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Sonntag, 22. Mai 2011
The Red Centre - Das rote Zentrum
anjapat, 17:32h
Hallo Ihr Lieben,
Dieses Mal hatten wir kleinere Schwierigkeiten, einen Namen für den Blog zu finden, da wir verschiedene Ereignisse wie wunderschöne Sonnenuntergänge aber auch interessante Tiergeschichten erlebt haben. Letztendlich haben wir uns für die bildliche Beschreibung unseres Zieles entschieden, denn wir sind ins Outback, das rote Zentrum Australiens, aufgebrochen.
Bevor Anja und ich jedoch Darwin verließen, bekam Marko ein ordentliches Seifbad. Nach all den Kilometern hatte er eine Wäsche verdient, worüber er sich sehr freute. Danach füllten wir wie immer unsere Vorräte und kauften neue Bücher, da wir am Ende unserer momentan Lektüre waren.
Unser erstes Ziel war der Kakadu Nationalpark, der unter anderen Kulisse für den Film „Crocodile Dundee“ gewesen ist. Sein Gelände wird während der Regenzeit sehr stark geflutet. Da wir erst im Übergang zur Trockenzeit sind, waren noch viele Strecken und Wanderwege gesperrt. Ein Grund sind sicher die Flutungen ein anderer sind aber die gefährlichen Salzwasserkrokodile, die sich durch die Wassermassen im ganzen Park verteilten. An einer Wasserfläche sollten eigentlich eine Menge Wasservögel zu sehen sein, doch waren diese wohl noch unterwegs bzw. hatten sich an anderen Stellen niedergelassen. Eigentlich gehört der Park noch den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, die aber Besucher erlaubt haben. Daher können viele heilige Stätte besucht werden, an den bis zu 20.000 Jahre alte Wandmalereien zu finden sind. Am Abend erreichten wir den Berg Ubirr, der eine wichtige Bedeutung hat und zusätzlich einen wunderbaren Blick über den Park während des Sonnenunterganges bietet. Wir genossen die Aussicht und träumten uns in die Welt der Aborigines. Auf dem Campingplatz bereiteten wir unser Abendessen zu, wurden aber von tausenden Mücken attackiert. Es war kein Wunder, dass es so viele von diesen Beissern gab, da wir uns in einem riesigen, überschwemmten Gebiet befanden. Dutzende von ihnen müssen an unserer Fensterscheiben gewartet haben, als wir in der Nacht die Tür öffnen mussten, da es zu heiß war und wir nach frischer Luft schnappen mussten. Die Invasion der Blutsauger eröffnete eine Schlacht und wir versprühten erfolgreich die letzten Inhalte unserer Insektenschutzflasche. Gesundheitlich war es wohl wie einer chemischen Explosion beizuwohnen. Wir waren aber froh, dass wir nur Opfer und keine Überlebenden zu vermelden hatten.
Am Dienstag sind wir dann weiter durch den Park gezogen. Einige Strecken waren wie gesagt noch überschwemmt, so dass Marko ein paar weitere Spritzer Wasser abbekam. Auch stand an einer Stelle ein Wildpferd und schaute uns genauso überrascht wie wir es an. Wir schauten uns weitere sehr gut erhaltene Wandmalereien an. Sie erzählten vom Schaffer der Welt und seiner Frau, die für die Fruchtbarkeit auf der Erde sorgt. Zusätzlich sahen wir aber auch menschliche Malereien, wie eine Tanzgruppe oder Leute bei der Kängurujagd. Im Infocenter erhielten wir dann ausführliche Informationen über das Leben der Ureinwohner. Die meisten wohnen immer noch in ihrer ursprünglichen Lebensweise. Die zwanghafte Zivilisierung der letzten 150 Jahre ist bei manchen Stämmen noch nicht angekommen. Es ist eine schwierige Situation, da die Integration meistens auf fehlgeschlagen ist. In manchen Städten haben wir viele Aborigines betrunken auf der Straße erlebt, da sie sich dem Gift des weißen Mannes hingegeben haben. Am Abend fanden wir ein ruhiges Plätzchen und sammelten Holz für ein schönes Lagerfeuer. Das Leben und die Geschichten hatten uns wohl inspiriert. Allerdings gingen wir nicht auf die Jagd, sondern aßen den Fisch, den wir einen Tag vor gekauft hatten. Das spannende an dieser Woche war auch, dass wir nicht nur tolle Sonnenuntergänge sondern auch sehr schöne Mondaufgänge beobachten konnten. Da es Vollmond war, zeigte er sich in seiner vollsten Pracht.
