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Sonntag, 15. Mai 2011
Good bye Western Australia, Hello Northern Territory
anjapat, 10:17h
Hallo Ihr Lieben,
wieder liegt eine spannende Woche mit interessanten Erlebnissen aber auch viel Fahreinheiten hinter uns.
Nachdem wir Exmouth und das schöne Ningaloo-Riff verlassen hatten, machten wir einen Abstecher Richtung Landesinnere. Obwohl es nicht das Outback war, wurde die Erde roter. Uns umringten hügelige Berglandschaften, die von Bäumen und Büschen bewachsen waren. Unser Ziel war der Ort Tom Price, der nach einem Geologen benannt ist, welcher in der Gegend ausreichende Erzvorkommen vorhergesagt hatte. Da er Recht behalten sollte, gibt es jetzt ein Vielzahl von Abbaugebieten. Wir besuchten eine der größten Eisenerzminen der Firma Rio Tinto, welche eine der größten Bergbauunternehmen der Welt ist. Die eineinhalbstündige Rundfahrt zur Hauptmine und den Erzgewinnungsanlagen war sehr spannend und wir hätten nicht gedacht, dass wir auf unserer Reise solch eine Exkursion erleben werden. Die riesigen Trucks und Bagger waren gigantisch und erinnerten uns ein wenig an Ferropolis, wo die vielen Braunkohlebagger rumstehen. Es gab so viele Daten der Superlative und ich konnte mir nur merken, dass der Reifen eines Trucks 3,5 Tonnen wiegt und ein LKW 4,5 Million Dollar kostet. Ok, um ehrlich zu sein, haben wir die Tour nur gemacht, damit wir tolle Fotos mit den Schutzhelmen machen konnten.
Von Tom Price fuhren wir weiter in den nahegelegenen Karijini Nationalpark, von dem wir tolle Bilder seiner Täler und Schluchten (Gorges) gesehen hatten. Der Park ist altes Bergbaugebiet, welches von der Natur zurück erobert wurde. Anja und ich machten eine Wanderung durch die Dales Gorge und schauten uns den schönen Fortscue Wasserfall und den märchenhaften Fernpool an. Auf dem Weg durchs Tal starteten wir einen Wettstreit, wer schneller von uns beiden eine kleine Wand erklimmen würde. Wir sagen mal, es ging Unentschieden aus. Am anderen Ende der Schlucht wurde der Circular Pool von Bergwänden umringt, in dem ich nach unserem Klettern eine Abkühlung brauchte. Am Abend erreichten wir die Mirijuna Schlucht, über die wir einen herrlichen Ausblick hatten.
Dort frühstückten wir und genossen noch einmal die Aussicht. Durch das Tal quälten sich zu dieser Zeit bereits einige Road-Trains der Minen. Diese riesigen LKWs, die teilweise bis zu vier Anhänger haben, beeindrucken einfach durch ihre Größe. Besonders wenn sie uns entgegen kamen oder gar überholten. Die Augen meiner Reisepartnerin wurden immer größer, wenn sich einer dieser Kolosse nährte, da durch ihre berufliche Vergangenheit auch ein Truckerherz in ihr schlägt. Ein bisschen fühle ich mich ja bei diesen vielen Kilometern auch wie ein großer LKW-Fahrer, obwohl wir in unserem Marko wohl eher von den großen Jungs belächelt werden. Aber unser Gefühl zählt.
Wir machten aber auch andere Begegnungen auf der Strecke. Die Weidegebiete für Kühe, zum Beispiel, sind riesig in Australien. Manche besitzen über 1000e von Quadratkilometern. Da durch einigen die Highways verlaufen und die Felder nicht umzäunt sind, standen des Öfteren Kühe auf der Straße und blockierten unseren Weg. Ein weißer Stier war freudig erregt, als wir uns in unserem großen, brummenden, weißen Etwas näherten. Glücklicher Weise akzeptierte er uns nicht als eine verlockende Verehrerin, sondern ließ uns nach ein paar Überlegungen passieren. So unfallfrei verlief es mit den Libellen aber vor allem den Heuschrecken nicht. Letztere flogen in unzähligen Schwärmen wie Tiefflieger über dem Highway und knallten wie Kugeln aus einem Maschinengewehr gegen die Front unseres armen Markos. Gut das Kühe und Kängurus nicht fliegen können.
