Dienstag, 12. Juli 2011
Die Stadt der Engel
Hallo Ihr Lieben,

mittlerweile sind wir schon seit einer Wochen in den Staaten. Letzten Sonntag sind wir in Los Angeles, die Stadt der Engel, angekommen. Die Beamten von der Einwanderungsbehörde wollten nicht glauben, dass wir zweieinhalb Monate bleiben, ohne arbeiten zu gehen, doch konnten wir sie mit unserem Rückflugticket überzeugen. Nach insgesamt 2 Stunden, das meiste ging natürlich für Warten drauf, durften wir einreisen. Die USA werden wohl das letzte Land unserer Reise werden und wir sind uns bewusst, dass die letzten Wochen und Etappen angebrochen sind.

Unsere Lieblingshotelkette hatte wieder ein Zimmer für uns bereit gestellt und wir fühlten uns gleich sehr wohl. Da es in der Umgebung wenig zu erkunden gab, entschieden wir uns, in eine Shopping Mall zu gehen. Wenn eines in der USA rund um die Uhr möglich ist, dann ist es Geldausgeben. Wir waren aber sehr sparsam und schauten uns nur um. Allerdings verzehrten wir die ersten Chicken Wings und ein paar kühle Biere als Begrüßung. Nichtsdestotrotz merkten wir aber auch, dass die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen hatte, da einige Shops verbarrikadiert und leer waren.

Auf dem Heimweg von der Mall merkten wir, dass wir durch Laufen und Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht weit kommen oder sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Daher holten wir uns am Montag einen Mietwagen. Die Station lag bequemer Weise unmittelbar in Hotelnähe. Mit dem Gefährt konnten wir in den Tag starten. Es war gut, dass ich zuerst auf einem Parkplatz losfuhr, denn ich merkte erst nach einer Weile, dass wir wieder rechts fahren mussten. Gut, dass es mir so früh auffiel. Nach fast 6 Monaten Linksverkehr, war es doch wieder eine Umstellung. Das fing schon mit dem Einsteigen an. Es klappt aber recht schnell wieder.

Es war der 4. Juli, welcher bekanntlicher Weise der Nationalfeiertag der USA ist. Unser erster Anlaufpunkt war der Redondo Beach, der nur wenige Fahrminuten von unserem Hotel entfernt war. Die Polizei hatte einiges zu tun, denn viele Leute suchten ihre persönliche Freiheit am Independence Day am Strand und hatten ihre BBQ-Plätze vorbereitet. Wir gingen erst einmal Frühstücken und Anja strahlte, als sie ihre leckeren Pancakes mit Erdbeeren bekam.

Eigentlich wollten wir eine Parade besuchen, doch hatten wir uns auf dem Sunset Boulevard falsch orientiert. Daher fuhren wir zu einem Blues und Jazz Konzert in den Süden der Stadt. Während ich bestens in die Umgebung passte, war Anja eine von ganz wenigen Weißen. Das machte aber nichts, und wir hörten uns ein paar Lieder von tollen Sängern mit Musikern an. Das Konzert fand aber auf einem Parkplatz statt und war wenig einladend, länger zu bleiben.

Anja und ich wollten nun zum Strand und entschieden uns für den Santa Monica Beach. Dieser war natürlich auch überfüllt und wir dachten an die Strände der vergangen Wochen. Allerdings hatten wir diese Menschenmassen erwartet, da wir ja immerhin in der zweit oder dritt-größten Stadt dieses Riesen Landes waren. Trotz der Massen war das Platzangebot ausreichend. Wir schlenderten zur bekannten Pier, an der die offizielle Endstation der Route 66 ist. Während sich die Sonne senkte, stoßen wir mit einem großen Bier auf den Geburtstag der USA an und bemerkten, dass die Portionen etwas größer als bisher waren, da ein großes Bier fast einen Liter beinhaltete. Des Weiteren purzelten die Preise auch wieder, besonders im Verhältnis zu Australien, welches im Nachhinein unglaublich teuer war. Als Vergleich können wir die Flasche Bacardi anbringen, die wir beim ersten Problem mit Marko für 42 australische Dollar gekauft hatten. In LA haben wir die gleiche Flasche für 9.99 USD gesehen, wobei der australische Dollar momentan mehr wert als sein US-amerikanischer Kollege ist.

