Tag besuchten wir das Kriegsrestemuseum und betrachteten uns die schrecklichen Zeitzeugen der amerikanischen Grausamkeiten. Uns war klar, dass das Museum eine bestimmte Aussage verfolgen würde, doch brauchten die Bilder keine Erklärung. Der Krieg war, wie so viele sinnlose Auseinandersetzungen, ein Machtspiel von Systemen. Die Vietnamesen nutzten die Chance des zweiten Weltkrieges, um sich von seiner Kolonialmacht Frankreich zu befreien, das durch den Einmarsch der NS-Wehrmacht seine Interesse nicht verfolgen konnte. Nach dem Krieg wollte Frankreich seinen Anspruch wieder etablieren und wurde dabei von den Amerikanern unterstützt, die eine größere Präsenz im Pazifikraum und auch mehr Einfluss gegenüber den sozialistischen Ländern China und der Sowjetunion verfolgten. Das Ergebnis dieser ersten Kriege war die Aufteilung Vietnams in Nord und Süd, wobei der Norden an China ging und der Süden an die Briten. Ähnlich wie in Deutschland wurde eine künstliche Grenze gezogen. Im Norden entwickelte sich die kommunistische Befreiungsarmee Viet-Cong um Ho Chi Minh, der den Süden in einem Guerilla-Krieg von den westlichen Mächten befreien wollte. Der Viet-Cong wurde von den sozialistischen Mächten beliefert während die Armee des Süden ihre Waffen von den westlichen Mächten erhielt. Da der kommunistische Viet-Cong mit seiner Guerilla-Kriegsart immer erfolgreicher gegenüber den militärisch überlegenem Westens, entschied sich die USA mit einem Großaufgebot erst an finanziellen Mitteln dann an Soldaten einzugreifen. Das Ergebnis dieses kalten Krieges, der im Gegensatz zu Deutschland von den Großmächten militärisch ausgefochten wurde, war besonders unter der Zivilbevölkerung verherend. Da sich immer mehr Vietnamesen gegen den Westen und den Krieg auflehnten, gaben die USA letztendlich den unsinnigen Befehl, alle Verdächtigen umzubringen. Es wurden Napalm- und Phosphorbomben eingesetzt, die größte Verbrennungen verursachten, aber auch die fürchterlichsten Foltermethoden und chemischen Waffen angewendet. Allerdings setzte sich die vietnamesische Bevölkerung geschickt gegen die Großmacht ein und zwang die USA nach 15 Jahren Krieg und großem internationalen und nationalen Druck zum Rückzug. Saigon, sowie der gesamte Süden Veitnams, wurde von den Kommunisten übernommen und die Stadt nach Ho-Chi-Minh benannt, was aber von der Bevölkerung noch nicht akzeptiert ist. Nichtdestotrotz ist es bewundernswert, dass es keine Spannungen innerhalb der Bevölkerung gibt. Des Weiteren weht auch nur die kommunistische Flagge und die Politik verfolgt sozialistische Ansätze, während auf den Strassen und im Leben der Vietnamesen die pure Marktwirtschaft herrscht. Sicherlich gibt es noch weitere Details, die wir nicht bedacht haben, aber ich hoffe, dass wir die Geschichte halbwegs richtig dargestellt bzw. verstanden haben. Im Museum waren neben den vielen Fotos und Reportagen, die Resultate der chemischen Waffen an Babylaichen und die Protestaktionen der Welt ausgestellt. Dabei stießen wir auf mehrere Poster der DDR-Regierung, die natürlich die kommunistischen Einheiten unterstützten.

Am nächsten Tag schauten wir uns die Tunnelanlagen der Region Cu Chi an. Dort hatte die kommunistische Armee ein Tunnelnetz von über 200 km und drei Etagen tief angelegt, um sich so gegen die amerikanischen Einheiten erfolgreich durchzusetzen. Neben den Tunnelanlagen sahen wir die Menschenfallen, die eigentlich zum Jagen von Tieren genutzt wurden, Krater von B-52-Bomben und zerstörte Panzer der amerikanischen Armee. Die Tunnel waren echt beeindruckend und so eng und versteckt, dass die Amis nicht eindringen konnten. Während Anja nur gebückt durch die Gänge laufen konnte, watschelte ich im Entenschritt hinterher wobei ich den Tunnel komplett ausfüllte. Auf der Anlage kann man auch mit übrig geblieben Waffen Schießübungen machen, was auf Grund der Historie sehr merkwürdig ist. Es war schön zu sehen, dass niemand unserer Gruppe Lust auf das Rumballern hatte. Im Großen und Ganzen ist es schrecklich, diese Bilder des Krieges zu sehen und wir stellen uns immer wieder die Frage, warum der Mensch nicht fähig ist, friedlich miteinander zu leben.

Da wir nach Saigon in Richtung Norden nach Hanoi wollen, haben wir uns entschieden die Strecke von über 1500 km an der Küste entlang innerhalb einer Woche teilweise mit dem Bus zu meistern. Mittlerweile sind wir auch schon in Nah Trang angekommen und berichten von unserer abenteuerlichen Fahrt mit dem Nachtbus aber beim nächsten Mal. In Hanoi werden wir Kumpel Wiesi treffen, worauf wir uns jetzt schon freuen. Das liegt aber nicht nur an DEN Packungen Toffifee für Anja. ;-)

Seid gegrüßt

Anja und Pat


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Nikolaus
Hallo Ihr beiden, wir wünschen Euch einen schönen Nikolaustag. Gibt es den da Überhaupt????? Hoffentlich hat er für Anja was Süsses reingetan.
Viel Spass bei Eurer Bustour und liebe Grüsse aus der verschneiten Heimat. OAO

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