Montag, 27. Juni 2011
Zeitreise ins Paradies
Anja und ich wollten schon immer eine Zeitreise machen und endlich haben wir es geschafft. Wir sind am Mittwoch, dem 22.06. um 18:30 Uhr in Melbourne abgeflogen und sind nach 24 Stunden reisen, einem Aufenthalt in Auckland am 23.06. und zwei Flügen um 16:30 Uhr am Mittwoch, wieder der 22.06., auf Rarotonga angekommen. Diese ist eine der Cookinseln Inseln im Südpazifik und hält alles, was es verspricht.

Allerdings war die Reise doch etwas anstrengend. Nach der Apré Ski Party haben wir nicht mehr viel in Melbourne angestellt. Zum Einen demobilisierten uns die Nachwehen der Feier. Zum Anderen war es mittlerweile so kühl geworden, dass wir uns nur ungern vor die Tür wagten. Wir drehten jedoch noch einmal eine Abschiedsrunde nach St. Kilda und verabschiedeten uns von den Cafés und meinen Lieblingskneipen. Wir trafen noch einmal unsere Freunde und auch einen meiner ehemaligen Kollegen aus Neuseeland. In der Nacht zum 22. feierten wir in Sally's Geburtstag und überraschten sie mit einem Schokoladen-Gugelhupf, den wir allerdings in einer diesen tollen Bäckereien gekauft hatten.

Am Mittwoch fröstelten wir dann vor Isas und Ryans Haus, bis uns der Shuttlebus zum Flughafen abholte. Obwohl die Aschewolke des chilenischen Vulkanes momentan über Südaustralien schwebt, entschied sich Air New Zealand zu fliegen. Andere Airlines, wie Quantas, hatten sich gegen einen Überflug nach Neuseeland ausgesprochen. Etwas holprig, da wir unterhalb der normalen Flughöhe blieben, kamen wir gegen 1 Uhr nachts in Auckland an. Wir hatten leider 10 Stunden Aufenthalt, da die Flüge nicht anders gelegt werden konnten. Dieser Zeitraum war zu kurz, um vernünftig in ein Hotel einzuchecken, allerdings auch zu lang, um wach zu bleiben. Daher breiteten wir unsere Schlafsäcke auf ein paar Bänken aus und schliefen in der Mitte der Wartehalle. Soweit ist es mit uns gekommen, allerdings sind das die Strapazen des Reisens. Anja konnte nicht wirklich schlafen, während ich in einen wilden Halbschlaf viel. Um 10.30 Uhr ging es dann weiter und wir waren froh, die Nacht überstanden zu haben.

In Rarotonga angekommen waren wir relativ zügig durch die Einwanderungsbehörde gekommen. Wie es sich für eine Südseeinsel gehört, begrüßt uns ein Sänger mit einer Ukulele auf dem Kofferband. Die Musik war sehr unterhaltsam und wir fühlten uns Willkommen. Die Wärme strahlte durch die offenen Fenster und wir vergaßen sofort, dass wir eben noch in der Kälte waren. Anja und ich hätten sich jedoch noch mehr gefreut, wenn unsere Taschen auf dem Kofferband erschienen wären. Die Pause in Auckland war zu lange gewesen und unsere Taschen hatten es nicht in unser Flugzeug geschafft. Es dauerte eine Ewigkeit, bis wir erfuhren, dass unsere Taschen vergessen wurden. Bevor wir die Formalitäten erledigt hatten, waren wir fast die letzten Passagiere im Terminal.