Am Mittwoch verabschiedeten wir uns vom Kakadunationalpark und fuhren in Richtung Süden. Es war ein Fahrtag für uns, so dass wir nicht viel erlebten. Am Nachmittag stoppten wir am kristallklaren Thermalpool der Mataranka Quelle und nahmen ein Bad im 34°C warmen Wasser. Es war ein bisschen komisch, bei den warmen Außentemperaturen in einem Thermalbad zu schwimmen, aber vor allem Anja genoss die Wärme sehr. Dort konnte man auch im naheliegenden Fluss ein Bad nehmen, allerdings hielten uns zwei Augen und ein gezackter Rücken davon ab. Wir wollten auch nicht herausfinden, ob der stille Beobachter ein Salz- oder Süßwasserkrokodil war, und gingen daher nicht in dem Fluss schwimmen. Auf der Fahrt zum Rastplatz bemerkte Anja im Augenwinkel, wie sich etwas in Kopfhöhe einen Weg nach vorn bahnte. Es entpuppte sich als eine riesige Spinne, deren Körper etwas größer als ein zwei Eurostück war und deren beharrten Füße sie handtellergroß machte. Durch den Schreck hüpfte Anja auf die Mittelkonsole und bat mich sehr deutlich, sofort anzuhalten. Da ich kein Fan von Spinnen bin, brauchte Anja mich nicht lange zu bitten. Glücklicher Weise entschied sich unsere Mitfahrerin sofort auszusteigen, als ich das Fenster runter kurbelte, während wir anhielten. Wir hatten sie wohl an der letzten Tankstelle aufgegabelt. Beweisfotos gibt es von ihr nicht, da wir in dem Moment andere Gedanken hatten.
Am nächsten Tag fuhren wir weiter und erreichten am frühen Nachmittag die Devils Marbels. Übersetzt heißen sie die Murmeln des Teufels. Die Felsbrocken sehen nämlich aus wie riesige rund gelutschte Steine, die der Meister nach seinem letzten Spiel wohl vergessen hat. Es sind tatsächlich Granitfelsen, die über Jahrtausende von den Erdkräften bearbeitet wurden. Im Sonnenuntergang leuchten sie rot und verzaubern die komplette Umgebung. Uns boten sie eine tolle Kulisse für ein paar Luftsprünge und andere Blödeleien. Ihr seht, uns geht es richtig gut. Als wir Marko erreichten, krabbelte etwas an seiner Außenwand hoch. Wir waren erleichtert, dass es sich nur um einen Frosch und nicht wieder um eine langbeinige Spinne handelte. Allerdings sind auch manche Frösche eine Pest in Australien und wir machten dem Gesellen deutlich, dass er nicht mit uns weiterreisen dürfte.
Da die Devils Marbles auch am Morgen einen tolles Farbenspiel zum Sonnenaufgang bieten, entschieden wir uns, zeitig aufzustehen und das Spektakel anzuschauen. Anja und ich saßen kurz nach 6 Uhr auf einem Felsen, da sich der Horizont verfärbte. Allerdings wussten wir nicht, dass die Sonne erst nach 7 Uhr aufging, so dass wir etwas Zeit mitgebracht hatten. Es war aber trotzdem ein wunderbares Erlebnis. Auch wenn es nicht äußerst frisch war, genossen wir den Ausblick. So intensiv hatten wir bisher auch noch keinen Sonnenaufgang erlebt, was diesen Moment sehr besonders machte.
Gegen Mittag erreichten wir Alice Springs, welche die größte Stadt im Zentrum ist. Wir füllten uns Vorräte wieder auf und genossen eine kleine Kaffeepause an einem ausgetrockneten Flussbed. Da wir zeitig aufgebrochen waren, konnten wir den Nachmittag etwas entspannter angehen. Allerdings fuhren wir später weiter und erreichten bei einem schönen Sonnenuntergang unseren Rastplatz. Als wir unser Abendessen kochten, bemerkten wir, wie sich unzählige Mäuse neugierig näherten. Wir haben nichts gegen Mäuse, aber um die 20 waren dann doch etwas zu viele. Sie waren überall und schwirrten um uns herum. Während Anja mit dem Abwasch beschäftigt war, patrouillierte ich um sie herum, um sie zu beschützen. Obwohl wir die Türen von Marko geschlossen hatten, hatten wir sie für einen Moment wohl zu lange offen gehabt. Jedenfalls haben wir seit diesem Abend eine Untermieterin. Eine Maus hat es in unseren Wagen geschafft. Sie ist nicht sehr groß und wir hören sie nur manchmal, was die Sache halbwegs erträglich macht. Allerdings haben wir in der ersten Nacht doch etwas unruhig geschlafen.
