Samstag, 27. November 2010
Koh Rong - Du kleines Paradies
Hallo,

Entschuldigt bitte, dass wir uns erst heute melden, aber in den letzten Tagen hatten wir kein Internet verfügbar. Vielleicht haben einige gehört, dass sich am letzten Tag auf dem Wasserfest eine Massenpanik in Phnom Penh ereignet hat. Das sind sehr traurige Nachrichten, da an die 350 Menschen ums Leben gekommen sind. Uns geht es gut, da wir wie angekündigt den Bus nach Sihanoukville am Montag genommen haben und somit nicht in der Nähe des Unglücks waren. Die 4-stündige Fahrt war nicht sehr anstrengend und wir genossen die schöne Landschaft mit palmenbewachten Reisfeldern vor grün-bewachsenen Hügeln. Von der Panik haben wir erst am Dienstagmorgen erfahren, als wir bereits auf dem Boot nach Koh Rong waren. Erst heute werden wir uns des Ausmaßes bewusst, da wir wieder ins Netz schauen können. Wir sind geschockt und trauern mit den Opfern.

Bevor wir jedoch über unsere Faulenztage auf der Insel vor der Küste Kambodschas berichten, möchten wir noch einmal auf Phnom Penh eingehen. Falls ihr geschockt von den Bildern der Genozide gewesen seid, war das ein bisschen unsere Absicht. Wir wollten euch an unseren Emotionen teilhaben lassen, so dass ihr in etwa nachempfinden könnt, was wir fühlten, als wir die eingeschlagenen Schädel gesehen haben. Das geht ja bekanntlich mit Bildern sehr gut.

Zwei andere Dinge haben uns in Phnom Penh noch Schmunzeln lassen, von denen wir euch auch berichten möchten. Zum einen sind gerade Hausanzüge, die wie Schlafpyjamas aussehen, bei den Kambodschanerinnen in Mode. Dadurch läuft jede vierte Frau im Schlafanzug durch die Stadt und geht zum Einkaufen, Abendessen und auch beim Wasserfest haben wir einige in ihren Anzügen gesehen. Es war absolut komisch für uns, dies zu beobachten, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Eine zweite Sache hat uns auch noch überrascht. Als wir zufällig durch die Kinderbuchabteilung einer Bücherhandlung gingen, staunten wir sehr, als wir Adolf Hitlers "Mein Kampf" im Regal entdeckten. Entweder sollte das Buch lächerlich gemacht werden, oder die Kambodschaner verstanden den Inhalt nicht so wirklich. Wir haben nicht weiter nachgefragt.

Am Montag sind wir, wie bereits erwähnt, nach Sihanoukville an die Küste Kambodschas gefahren. Eigentlich wollten wir gleich auf eine der Inseln übersetzen, jedoch fuhr an diesem Tag kein Schiff mehr und wir hätten eins privat chartern müssen. Also entschieden wir uns in einem Reisebüro, in dem die kambodschanische Besitzerin Deutsch sprach, dass wir am nächsten Tag für vier Nächte nach Koh Rong schippern würden. In dem Reisebüro sprachen wir noch kurz mit einem anderen deutschen Pärchen und freuten uns tierisch, dass wir die nächsten Tage am Meer verbringen würden. Michi, leider ist es nicht Lazy Beach geworden, da es nicht ganz in unser Budget gepasst hat und es günstigere Alternativen gab. So verbrachten wir den Tag in Sihanoukville und genossen unser Abendessen bei Kerzenschein an dessen überlaufenen Strand.

Am nächsten Morgen wurden wir abgeholt und freuten uns, dass wir im Tucktuck das Pärchen vom Vortag wiedertrafen. Ute und Achim aus NRW würden auch eine Nacht auf der Insel verbringen und wir kamen schnell ins Gespräch. Die Überfahrt dauerte 2,5 Stunden und schien endlos zu sein. Jedoch hatte sich die Fahrt gelohnt, als wir auf Koh Rong anlegten und den schneeweißen Strand und das türkise Wasser sahen. So hatten wir uns das vorgestellt. Die Holzhütten waren sehr einfach, standen aber nur 10m vom Wasser entfernt. Wir konnten es kaum erwarten, vom Boot zu kommen und ins Wasser zu springen, was wir auch bald taten. Anja und ich wussten, dass wir uns in den nächsten Tagen hier sehr erholen würden. Das Abendessen genossen wir mit Ute und Achim bei der untergehenden Sonne. Danach wurde uns ein kleines Feuer am Strand angezündet und wir unterhielten uns lange bei ein paar Bier und einer Flasche Wein.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von den beiden, da sie weiter nach Thailand reisten. Unsere Tage verbrachten wir danach sehr ähnlich. Wir schliefen lange, genossen am Morgen den Blick aus unserem Fenster, frühstückten auf unserer kleinen Terrasse, gingen häufig schwimmen, schnorchelten ein bisschen, lasen viel, hörten etwas Musik und faulenzten richtig schön in den Korksesseln. Einmal schauten wir uns das benachbarte Dörfchen hier an, grüßten die freundlichen Leute und sahen, wie einfach diese hier vom Fischfang und unserem Camp lebten. Das Camp bestand aus 13 Bungalows und einer kleinen Küche an einem 4km langen Strand. Mehr gab es hier nicht. Der Strom wurde nur zwischen 18 und 22 Uhr angestellt, der Handyempfang war miserabel und es gab weder Fernsehen noch Internet. Schön! Natürlich pisakten uns einige Insekten und wir hatten ulkige Mitbewohner. Duschen und die Toilette spülen erledigte man per Schöpfkelle und dem Wasser in einer Tonne, die gefüllt werden konnte. Doch das alles störte uns nur wenig. Abends gingen wir spazieren und beobachteten, wie die Sonne hinterm Horizont verschwand. Dabei wunderten wir uns, als der Strand lebendig wurde, da sich dutzende Sandkrabben auf Nahrungssuche begaben und sich wie kleine Wirbelwinde bewegten. Wir hatten eine unglaublich entspannte Zeit auf dieser paradiesischen Insel und freuten uns über unser Glück, dies erleben zu können. Das Zusammenspiel des hellen Sandes, des klaren Wassers, der grünen Hügel, der Wärme der Sonne und des milden Rauschens der Wellen ließ unsere Seelen baumeln. Wir vergaßen all unsere Vorhaben und das wir bald weiterreisen mussten.

Mittlerweile sind wird wieder an Land und werden uns morgen auf den Weg nach Vietnam begeben. Wir versuchen, über kleine Städte im Süden Kambodschas nach Vietnam einzureisen und dann gleich zum Mekong-Delta zu gelangen. Die einfachere Strecke wäre über Phnom Penh und Ho-Chi-Minh Stadt gewesen, aber wir wollten die großen Städte meiden und es abenteuerlicher erleben.

Bis bald aus dem Mekong-Delta oder vielleicht schon Ho-Chi-Minh, wo wir danach hinfahren werden.

Anja und Pat

PS: Übrigens Achim, hat es nach eurer Abfahrt nicht wieder geregnet. ;-)


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