Wir erreichten wieder die Westküste, von der wir uns verabschieden mussten, da wir in Richtung Osten unterwegs waren. Am 80 Mile Beach und in Broome konnten wir aber noch einmal traumhafte Sonnenuntergänge erleben. Wir hatten eine tolle Zeit an den Stränden und in den Nationalparks erlebt. Allerdings war die Zeit viel zu kurz und wir werden sicher zurückkehren.
Längere Strecken Fahrt standen vor uns. Leider mussten wir dabei die sagenhaften Kimberly und Purnululu Nationalparks auslassen, da diese nur für Allradfahrzeuge empfohlen sind. Zeitlich wäre es eh knapp für uns geworden. Obwohl wir über 1000 km (+12 Stunden Fahrt) an zwei Tagen absolvierten, ließen wir uns durch die Strecken nicht stressen. Es war wichtig für uns, dass wir in Ruhe ausschliefen und ein schönes Frühstück zu uns nahmen. Oft saßen wir an den Rastplätzen allein, während sich die meisten schon auf den Weg gemacht hatten. Manchmal scheint es ein täglicher Wettstreit zu sein. Wer fährt als erster los? Wie weit schaffen wir es heute? Anja und ich wollen uns daran nicht beteiligen, da wir viel zu viele Kilometer hinter aber auch noch vor uns haben. Wir genießen daher die Momente der Ruhe vor allem zu den Mahlzeiten. Allgemein übernachten wir auch nie ohne Nachbarn auf den freien Rastplätzen. Es sind wahnsinnig viele Leute unterwegs. Vor allem sind es junge Europäer, die genauso wie wir in ihren Klapperkisten durch Australien touren, aber auch viele australische Rentner und Ehepaare sind mit ihren Caravan Wagen auf der Straße.
Am Straßenrand beeindruckten Anja und mich vor allem die Boabbäume, die mit ihren dicken Bäuchen wir riesige Portweinflaschen aussehen. Endlich hatte mal jemand anderes als ich den dicksten Bauch. Des Weiteren fuhren wir in die Regionen der Termiten. Diese kleinen Ameisen ähnlichen Gesellen hatten ihre Schlösser wie Kleckerburgen auf den Wiesen verteilt. Es gab tausende dieser Schlösser, so dass es einem Märchenland glich. Auch sahen wir, wie viele Blumen und Bäume zu blühen begannen. Während im Süden der Herbst anfängt, scheint es im Norden Frühling zu werden. Hier beginnt jetzt die Trockenzeit und die Regenzeit hat viele Gebiete wie jedes Jahr überschwemmt, was wir an den Straßenschäden merken. Einige Bäche sind bereits ausgetrocknet, während manche Flüsse übervoll noch einige Ufer überspülen. Es ist auch wärmer als im Süden, was für uns sehr angenehm ist. Ich bin eine Strecke auch ohne T-Shirt gefahren, um die Pudelmütze in der Nacht im Süden vergessen zu machen. Ob es gewirkt hat, wird aber nicht verraten.
Am Ende des zweiten Fahrtages erreichten wir unser letztes Ziel in Western Australien. Es war der See Argyle, der durch einen Damm mit Wasserkraftwerk gestaut wird und 18-mal so viel Wasser wie die Bucht von Sydney fasst. Er ist riesig, hat unzählige Inseln und die umliegenden Berge leuchteten im Rot des Sonnenuntergangs. Am nächsten Morgen hatten wir uns eine Fahrpause verordnet und lümmelten uns in den Tag. Nach einem Lauf fuhren wir zu einem Picknickplatz und genossen unser ausgiebiges Frühstück. Wir stellten die Stühle in die Sonne und lasen unsere Bücher bei einer schönen Tasse Kaffee. Es war herrlich! Ich holte mir eine Matte raus und konnte auch ein bisschen dösen. Allerdings kribbelte es gegen Mittag und wir wollten doch noch ein paar Kilometer hinter uns bringen.
