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Freitag, 22. Oktober 2010
Nachts in Jaipur
anjapat, 15:45h
Hi,
ersteinmal moechten wir uns fuer die vielen lieben Kommentare bedanken. Wir freuen uns immer darueber, diese zu lesen und zu wissen, dass ihr an uns denkt.
Bevor wir mit dem Nachtzug nach Udaipur fahren wollten, haben wir es doch noch einmal gewagt und uns eigenständig auf den Weg zu einem verlassen Tempel gemacht. Dieser heißt Galta Tempel und wird mittlerweile von Affen als Behausung benutzt, was ihm den Spitznamen "Monkeytempel" für uns Touristen eingbracht hat. Jedenfalls sind wir mit der Autorikscha an den Rand Jaipiurs gefahren.
Die Tempelanlage war in die Berge gebaut, beeindruckend groß und überall sprangen dessen kleine neue Bewohner herum. Die Äffchen spielten miteindaner, suchten sich gegenseitig nach Läusen ab, genossen es rumzuliegen, fraßen die Bananen oder Nüsse, die Besucher mitbrachten und nicht selten gab es auch ein paar Zwistigkeiten zu klären. Es war ein buntes Treiben und tolles Schauspiel für die Besucher und deren Kameras. Die Anlage bestand aus vielen Gebäuden aber auch Springbrunnen, Schreinen und einigen Hindutempeln. Ein paar übergebliebene Tempelbewohner, so hatten wir den Eindruck, halfen den indischen Besuchern, die ein reinigendes Bad nehmen wollten. So sind einige Jugendliche in kompletter Kleidung (Jeans, Shirt oder Sari) in die Poolanlage geklettert. Für die jüngeren Burschen aus der Umgebung waren die Pool- und Tempelanlage ein hervorragender Spielplatz und ich musste an meine Kindertage zurückdenken. Die Affen hatten natürlich ihren eigenen Pool etwas weiter oben, indem sie herumtollen und miteinander spielen konnten. Dieser Ausflug war ein toller Abschluss für unseren Jaipur Aufenthalt, denn die nächste Herausforderung wartete schon auf uns.
Da wir bei all den Aktivitäten der letzten Wochen unsere Züge etwas spät buchen konnten, hatten wir für den einzigen Nachtzug von Jaipur nach Udaipur nur Plätze auf der Warteliste bekommen. Auch die folgenden Tage waren ausgebucht und wir wollten nicht Geld für weitere Warteplätze ausgeben. So fuhren wir abends zum Bahnhof und wussten nicht, ob wir es in den Zug schaffen würden. In Udaipur gab es einen tollen Wasserpalast, den wir besuchen wollten. Wir hatten bereits eine Unterkunft organisiert, also mussten wir den Zug irgendwie schaffen. Auf dem Bahnhof suchten wir uns in der Wartehalle eine Ecke, in der wir halbwegs zurückgezogen sein konnten, da wir noch 3h Zeit hatten, und wir nicht die Aufmerksamkeit auf uns ziehen wollten. Dies schafften wir allerdings nur bedingt. Jedenfalls musste ich Anja bei unserem Gepäck lassen, während ich nach dem passenden Schalter suchte, der mir eventuell Auskunft über unseren Status geben konnte. Mittlerweile wussten wir zwar, das wir auf der Warteliste nach oben auf Platz 2 und 3 gerutscht waren, allerdings bedeutete es, dass wir immer noch nicht mitfahren konnten. Der Mann am Schalter bestätigte unseren Status, wurde dann allerdings etwas aufbrausend, als ich weiterbohrte, wie wir es in den Zug schaffen könnten. Er sagte, ihm seien die Hände gebunden und er könnte nichts machen. Prima!
Mit dieser Nachricht kehrte ich zu Anja zurück, die mittlerweile wieder einige Blicke auf sich gezogen hatte. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass unsere Laune nicht gerade besonders war. Wir munterten uns aber gegenseitig auf und ließen die Dinge geschehen. Wir erkannten, dass wir nur noch eine Chance hatten. Der Schaffner im Zug hatte die aktuellsten Listen und könnte uns sicher einen Platz zuweisen. Die Zeit bis zur Ankunft des Zuges wollte nicht vergehen. Allerdings lief in der Wartehalle Peter Jackson's "King Kong" und wir schauten gebannt aber auch schmunzelnd den Kampf zwischen King Kong und den 3 Tyrannus Rex mit unseren Indischen Sitznachbarn an.