Anja und ich wurden nämlich schon sehnsüchtig erwartet. In der Ankunftshalle begrüßte uns freudig Maureen, die Cousine von Walt Masters, einem Kollegen aus Neuseeland. Wir hatten Walt ja noch in Auckland auf einen Kaffee getroffen. Maureen war spät dran, da es ihr letzter Abend als Präsidentin des lokalen Rotarier-Clubs war. Obwohl wir etwas müde waren, nahm sie uns zur Sitzung mit. Wir begrüßten die anderen Mitglieder und entschieden uns am Tresen für zwei Rum-Cola. Da sich die Sonne senkte, liefen wir bei der erst besten Gelegenheit zum Strand und genossen unseren ersten Sonnenuntergang auf Rarotonga mit kühlen Getränken in der Hand. So hatten wir uns das vorgestellt. Wir durften bei den Rotariern essen und hörten uns geduldig einen Vortrag über die Gesundheit der Männer auf den Cookinseln Inseln an. Wir waren nicht wirklich überrascht, dass die meisten Probleme Alkohol, Bewegungsmangel, Fehlernährung und Übergewicht waren. Allerdings ist es gut, dass jetzt vermehrte Aufklärungsinitiativen gestartet werden, um die Probleme anzugehen. Nach der Sitzung machten wir noch kurz auf einem Nachtmarkt halt, auf dem verschiedene Gruppen traditionelle Tänze aufführten. Maureen brachte uns in ihr zu Hause und bot uns an, im Haus ihrer Eltern zu übernachten. Es ist unglaublich, dass wir unser eigenes Heim beziehen konnten, dass wie ein Wochenendbungalow auf dem Grundstück steht. Wir öffneten unsere Bacardi-Mojito Flasche aus dem Dutie Free Shop und begossen unsere Zeit auf Raro. Anja und ich waren sehr glücklich, in diesem Paradies angekommen zu sein.

Am nächsten Morgen öffneten wir die Tür des Bungalows und strahlten wie das Wetter. Die Sonne schien, es war warm, die Palmen wogen im Wind und Maureen hatten uns ein Auto vor die Tür gestellt. Was? Ja, wir dürfen den Nissan Micra einer Freundin benutzen (Grüße an Wiesi). Diese weiß von ihrem Glück noch nichts, aber das wird schon in Ordnung gehen. In diesem Moment wussten wir wieder, wie verwöhnt wir werden und wie toll es ist, so viele liebe Menschen zu kennen und kennen zu lernen.

Um auf Raro Autofahren zu dürfen, benötigt man allerdings einen Führerschein. Also war die erste Amtshandlung des Tages, mir diese Erlaubnis zu organisieren. Nach 10 Minuten Warten und der Bezahlung von 20 Dollar war ich stolzer Besitzer eines Führerscheins der Cookinseln Inseln. Mittlerweile haben wir die Insel schon zweimal umrundet. Das ist auch nicht schwierig. Rarotonga zu Australiens 33.000 km nur 32km Umfang hat. Da Air New Zealand unsere Taschen nicht mitgeliefert hatte, durften wir uns für 100 Dollar pro Nase Klamotten kaufen. Im ersten Moment hörte sich das nach viel Geld an, jedoch waren diese schnell ausgegeben. Wir freuten uns aber trotzdem, dass wir uns neue Shirts, für Anja einen neuen Bikini und für mich eine neue Badehosen holen konnten.

Nach einem schönen Frühstück beschäftigten wir uns mit unserer Lieblingsaktivität seit unserer Ankunft. Wir gingen Schnorcheln. Die komplette Insel ist von einem Riff umgeben, hinter dem sich eine fantastische Lagune mit türkisem Wasser gebildet hat. Diese ist Kindergarten für die meisten Rifffische. Wir schwammen durch ein Aquarium und bestaunten alte Bekannte.

Ein Flugzeug der Air New Zealand landete am späten Nachmittag mit unseren Taschen an Bord. Allerdings konnten wir diese nicht abholen, da wir für den Abend bereits eine Verabredung hatten. Auf der Rotary-Sitzung hatte uns Paul auf sein Boot eingeladen, um in den Sonnenuntergang zu segeln. Dieses Angebot konnten wir natürlich nicht ausschlagen. Wir schipperten entspannt an der Insel entlang. Wir sahen, wie die Maschine der Air New Zealand vor unseren Augen abhob und dankten ihr, dass sie hoffentlich unsere Taschen gebracht hatte. Auf dem Boot trafen wir Daniela und Martin aus der Schweiz, die wir am Vortag beim Wimpelaustausch der Rotarier kennen gelernt hatten. Wir teilten uns eine Flasche Wein mit den Beiden und ließen den Abend mit einem gemeinsamen Essen ausklingen.