An der Landesgrenze verabschiedeten wir uns von Western Australien und begrüßten das Northern Territory mit ein paar Luftsprüngen. Wir hatten die Strecken jetzt so geplant, dass sie kürzer (nur 100 bis 300 km) als die vorhergehenden waren und freuten uns darüber. So erreichten wir nach kurzer Zeit einen Campingplatz zum Abend. Dort patrouillierten die Kakadus über den Neuankömmlingen und schnatterten kräftig in das Abendrot. In der Nähe des Campingplatzes errichtete im 19. Jahrhundert die erste Expedition in den Norden Australiens ihr Basislager. Der führende Forscher ließ das Datum der ersten Ankunft am 2. Juli 1855 in einen Boabbaum schnitzen, welches heute noch sichtbar ist. Das Lager aus Strohhütten hat es allerdings nicht überlebt. Es ist unglaublich, dass das noch gar nicht so lang her ist. Vor 200 Jahren war die Region sowie das gesamte Land noch nicht erforscht und total unberührt gewesen.
Am Freitag erreichten wir im Laufe des Tages Katherine, welcher ein zentraler Ort im Northern Territory ist. Wir wollten eine Rundfahrt durch die Schluchten des Nitimiluk Nationalparks (Katherine Gorges) am Samstag machen. Als Nachtlager entschieden wir uns für einen Campingplatz beim ältesten Farmhaus Nordaustraliens. Dort gab es ein schattiges Billabong, so eine Art Dorfteich, an dem wir Marko abstellten. Die freundliche Platzwächterin informierte uns, dass es Fütterzeit für die Bewohner des Billabongs wäre. Als unsere Nachbarn kristallisierten sich mehrere Schildkröten, Barrakudafische aber auch ein Süßwasserkrokodil namens Elvis heraus. Die Platzwächterin brachte uns Toastbrot für die Kröten und Steak für Elvis. Während die Schildkröten und Fische bereits warteten, war der größte Bewohner noch nicht zu sehen. Anja ließ keine Minute verstreichen und verteilte das Brot an die Hunger leidenden Schildkröten. So stürzten sie sich jedenfalls ins Wasser, nachdem sie sich schüchtern einen Bissen geschnappt hatten. Ein bisschen war uns mulmig, so nah am Billabong zu stehen, aber da Elvis nicht sichtbar war, ging das schon in Ordnung. Nach einem Spaziergang zum alten Farmhaus, schauten wir noch einmal nach unseren schildigen Freunden, die genüsslich die Reste aufschnappten. Plötzlich stiegen Luftblasen am Uferrand auf. Zwei Augen schauten uns wartend an. Elvis hatte den Weg zurück gefunden und war jetzt neugierig, was die Schildkröten auf dem Speiseplan hatten. Dieses Mal durfte ich ran und holte mir schnell den Beutel mit dem Steak. Wir schmissen die Stücken ans Ufer und staunten nicht schlecht, als sich Elvis aus dem Wasser bewegte. Das Gute an Süßwasserkrokodilen ist, dass sie vor Menschen Angst und nur eine schmale Schnauze haben, in die kein Stück Mensch passt. Elvis war nämlich ein ganz schön großes Krokodil und maß mit Schwanz an die 1,70 m. Es war der Wahnsinn, dass wir in diesem einfachen Campingplatz solche Tiere füttern durften. Wir vertrauten darauf, dass Elvis uns in der Nacht in Ruhe lassen würde, da wir uns unserer Meinung nach angefreundet hatten. Am Morgen haben wir ihn dann auch nicht wieder gesehen.
