Sonntag, 21. November 2010
Geburtstag und Phnom Penh
Hallo Ihr Lieben,

ersteinmal bedanke ich mich für die vielen lieben Nachrichten, die auf diesem Blog, GMX und auf Facebook eingegangen sind. Es ist immer schön, viele Glückwünsche zu bekommen und zu wissen, dass so viele Leute an einen denken. Besonders gefreut habe ich mich über die Mail von Anja's Großeltern, die sich mit 84 einen Internetanschluß zugelegt haben, um unserem Blog besser folgen zu können. Auf diesem Weg möchte ich Omi und Opi Simon ganz herzlich hier begrüßen und schreiben, wie toll Anja und ich das finden. Prima!! Als Geschenke fuhren wir per Boot nach Phnom Penh und haben uns gestern ein Weitwinkelobjektiv für unsere Kamera gekauft, um die kommenden Landschaften noch besser einfangen zu können. Darüber hab ich wie ein kleiner Junge gestrahlt.

Der Geburtstag begann mit 5:30 Uhr recht früh, da wir das Boot nach Phnom Penh erreichen wollten. Wir wurden ein bisschen an unsere deutsche Mentalität erinnert, als die Abholung sich verspätete und wir befürchteten, die Abfahrt zu verpassen. Mit etwas Puls erreichten wir das Express-Boot noch rechtzeitig, da es auf uns wartete und wir wieder erfuhren, dass es nicht immer so pünktlich abläuft, wie wir es manchmal erwarten. Als wir vom Steg ablegten, knallte auch schon der Korken unserer Sektflasche, die wir mit an Board gebracht hatten. Anja und ich stossen an und genossen, meinen Tag so zu beginnen. Wir waren sehr seelig und erfreuten uns an den Landschaften und schwimmenden Dörfern, an denen wir vorbeifuhren.

In Phnom Phen angekommen, organisierten wir uns eine ruhige Unterkunft und fuhren gleich zur vietnamesichen Botschaft, um uns ein Visum zu besorgen. Wir freuten uns sehr, dass keine Schlange in der Botschaft war und wir das Visum bereits am nächsten Tag abholen konnten. Da wir unsere administrativen Aufgaben für den Tag so schnell erledigt hatten, ließen wir uns zum Flußufer und in die Restaurant- bzw. Kneipenmeile von Phnom Penh bringen. Auf der Fahrt zur Unterkunft hatte ich ein Irish Pub mit dem Namen "Paddy Rice" entdeckt. Um 15 Uhr saßen wir dort und fingen an, den Tag mit einem frisch gezapften Angkor Draught zu begießen. Wir entschieden uns, eine Kneipentour zu machen und so ein bisschen die Stadt zu erkunden. Das nächste Lokal hatte einen tollen Balkon in der zweiten Etage und wir beobachteten das Geschehen auf der Strasse von dort oben. Allerdings fiel uns auf, dass wir die einzigen Gäste waren, was so früh nicht verwunderlich war, aber dass ausser uns viele einzelne kambodschanische Frauen die Tische besetzten. Als wir das Lokal verließen, schauten wir noch einmal auf die Leuchtreklame und erkannten, dass wir in einem Meeting Place, einer Kneipe um lokale Kambodschanerinnen kennen zu lernen, getrunken hatten. Wir mussten darüber sehr schmunzeln, obwohl es für die Frauen sicherlich nicht zum Schmunzeln war, da ich u.a. mit Anja da war. Da wir so zeitig angefangen hatten, ging es abends nicht zu lang, aber wir beendeten meinen Geburtstag mit einer obligatorischen Runde Jägermeister.

Am nächsten Tag hatten wir uns ein Kontrastprogramm organisiert, da wir die Killingfields (Massengräber) des kommunistischen Rote-Khmer-Regimes besuchten. Die damalige Regierung um Pol Pot versuchte ihre Ansätze ohne Kompromisse umzusetzen und brachte Intelektuelle, Regimegegner und auch eigene Leute auf brutalste Weise per Hand mit Macheten, Messern und Äxten um. Auch Kinder und Babies waren unter den Opfern, da die Regierung Racheakte befürchtete und daher die Nachkömmlinge der Opfer gleich miterledigte. Die Babies wurden z.B. an den Füßen gefasst und die Schädel an einem Baum zerschlagen. Als die Regierung 1979 entmachtet wurde, fand man die 129 Massengräber und die Überreste der Menschen vor den Toren Phnom Penh's. Die Überreste sind in einer Stupa, dem Gedenkturm, aufgebahrt, um den Opfern dieser Greueltaten zu gedenken. Während in den Killingfields an die 20.000 Menschen umgebracht wurden, fielen über 3 Millionen im ganzen Land der Regierung zum Opfer.