Als unser Zug nicht planmäßig ankam, spannten sich unsere Geduldsfäden. Mit einer Verspätung von über 30 min traf er dann kurz vor 23 Uhr ein und das wilde Rennen begann, denn wir waren nicht die einzigen Wartegelisteten auf dem Bahnsteig. Wieder ließ ich Anja beim Gepäck und lief die klimatisierten Reisewagen ab. Überall stiegen die Leute ein und drängelten sich mit ihren Gepäckstücken in die Waggons. Vom Schaffner war weit und breit keine Spur. Dabei bemerkte ich, dass es pro Klasse nur einen Waggon gab, was äusserst wenig ist, wenn man bedenkt, dass dies die Haupttouristenzeit und der einzige Zug nach Udaipur war. Es half aber alles nichts. Als ich in einem Waggon ein freies Bett sah, blieb ich davor stehen. Ich sprach einen Zugassistenten an, der mir zuzwinkerte, dass es frei wäre und wir eine Chance hätten. Meine Hoffnung blühte auf. Ich müsste nur mit dem Schaffner sprechen, der genau in diesem Moment aus dem Zug stieg. Er war ein untersetzter Mann mit breitem Scheitel und sein Jacket strahlte Autorität aus. Sofort stürzten sich die Wartenden inkl. mir auf den Mann mit den wichtigen Listen. Alle redeten auf ihn ein und wollten einen Platz erhaschen. Als ich an der Reihe war, nahm er unser Ticket, schaute kurz in seine Liste und schüttelte nur den Kopf. Wir waren nicht bestätigt wurden, womit das Ticket nicht gültig war und wir dürften den Zug auf keinen Fall betreten. Das war alles, was er zu sagen hatte? Ich stand fassungslos da, wollte mich aber nicht geschlagen geben. Wir mussten ja nach Udaipur. So lief ich hinter ihm her und suchte weiter das Gespräch. Er empfahl mir in der einfachsten Klasse nach einem Platz zu fragen, gestand mir aber auch, dass wir in den nächsten Tagen mit dem Zug nicht nach Udaipur kommen würden. Als ich abdrehte, um in der einfachsten Klasse nach Plätzen zu fragen, setzte sich der Zug in Bewegung. Die letzten Fahrgäste sprangen auf. Anja und ich standen nachts in Jaipur auf dem Bahnhof und hatten unseren Zug nach Udaipur nicht bekommen.
Total enttäuscht schauten wir uns an und überlegten, wie wir aus dieser Situation wieder rauskommen würden. Da Vijay, unser Hotelvater, überaus freundlich war und ständig seine Hilfe anbot, riefen wir ihn an und wir konnten eine weitere Nacht in seinem Hotel schlafen. Am Morgen schauten wir nach Optionen. Mit dem Bus würde eine Fahrt über 10 Stunden dauern und wir wären erst in der Nacht gegen 2 Uhr in Udaipur gewesen. Dies hätte wenig Zeit für die Erkundung gelassen, da wir am nächsten Tag weiter nach Mumbai geflogen wären. Auch waren wir nicht sicher, ob es noch freie Plätze gab. Eine weitere Option wäre ein privates Fahrzeug/Taxi gewesen, welches uns die 450 km in 8h Stunden für teures Geld nach Udaipur gebracht hätte. Daher entschieden wir uns, Udaipur komplett außen vor zu lassen und früher nach Mumbai zu fliegen. Es war zwar schade, Udaipur nicht zu sehen, aber die Fahrt dorthin war einfach zu komplex. Wir hätten uns vielleicht ein anders Ziel in Rajasthan aussuchen sollen, aber das konnten wir vorher alles nicht verbereiten. Es gab noch günstige Flüge für den Tag und so brachen wir am Nachmittag auf. Um ehrlich zu sein, genossen wir die Zeit auf dem Flughafen und dann im Flieger. Daher sind wir mittlerweile in Mumbai angekommen. Mit einer Unterkunft hat es hier auch geklappt. Über Mumbai berichten wir dann in den nächsten Tagen, bevor wir nach Goa fliegen und uns von all den Eindrücken und Staedten eine Woche lang am Meer erholen koennen.