Gestern sind wir dann nach einem entspannten Frühstück, immer noch sehr wichtig für uns, zu den Katherine Gorges gefahren und haben eine Bootsrundfahrt gemacht. Sie war herrlich ruhig und wir konnten die Schluchten und ihre Felsen begutachten. Wir genossen es, genüsslich in der Gegend herum zu schippern und diesen schönen Ort erleben zu können. Nach der Fahrt sind wir dann weiter in Richtung Norden aufgebrochen und am Abend im Litchfield Nationalpark angekommen. Dort besuchten wir magnetischen Termiten. Diese haben nämlich ihre Hügel oder besser gesagt Quader nach dem Magnetfeld der Erde in eine Ost-West-Richtung aufgebaut, so dass die Behausungen wie ein Feld ordentlich gepflanzter Grabsteine aussehen. Es war schon faszinierend, wie sich diese kleinen Tierchen orientieren können. Daneben haben andere Termiten ihre Schlösser hingesetzt, die wie Kathedralen in der Gegend herumstehen. Sie sind zwischen drei bis vier Meter hoch und Anja und ich sahen daneben wie kleine Zwerge aus.
Heute, am Sonntagmorgen, genossen wir die paradiesischen Felsenpools des Florence Creek im Litchfield Nationalpark. Das Wasser war herrlich und wir fühlten uns in den Strömen wie in einer anderen Welt. Danach fuhren wir zu den Florence Wasserfällen und sprangen auch dort in die Fluten.
Mittlerweile sind wir in Darwin angekommen,welche die größte Stadt im Norden ist. Gefühlt haben wir die Hälfte unseres Australientour rum. Wir haben fast 11000 km hinter uns und ungefähr das Gleiche noch mal vor uns. Morgen geht es dann in den Kakadu Nationalpark und wir werden uns auf die Spuren der australischen Ureinwohner, den Aborigines, und vieler Zugvögel begeben. Nächste Woche fahren wir dann zum Uluru (Ayers Rock) und melden uns dann aus Alice Springs.
Beste Grüße
Anja und Patrice
wieder liegt eine spannende Woche mit interessanten Erlebnissen aber auch viel Fahreinheiten hinter uns.
Nachdem wir Exmouth und das schöne Ningaloo-Riff verlassen hatten, machten wir einen Abstecher Richtung Landesinnere. Obwohl es nicht das Outback war, wurde die Erde roter. Uns umringten hügelige Berglandschaften, die von Bäumen und Büschen bewachsen waren. Unser Ziel war der Ort Tom Price, der nach einem Geologen benannt ist, welcher in der Gegend ausreichende Erzvorkommen vorhergesagt hatte. Da er Recht behalten sollte, gibt es jetzt ein Vielzahl von Abbaugebieten. Wir besuchten eine der größten Eisenerzminen der Firma Rio Tinto, welche eine der größten Bergbauunternehmen der Welt ist. Die eineinhalbstündige Rundfahrt zur Hauptmine und den Erzgewinnungsanlagen war sehr spannend und wir hätten nicht gedacht, dass wir auf unserer Reise solch eine Exkursion erleben werden. Die riesigen Trucks und Bagger waren gigantisch und erinnerten uns ein wenig an Ferropolis, wo die vielen Braunkohlebagger rumstehen. Es gab so viele Daten der Superlative und ich konnte mir nur merken, dass der Reifen eines Trucks 3,5 Tonnen wiegt und ein LKW 4,5 Million Dollar kostet. Ok, um ehrlich zu sein, haben wir die Tour nur gemacht, damit wir tolle Fotos mit den Schutzhelmen machen konnten.