Am Abend zog es uns in die Stadt und wir schauten uns ein einstündiges Feuerwerk zu Ehren des Landes an. Wir waren ein wenig überrascht, dass wir den ganzen Tag wenig Flaggen und Blau-Weiß-Rot gesehen hatten. Anja und ich hatten erwartet, dass die Amis an diesem Tag ihren Nationalstolz äußerst kitschig zur Schau stellen. Es lag vielleicht daran, dass Mexikaner und weitere Einwanderer die größte Bevölkerungsgruppe darstellen und diese eher entspannt mit dem Feiertag umgegangen sind. Das Feuerwerk endete mit einem richtigen Finale und die Organisatoren ließen es ordentlich krachen.

Am Dienstag erkundeten wir die Stadt. Mit dem Auto war es so einfach und bequem herumzufahren, so dass wir diesen Tag sowie die restliche Zeit hier in den Staaten als sehr entspannt erlebten. Natürlich war unser Ziel Hollywood. Wir fuhren die Küste entlang, bis wir den Sunset Boulevard erreichten. Dort bogen wir ab und fuhren an tollen Villen in Richtung der bekanntesten Meile Los Angeles. Wir liefen über den Walk of Fame und freuten uns genauso dämlich wie andere Passanten, wenn wir einen Star bzw. Namen kannten. Es ist schon eine komische Magie, die dieser Ort mit all seinem Trubel ausstrahlt. Wir liefen am bekannten Chinese Theatre vorbei und hielten auch vor dem Kodak Theatre an. Dort werden ja die Oskars verliehen, die in Miniversionen in den Souvenierläden thronten. Lang blieben wir allerdings nicht, da es dann doch zu viele Menschen auf einem Fleck waren.

Wir fuhren weiter zu einem Planetarium, von dem wir einen Blick über die Stadt und hinüber zum Hügel mit den Hollywood Buchstaben werfen konnten. Es war irgendwie schon was Besonderes, diese berühmten Buchstaben mal persönlich zu erblicken und das Flair der Schauspieler zu spüren. Von der Stadt sahen wir allerdings nicht so viel, da sie sich, wie so oft, in eine lauschige Smogwolke hüllte. Übrigens sind wir nicht ins Zentrum gefahren, da es dort außer Geschäftswolkenkratzern wenig Spannendes gegeben hätte.

Die nächste Station war der Rodeo Drive mit seinen teuren Geschäften, die vor allem die Damenwelt wohl aus Pretty Woman kennt. Auch hier hielten wir uns mit dem Shoppen zurück, da wir nicht so viel tragen wollten. Ja, genau. Wir fuhren durch die mit riesigen Palmen bewachsenen Straßen von Beverly Hills und bestaunten die großen Villen. Da wir uns keine Karte mit den Wohnhäusern der Stars kauften, verpassten wir deren Anwesen und wohl die Chance, auf einen Kaffee eingeladen zu werden.

Stattdessen fuhren wir zum Farmers Market, auf dem es unzählige Leckereien der vielen Einwanderer gab. Man konnte allerdings auch viele Sammlerstücke und Souvenirs erwerben. Ich hätte ja fast bei den Modellautos zugeschlagen, doch bin ich wohl aus dem Alter raus oder noch nicht wieder drin. Wir kauften uns ein bisschen Obst und probierten das sehr gute Sushi vom japanischen Stand.

Den Tag beendeten wir mit dem Sonnenuntergang am Venice Beach. Ein paar Jungs spielten noch Basketball, während sich der Trubel langsam legte. Wiesi, so verpassten wir die ganzen Verrückten, die sich am Tag dort herumtreiben.

Am Mittwoch starteten wir entspannt in den Tag und das Getty Museum, dass von einem Ölmilliardär ins Leben gerufen wurde. Die riesige Anlage möchte es mit den großen Museen, wie dem Louvre, aufnehmen und steht wohl finanziell am Besten da. Anja und ich konnten uns auch ein paar tolle Malereien und Skulpturen der großen Künstler wie Rembrandt, Monet oder Cezanne anschauen. Wir freuten uns, dass gerade die Götter von Angkor Wat als Sonderausstellung zu sehen waren und schwelgten in den Erinnerungen von Kambodscha. Am Nachmittag erholten wir uns wieder am Strand und sprangen am Abend nach einem kleinen Lauf in den Whirlpool unseres Hotels.