Am nächsten Tag erfuhren wir an einer Tankstelle, dass momentan eine Mäuseplage herrscht und niemand Herr der Lage wird. Auch waren sämtliche Mausfallen ausverkauft. Da wir bisher noch nicht die Muße gefunden haben, unser komplettes Auto nach der Maus abzusuchen, keine Falle kaufen konnten und sie bisher noch keinen Schaden angerichtet hat, haben wir unseren blinden Passagier akzeptiert. Wir haben sie übrigens Michael mit dem Spitznamen „Mickey“ getauft.
Gestern sind wir dann am Kings Canyon angekommen. Diese Schlucht ist einer der Höhepunkte der Region. Als wir gerade auf den letzten Metern zum Parkplatz waren, schreckten wir eine Gruppe kleiner Vögel auf, die ungefähr so groß wie junge Spatzen waren. Wir hatten keine Chance abzubremsen oder auszuweichen und so knallten 5 oder 6 von ihnen gegen die Windschutzscheibe und kullerten auf die Straße. Einer von ihnen blieb sogar am Scheibenwischer hängen und baumelte, während wir stoppten. Ich konnte den leblosen Körper nur noch entfernen. Uns taten die kleinen Kerle unendlich leid und wir hatten langsam genug von unseren Tiererlebnissen.
Die 6 km Wanderung um den Canyon herum war ein grandioses Erlebnis. Der rote Felsen leuchtete und die Bruchstellen gaben bizarre Bilder wieder. Es war magischer Ort mit fantastischen Felsformen, bewaldeten Schluchten, die Wasserlöcher beherbergten um die Palmen wuchsen. Wir liefen am Grad des Canyons entlang und schauten direkt von der Felskante in den Abgrund. Unser Abendessen konnten wir dieses Mal direkt am Fuße der Felsen kochen, wo die Nationalparkverwaltung tolle Kochgelegenheiten zur Verfügung gestellt hatte. Diese wurden mit Gas betrieben und wir aßen unser Hünchen süß-sauer, während sich im Hintergrund wieder die Sonne senkte. Ein paar Wolken verzauberten den Untergang, während die Sonne die rot leuchtenden Felsen anstrahlte. Es war ein tolles Abendessen und wir sehr glücklich, wieder einen wunderbaren Tag und diesen schönen Ort erlebt zu haben.
Heute morgen haben wir den Kings Canyon verlassen und einen für uns relativ entspannten Tag vor uns. Wir standen um 8:30 Uhr auf, fuhren „nur“ 300 km nach unserem Früchstück und erreichten gegen Mittag unser Ziel. Wir konnten am Nachmittag Wäsche waschen, tranken Kaffee mit Keksen und sind dann zum Sonnenuntergang aufgebrochen.
Dieses Mal hatten wir aber ein besonderes Ziel. Wir haben nämlich den sagenumwobenen Uluru hauptsächlich bekannt als Ayers Rock erreicht. Dies ist einer der wichtigsten Ort der Aborigines und wahrscheinlich eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens. Er strahlt eine mystische Macht aus und beeindruckt sehr, wie er da so allein mitten im Outback steht. Heute waren wir nur für den Sonnenuntergang gekommen. Dieser war, wie wohl jeden Tag, wunderschön. Der Felsen verfärbt sich erst orange und dann rot und lässt all seiner Betrachter verstummen.
Morgen werden wir den Uluru umrunden und dann auch die benachbarten Olga-Berge besuchen, die noch interessanter aus der Landschaft herausragen. Dann liegen wieder ein paar Fahrtage vor uns, da wir das Outback verlassen werden und am Wochenende die Ostküste erreichen wollen. In Cairnes wird dann auch unsere letzte Etappe zurück nach Melbourne starten. Mittlerweile haben wir fast 14.000 km erfahren und Marko rollt weiter wie eine Eins.
Von unseren morgigen Wanderungen, unserer Untermieterin Mickey und den ersten Eindrücken von der Ostküste berichten wir dann beim nächsten Mal.
Beste Grüße
Anja und Patrice
PS: Momentan jagen sich die Hasen hier auf dem Campingplatz. Gut das unseren Türen geschlossen sind.