Beste Grüße
Anja und Pat
ersteinmal moechten wir uns fuer die vielen lieben Kommentare bedanken. Wir freuen uns immer darueber, diese zu lesen und zu wissen, dass ihr an uns denkt.
Bevor wir mit dem Nachtzug nach Udaipur fahren wollten, haben wir es doch noch einmal gewagt und uns eigenständig auf den Weg zu einem verlassen Tempel gemacht. Dieser heißt Galta Tempel und wird mittlerweile von Affen als Behausung benutzt, was ihm den Spitznamen "Monkeytempel" für uns Touristen eingbracht hat. Jedenfalls sind wir mit der Autorikscha an den Rand Jaipiurs gefahren.
Die Tempelanlage war in die Berge gebaut, beeindruckend groß und überall sprangen dessen kleine neue Bewohner herum. Die Äffchen spielten miteindaner, suchten sich gegenseitig nach Läusen ab, genossen es rumzuliegen, fraßen die Bananen oder Nüsse, die Besucher mitbrachten und nicht selten gab es auch ein paar Zwistigkeiten zu klären. Es war ein buntes Treiben und tolles Schauspiel für die Besucher und deren Kameras. Die Anlage bestand aus vielen Gebäuden aber auch Springbrunnen, Schreinen und einigen Hindutempeln. Ein paar übergebliebene Tempelbewohner, so hatten wir den Eindruck, halfen den indischen Besuchern, die ein reinigendes Bad nehmen wollten. So sind einige Jugendliche in kompletter Kleidung (Jeans, Shirt oder Sari) in die Poolanlage geklettert. Für die jüngeren Burschen aus der Umgebung waren die Pool- und Tempelanlage ein hervorragender Spielplatz und ich musste an meine Kindertage zurückdenken. Die Affen hatten natürlich ihren eigenen Pool etwas weiter oben, indem sie herumtollen und miteinander spielen konnten. Dieser Ausflug war ein toller Abschluss für unseren Jaipur Aufenthalt, denn die nächste Herausforderung wartete schon auf uns.
Da wir bei all den Aktivitäten der letzten Wochen unsere Züge etwas spät buchen konnten, hatten wir für den einzigen Nachtzug von Jaipur nach Udaipur nur Plätze auf der Warteliste bekommen. Auch die folgenden Tage waren ausgebucht und wir wollten nicht Geld für weitere Warteplätze ausgeben. So fuhren wir abends zum Bahnhof und wussten nicht, ob wir es in den Zug schaffen würden. In Udaipur gab es einen tollen Wasserpalast, den wir besuchen wollten. Wir hatten bereits eine Unterkunft organisiert, also mussten wir den Zug irgendwie schaffen. Auf dem Bahnhof suchten wir uns in der Wartehalle eine Ecke, in der wir halbwegs zurückgezogen sein konnten, da wir noch 3h Zeit hatten, und wir nicht die Aufmerksamkeit auf uns ziehen wollten. Dies schafften wir allerdings nur bedingt. Jedenfalls musste ich Anja bei unserem Gepäck lassen, während ich nach dem passenden Schalter suchte, der mir eventuell Auskunft über unseren Status geben konnte. Mittlerweile wussten wir zwar, das wir auf der Warteliste nach oben auf Platz 2 und 3 gerutscht waren, allerdings bedeutete es, dass wir immer noch nicht mitfahren konnten. Der Mann am Schalter bestätigte unseren Status, wurde dann allerdings etwas aufbrausend, als ich weiterbohrte, wie wir es in den Zug schaffen könnten. Er sagte, ihm seien die Hände gebunden und er könnte nichts machen. Prima!
Mit dieser Nachricht kehrte ich zu Anja zurück, die mittlerweile wieder einige Blicke auf sich gezogen hatte. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass unsere Laune nicht gerade besonders war. Wir munterten uns aber gegenseitig auf und ließen die Dinge geschehen. Wir erkannten, dass wir nur noch eine Chance hatten. Der Schaffner im Zug hatte die aktuellsten Listen und könnte uns sicher einen Platz zuweisen. Die Zeit bis zur Ankunft des Zuges wollte nicht vergehen. Allerdings lief in der Wartehalle Peter Jackson's "King Kong" und wir schauten gebannt aber auch schmunzelnd den Kampf zwischen King Kong und den 3 Tyrannus Rex mit unseren Indischen Sitznachbarn an.