Unsere letzten Wochen in den USA wollen wir entspannt verbringen, da wir in Neuseeland und vor allem in Australien so viel gefahren sind. Das ist hier besonders gut möglich, da es einem in den Staaten sehr bequem und einfach gemacht wird. Es gibt keine großen historischen Dinge anzuschauen und bis zu 7-spurige Autobahnen, auf denen man schnell vorankommt. Alles ist doch ein wenig größer als auf Rarotonga. Auch wollen wir mehr Zeit an einem Ort und weniger auf der Straße verbringen. Daher werden wir die Roadtrips minimieren und haben wie bereits angekündigt, unseren Kanadaaufenthalt gestrichen.

Am Donnerstag sind Anja und ich nach San Diego gefahren, welches nur 2 Stunden südlich von LA und somit ein Katzensprung für uns ist. Hier wohnt mein japanischer Freund Ryuzo, den ich aus Chicagoer Zeiten kenne. Wir werden hier zehn Tage verbringen und nur ein bisschen was unternehmen.

Nachdem wir am Freitag kurz die Stadt erkundet hatten, verbrachten wir den Nachmittag am Strand. Dieser ist momentan sehr gut gefüllt, da die Ferien angefangen haben und einige Amerikaner zum Urlaub nach Kalifornien gekommen sind. Wer mag es ihnen verdenken, da San Diego und der Pazifische Ozean sehr schöne Orte zum Erholen sind. Der Wellengang ist allerdings etwas stärker, als Anja und ich zuletzt gewohnt waren, und schnorcheln können wir auch vergessen. Nichtsdestotrotz machte es uns Jungs Spaß, uns einen Football in den Wellen zu zuschmeißen.

Zusammen mit Ryuzo haben wir uns ins Nachtleben gestürzt und ein paar Bars abgeklappert. Ansonsten gehen wir die Tage sehr entspannt an. Wir haben ein paar Strände, wie dem La Joja Beach, besucht und den Seerobben beim Schwimmen zugeschaut. Ruyzo und ich haben uns beim Basketball herausgefordert, so wie wir es vor 11 Jahren in Chicago gemacht haben. Allerdings geht es etwas langsamer als damals von statten. Nichtsdestotrotz haben wir sehr viel Spaß und erinnern uns gern an die vergangenen Zeiten.

Gestern waren wir Jungs mit ein paar weiteren japanischen Freunden angeln. Wir gingen es auf Fischerboot, dass für meinen Geschmack etwas zu voll war. Allerdings waren wir etwas erfolgreich, wenn auch nur etwas. Während ich mich über einen Fisch freute, fing Ryuzo gleich drei Stück. Einer war sogar so schwer, dass Ryuzo den Jackpot für den schwersten Fisch gewann. Einen Teil unseres Fanges bereiteten wir am Abend gleich zu und verspeisten ein sehr leckeres Mahl. Endlich konnten wir auch wieder in einer Küche nach Belieben herumschnippeln.

Heute waren Anja und ich auch am Strand und entdeckten sogar ein paar Delfine im Wasser. Diese sprangen munter herum und zeigten, wie man richtig in den Wellen surft.

Wie geschrieben, bleiben wir noch eine Woche in San Diego und genießen unsere Zeit. Was wir danach machen, wissen wir noch nicht genau. Wir genießen momentan, dass wir zu keiner bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein müssen, um unsere Reise zu schaffen. Wir haben ein paar Stationen, die wir anpeilen, brauchen uns aber nicht zu stressen. Das ist super, da wir nicht ausgelaugt nach Deutschland zurück kehren möchten.

Bis demnächst,

Anja und Pat

PS: Nur in den USA gibt es übrigens Kreditkarten im Supermarkt als Geschenkartikel. Von der Finanzkrise wurde wohl nicht viel gelernt.


... link (0 Kommentare)   ... comment