Dieses Mal hatten wir kleinere Schwierigkeiten, einen Namen für den Blog zu finden, da wir verschiedene Ereignisse wie wunderschöne Sonnenuntergänge aber auch interessante Tiergeschichten erlebt haben. Letztendlich haben wir uns für die bildliche Beschreibung unseres Zieles entschieden, denn wir sind ins Outback, das rote Zentrum Australiens, aufgebrochen.
Bevor Anja und ich jedoch Darwin verließen, bekam Marko ein ordentliches Seifbad. Nach all den Kilometern hatte er eine Wäsche verdient, worüber er sich sehr freute. Danach füllten wir wie immer unsere Vorräte und kauften neue Bücher, da wir am Ende unserer momentan Lektüre waren.
Unser erstes Ziel war der Kakadu Nationalpark, der unter anderen Kulisse für den Film „Crocodile Dundee“ gewesen ist. Sein Gelände wird während der Regenzeit sehr stark geflutet. Da wir erst im Übergang zur Trockenzeit sind, waren noch viele Strecken und Wanderwege gesperrt. Ein Grund sind sicher die Flutungen ein anderer sind aber die gefährlichen Salzwasserkrokodile, die sich durch die Wassermassen im ganzen Park verteilten. An einer Wasserfläche sollten eigentlich eine Menge Wasservögel zu sehen sein, doch waren diese wohl noch unterwegs bzw. hatten sich an anderen Stellen niedergelassen. Eigentlich gehört der Park noch den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, die aber Besucher erlaubt haben. Daher können viele heilige Stätte besucht werden, an den bis zu 20.000 Jahre alte Wandmalereien zu finden sind. Am Abend erreichten wir den Berg Ubirr, der eine wichtige Bedeutung hat und zusätzlich einen wunderbaren Blick über den Park während des Sonnenunterganges bietet. Wir genossen die Aussicht und träumten uns in die Welt der Aborigines. Auf dem Campingplatz bereiteten wir unser Abendessen zu, wurden aber von tausenden Mücken attackiert. Es war kein Wunder, dass es so viele von diesen Beissern gab, da wir uns in einem riesigen, überschwemmten Gebiet befanden. Dutzende von ihnen müssen an unserer Fensterscheiben gewartet haben, als wir in der Nacht die Tür öffnen mussten, da es zu heiß war und wir nach frischer Luft schnappen mussten. Die Invasion der Blutsauger eröffnete eine Schlacht und wir versprühten erfolgreich die letzten Inhalte unserer Insektenschutzflasche. Gesundheitlich war es wohl wie einer chemischen Explosion beizuwohnen. Wir waren aber froh, dass wir nur Opfer und keine Überlebenden zu vermelden hatten.
Am Dienstag sind wir dann weiter durch den Park gezogen. Einige Strecken waren wie gesagt noch überschwemmt, so dass Marko ein paar weitere Spritzer Wasser abbekam. Auch stand an einer Stelle ein Wildpferd und schaute uns genauso überrascht wie wir es an. Wir schauten uns weitere sehr gut erhaltene Wandmalereien an. Sie erzählten vom Schaffer der Welt und seiner Frau, die für die Fruchtbarkeit auf der Erde sorgt. Zusätzlich sahen wir aber auch menschliche Malereien, wie eine Tanzgruppe oder Leute bei der Kängurujagd. Im Infocenter erhielten wir dann ausführliche Informationen über das Leben der Ureinwohner. Die meisten wohnen immer noch in ihrer ursprünglichen Lebensweise. Die zwanghafte Zivilisierung der letzten 150 Jahre ist bei manchen Stämmen noch nicht angekommen. Es ist eine schwierige Situation, da die Integration meistens auf fehlgeschlagen ist. In manchen Städten haben wir viele Aborigines betrunken auf der Straße erlebt, da sie sich dem Gift des weißen Mannes hingegeben haben. Am Abend fanden wir ein ruhiges Plätzchen und sammelten Holz für ein schönes Lagerfeuer. Das Leben und die Geschichten hatten uns wohl inspiriert. Allerdings gingen wir nicht auf die Jagd, sondern aßen den Fisch, den wir einen Tag vor gekauft hatten. Das spannende an dieser Woche war auch, dass wir nicht nur tolle Sonnenuntergänge sondern auch sehr schöne Mondaufgänge beobachten konnten. Da es Vollmond war, zeigte er sich in seiner vollsten Pracht.