Als unser Zug nicht planmäßig ankam, spannten sich unsere Geduldsfäden. Mit einer Verspätung von über 30 min traf er dann kurz vor 23 Uhr ein und das wilde Rennen begann, denn wir waren nicht die einzigen Wartegelisteten auf dem Bahnsteig. Wieder ließ ich Anja beim Gepäck und lief die klimatisierten Reisewagen ab. Überall stiegen die Leute ein und drängelten sich mit ihren Gepäckstücken in die Waggons. Vom Schaffner war weit und breit keine Spur. Dabei bemerkte ich, dass es pro Klasse nur einen Waggon gab, was äusserst wenig ist, wenn man bedenkt, dass dies die Haupttouristenzeit und der einzige Zug nach Udaipur war. Es half aber alles nichts. Als ich in einem Waggon ein freies Bett sah, blieb ich davor stehen. Ich sprach einen Zugassistenten an, der mir zuzwinkerte, dass es frei wäre und wir eine Chance hätten. Meine Hoffnung blühte auf. Ich müsste nur mit dem Schaffner sprechen, der genau in diesem Moment aus dem Zug stieg. Er war ein untersetzter Mann mit breitem Scheitel und sein Jacket strahlte Autorität aus. Sofort stürzten sich die Wartenden inkl. mir auf den Mann mit den wichtigen Listen. Alle redeten auf ihn ein und wollten einen Platz erhaschen. Als ich an der Reihe war, nahm er unser Ticket, schaute kurz in seine Liste und schüttelte nur den Kopf. Wir waren nicht bestätigt wurden, womit das Ticket nicht gültig war und wir dürften den Zug auf keinen Fall betreten. Das war alles, was er zu sagen hatte? Ich stand fassungslos da, wollte mich aber nicht geschlagen geben. Wir mussten ja nach Udaipur. So lief ich hinter ihm her und suchte weiter das Gespräch. Er empfahl mir in der einfachsten Klasse nach einem Platz zu fragen, gestand mir aber auch, dass wir in den nächsten Tagen mit dem Zug nicht nach Udaipur kommen würden. Als ich abdrehte, um in der einfachsten Klasse nach Plätzen zu fragen, setzte sich der Zug in Bewegung. Die letzten Fahrgäste sprangen auf. Anja und ich standen nachts in Jaipur auf dem Bahnhof und hatten unseren Zug nach Udaipur nicht bekommen.
Total enttäuscht schauten wir uns an und überlegten, wie wir aus dieser Situation wieder rauskommen würden. Da Vijay, unser Hotelvater, überaus freundlich war und ständig seine Hilfe anbot, riefen wir ihn an und wir konnten eine weitere Nacht in seinem Hotel schlafen. Am Morgen schauten wir nach Optionen. Mit dem Bus würde eine Fahrt über 10 Stunden dauern und wir wären erst in der Nacht gegen 2 Uhr in Udaipur gewesen. Dies hätte wenig Zeit für die Erkundung gelassen, da wir am nächsten Tag weiter nach Mumbai geflogen wären. Auch waren wir nicht sicher, ob es noch freie Plätze gab. Eine weitere Option wäre ein privates Fahrzeug/Taxi gewesen, welches uns die 450 km in 8h Stunden für teures Geld nach Udaipur gebracht hätte. Daher entschieden wir uns, Udaipur komplett außen vor zu lassen und früher nach Mumbai zu fliegen. Es war zwar schade, Udaipur nicht zu sehen, aber die Fahrt dorthin war einfach zu komplex. Wir hätten uns vielleicht ein anders Ziel in Rajasthan aussuchen sollen, aber das konnten wir vorher alles nicht verbereiten. Es gab noch günstige Flüge für den Tag und so brachen wir am Nachmittag auf. Um ehrlich zu sein, genossen wir die Zeit auf dem Flughafen und dann im Flieger. Daher sind wir mittlerweile in Mumbai angekommen. Mit einer Unterkunft hat es hier auch geklappt. Über Mumbai berichten wir dann in den nächsten Tagen, bevor wir nach Goa fliegen und uns von all den Eindrücken und Staedten eine Woche lang am Meer erholen koennen.
Beste Grüße
Anja und Pat
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