Von Tom Price fuhren wir weiter in den nahegelegenen Karijini Nationalpark, von dem wir tolle Bilder seiner Täler und Schluchten (Gorges) gesehen hatten. Der Park ist altes Bergbaugebiet, welches von der Natur zurück erobert wurde. Anja und ich machten eine Wanderung durch die Dales Gorge und schauten uns den schönen Fortscue Wasserfall und den märchenhaften Fernpool an. Auf dem Weg durchs Tal starteten wir einen Wettstreit, wer schneller von uns beiden eine kleine Wand erklimmen würde. Wir sagen mal, es ging Unentschieden aus. Am anderen Ende der Schlucht wurde der Circular Pool von Bergwänden umringt, in dem ich nach unserem Klettern eine Abkühlung brauchte. Am Abend erreichten wir die Mirijuna Schlucht, über die wir einen herrlichen Ausblick hatten.
Dort frühstückten wir und genossen noch einmal die Aussicht. Durch das Tal quälten sich zu dieser Zeit bereits einige Road-Trains der Minen. Diese riesigen LKWs, die teilweise bis zu vier Anhänger haben, beeindrucken einfach durch ihre Größe. Besonders wenn sie uns entgegen kamen oder gar überholten. Die Augen meiner Reisepartnerin wurden immer größer, wenn sich einer dieser Kolosse nährte, da durch ihre berufliche Vergangenheit auch ein Truckerherz in ihr schlägt. Ein bisschen fühle ich mich ja bei diesen vielen Kilometern auch wie ein großer LKW-Fahrer, obwohl wir in unserem Marko wohl eher von den großen Jungs belächelt werden. Aber unser Gefühl zählt.
Wir machten aber auch andere Begegnungen auf der Strecke. Die Weidegebiete für Kühe, zum Beispiel, sind riesig in Australien. Manche besitzen über 1000e von Quadratkilometern. Da durch einigen die Highways verlaufen und die Felder nicht umzäunt sind, standen des Öfteren Kühe auf der Straße und blockierten unseren Weg. Ein weißer Stier war freudig erregt, als wir uns in unserem großen, brummenden, weißen Etwas näherten. Glücklicher Weise akzeptierte er uns nicht als eine verlockende Verehrerin, sondern ließ uns nach ein paar Überlegungen passieren. So unfallfrei verlief es mit den Libellen aber vor allem den Heuschrecken nicht. Letztere flogen in unzähligen Schwärmen wie Tiefflieger über dem Highway und knallten wie Kugeln aus einem Maschinengewehr gegen die Front unseres armen Markos. Gut das Kühe und Kängurus nicht fliegen können.
Wir erreichten wieder die Westküste, von der wir uns verabschieden mussten, da wir in Richtung Osten unterwegs waren. Am 80 Mile Beach und in Broome konnten wir aber noch einmal traumhafte Sonnenuntergänge erleben. Wir hatten eine tolle Zeit an den Stränden und in den Nationalparks erlebt. Allerdings war die Zeit viel zu kurz und wir werden sicher zurückkehren.
Längere Strecken Fahrt standen vor uns. Leider mussten wir dabei die sagenhaften Kimberly und Purnululu Nationalparks auslassen, da diese nur für Allradfahrzeuge empfohlen sind. Zeitlich wäre es eh knapp für uns geworden. Obwohl wir über 1000 km (+12 Stunden Fahrt) an zwei Tagen absolvierten, ließen wir uns durch die Strecken nicht stressen. Es war wichtig für uns, dass wir in Ruhe ausschliefen und ein schönes Frühstück zu uns nahmen. Oft saßen wir an den Rastplätzen allein, während sich die meisten schon auf den Weg gemacht hatten. Manchmal scheint es ein täglicher Wettstreit zu sein. Wer fährt als erster los? Wie weit schaffen wir es heute? Anja und ich wollen uns daran nicht beteiligen, da wir viel zu viele Kilometer hinter aber auch noch vor uns haben. Wir genießen daher die Momente der Ruhe vor allem zu den Mahlzeiten. Allgemein übernachten wir auch nie ohne Nachbarn auf den freien Rastplätzen. Es sind wahnsinnig viele Leute unterwegs. Vor allem sind es junge Europäer, die genauso wie wir in ihren Klapperkisten durch Australien touren, aber auch viele australische Rentner und Ehepaare sind mit ihren Caravan Wagen auf der Straße.