Am Mittwoch verabschiedeten wir uns vom Kakadunationalpark und fuhren in Richtung Süden. Es war ein Fahrtag für uns, so dass wir nicht viel erlebten. Am Nachmittag stoppten wir am kristallklaren Thermalpool der Mataranka Quelle und nahmen ein Bad im 34°C warmen Wasser. Es war ein bisschen komisch, bei den warmen Außentemperaturen in einem Thermalbad zu schwimmen, aber vor allem Anja genoss die Wärme sehr. Dort konnte man auch im naheliegenden Fluss ein Bad nehmen, allerdings hielten uns zwei Augen und ein gezackter Rücken davon ab. Wir wollten auch nicht herausfinden, ob der stille Beobachter ein Salz- oder Süßwasserkrokodil war, und gingen daher nicht in dem Fluss schwimmen. Auf der Fahrt zum Rastplatz bemerkte Anja im Augenwinkel, wie sich etwas in Kopfhöhe einen Weg nach vorn bahnte. Es entpuppte sich als eine riesige Spinne, deren Körper etwas größer als ein zwei Eurostück war und deren beharrten Füße sie handtellergroß machte. Durch den Schreck hüpfte Anja auf die Mittelkonsole und bat mich sehr deutlich, sofort anzuhalten. Da ich kein Fan von Spinnen bin, brauchte Anja mich nicht lange zu bitten. Glücklicher Weise entschied sich unsere Mitfahrerin sofort auszusteigen, als ich das Fenster runter kurbelte, während wir anhielten. Wir hatten sie wohl an der letzten Tankstelle aufgegabelt. Beweisfotos gibt es von ihr nicht, da wir in dem Moment andere Gedanken hatten.
Am nächsten Tag fuhren wir weiter und erreichten am frühen Nachmittag die Devils Marbels. Übersetzt heißen sie die Murmeln des Teufels. Die Felsbrocken sehen nämlich aus wie riesige rund gelutschte Steine, die der Meister nach seinem letzten Spiel wohl vergessen hat. Es sind tatsächlich Granitfelsen, die über Jahrtausende von den Erdkräften bearbeitet wurden. Im Sonnenuntergang leuchten sie rot und verzaubern die komplette Umgebung. Uns boten sie eine tolle Kulisse für ein paar Luftsprünge und andere Blödeleien. Ihr seht, uns geht es richtig gut. Als wir Marko erreichten, krabbelte etwas an seiner Außenwand hoch. Wir waren erleichtert, dass es sich nur um einen Frosch und nicht wieder um eine langbeinige Spinne handelte. Allerdings sind auch manche Frösche eine Pest in Australien und wir machten dem Gesellen deutlich, dass er nicht mit uns weiterreisen dürfte.
Da die Devils Marbles auch am Morgen einen tolles Farbenspiel zum Sonnenaufgang bieten, entschieden wir uns, zeitig aufzustehen und das Spektakel anzuschauen. Anja und ich saßen kurz nach 6 Uhr auf einem Felsen, da sich der Horizont verfärbte. Allerdings wussten wir nicht, dass die Sonne erst nach 7 Uhr aufging, so dass wir etwas Zeit mitgebracht hatten. Es war aber trotzdem ein wunderbares Erlebnis. Auch wenn es nicht äußerst frisch war, genossen wir den Ausblick. So intensiv hatten wir bisher auch noch keinen Sonnenaufgang erlebt, was diesen Moment sehr besonders machte.
Gegen Mittag erreichten wir Alice Springs, welche die größte Stadt im Zentrum ist. Wir füllten uns Vorräte wieder auf und genossen eine kleine Kaffeepause an einem ausgetrockneten Flussbed. Da wir zeitig aufgebrochen waren, konnten wir den Nachmittag etwas entspannter angehen. Allerdings fuhren wir später weiter und erreichten bei einem schönen Sonnenuntergang unseren Rastplatz. Als wir unser Abendessen kochten, bemerkten wir, wie sich unzählige Mäuse neugierig näherten. Wir haben nichts gegen Mäuse, aber um die 20 waren dann doch etwas zu viele. Sie waren überall und schwirrten um uns herum. Während Anja mit dem Abwasch beschäftigt war, patrouillierte ich um sie herum, um sie zu beschützen. Obwohl wir die Türen von Marko geschlossen hatten, hatten wir sie für einen Moment wohl zu lange offen gehabt. Jedenfalls haben wir seit diesem Abend eine Untermieterin. Eine Maus hat es in unseren Wagen geschafft. Sie ist nicht sehr groß und wir hören sie nur manchmal, was die Sache halbwegs erträglich macht. Allerdings haben wir in der ersten Nacht doch etwas unruhig geschlafen.