Am Freitag holten wir unsere Taschen ab und freuten uns darüber sehr. Das Wichtigste für uns, waren unsere Flossen. Nachdem wir diese hatten, ließen wir keine Zeit verstreichen wieder in Wasser zu springen. Wir haben mittlerweile verschiedene Schnorchelspots ausprobiert und sind jedes Mal wieder begeistert. Als Höhepunkte haben wir bereits einen Oktopus und zwei Seeschlangen gesehen. An einer Stelle schwammen ungefähr 70 gelbe Falterfische auf uns zu und beäugten uns neugierig. Es war unglaublich! Ein wenig kitzelte es, als sie uns zu knutschen versuchten. Ich hoffe nicht, dass sie mit ihren weichen Lippen abbeißen wollten. Für Montag haben wir bereits zwei Tauchgänge für uns organisiert und können es kaum erwarten.

Da Maureens Grundstück an der Nordwestküste liegt, haben wir ganz kurze Wege, um zum Sonnenuntergang am Meer zu sein. Es ist immer wieder schön, diesem Moment beizuwohnen. Gestern gab es eine Sternfrucht zum Frühstück, die wir vom Baum neben unserem Bungalow gepflückt haben. Zwischen zwei Schnorchelstopps schauten wir uns ein Rugbyspiel an, bei dem Blau gegen Rot gewonnen hat. Leider wissen wir nicht, wie die Teams heißen. Am Abend stürzten wir uns ins Nachtleben. Punkt 24 Uhr ging allerdings das Licht an und wir wurden nach Hause geschickt. Wir hatten unseren Spaß und waren nicht wirklich traurig, dass es ein offizielles Ende gab.

Allerdings hat dieses Paradies auch eine große Schattenseite, an die wir uns noch nicht gewöhnen können. Jede Nacht ab 3 Uhr werden die Hähne munter und schreien über die Insel. Es hört sich wie wilde Indianerstämme an, die das Kriegsbeil ausgegraben haben. Natürlich laufen die Hühner hier frei herum, so dass keiner weiß, zu wem sie gehören und keiner dafür verantwortlich ist. Wir haben herausgefunden, dass unser Nachbar Farmer ist, so dass nicht nur 1 nein auch nicht 2 sondern 5 oder 6 Hähne in unserer Umgebung kreischen. Einige davon sitzen vor unsrem Fenster und ihr Schrei geht durch unser Mark und unsere Knochen. Schlaf ist uns bei diesen vielen Reisen ja noch wichtiger geworden, so dass wir irgendwann am Vormittag wie gerädert aufstehen. Meistens hören sie bei Sonnenaufgang auf, welcher erst gegen 7:00 Uhr ist. Manchmal waren wir froh, wenn das Hundegebell in der Nachbarschaft die Hähne für einen Moment unterbrach. Nach den ersten zwei Nächten hatte ich die Letzte genug und bin auf Jagd gegangen. Der Bauer hatte gestern noch ein Schwein in einen Käfig gezwängt, dessen Stepptanz noch zusätzlich die ganze Nacht polterte. Allerdings habe ich die Hähne in unserer Umgebung nicht erwischt, da sie aufhörten zu krähen, als ich in ihrer unmittelbaren Nähe stand. Jedoch habe ich bei der Dämmerung gesehen, dass sie in den Ästen eines Mangobaums direkt über unserem Schlafzimmer sitzen und sich aufplustern. In der nächsten Nacht werde ich das Kriegsbeil ausgraben und mal schauen, was ich erreiche. Davon berichten wir euch dann nächste Woche.

Bis dahin genießen wir aber weiter unsere Zeit auf Raro und nehmen die Hähne in Kauf. Wir wollen uns ja nicht beschweren, sondern uns auf unsere Tauchgänge morgen freuen.

Beste Grüße

Anja und Patrice

PS: Die Zeitreise bedeutet auch, dass wir später als Europa unterwegs sind. Momentan ist der Zeitunterschied 12 Stunden, glaube ich. Daher könnten wir nach 20 oder 21 Uhr deutscher Zeit auf Skype erscheinen. Allerdings haben wir hier nur begrenzten Internetzugang, so dass wir wahrscheinlich erst nächste Woche, wenn wir in die USA fliegen, erreichbar sind. Dann sind es auch nur noch 9 Stunden Zeitunterschied.


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