Am Straßenrand beeindruckten Anja und mich vor allem die Boabbäume, die mit ihren dicken Bäuchen wir riesige Portweinflaschen aussehen. Endlich hatte mal jemand anderes als ich den dicksten Bauch. Des Weiteren fuhren wir in die Regionen der Termiten. Diese kleinen Ameisen ähnlichen Gesellen hatten ihre Schlösser wie Kleckerburgen auf den Wiesen verteilt. Es gab tausende dieser Schlösser, so dass es einem Märchenland glich. Auch sahen wir, wie viele Blumen und Bäume zu blühen begannen. Während im Süden der Herbst anfängt, scheint es im Norden Frühling zu werden. Hier beginnt jetzt die Trockenzeit und die Regenzeit hat viele Gebiete wie jedes Jahr überschwemmt, was wir an den Straßenschäden merken. Einige Bäche sind bereits ausgetrocknet, während manche Flüsse übervoll noch einige Ufer überspülen. Es ist auch wärmer als im Süden, was für uns sehr angenehm ist. Ich bin eine Strecke auch ohne T-Shirt gefahren, um die Pudelmütze in der Nacht im Süden vergessen zu machen. Ob es gewirkt hat, wird aber nicht verraten.
Am Ende des zweiten Fahrtages erreichten wir unser letztes Ziel in Western Australien. Es war der See Argyle, der durch einen Damm mit Wasserkraftwerk gestaut wird und 18-mal so viel Wasser wie die Bucht von Sydney fasst. Er ist riesig, hat unzählige Inseln und die umliegenden Berge leuchteten im Rot des Sonnenuntergangs. Am nächsten Morgen hatten wir uns eine Fahrpause verordnet und lümmelten uns in den Tag. Nach einem Lauf fuhren wir zu einem Picknickplatz und genossen unser ausgiebiges Frühstück. Wir stellten die Stühle in die Sonne und lasen unsere Bücher bei einer schönen Tasse Kaffee. Es war herrlich! Ich holte mir eine Matte raus und konnte auch ein bisschen dösen. Allerdings kribbelte es gegen Mittag und wir wollten doch noch ein paar Kilometer hinter uns bringen.
An der Landesgrenze verabschiedeten wir uns von Western Australien und begrüßten das Northern Territory mit ein paar Luftsprüngen. Wir hatten die Strecken jetzt so geplant, dass sie kürzer (nur 100 bis 300 km) als die vorhergehenden waren und freuten uns darüber. So erreichten wir nach kurzer Zeit einen Campingplatz zum Abend. Dort patrouillierten die Kakadus über den Neuankömmlingen und schnatterten kräftig in das Abendrot. In der Nähe des Campingplatzes errichtete im 19. Jahrhundert die erste Expedition in den Norden Australiens ihr Basislager. Der führende Forscher ließ das Datum der ersten Ankunft am 2. Juli 1855 in einen Boabbaum schnitzen, welches heute noch sichtbar ist. Das Lager aus Strohhütten hat es allerdings nicht überlebt. Es ist unglaublich, dass das noch gar nicht so lang her ist. Vor 200 Jahren war die Region sowie das gesamte Land noch nicht erforscht und total unberührt gewesen.