Am nächsten Tag erfuhren wir an einer Tankstelle, dass momentan eine Mäuseplage herrscht und niemand Herr der Lage wird. Auch waren sämtliche Mausfallen ausverkauft. Da wir bisher noch nicht die Muße gefunden haben, unser komplettes Auto nach der Maus abzusuchen, keine Falle kaufen konnten und sie bisher noch keinen Schaden angerichtet hat, haben wir unseren blinden Passagier akzeptiert. Wir haben sie übrigens Michael mit dem Spitznamen „Mickey“ getauft.
Gestern sind wir dann am Kings Canyon angekommen. Diese Schlucht ist einer der Höhepunkte der Region. Als wir gerade auf den letzten Metern zum Parkplatz waren, schreckten wir eine Gruppe kleiner Vögel auf, die ungefähr so groß wie junge Spatzen waren. Wir hatten keine Chance abzubremsen oder auszuweichen und so knallten 5 oder 6 von ihnen gegen die Windschutzscheibe und kullerten auf die Straße. Einer von ihnen blieb sogar am Scheibenwischer hängen und baumelte, während wir stoppten. Ich konnte den leblosen Körper nur noch entfernen. Uns taten die kleinen Kerle unendlich leid und wir hatten langsam genug von unseren Tiererlebnissen.
Die 6 km Wanderung um den Canyon herum war ein grandioses Erlebnis. Der rote Felsen leuchtete und die Bruchstellen gaben bizarre Bilder wieder. Es war magischer Ort mit fantastischen Felsformen, bewaldeten Schluchten, die Wasserlöcher beherbergten um die Palmen wuchsen. Wir liefen am Grad des Canyons entlang und schauten direkt von der Felskante in den Abgrund. Unser Abendessen konnten wir dieses Mal direkt am Fuße der Felsen kochen, wo die Nationalparkverwaltung tolle Kochgelegenheiten zur Verfügung gestellt hatte. Diese wurden mit Gas betrieben und wir aßen unser Hünchen süß-sauer, während sich im Hintergrund wieder die Sonne senkte. Ein paar Wolken verzauberten den Untergang, während die Sonne die rot leuchtenden Felsen anstrahlte. Es war ein tolles Abendessen und wir sehr glücklich, wieder einen wunderbaren Tag und diesen schönen Ort erlebt zu haben.
Heute morgen haben wir den Kings Canyon verlassen und einen für uns relativ entspannten Tag vor uns. Wir standen um 8:30 Uhr auf, fuhren „nur“ 300 km nach unserem Früchstück und erreichten gegen Mittag unser Ziel. Wir konnten am Nachmittag Wäsche waschen, tranken Kaffee mit Keksen und sind dann zum Sonnenuntergang aufgebrochen.
Dieses Mal hatten wir aber ein besonderes Ziel. Wir haben nämlich den sagenumwobenen Uluru hauptsächlich bekannt als Ayers Rock erreicht. Dies ist einer der wichtigsten Ort der Aborigines und wahrscheinlich eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens. Er strahlt eine mystische Macht aus und beeindruckt sehr, wie er da so allein mitten im Outback steht. Heute waren wir nur für den Sonnenuntergang gekommen. Dieser war, wie wohl jeden Tag, wunderschön. Der Felsen verfärbt sich erst orange und dann rot und lässt all seiner Betrachter verstummen.
Morgen werden wir den Uluru umrunden und dann auch die benachbarten Olga-Berge besuchen, die noch interessanter aus der Landschaft herausragen. Dann liegen wieder ein paar Fahrtage vor uns, da wir das Outback verlassen werden und am Wochenende die Ostküste erreichen wollen. In Cairnes wird dann auch unsere letzte Etappe zurück nach Melbourne starten. Mittlerweile haben wir fast 14.000 km erfahren und Marko rollt weiter wie eine Eins.
Von unseren morgigen Wanderungen, unserer Untermieterin Mickey und den ersten Eindrücken von der Ostküste berichten wir dann beim nächsten Mal.
Beste Grüße
Anja und Patrice
PS: Momentan jagen sich die Hasen hier auf dem Campingplatz. Gut das unseren Türen geschlossen sind.
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