Nach den Killingfields besuchten wir das Tuol-Sleng Museum in der Stadt. Diese ehemalige Schule wurde bei der Machtübernahme der Roten Khmer zum zentralen Gefängnis umfunktioniert. Die damalige Regierung versuchte das Land in einen Bauernstaat mit einfacher Bevölkerung umzuwandeln, zerstörte Schulen und Universitäten und zwang seine Einwohner zur Arbeit in der Landwirtschaft aus den Städten in die Dörfer. Des Weiteren sollte die Khmer Kultur komplett zerstört werden. Daher wurden Tempel verwüstet und auch die meisten Buddha-Statuen in den Angkor Tempeln enthauptet. Das Tuol-Sleng, auch S-21 genannt, dokumentiert, wie die Häftlinge untergebracht, gefoltert und getötet wurden. In den Räumen sind zahlreiche Tafeln mit den Bildern der inhaftierten Kambodschaner aufgestellt. Es war sehr ergreifend dort durchzulaufen und in den Augen und Gesichtern der Menschen die Angst, Wut, Enttäuschung, Zorn und Unschuld zu sehen. Wie so oft, kann man nur hoffen, dass solche schrecklichen Dinge nicht noch einmal auf dieser Welt geschehen.

Der gestrige Tag hatte erfreulichere Erlebnisse für uns zu bieten. Zufälligerweise ist an diesem Wochenende das Wasser und Mondfest in Kambodscha. Es werden die frühen Bootskämpfe mit den Nachbarländern durch Wettfahrten mit Ruderbooten, auf denen über 50 Leute sind, nachgestellt. Anja und ich putzten uns ein wenig heraus und wollten natürlich auch Teil dieses großen Spektakels sein. Das Fest ist eines der größten Volksfeierlichkeiten in Kambodscha und es fühlte sich an, als ob die ganze Stadt am Flußufer war, um den Wettkämpfen beizuwohnen. Das kambodschanische Tourismusministerium hatte für die internationalen Gäste eine eigene Bühne mit gold-überzogenen Stühlen gleich neben dem König organisiert, welche ohne Eintritt zu verlangen zum Sitzen einluden. Wir fanden das als große und sympathische Geste dieses Landes, nahmen diese Einladung auch dankend an, fühlten uns aber gegenüber der kambodschanichen Bevölkerung doch sehr privilegiert. Allerdings sahen wir nur den Sonnenschirm des Königs und konnten keinen direkten Blick auf ihn werfen. Das Volksfest wurde mit einem tollen Feuerwerk und dem Ablegen von Booten abgeschlossen, auf denen Heiligtümer des Landes aus beleuchteten Glühbirnen aufgestellt waren. Wir waren sehr beeindruckt von diesem Erlebnis, beendeten den Tag in einem Club und konnten zur Feier des Tages auch mal wieder das Tanzbein schwingen.

Heute ist Ruhetag angesagt, an dem wir die vergangenen Tage reflektieren können. Morgen fahren wir weiter an die Küste Kambodscha's und hoffen, dass dort gutes Wetter ist. In den letzten Tagen regierte eine Regenfront vor Vietnam das Wetter an den Küsten, doch ist diese hoffentlich weitergezogen.

Liebe Grüße von uns und bis bald

Anja und Pat


... comment

 
Hallo ihr Huebschen,

danke fuer den Bericht. Das mit den Killing Fields hoert sich ja grausam an. Ich hoffe, ihr wart nicht bei der Massenpanik dabei?
lg Colli

... link  


... comment
 
gebt mal kurz bescheid, dass es euch gut geht. das sind ja schreckliche nachrichten, die wir hören müssen.

... link  


... comment
 
Alte Traditionen soll man nicht brechen
Deswegen gratuliere ich wie zuvor auch wieder viel zu spät. Ich verfolge gespannt Euren Trip und hoffe, dass wir mit unserem "Projekt" auch bald wieder reisefähig sind, um so die Welt zu erkunden.

Gute Reise Euch weiterhin und viel Spaß noch. Wir geben Euch noch Bescheid, wenn unsere "Reise" zu dritt beginnt.

Philipp

... link  


... comment
 
Endlich ein Lebenszeichen
Hallo Ihr Lieben,
wie froh war ich als ich gestern eure Stimme gehört habe.
Ja Patti, du hattest mir eine Nachricht geschickt und ich habe sie wahrscheinlich weggedrückt weil ich mal wieder keine Brille aufhatte.
Dennoch freue ich mich (und sicherlich nicht allein) euch gesund und fröhlich gehört zu haben. Genießt eure Zeit auf der Insel. Liebe Grüße Sabine

... link  


... comment