Am Freitag erreichten wir im Laufe des Tages Katherine, welcher ein zentraler Ort im Northern Territory ist. Wir wollten eine Rundfahrt durch die Schluchten des Nitimiluk Nationalparks (Katherine Gorges) am Samstag machen. Als Nachtlager entschieden wir uns für einen Campingplatz beim ältesten Farmhaus Nordaustraliens. Dort gab es ein schattiges Billabong, so eine Art Dorfteich, an dem wir Marko abstellten. Die freundliche Platzwächterin informierte uns, dass es Fütterzeit für die Bewohner des Billabongs wäre. Als unsere Nachbarn kristallisierten sich mehrere Schildkröten, Barrakudafische aber auch ein Süßwasserkrokodil namens Elvis heraus. Die Platzwächterin brachte uns Toastbrot für die Kröten und Steak für Elvis. Während die Schildkröten und Fische bereits warteten, war der größte Bewohner noch nicht zu sehen. Anja ließ keine Minute verstreichen und verteilte das Brot an die Hunger leidenden Schildkröten. So stürzten sie sich jedenfalls ins Wasser, nachdem sie sich schüchtern einen Bissen geschnappt hatten. Ein bisschen war uns mulmig, so nah am Billabong zu stehen, aber da Elvis nicht sichtbar war, ging das schon in Ordnung. Nach einem Spaziergang zum alten Farmhaus, schauten wir noch einmal nach unseren schildigen Freunden, die genüsslich die Reste aufschnappten. Plötzlich stiegen Luftblasen am Uferrand auf. Zwei Augen schauten uns wartend an. Elvis hatte den Weg zurück gefunden und war jetzt neugierig, was die Schildkröten auf dem Speiseplan hatten. Dieses Mal durfte ich ran und holte mir schnell den Beutel mit dem Steak. Wir schmissen die Stücken ans Ufer und staunten nicht schlecht, als sich Elvis aus dem Wasser bewegte. Das Gute an Süßwasserkrokodilen ist, dass sie vor Menschen Angst und nur eine schmale Schnauze haben, in die kein Stück Mensch passt. Elvis war nämlich ein ganz schön großes Krokodil und maß mit Schwanz an die 1,70 m. Es war der Wahnsinn, dass wir in diesem einfachen Campingplatz solche Tiere füttern durften. Wir vertrauten darauf, dass Elvis uns in der Nacht in Ruhe lassen würde, da wir uns unserer Meinung nach angefreundet hatten. Am Morgen haben wir ihn dann auch nicht wieder gesehen.
Gestern sind wir dann nach einem entspannten Frühstück, immer noch sehr wichtig für uns, zu den Katherine Gorges gefahren und haben eine Bootsrundfahrt gemacht. Sie war herrlich ruhig und wir konnten die Schluchten und ihre Felsen begutachten. Wir genossen es, genüsslich in der Gegend herum zu schippern und diesen schönen Ort erleben zu können. Nach der Fahrt sind wir dann weiter in Richtung Norden aufgebrochen und am Abend im Litchfield Nationalpark angekommen. Dort besuchten wir magnetischen Termiten. Diese haben nämlich ihre Hügel oder besser gesagt Quader nach dem Magnetfeld der Erde in eine Ost-West-Richtung aufgebaut, so dass die Behausungen wie ein Feld ordentlich gepflanzter Grabsteine aussehen. Es war schon faszinierend, wie sich diese kleinen Tierchen orientieren können. Daneben haben andere Termiten ihre Schlösser hingesetzt, die wie Kathedralen in der Gegend herumstehen. Sie sind zwischen drei bis vier Meter hoch und Anja und ich sahen daneben wie kleine Zwerge aus.
Heute, am Sonntagmorgen, genossen wir die paradiesischen Felsenpools des Florence Creek im Litchfield Nationalpark. Das Wasser war herrlich und wir fühlten uns in den Strömen wie in einer anderen Welt. Danach fuhren wir zu den Florence Wasserfällen und sprangen auch dort in die Fluten.
Mittlerweile sind wir in Darwin angekommen,welche die größte Stadt im Norden ist. Gefühlt haben wir die Hälfte unseres Australientour rum. Wir haben fast 11000 km hinter uns und ungefähr das Gleiche noch mal vor uns. Morgen geht es dann in den Kakadu Nationalpark und wir werden uns auf die Spuren der australischen Ureinwohner, den Aborigines, und vieler Zugvögel begeben. Nächste Woche fahren wir dann zum Uluru (Ayers Rock) und melden uns dann aus Alice Springs.
Beste Grüße
Anja und Patrice
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